Raus mit Applaus – Heider SV scheitert im Landespokal mit 0:3 am VfB Lübeck

von Olaf Wegerich

Tarek von Böhlen (Heider SV) setzt Henry Jeschonek unter Druck. © 2026 Volker Schlichting


Der Heider SV muss seine Pokalträume begraben. Nach der 0:3 (0:1) Heimniederlage vor 885 Zuschauern im HSV-Stadion an der Meldorfer Straße gegen den VfB Lübeck war für die Dithmarscher trotz einer ansprechender Leistung im SHFV-LOTTO-Pokal im Viertelfinale Endstation. Die völlig neu formierte Mannschaft des VfB Lübeck steht nach einer soliden Leistung damit absolut verdient im Halbfinale. Eine Woche vor dem Punktspielstart feierte Jonah Gieseler nach seiner überstandenen Herzmuskelentzündung unter dem großen Beifall des Publikums seine lange ersehntes Comeback für die Schwarz-Weißen.

Heide mit guten Start

Bei besten äußeren Bedingungen erwischten die sehr mutig auftretenden Gastgeber im Traditionsderby gegen die Hansestädter einen guten Start und kamen auch durch ihr konsequentes Pressing bereits in der Anfangsphase durch Mika Kieselbach zu einem guten Abschluss, den Torhüter Finn Böhmker parieren konnte, während wenig später ein Flachschuss von Fabian Arndt (6.) den Außenpfosten touchierte.

Doch nach und nach fingen sich die sehr sauber kombinierenden Gäste und konnten zunächst mit einer Reihe von Eckbällen für Gefahr sorgen, die jedoch bis dahin nichts einbrachten.

Azat Selcuk (Heider SV) versuchte immer wieder Druck über die Flügel zu machen. © 2026 Volker Schlichting
Azat Selcuk (Heider SV) versuchte immer wieder Druck über die Flügel zu machen. © 2026 Volker Schlichting

Pfundheller mit dem Führungstreffer

Aber die Lübecker ließen nicht locker und nachdem sich Felix Mandl schön über die rechte Seite durchgesetzt hatte, passte der Neuzugang vom FC Dornbirn aus der österreichischen Regionalliga zurück an die Strafraumgrenzte, wo Bjarne Pfundheller (22.) aus gut 16 Metern mit einem Schlenzer in den rechten Giebel den Führungstreffer für die Gäste erzielen konnte.

Doch der Rückstand wurde für die weiter mutig spielenden Gastgeber nicht zum Stimmungskiller, denn Felix Mandl verpasste es wenig später, als er an Christopher Thomsen im Heider Tor scheiterte den Vorsprung weiter auszubauen.

Heide verpasst den Ausgleich

Nach einem Eckball von Christopher Buchtmann auf den zweiten Pfosten lag sogar der Ausgleich in der Luft, doch der gut gesetzte Kopfball von Mika Kieselbach konnte in höchster Not kurz vor der Torlinie geklärt werden.

Obwohl der VfB mit seinen schnellen Spitzen einige Konterchancen fahrlässig verspielte, blieb die Partie bis zum Halbzeitpfiff des souveränen Spielleiters Steffen Brandt vom SV Wasbek weiterhin sehr intensiv und hart umkämpft.

Die Riesenchance von Mika Kieselbach (Heider SV) zum Ausgleich. © 2026 Volker Schlichting
Die Riesenchance von Mika Kieselbach (Heider SV) zum Ausgleich. © 2026 Volker Schlichting

VfB erhöht nach Standard durch Ajkic

Kurz nach der Pause dann der Tiefschlag für die Gastgeber, als Selim Ajkic (49.) nach einem Eckball den Ball aus dem Gewühl zum zweiten Treffer für die Lübecker über die Linie bugsiert.

Das zweite Gegentor unmittelbar nach der Pause bleibt nicht ohne Konsequenzen, denn fortan übernehmen die laufstarken Gäste mit vielen guten Kombinationen – oft initiiert von ihrem Kapitän Marvin Thiel – das Kommando, während die Gastgeber das weiterhin hohe Tempo der Lübecker nur bedingt mithalten können.

Der VfB verpasst es in dieser guten Phase, als die Mannschaft auch vor allem Dank ihre Passschärfe und Zielstrebigkeit brilliert, sich deutlich abzusetzen. Nur 180 Sekunden nach dem Führungstreffer ist es erneut der wuselige Felix Mandl, der nach schöner Vorarbeit von Daouda Beleme zwar den Heider Torhüter umspielt, aber zu weit nach Außen abgedrängt wird und neben das Tor zielt.

Die Gastgeber lassen sich zwar nicht hängen, kommen aber nur noch selten zu guten Offensivaktionen. Lediglich ein Freistoß von Patrick Storb, der knapp neben dem Tor landet, und ein harmloser Kopfball von Mika Kieselbach nach einer Ecke von Christopher Buchtmann sorgen noch einmal für kurze Schreckmomente bei den Gästen.

Henry Jeschonek (VfB Lübeck) im Duell mit Mathis Harms (Heider SV) Rechts Marvin Thiel. © 2026 Volker Schlichting
Henry Jeschonek (VfB Lübeck) im Duell mit Mathis Harms (Heider SV) Rechts Marvin Thiel. © 2026 Volker Schlichting

Heide bringt frische Kräfte – Lübeck trifft

Heides Trainer Markus Wichmann versucht, nach knapp einer Stunde noch einmal dem Spiel mit frischen Kräften und einem Vierfach-Wechsel eine Wende zu geben – darunter auch Jonah Gieseler, der mit tosenden Applaus nach seiner Zwangspause vom Heider Publikum begrüßt wurde – doch auch diese Maßnahme verpufft schneller als gedacht, denn nur drei Minuten nach dem letzten Personaltausch wird Selim Ajkic (66.) mit seinem zweiten Treffer – nachdem zuvor Daouda Beleme noch am glänzend parierenden Heider Torhüter gescheitert war – mit seinem Abstauber zum 0:3 endgültig zum Partycrasher.

Trotz des nun aussichtslosen Rückstandes versuchten die Gastgeber alles und wollten zumindest den Ehrentreffer erzwingen, aber auch der sollte ihnen gegen eine sehr reife und abgeklärte Lübecker Mannschaft, die oft zielstrebiger und handlungsschneller wirkte, nicht vergönnt sein.

Richtig gefährlich wurde es noch mal, als Mika Kieselbach einen Kopfball nach Flanke von Lennart Busch zu zentral angesetzt hatte und der Heider Mittelstürmer den bei einem Abstoß zu zögerlich agierenden Lübecker Torhüter mit einem Pressschlag fast überrascht hätte. Für den VfB vergab Tom Kankowski, vom Regionalligaabsteiger BW Lohne in die Marzipanstadt gewechselt, die letzte Torchance.

Auch Gästetrainer Kevin Rodewald nutzt die Schlussphase noch zu vier Wechseln, um möglichst vielen Spielern aus seinem Kader Einsatzzeiten zu verschaffen.

Christopher Buchtmann (Heider SV) versuchte immer wieder dem Spiel Struktur zu geben. © 2026 Volker Schlichting
Christopher Buchtmann (Heider SV) versuchte immer wieder dem Spiel Struktur zu geben. © 2026 Volker Schlichting

Der VfB Lübeck scheint gut gerüstet für den Saisonauftakt am kommenden Samstag um 14.00 Uhr auf der Lohmühle gegen den Landesrivalen SC Weiche 08 Flensburg. Aber auch der Heider SV wusste gegen einen starken Regionalligisten zumindest in der ersten Hälfte zu überzeugen und kann selbstbewusst in die erste Partie gegen den Aufsteiger SC Rapid Lübeck gehen.

Stimmen zum Spiel

Kevin Rodewald (Trainer VfB Lübeck)
Markus Wichmann (Trainer Heider SV)
Pressefragen Heider SV vs. VfB Lübeck
Christopher Buchtmann (Heider SV)
Lennart Busch (Heider SV)
  • Heider SV: Christopher Thomsen – Tarek von Böhlen, Patrick Storb, Fabian Arndt (60. Marvin Wolf), Steffen Neelsen (63. Jonah Gieseler), Mika Kieselbach, Azat Selcuk, Mathis Harms (60. Hendrik Fleige), Rafail Lampros (58. Lennart Busch), Thede Reimers, Christopher Buchtmann.
  • Trainer: Markus Wichmann.
  • VfB Lübeck: Finn Böhmker – Henry Jeschonek, Bjarne Pfundheller (89. Jaromir Grimm), Tom Kankowski, Selim Ajkic (67. Lennard Heiduck), Dardan Karimani (74. Colin Ulrich), Marvin Thiel, Jonas Dittrich, Daouda Beleme (67. Emmanuel Appiah), Felix Mandl (83. Torben Sachau), Joel Chinaemerem Amadi.
  • Trainer: Kevin Rodewald.
  • Schiedsrichter: Steffen Brandt (SV Wasbek).
  • Assistenten: Jannes Flaszynski und Ole Hennes Erhardt.
  • Zuschauer: 885 im HSV-Stadion an der Meldorfer Straße.
  • Tore: 0:1 Bjarne Pfundheller (22.), 0:2 Selim Ajkic (49.), 0:3 Selim Ajkic (66.).

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