Mission Regionalliga erfüllt: Seriöser SV Todesfelde feiert den Aufstieg in Bremen

von Ismail Yesilyurt

Steigt zum zweiten Mal mit dem SV Todesfelde in die Regionalliga auf – Trainer Björn Sörensen hatte seine Mannschaft gut eingestellt auf die Germania. © 2026 Olaf Wegerich


Der schleswig-holsteinische Meister SV Todesfelde hat die Nerven behalten! Am dritten und alles entscheidenden Spieltag der Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord behielten die Segeberger im Bremer BRZ-Stadion kühlen Kopf. Nach der wilden 3:5-Niederlage gegen den Eimsbütteler TV unter der Woche präsentierte sich die Mannschaft von Trainer Björn Sörensen diesmal von ihrer absolut seriösen Seite: Mit einem hochverdienten 2:0-Erfolg über den niedersächsischen Vizemeister 1. FC Germania Egestorf-Langreder sicherte sich das Team den zweiten Tabellenplatz und begleitet den ETV nach einem Jahr Abstinenz wieder zurück in die vierthöchste deutsche Spielklasse.

Vor rund 300 Zuschauern im BRZ-Stadion von Bremen-Oberneuland ließen die Blau-Gelben von der ersten Sekunde an keinen Zweifel daran aufkommen, wer dieses Endspiel als Sieger verlassen würde. Keine 60 Sekunden waren gespielt, als Ex-Profi Mirko Boland das Leder mit viel Übersicht perfekt in den Strafraum auf den durchstartenden Morten Liebert chipte. Todesfeldes Torjäger zögerte in aussichtsreicher Position jedoch einen kurzen Moment zu lange und suchte den Rückpass zum Mitspieler, anstatt selbst den Abschluss zu wählen. Nur vier Minuten später zappelte fast der nächste Ball im Netz: Janek Sternberg schlug eine maßgenaue Flanke ins Zentrum, wo Liebert völlig blank zum Kopfball kam, den Ball jedoch knapp neben den Kasten setzte.

Taktisch reife Leistung gegen das Pressing der Germania

Nach diesem furiosen Beginn der Sörensen-Elf entwickelte sich eine intensiv geführte, taktisch hochinteressante Partie. Während Germania Egestorf-Langreder – unermüdlich angetrieben von Coach Boris Besovic – phasenweise extrem hoch presste und im Spielaufbau fast ausschließlich auf lange Bälle setzte, wählte der SVT die spielerische Variante. Die Segeberger versuchten konsequent, sich mit flüssigen, sicheren Kombinationen flach aus dem gegnerischen Angriffspressing zu befreien. Die Niedersachsen kamen in der 6. Spielminute lediglich zu einer nennenswerten Gelegenheit im Gewühl, als der Ball jedoch zwei bis drei Meter neben den Pfosten trudelte.

Pavel Erfmann (SV Todesfelde) funktionierte besser als Schnittstelle auf der Sechs als zuletzt. © 2026 Olaf Wegerich
Pavel Erfmann (SV Todesfelde) funktionierte besser als Schnittstelle auf der Sechs als zuletzt. © 2026 Olaf Wegerich

Danach übernahm „Deathfield“ kurz wieder komplett das Kommando. In der 30. Minute profitierte der SVT von einem Fehler der Germania, als Ballerstedt auf der linken Außenbahn wegrutschte. Max Musci, der den Verein im Sommer Richtung Altona zu Victoria Hamburg verlassen wird, schaltete blitzschnell und bediente Sternberg im Zentrum. Dessen vermeintlicher Führungstreffer wurde von Egestorfs Lasse Denker im allerletzten Moment mit einer spektakulären Aktion zur Ecke geklärt.

Beim anschließenden Eckstoß (31.) herrschte helle Aufregung im Strafraum: Die Todesfelder reklamierten Handspiel, als ein niedersächsischer Feldspieler einen Schuss vor dem eigenen Torwart über die Latte lenkte. Die Pfeife von Schiedsrichter Tom Holsten blieb jedoch stumm. Auch der daraus resultierende Eckball brachte Gefahr: Jan-Marc Schneider legte den Ball clever auf den umsichtigen Spielmacher Boland ab, der das Spielgerät allerdings aus zehn Metern allerdings in die zweite Etage jagte.

Das torlose Unentschieden zur Pause spiegelte den Spielverlauf von den Möglichkeiten nur bedingt wider. Das klare Chancenverhältnis von 5:1 sprach eine eindeutige Sprache für den SV Todesfelde, dessen Defensivverbund im Vergleich zum Eimsbüttel-Spiel um Längen stabiler stand.

Doppelter Kopfball-Jubel erlöste die mitgereisten SVT-Fans

Die zweite Halbzeit begann für die Schleswig-Holsteiner mit einem gehörigen Schreckmoment. In der 49. Minute rutschte ein gefährlicher Distanzschuss von Denker SVT-Keeper Fabian Landvoigt über die Fäuste und klatschte krachend an die Querbalken-Unterkante – das nötige Quäntchen Glück für den Meister. Fast im Gegenzug parierte Egestorfs Schlussmann Hacke einen gefährlichen Versuch von Musci zur Ecke (51.).

Die darauffolgende Szene brachte in der 52. Minute schließlich die hochverdiente Erlösung für die mitgereisten Fans: Der Angriff schien eigentlich schon abgewehrt, doch der an diesem Tag überragende Tyler Körting erlief sich den Ball an der linken Torauslinie mit großem Einsatz noch einmal und schlug eine butterweiche Flanke an den Fünfmeterraum. Dort köpfte Kapitän Mats Klüver den Ball unhaltbar zum viel umjubelten 1:0 ins kurze Eck ein.

Mats Klüvers (am Ball, SV Todesfelde) Führungstreffer war sehr erlösend. © 2026 Olaf Wegerich
Mats Klüvers (am Ball, SV Todesfelde) Führungstreffer war sehr erlösend. © 2026 Olaf Wegerich

Egestorf-Langreder steckte trotz des Rückschlags nie auf und agierte im zweiten Durchgang spürbar spielerischer, offenbarte im letzten Drittel jedoch genau jene Ideenlosigkeit und mangelnde Durchschlagskraft, die bereits die gesamte Aufstiegsrunde der Niedersachsen überschattet hatte. Die beste Ausgleichschance vergab Milan, dessen abgefälschter Schuss durch die Beine von Landvoigt nur das Außennetz spannte (57.).

In der packenden Schlussphase verpasste es Todesfelde zunächst, den Sack vorzeitig zuzumachen. Der eingewechselte Jan-Marc Schneider scheiterte bei einer Doppelchance unglücklich am Aluminium (72.), und auch Felix Drawz vergab kurz vor dem Ende vor dem Tor (88.). Die endgültige Entscheidung besorgte schließlich der Vorbereiter des Führungstreffers höchstselbst: Nach einer Ecke von der linken Seite stieg Tyler Körting in der 89. Minute am höchsten und drückte den Ball aus drei Metern zum 2:0-Endstand über die Linie. Danach brachen beim SVT alle Dämme.

Neben guter Abwehrarbeit auch Torschütze - Tyler Körting (SV Todesfelde). © 2026 Olaf Wegerich
Neben guter Abwehrarbeit auch Torschütze – Tyler Körting (SV Todesfelde). © 2026 Olaf Wegerich

„Jetzt geht die Arbeit erst richtig los“

Nach dem Schlusspfiff und den ersten Bierduschen zeigte sich Todesfeldes sichtlich emotionaler Präsident Holger Böhm überglücklich, vergaß dabei aber nicht den sportlichen Respekt vor dem Gegner: „Ich denke mal, wenn man die komplette Aufstiegsrunde sieht, ist das verdient, bis hoch verdient. Wir haben daraus gelernt und haben heute die ersten zehn Minuten richtig gut gespielt. Wobei man sagen muss, dass die Niedersachsen wirklich bis zur letzten Minute Gas gegeben haben, obwohl sie da eigentlich schon gar nichts mehr hätten erreichen können, aber volles Rohr gegengehalten haben und, da auch das verdient mal Anerkennung, für Germania. Und, ja, wir sind froh und glücklich, dass wir aufgestiegen sind. Jetzt geht die Arbeit erst richtig los und, wollen wir mal schauen.“

Nicht nur bei den Todesfeldern herrschte große Freude. Auch der VfB Lübeck II (Aufstieg in die Oberliga), Türkischer SV Lübeck (in die Landesliga) und SSC Hagen Ahrensburg II (Aufstieg in Verbandsliga) profitieren vom Aufstieg des SV Todesfelde durch den zusätzlichen freigewordenen Platz in den entsprechenden Spielklassen.

Weitere Stimmen

Verteidiger Christian Rave, der eine Konstante war in der Aufstiegsrunde:
„Ein souveräner und verdienter Sieg heute in Oberneuland. Meister müssen aufsteigen!!! Heute ist alles egal, was in den letzten Wochen war. Die Mannschaft hat sich das einfach verdient. Alle haben doch nur gelächelt, als wir mit dem Ziel Wiederaufstieg in die Saison gestartet sind und nun sind wir da. Heute reißen wir alles ab.“

Keeper Fabian Landvoigt:
„Das heutige Spiel war bis auf 15 Minuten in der ersten Halbzeit ein solides Spiel von uns. Was wir am Ende auch verdient gewonnen haben. Und auch über die ganze Saison über hinaus ist der Aufstieg in die Regionaliga hochverdient! Für mich persönlich ist es natürlich wieder ein tolles Gefühl, mit der Truppe in der 4. Liga zu spielen. Gerade, weil man auch einmal mehr an seine Leistungsgrenze als Torwart kommen darf und muss – was ich persönlich spannend finde. Freue mich sehr darauf.“

Max Musci, der zu Victoria Hamburg wechselt und bei seiner Auswechslung von allen auf dem Feld umarmt wurde:
„Unglaublich, der perfekte Abschluss. Heute hat die Mannschaft gezeigt, warum sie in die Regio gehört. Den Gegner niedergespielt und niedergekämpft. Sehr emotionaler Tag. Einfach geil!“

Heiko Spiering ( Geschäftsführer SV Todesfelde)
Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord

Spielplan

  • SV Todesfelde – Blumenthaler SV 2:0
  • Germania Egestorf-Langreder – Eimsbütteler TV 1:4
  • Eimsbütteler TV – SV Todesfelde 5:3
  • Blumenthaler SV – Germania Egestorf-Langreder 3:2
  • Eimsbütteler TV – Blumenthaler SV 6:0
  • Germania Egestorf-Langreder – SV Todesfelde 0:2

Tabelle

Platz Verein Punkte Tore
1. Eimsbütteler TV 9 15:4
2. SV Todesfelde 6 7:5
3. Blumenthaler SV 3 3:10
4. Germania Egestorf-Langreder 0 3:9

ähnliche Artikel

Consent Management Platform von Real Cookie Banner