Die angestrebte Reform der Fußball-Regionalligen hat einen herben Rückschlag erlitten. Wie der Norddeutsche Fußballverband (NFV) am Montagabend mitteilte, konnte bei der bundesweiten Abstimmung der Vereine aus den fünf Regionalliga-Trägerverbänden kein einheitliches Votum für eines der zur Debatte stehenden Aufstiegsmodelle zur 3. Liga erzielt werden. Damit ist die notwendige Voraussetzung für eine Umsetzung zur Saison 2028/2029 nicht erfüllt.
Regionale Unterschiede verhindern Konsens
Die Ergebnisse der Abstimmung spiegeln die Zerrissenheit der deutschen Fußballlandschaft wider. Während das sogenannte „Kompassmodell“ – eine flexible Staffeleinteilung nach Himmelsrichtungen – im Norden (61,5 Prozent), Westen (60,9 Prozent) und Nordosten (76,3 Prozent) deutliche Mehrheiten fand, stießen diese Pläne andernorts auf Widerstand.
Im Südwesten votierten die Vereine mit einer überwältigenden Mehrheit von 93,1 Prozent für das „Regionenmodell“, welches eine Zusammenlegung der Staffeln Nord, Nordost und Bayern vorsieht. In Bayern hingegen sprach sich eine knappe Mehrheit von 52,4 Prozent dafür aus, die Suche nach Lösungsmodellen fortzusetzen, statt sich auf eines der vorliegenden Konzepte festzulegen. Da die Maßgabe des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) lautete, dass eine Reform nur bei einem einstimmigen Votum aller fünf Regionen umgesetzt werden kann, bleibt das aktuelle System vorerst bestehen.
Kontroverse Begleitumstände und Boykott-Aufrufe
Der Reformprozess war bereits im Vorfeld von erheblicher Kritik begleitet. Unter anderem sorgte der F.C. Hansa Rostock mit einem Boykottaufruf für Aufsehen und bezeichnete den Prozess als nicht mehr „sauber“ und vertrauenszerstörend. Kritisiert wurde insbesondere, dass kurz vor der Abstimmung die Rahmenbedingungen – wie etwa die geplante Anzahl von 20 Mannschaften pro Staffel, die auf 18 reduziert wurde – verändert worden waren. Auch der Zweitligist Dynamo Dresden zog seine bereits eingereichte Stimme zurück, was das Vertrauen in die Entscheidungsfindung weiter erschütterte.
Wie geht es weiter?
Mit dem Ausbleiben einer einheitlichen Entscheidung ist der Prozess der vom DFB eingesetzten Arbeitsgruppe vorerst beendet. Dennoch betonten die Verantwortlichen, dass das Ziel – eine Struktur ohne die ungeliebten Relegationsspiele zur 3. Liga zu schaffen – weiterhin Bestand habe. Die Ergebnisse sollen nun zeitnah mit dem DFB ausgewertet werden, um über das weitere Vorgehen zu beraten.
Uwe Döring, 1. Vizepräsident des Norddeutschen Fußball-Verbandes (NFV), der die digitale Zusammenkunft der norddeutschen Vereine leitete, unterstrich trotz des gescheiterten bundesweiten Kompromisses die Dringlichkeit einer Lösung: „Auch wenn es keine bundesweite Lösung gegeben hat, werden wir uns in den kommenden Wochen erneut dafür stark machen, dass ein zukunftsfähiger Weg gefunden wird.“ Klar ist: Die Forderung nach einer Reform ist nach wie vor groß, doch die Suche nach einem für alle fünf Regionen akzeptablen Kompromiss bleibt eine enorme sportpolitische Herausforderung.
