Todesfelde in Eimsbüttel im Tiefschlaf – Defensive nicht vorhanden beim 3:5

von Ismail Yesilyurt

Christian Rave (SV Todesfelde) war noch einer der besseren in einer Defensive des Gesamtteams mit der Note sechs. © 2026 Volker Schlichting


Viel schlechter kann eine Partie im Kampf um den Aufstieg in die Regionalliga Nord kaum beginnen. Schon nach zehn Minuten lag der SV Todesfelde im Duell der beiden Auftaktsieger beim Eimsbütteler TV (ETV) mit 0:2 im Hintertreffen. In der richtungsweisenden Begegnung in der Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord vor 2046 Zuschauern wurde schnell offensichtlich: Die Schleswig-Holsteiner offenbarten in der Verteidigung eklatante Lücken, die an diesem Tag kaum Regionalligaformat, geschweige denn gehobenes Oberliganiveau besaßen.

Die Gastgeber, bei denen Trainer Can Schultz die gleiche Startformation wie beim 4:1 im Spiel bei Egestorf aufs Feld schickte, aus Hamburg durften ihre Treffer viel zu einfach herausspielen, was im weiteren Verlauf zu einem zwischenzeitlich schier unglaublichen 0:4-Rückstand aus Sicht der Gäste führte. Möglicherweise war die spürbare Verunsicherung in der Todesfelder Hintermannschaft dem frühen Nackenschlag geschuldet: Tom Politz dribbelte sich bereits in der 3. Spielminute ungehindert in den Strafraum und traf präzise ins kurze Eck zur Hamburger Führung. Kaum hatte sich die Elf von Trainer Björn Sörensen gesammelt, fiel auch schon das zweite Tor für die Hansestädter. Toralf Hense erlief einen Steilpass und schloss aus rund 16 Metern erfolgreich zum 2:0 ab (10.). Nach einer knappen Viertelstunde verpasste Jasper Hölscher mit einem ungenauen Abschluss sogar nur knapp das vorzeitige 3:0.

Defensiv-Defizite führen zum klaren Pausenrückstand

Ein erstes offensives Lebenszeichen der Todesfelder gab es in der 19. Minute zu verzeichnen. Nach einem Vorstoß in den Hamburger Sechzehner konnte ETV-Verteidiger Samuel Olayisoye jedoch im allerletzten Moment den Druck aus dem Abschluss von Jan-Marc Schneider nehmen, sodass die Situation geklärt wurde. Auf der Gegenseite hatte der SVT in der 31. Minute mächtig Fortune, als Max-Adrian Mbodje den Ball von der Strafraumgrenze mit seinem schwächeren Fuß hauchdünn am rechten Pfosten vorbei setzte. Nur zwei Minuten später verhinderte Christian Rave mit einem beherzten Einsatz am Torraum gegen Mbodje Schlimmeres.

Für Benjamin Petrick (SV Todesfelde), umringt von der ETV-Meute, und Co gab es in Abschnitt eins kaum ein Durchkommen. © 2026 Volker Schlichting
Für Benjamin Petrick (SV Todesfelde), umringt von der ETV-Meute, und Co gab es in Abschnitt eins kaum ein Durchkommen. © 2026 Volker Schlichting

In der 35. Minute folgte jedoch die nächste anfängerhafte Abwehraktion der Todesfelder: Bei einem simplen Ball in die Tiefe stimmte das Zuordnungsverhältnis in einem Zwei-gegen-Zwei überhaupt nicht. Der lachende Dritte war ETV-Kraftpaket Mbodje, der die Kugel aus 16 Metern eiskalt an SVT-Keeper Fabian Landvoigt vorbei zum 3:0 in die Maschen schob.

Das Zwischenfazit zur Pause fiel ernüchternd aus: Todesfelde offenbarte viel zu große Abstände zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen – sowohl in der vertikalen als auch in der horizontalen Staffelung. Es mangelte an Abstimmung, Timing und der nötigen defensiven Aggressivität. Die kompakt verteidigenden Gastgeber hingegen agierten in allen Mannschaftsteilen hochfokussiert, schalteten schnell sowie schnörkellos nach vorne um und überrannten den SVT im ersten Durchgang regelrecht.

Kabinenpredigt, Platzverweis und eine turbulente Aufholjagd

In der Halbzeitpause wurde es in der Todesfelder Kabine verständlicherweise laut. Die deutlichen Worte zeigten Wirkung, zumal Björn Sörensen auch taktisch Anpassungen vornahm: Er beorderte Benjamin Petrick auf die rechte Mittelfeldseite, während Jan-Marc Schneider fortan in der Sturmspitze agierte. Die Gäste starteten spürbar engagierter und druckvoller in den zweiten Spielabschnitt.

Dennoch holte die anfällige Defensive den SVT in der 53. Minute erneut ein. Mbodje konnte seinen Abschluss zwar nicht platziert genug setzen, sodass Landvoigt parierte, doch nur fünf Minuten später war der Bann gebrochen: Toralf Hense verwertete einen Querpass mühelos zum bitteren 4:0 (58.).

Mirko Boland (SV Todesfelde) mit einem Schuss, der abgeblockt wird. © 2026 Volker Schlichting
Mirko Boland (SV Todesfelde) mit einem Schuss, der abgeblockt wird. © 2026 Volker Schlichting

Wenigstens bewiesen die Segeberger in der Folge Moral und wehrten sich gegen ein drohendes Debakel. Morten Liebert nutzte nach knapp einer Stunde einen Fehler in der Hamburger Hintermannschaft und verkürzte auf 1:4 (61.). In der 67. Minute bot sich Schneider nach einem Zuspiel von Mirko Boland aus kürzester Distanz ein Riesenhochkaräter. Sein zu zentraler Schuss wurde zwar von ETV-Schlussmann Aboubakar Fofana pariert, doch beim Rettungsversuch grätschte Farid Dibamba den Todesfelder Angreifer ungestüm um. Die Konsequenz: Elfmeter für den SVT und Gelb-Rot für Dibamba. Liebert trat an und verwandelte den Strafstoß sicher zum 2:4 (69.).

Schülerhafte Fehler bremsen den SVT aus – Hoffnung bleibt bestehen

In Überzahl blieben die Schleswig-Holsteiner zwar spielbestimmend, ließen in den Offensivaktionen jedoch die letzte Zwingendheit vermissen. Stattdessen machten sich die Gäste das Leben hinten selbst wieder schwer: Das 2:5 war sinnbildlich für diesen gebrauchten Defensivtag der Gelb-Blauen. Nach einem katastrophalen Fehlpass vor dem eigenen Strafraum glich die Abwehr einem aufgescheuchten Hühnerhaufen, der dem Ball nur noch hinterherlaufen konnte. Jasper Hölscher bedankte sich und bestrafte den Schnitzer eiskalt mit dem fünften Hamburger Treffer (79.).

Wie gut aus Todesfelder Sicht, dass zumindest das Angriffsspiel in der Schlussphase funktionierte. Nur zwei Minuten später steckte Mirko Boland die Kugel stark auf Schneider durch, der das Leder energisch mit in den Strafraum nahm und humorlos hoch im kurzen Eck zum 3:5-Endstand versenkte (81.).

Jan-Marc Schneider (SV Todesfelde), hier gegen Juri Marxen (in rot, Eimsbütteler TV), gelang ein schönes Tor. © 2026 Volker Schlichting
Jan-Marc Schneider (SV Todesfelde), hier gegen Juri Marxen (in rot, Eimsbütteler TV), gelang ein schönes Tor. © 2026 Volker Schlichting

Einen späten Kopfball des eingewechselten Noah Awuku in der Schlussminute parierte Fofana stark. In der üppigen, zehnminütigen Nachspielzeit unter der Leitung von Schiedsrichter Alexander Roj merkte man beiden Teams die kräfteraubende Schlacht auf dem Kunstrasenplatz deutlich an.

Das im Anschluss prophylaktisch ausgetragene Elfmeterschießen – welches bei potenzieller Punkt- und Torgleichheit am Ende der Runde als offizielles Kriterium herangezogen wird – entschied der SV Todesfelde für sich. Glück im Unglück für den schleswig-holsteinischen Oberliga-Meister: Trotz der torreichen Pleite verbleibt der SVT dank der besseren Torbilanz auf dem zweiten Tabellenplatz. Im finalen Gruppenspiel auf neutralem Boden in Bremen haben die Gelb-Blauen den Aufstieg weiterhin in der eigenen Hand: Ein Sieg mit zwei Toren Differenz würde mit sehr großer Wahrscheinlichkeit den Sprung in die Regionalliga Nord bedeuten. Dem Eimsbütteler TV hingegen reicht im letzten Spiel gegen den Blumenthaler SV bereits eine Niederlage mit bis zu drei Toren Unterschied, um die Qualifikation für die Vierte Liga perfekt zu machen.

Stimme folgt.

Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord

Spielplan

  • SV Todesfelde – Blumenthaler SV 2:0
  • Germania Egestorf-Langreder – Eimsbütteler TV 1:4
  • Eimsbütteler TV – SV Todesfelde 5:3
  • Blumenthaler SV – Germania Egestorf-Langreder 3:2
  • Eimsbütteler TV – Blumenthaler SV 07.06.2026, 14:00 Uhr
  • Germania Egestorf-Langreder – SV Todesfelde 07.06.2026, 14:00 Uhr

Tabelle

Platz Verein Punkte Tore
1. Eimsbütteler TV 6 9:4
2. SV Todesfelde 3 5:5
3. Blumenthaler SV 3 3:4
4. Germania Egestorf-Langreder 0 3:7

ähnliche Artikel

Consent Management Platform von Real Cookie Banner