Zusammen mit dem SC Weiche Flensburg. © privat
Gibt man Paul & Harry in eine digitale Suchmaschine ein, stößt man schnell auf ein britisches Comedy-Duo.
Insider der hiesigen Oberligaszene denken jedoch eher an Paul Eberhardt vom PSV Neumünster und Henry („Harry“) Grothkopp vom TuS Rotenhof, die über acht Jahre gemeinsam in der Jugend bei Holstein Kiel und Weiche 08 Flensburg gespielt haben.
Beide noch jungen Spieler des Jahrgangs 2003 sind bereits gestandene Oberligaspieler. Paul zählt mit bereits über 100 Spielen in der höchsten Landesklasse beim PSV Neumünster zu den Stützen in der Defensive einer Spitzenmannschaft in der Belle Étage des schleswig-holsteinischen Fußballs; Harry, mit knapp 50 Oberligaspielen, kann endlich verletzungsfrei auflaufen und bewies mit zwei Toren in drei Spielen, was bei optimalen Bedingungen alles möglich ist.

Harry kickte in ganz jungen Jahren beim Rendsburger TSV gemeinsam mit Tom Rothe (heute Union Berlin), beide zusammen mit Jannic Ehlers bei Holstein Kiel (heute SV Meppen).
„Paul ist ein toller Mensch und Fußballer – ein Spieler, wie ihn sich jeder Trainer wünscht. Ein wahnsinnig positiver, intelligenter und extrem zuverlässiger junger Mann, der für sein Alter eine auffällige Reife mitbringt. Glücklicherweise kann er auch noch hervorragend Fußball spielen, was im Trainerteam und in der Mannschaft hohe Anerkennung findet.“ (Nils Voos, Trainer von Paul beim PSV)
„Harry ist ein super Typ und passt perfekt zum TuS! Er hat sich in den letzten Monaten toll entwickelt und kann den Unterschied ausmachen. Zu seinen technischen Fähigkeiten und seiner Spielfreude kommt jetzt auch step by step das Verständnis dazu, in welchen Räumen er das ausleben kann und wo es gefragt ist, klar und einfach zu bleiben. Schön, dass er bei uns ist.“ (Henning Knuth, Trainer von Harry beim TuS)
Am Wochenende stehen sich die beiden Vereine bereits zum zweiten Mal in dieser jungen Saison in einem Pflichtspiel gegenüber, nachdem der PSV den TuS mit 3:0 im Achtelfinale des Landespokals besiegt hatte. Am kommenden Sonnabend geht es ab 14:00 Uhr in Rendsburg an der Fockbeker Chaussee um Punkte. Leider steht nur Harry im Kader, da sich Paul in der Vorbereitung eine Sprunggelenksverletzung zugezogen hat und immer noch nicht spielfähig ist.
Youkick-Redakteur Hans-Hermann „Hermi“ Lausen hat mit beiden äußerst sympathischen Kickern ein Interview geführt:
Wie ist dein Fazit nach drei Spielen und was sind deine persönlichen Ziele für die Saison?
Paul: Da ich mich bereits vor Saisonstart verletzt habe, ist es sehr ärgerlich, weil ich bei Spielen wie gegen den VfR und auch dem kommenden Spiel gegen den TuS nicht dabei sein kann. Daher möchte ich schnell wieder fit sein und dann unbeschadet die Saison überstehen. Zu oft vergisst man, dass man sich glücklich schätzen sollte, wenn man verletzungsfrei ist und Fußball spielen darf.
Harry: Wir haben nach drei Spielen vier Punkte geholt, zwar gegen Mannschaften, gegen die man punkten kann oder sollte, aber alles in allem bin ich zufrieden. Ich habe Spielzeit bekommen und mit zwei Toren schon mehr als letzte Saison erzielt. Den Kreispokalsieg holen und frühzeitig den Klassenerhalt sichern, damit wir nicht bis zum Ende der Saison zittern müssen, das wäre schön. Persönlich möchte ich möglichst viel Spielzeit bekommen und verletzungsfrei bleiben.
„The Drug is football“ – was bedeutet der Satz für dich?
Paul: Als Erstes fallen mir Begriffe wie abhängig und Sucht ein. Das ist beim Fußball so, man kann halt ohne Fußball nicht leben, selbst wenn man verletzt ist, läuft man über irgendwelche Fußballplätze. Fußball wird immer ein Teil meines Lebens sein, auf und neben dem Platz.
Harry:Fußball ist wie eine Droge. Bei uns allen dreht sich doch alles um den Fußball – ob Training, Spiel am Wochenende oder unter der Woche im Kreispokal oder bei Freunden oder Geschwistern zugucken –, das ganze Leben dreht sich um Fußball. Auch mit der Freundin zu Hause über Fußball reden – egal mit wem du redest, Fußball ist immer ein Thema und Fußball ist etwas Schönes.
Was gefällt dir sportlich und menschlich besonders an Harry / Paul?
Paul: Harry ist einfach ein guter Typ – auf und neben dem Platz. Sportlich kreiert er Situationen, mit denen der Gegenspieler nicht rechnet – im Eins-gegen-eins und auch beim Abschluss. Zudem ist Harry für die Kabine unheimlich wichtig, weil er immer gute Stimmung verbreitet, Bock auf einen Witz hat und das Grinsen bei anderen herausholt. Das hat er die letzten Jahre immer beibehalten.
Harry: Bei Paul – ich glaube, wir haben sechs Jahre bei Holstein und zwei bei Weiche zusammengespielt – konnte ich mir immer etwas abgucken. Er war immer da, hat nie den Kopf in den Sand gesteckt, auch in schlechten Zeiten nicht. Er war sechs bis sieben Jahre mein Kapitän und hatte für mich eine Vorbildfunktion. Paul ist ein feiner Kerl, der auch ein richtiger Freund für mich war, mit Bolzen in der Freizeit und am Wochenende bei dem anderen übernachten.

Paul zeichnet sich durch seine Ruhe am Ball aus. Selbst in brenzligen Situationen versucht er, eine spielerische Lösung zu finden, um seine Mitspieler bestmöglich in Szene zu setzen. Zudem schätze ich seinen unbedingten Willen. Das zeigt sich auch dadurch, dass er zusätzlich viel investiert, um das Bestmögliche zu erreichen.
Was war bisher dein sportliches Highlight in deiner Karriere und gab es einen Tiefpunkt?
Paul: Auf jeden Fall das Halbfinale im Landespokal zu Hause gegen den VfB Lübeck – positiv wie negativ. So kurz vor dem Einzug ins Finale gegen den VfB Lübeck, zu Hause vor einer großen Kulisse, das kann man so schnell nicht wiederholen. Ich habe selbst einen Elfmeter verwandelt. Wir standen so nah dran, hatten alles in der Hand und haben dann doch verloren. Aus dieser Perspektive dann auch ein Tiefpunkt.
Harry: Ich bin dankbar, dass ich in der Jugend so gefördert wurde und gegen namhafte Teams spielen durfte. Und jetzt spiele ich in der Oberliga, im Landespokal, habe den Kreispokal gewonnen. Ich bin ja erst 23 Jahre alt und habe schon so viel in meiner Karriere erlebt. Absoluter Tiefpunkt war meine kurze Zeit in der U17 von Halle. Danach habe ich sogar kurz mit dem Fußball aufgehört, weil es mir keinen Spaß mehr gemacht hat.
Was erinnert euch an die gemeinsame Zeit bei Holstein Kiel?
Paul: Ich erinnere mich besonders an die Auswärtsfahrten mit den Übernachtungen. Wir haben viel Zeit auch neben dem Platz miteinander verbracht und es war cool, so viele kennenzulernen und mit den guten Jungs die Zeit zu verbringen. Harry hat da eine besondere Rolle gespielt. Das verbindet fürs ganze Leben.
Harry: Wir haben nicht nur Fußball zusammengespielt, wir waren auch dicke Freunde. Ich erinnere mich an die schöne gemeinsame Zeit, in der wir viel gelacht und geschnackt haben. Es war immer schön, mit Paul zusammenzuspielen.
Was reizt dich am ehesten – Trainer, Schiedsrichter oder Hooligan oder …?
Paul: (lacht) Ganz klar Trainer, Schiedsrichter würde ich mir nicht zutrauen. Auf dem Platz die Entscheidungen treffen, ich bin echt froh, Kollegen zu haben, die das machen, und ziehe den Hut vor deren Leistung. Ich verfolge eine klare Idee beim Fußball und traue mir auch zu, diese später als Trainer weiterzugeben. Aber erst einmal möchte ich, solange es geht, auf dem Platz stehen.
Harry:(puh) Am ehesten Trainer, aber erst einmal eine Pause machen und einfach nur Fußball gucken als Sympathisant, nicht als Hooligan, Freunden beim Fußballspielen zugucken.

Was möchtest du noch sportlich erreichen, damit du mit 30 Jahren sagen kannst, das war eine erfolgreiche Zeit als Fußballer?
Paul: Ehrlich gesagt denke ich da nicht langfristig. Ich denke eher von Tag zu Tag und es ist schwer für mich, das große Ziel zu definieren. Ich bin schon jetzt dankbar dafür, dass ich so viele Menschen kennengelernt habe und Spiele wie gegen den VfB Lübeck erlebt habe. Davon wird es sicher noch einige Spiele geben, egal welche, an die ich mich dann später gerne erinnere. Ich genieße die Zeit als Fußballer jetzt, denn sie ist ja endlich.
Harry:Ich lasse das auf mich zukommen. (überlegt) Noch mal mit Rotenhof oben in der Oberliga mitspielen, noch einmal aufsteigen oder einen Pokal gewinnen, vielleicht sogar den Landespokal und einmal DFB-Pokal spielen, das wäre schön. Aber ich bin stolz auf das, was ich bisher erreicht habe, und zufrieden mit dem Hier und Jetzt.
Was tippst du für das Wochenende?
Paul: Es ist immer nicht leicht gegen Rotenhof, ich hoffe jedoch auf einen Sieg für uns.
Harry:Ich hoffe auf ein knappes 2:1 für uns.
