Lufthoheit: Christian Rave (Todesfelde) kann sich im Kopfballduell gegen Jack Wardius (St.Pauli) durchsetzen. © 2026 Olaf Wegerich
Der SV Todesfelde erwischt einen Traumstart in seine zweite Saison in der Regionalliga Nord. In einem vor allem in der zweiten Hälfte spektakulären Spiel mit acht Toren kann die Mannschaft von Trainer Björn Sörensen vor 795 Zuschauern im JODA-Sportpark dank einer unglaublichen Energieleistung den FC St. Pauli Hamburg mit seiner U23 mit 6:4 (1:1) niederringen. Dabei zeigten die Segeberger ausgeprägte Nehmerqualitäten und eine große Moral in einem wilden Fußballspiel, denn die Gastgeber konnten durch eine unglaubliche Willensleistung nicht nur einen dreimaligen Rückstand egalisieren, sondern das Spiel nach einer unglaublichen Leistungssteigerung sogar noch verdient für sich entscheiden.
Begünstigt wurde die Niederlage der Kiezkicker von einem völlig unnötigen Platzverweis für Nick Schmidt, der sich im Todesfelder Strafraum allzu theatralisch hatte fallen lassen und dafür vom sehr guten Schiedsrichter Jan-Lukas Meyer vom TSV Schwachhausen aus Bremen mit der Ampelkarte vom Platz geschickt wurde.
Tofe zu Umstellungen gezwungen
Der SV Todesfelde musste zum Saisonstart personell einige Veränderungen vornehmen. So hütete Jarmain Ozuzu für Fabian Landvoigt – der sich unter der Woche am Handgelenk bei einem Arbeitsunfall verletzt hatte – das Tor. Ebenso fehlten die angeschlagenen Janek Sternberg und Mats Klüver. Angreifer Jan-Marc Schneider musste wegen einer Erkältung am Sonntagmorgen kurzfristig absagen. Überraschend stand Mirko Boland zunächst nicht in der Startaufstellung.
Bei Pauli 5 Spieler aus dem Profikader dabei
Bei den Gästen, die zehn externe Neuzugänge im Kader dabei hatten – aber auch 16 Abgänge zu verkraften hatten –, fehlte die etatmäßige Nummer Eins im Tor, Niklas Petzsch. Für ihn stand Simon Spari zwischen den Pfosten, der ebenso wie Jannik Robatsch, Nick Schmidt, Haron Sabah und Marwin Schmitz im gestrigen Freundschaftsspiel der Zweitligaprofis beim 2:2 gegen Deportivo La Coruña zu einem Kurzeinsatz kam. Ebenfalls nicht dabei war Rawley St. John, der sich in einem vorherigen Test der Profis verletzt hatte. Neuer Trainer bei der Bundesligareserve der Hamburger ist Alexander Hahn. Der gebürtige Duisburger war zuletzt in den Diensten von Holstein Kiel als Co-Trainer tätig.

Das Spiel im JODA-Sportpark begann mit langen Schlangen vor der Kasse und Sirenengeheul. Nach einem Feldbrand im benachbarten Wittenborn war dort die Feuerwehr mit einem Großeinsatz gefordert.
Ozuzu besteht Bewährungsprobe
Den besseren Start bei besten äußeren Bedingungen erwischten die sehr couragiert und selbstbewusst auftretenden Gäste. Nach handgestoppten 1:42 Minuten prüfte Marwin Schmitz mit einem halbhoch geschossenen Ball Jarmain Ozuzu, der sich aber nicht überlisten ließ und souverän zur Seite klären konnte.
Pauli mit starkem Beginn
Nur zwei Minuten später verpasste Marco Drawz eine flache Hereingabe von Noel Denis nur haarscharf. Richtig brenzlig wurde es nur vier Minuten später, als die Gastgeber eine hohe Hereingabe nur mit Mühe geklärt bekamen.
Nach einem langen Ball von der Mittellinie musste Torhüter Ozuzu (16.) gegen Nick Schmidt weit vor dem Strafraum Kopf und Kragen riskieren, um den Ball per Kopfball aus der Gefahrenzone zu befördern.
Die Gastgeber zeigten sich zwar sichtlich bemüht, aber so richtig gelingen wollte ihnen in ihrer neuen Formation zunächst nur sehr wenig. Die U23 der Kiezkicker war in dieser Phase deutlich sicherer am Ball, entschlossener in den Zweikämpfen und die wesentlich aktivere Mannschaft.

Sabah mit dem Führungstreffer
Folgerichtig brachte Haron Sabah (18.) – nachdem er zuvor zwei Gegenspieler nahezu mühelos ausgespielt hatte und dann mit einem satten Flachschuss ins rechte untere Eck erfolgreich war – die Kiezkicker in Führung.
Tofe hatte bis dahin nicht viel entgegenzusetzen und mühte sich um einen geordneten Spielaufbau, doch mit zunehmender Spieldauer gewannen die Gastgeber an Sicherheit und kamen ihrerseits zu einigen Chancen.
Tofe kommt besser ins Spiel, bleibt aber anfällig
Zunächst scheiterte Ben Jablonski (25.) nach einer schönen Einzelleistung mit einem Distanzschuss nur knapp, und drei Minuten später verzog Noel Denis nach einem präzisen Diagonalball von Christian Rave aus halblinker Position ebenfalls nur um Millimeter am Tor vorbei.
Aber auch St. Pauli blieb bei seinen oft überfallartigen Angriffen stets hochgefährlich, und Spielführer Kenan Aydin (33.) verpasste nach einem Slalomlauf durch die Tofe-Abwehr nur knapp den zweiten Treffer.
Trotz der sommerlichen Temperaturen nahm das Spiel immer mehr an Fahrt auf, und nach einem langen Ball von Pawel Erfmann rutschte der schnelle Noel Denis nur knapp am Ball vorbei.

Petrick trifft zum Ausgleich
Doch die Gastgeber konnten noch vor der Pause ausgleichen. Nach einer Flanke von der rechten Seite landete der Ball bei Benjamin Petrick (44.), der aus gut zwölf Metern mit einem Flachschuss in die linke untere Ecke zum 1:1 traf. Gemessen an den Spielanteilen ein eher schmeichelhaftes Pausenremis für die Gastgeber, aber betrachtet man die Anzahl der Torchancen, ist es nicht unverdient.

Boland kommt und Körting mit Eigentor
Zur Halbzeit kam bei den Gastgebern Mirko Boland, der in der ersten Halbzeit noch tatenlos auf der Bank schmoren musste. Doch der zweite Durchgang begann für die Gastgeber maximal unglücklich, denn nach einer flachen Hereingabe von der linken Seite unterlief Tyler Körting (53.) beim Klärungsversuch ein mehr als unglückliches Eigentor. Damit hatten die Gäste wieder vorgelegt, doch drei Minuten zuvor hatte Benjamin Petrick auf der Gegenseite nach einem langen Ball mit einem Lupfer noch die erstmalige Führung verpasst.
Petrick trifft erneut zum 2:2-Ausgleich
Doch die Gastgeber blieben weiter auf dem Gaspedal, und nach einer Flanke von der linken Seite, die zunächst noch auf der Linie geklärt werden konnte, erzielte Benjamin Petrick (55.) im Nachsetzen mit einem Kopfballtreffer den 2:2-Gleichstand.

Wardius trifft für Pauli
Doch die Freude über den Ausgleich hielt nicht lange, denn die kalte Dusche folgte prompt: Nach einem langen Ball traf Jack Wardius (56.) gegen allzu sorglose Gastgeber zur erneuten 2:3-Führung.
Jetz trifft zum 3:3
Doch der Wahnsinn ging weiter und fand kein Ende, denn Lasse Jetz (60.) traf nur vier Minuten später aus dem Gewühl in einem vogelwilden Spiel zum inzwischen mehr als verdienten 3:3-Ausgleichstreffer. Vier Treffer in nur sieben Minuten! Das Spiel hatte viel zu bieten und es ging bei vollem Tempo weiter.

Schmidt mit Ampelkarte runter
Doch dann leistete der Hamburger Nick Schmidt (62.) bei dem Versuch, mit einer Schwalbe im Strafraum einen Elfmeter zu provozieren, seiner Mannschaft einen Bärendienst, den Schiedsrichter Jan-Lukas Meyer nach einem vorherigen Foulspiel mit der Ampelkarte quittierte. Die Hamburger mussten fortan mindestens 30 Minuten in Unterzahl überstehen.
Die Gastgeber übernahmen jetzt mehr die Kontrolle über das Spiel, mussten dabei aber höllisch aufpassen, in keinen Konter zu laufen.

Geniestreich von Rave bringt die erstmalige Führung durch Boland
Angetrieben vom begeisterten Publikum setzten die Hausherren alles auf eine Karte und wurden mit der erstmaligen Führung belohnt: Christian Rave hatte mit einem langen Ball aus der eigenen Hälfte Moritz Grosche auf die Reise geschickt, dessen flache Hereingabe Mirko Boland (70.) in bester Torjägermanier zum 4:3 über die Linie drückte.
Doch damit war das packende Spiel noch lange nicht entschieden, denn der eingewechselte Justin Cloppatt konnte nur mit letztem Einsatz einen Torschuss des ebenfalls spät eingesetzten Joris Bente (76.) zur Ecke klären.

Wenig später war Benjamin Petrick nach einem hohen Bein gegen Lucas Schulze, den er im Eifer des Gefechts unbeabsichtigt in Schulternähe traf, mit einer Gelben Karte gut bedient und wurde kurz darauf für Morten Liebert ausgewechselt. Aber der Eckernförder hatte mit zwei Toren ohnehin beste Werbung in eigener Sache gemacht und durfte sich den verdienten Beifall des Publikums bei seiner Auswechslung abholen.
Pauli trifft in Unterzahl durch Aydin zum 4:4
Aber der Nachwuchs der St. Paulianer gab sich auch in Unterzahl noch längst nicht geschlagen. Nach einem ruhenden Ball auf Höhe der Mittellinie war die Abwehr der Gastgeber erneut ausgehebelt und Kenan Aydin (80.) konnte in dem Wahnsinnsspiel mit einem Kopfballtreffer tatsächlich noch den 4:4-Ausgleich erzielen.

Boland-Treffer sorgt für Ekstase
Doch in numerischer Überzahl behielt der SV Todesfelde auch in den Schlussminuten einen kühlen Kopf und wurde für seine gnadenlose Effizienz reich belohnt: Nach einem von Marco Drawz aus halbrechter Position raffiniert getretenen Freistoß traf der nur 1,74 Meter große Mirko Boland zum viel umjubelten 5:4 für die Gastgeber. Auch für den 39-jährigen Ausnahmespieler in den Reihen der Segeberger war es der zweite Treffer des Tages.
St. Pauli versuchte in der fünfminütigen Nachspielzeit zwar immer wieder, mit hohen Bällen zum Erfolg zu kommen, doch zu Abschlüssen reichte es nicht mehr.
Liebert setzt den Schlusspunkt
Den Schlusspunkt unter ein denkwürdiges Spiel, das zumindest aus Sicht der Gastgeber in die Geschichtsbücher eingehen wird, setzte Morten Liebert (90.+4) nach einem Konter mit seinem Treffer zum 6:4-Endstand. Nette Begleiterscheinung, aber noch ohne sportliche Aussagekraft: Der SV Todesfelde belegt in der Regionalliga nach dem 1. Spieltag den 3. Platz. So erfolgreich waren die Segeberger noch nie.

Stimmen zum Spiel
- SV Todesfelde: Ozuzu – Achtenberg (63. Cloppatt), Körting, Rave – Jetz, Erfmann, Jablonski (46. Boland), Grosche (86. Soares) – Drawz, Denis (90.+4 Odiase) – Petrick (81. Liebert).
- Trainer: Björn Sörensen.
- FC St. Pauli U23: Spari – Schulze, Robatsch (46. Moser), Westphal (79. Kaba) – Zonga (46. Goguadze), Weber, Schmitz (71. Alassani), Aydin – Schmidt, Sabah (63. Bente) – Wardius.
- Trainer: Alexander Hahn.
- Schiedsrichter: Jan-Lukas Meyer (TuS Schwachhausen) mit einer starken Leistung, ganz dem Spektakel angemessen.
- Assistenten: Noah Müller und Burak Kücüközarslan.
- Gelb-Rote Karte: Nick Schmidt (62., FC St. Pauli) wegen unsportlichen Verhaltens.
- Zuschauer: 795 im JODA-Sportpark in Todesfelde.
- Tore: 0:1 Haron Sabah (18.), 1:1 Benjamin Petrick (44.), 1:2 Tyler Körting (53., Eigentor), 2:2 Benjamin Petrick (55.), 2:3 Jack Wardius (56.), 3:3 Lasse Jetz (59.), 4:3 Mirko Boland (70.), 4:4 Kenan Aydin (80.), 5:4 Mirko Boland (87.), 6:4 Morten Liebert (90.+4).
