Tom Schäpler (TSB Flensburg) gegen Mika Kieselbach (Heider SV). © 2026 Volker Schlichting
Der Heider SV hat das Viertelfinale im SHFV-LOTTO-Pokal eindrucksvoll erreicht. Am Samstagabend besiegte die Mannschaft von Trainer Markus Wichmann im Achtelfinale vor 517 begeisterten Zuschauern nach einer formidablen Leistung den Oberligaaufsteiger TSB Flensburg mit 6:1 (2:1). Allein fünf Treffer gingen auf das Konto von Mika Kieselbach, der zu seinem 26. Geburtstag mächtig aufdrehte und fast im Alleingang für den Sieg der Dithmarscher sorgte. Der verdiente Lohn für einen famosen Auftritt ist der Einzug in die nächste Runde, die bereits am nächsten Wochenende ausgetragen wird. Auch hier dürfen sich die Heider über ein Heimspiel freuen und empfangen den Sieger der morgigen Partie zwischen dem Regionalligisten VfB Lübeck und der Kaltenkirchener TS.

TSB mit Personalsorgen
Bitter für den TSB: Die Flensburger mussten mit Tobias Zuth (Entzündung) und Nicolas Holtze (Patellasehnenverletzung) auf zwei ganz wichtige Offensivkräfte verzichten.
Harms staubt zum Führungstreffer ab
Rechtzeitig zur Saisoneröffnung im ersten Pflichtspiel auf dem neu präparierten Rasen im Heider Stadion legten die Gastgeber einen Traumstart hin. Nach einer Flanke von der linken Seite durch Marvin Wolf, die am zweiten Pfosten landete, konnte TSB-Torhüter Ole Rathmann den anschließenden Kopfball von Mika Kieselbach zwar noch nach vorne abwehren, doch Mathis Harms (6.) verwertete den Abpraller zum 1:0-Führungstreffer. Tolle Aktion und echter Teamgeist der Heider Mannschaft nach dem ersten Treffer. Das Trikot des verletzten Jannis Hinz wurde Richtung Publikum hochgehalten. Auf den Standardspezialisten werden die Heider nach seiner schweren Knieverletzung lange Zeit verzichten müssen. „Ich gehe davon aus, dass er in dieser Saison nicht mehr spielen wird. Das tut weh“, sagte Trainer Wichmann.

In einem guten Spiel auf hohem Niveau konnten die Fördestädter die erste Hälfte sehr ausgeglichen gestalten, doch vor dem Tor agierte der TSB oft zu verspielt, und die wenigen Abschlüsse, die Richtung Heider Tor gingen, waren meist zu zentral angesetzt und stellten den Heider Torhüter Christopher Thomsen vor keine ernsten Probleme.
Kieselbach verwandelt Foulelfmeter zum zweiten Treffer
Kurz vor der Pause wird es dann noch einmal wild, und nach einem Foulspiel an Azat Selcuk im Strafraum entscheidet Schiedsrichter Per-Christian Roloff vom Suchsdorfer SV sofort auf Foulelfmeter. Geburtstagskind Mika Kieselbach (43.) lässt sich die Chance nicht entgehen, verlädt Rathmann und trifft zum 2:0 für die Gastgeber. Während TSB-Coach Tore Wächter über die Berechtigung des Strafstoßes zweifelte: „Die Situation, die zum Elfer geführt hat, würde ich mir gerne noch einmal ansehen“, war Christopher Buchtmann sich absolut sicher: „Ich habe es knacken gehört“, dass der Unparteiische mit seiner Entscheidung richtig lag.
Ex-Heider Siemund trifft per Distanzschuss zum Anschlusstreffer
Doch keine zwei Minuten später bekommt der TSB nach einem Foulspiel von Azat Selcuk im Mittelfeld einen Freistoß zugesprochen. Der Ex-Heider Melf Siemund, zugleich alleinige Spitze bei den Flensburgern, schnappte sich den Ball und traf mit einem Flachschuss aus gut 25 Metern durch die Mauer zum 1:2-Anschlusstreffer.

Damit schien das Spiel wieder völlig offen, und das Momentum sprach eigentlich für die Gäste.
Kieselbach erhöht nach Flanke von Selcuk
Doch hellwach sind nach dem Seitenwechsel nur die Gastgeber. Nach einer Flanke des stark aufspielenden Azat Selcuk erhöht Mika Kieselbach (47.) mit einer Kopfball-Bogenlampe zum 3:1 für die Heimmannschaft. Für den wuseligen Selcuk war es bereits der zweite Assist im Spiel. „Wir kommen mit gestärkter Brust aus der Pause und bekommen dann nach gefühlt 30 Sekunden den Treffer zum 1:3“, ärgerte sich TSB-Coach Wächter über so viel Unachtsamkeit.

Siemund verpasst den Anschlusstreffer
Doch die Grenzstädter geben sich noch lange nicht geschlagen und haben fast im Gegenzug nach einer tollen Einzelleistung von Melf Siemund noch einmal die Riesenchance, das Spiel wieder spannend zu machen, doch der Ex-Heider wird bei seinem Schussversuch im letzten Moment geblockt.
Kieselbach trifft zum 4:1
Doch dann wird ein „Abstimmungsfehler“ zwischen dem Torhüter und der Hintermannschaft den Gästen zum Verhängnis, wie Trainer Wächter einräumte, denn nach einem Befreiungsschlag von Steffen Neelsen ist Mika Kieselbach völlig frei, und nach einer perfekten Ballannahme auf dem neuen Teppich im Heider Stadion fackelt der Ausnahmestürmer nicht lange und vollendet zum 4:1. „Das war für uns der Genickbruch. Damit hat uns Heide den Stecker gezogen“, musste auch der TSB-Coach einräumen, der nach der Pause und dem dritten Gegentreffer zunächst auf zwei Offensive umstellte, nun aber erneut eine Veränderung in der Statik vornahm, um für mehr Stabilität zu sorgen.
Doch die Gastgeber sind jetzt in ihrem Rhythmus und wollen mehr. Coach Wichmann bringt mit Hendrik Fleige und Fabian Arndt für Marvin Wolf und Azat Selcuk nach gut einer Stunde noch einmal frische Kräfte.

Steckpass Fleige – Kieselbach trifft
Nach einer schönen Kombination über Patrick Storb und einem dynamischen Antritt von Christopher Buchtmann landet der Ball bei Hendrik Fleige, der mit einem Steckpass Mika Kieselbach (64.) bedient. Aus gut fünfzehn Metern trifft der Angreifer aus halblinker Position ins lange Eck zum 5:1.
Kieselbach mit seinem fünften Treffer
Doch der Torhunger des 26-Jährigen ist damit noch lange nicht gestillt. Nach einer gelungenen Kombination über Hendrik Fleige passt Fabian Arndt in den Lauf von Mika Kieselbach (77.), der mit seinem fünften Treffer das halbe Dutzend für den in der zweiten Hälfte sehr dominanten Heider SV vollmacht. Für den ehrgeizigen Dithmarscher Vollblutstürmer war es wohl ohne Übertreibung das bisherige Spiel seines Lebens. „Das liegt alles an dem guten Frühstück, was er heute bei mir bekommen hat“, ließ sich der Heider Coach schmunzelnd gegenüber Youkick entlocken, denn zusammen mit Trainersohn Luca, der am Samstag ebenfalls seinen 21. Geburtstag feierte, und Mika Kieselbach, der mit der Tochter des Trainers liiert ist, wurde am Morgen gemeinsam zünftig gespeist.
In der Schlussphase erspielten sich beide Mannschaften noch eine Vielzahl an Torchancen, die ungenutzt blieben. So scheiterten auf Heider Seite noch die eingewechselten Hendrik Fleige, Marwan Abduljabar und Mika Kieselbach am aufmerksamen Ole Rathmann im TSB-Tor, der damit die Niederlage für seine Farben in Grenzen hielt.
Extralob für Abdeljabar und Lampros
Ein Extralob hatte Wichmann noch für zwei seiner Neuzugänge parat. Zum 20-minütigen Auftritt von Marwan Abdeljabar sagte der Heider Coach: „Marwan hat gute Ansätze gezeigt und Druck gemacht. Ich hätte ihm sein Tor gegönnt.“

Auch Rafail Lampros, der gerade erst seinen Urlaub beendet hatte und unter der Woche wieder zum Team gestoßen war, wusste Wichmann zu überzeugen. „Das war sein erstes Pflichtspiel für uns. Der Junge macht Laune.“
Am Sonntag werden Geschäftsführer Hannes Nissen und Videoanalyst Jörg Eggers nach Lübeck fahren, um beim Spiel VfB Lübeck gegen die Kaltenkirchener TS den kommenden Gegner für das SHFV-LOTTO-Pokal-Viertelfinale unter die Lupe zu nehmen.
Bereits am kommenden Dienstag um 19.30 Uhr ist der Heider SV im Kreispokal beim Verbandsligisten SV Alemania Wilster auf Kunstrasen erneut gefordert.
Stimmen zum Spiel
Trainer Markus Wichmann (Heider SV): Der Sieg war aus meiner Sicht in der Höhe verdient. Auch mit der Defensivarbeit bin ich diesmal sehr zufrieden. Wenn der TSB im Angriff war, standen wir mit zehn Mann hinten drin. Das war schon fast schulmäßig. Da habe ich endlich die Gier gesehen. Wir waren heute sehr gut im Kollektiv. Ein weiterer Aspekt ist unser neuer Rasen. Zwei der Tore, die wir heute geschossen haben, wären auf dem alten Holperrasen sicher nicht gefallen.
Geschäftsführer Hannes Nissen (Heider SV): Das war eine sehr gute Leistung meiner Jungs. Wir haben tolle Spielzüge gezeigt, den Ball gut laufen lassen. Wir freuen uns nun auf die nächste Runde und werden weiter an unseren Themen arbeiten. Der Sieg ist eine schöne Momentaufnahme, dennoch bleiben wir absolut demütig und fokussiert. Ein großes Kompliment natürlich an Mika. Seine Performance war absolut außergewöhnlich, er ist zurzeit ein großer Faktor.
Mika Kieselbach (Heider SV): Fünf Tore in einem Spiel habe ich noch nie gemacht. Mit der Truppe kann ich ja nicht anders, als die Dinger zu machen.
Trainer Tore Wächter (TSB Flensburg): Wir haben heute Lehrgeld bezahlt. Am Ende war das natürlich ernüchternd. In der ersten Hälfte haben wir bis auf die beiden Fehler, die zu Gegentoren geführt haben, eine gute Partie gemacht. Bei den Offensivaktionen hat uns aber die letzte Konsequenz gefehlt. Bis zum 5:1 war fast jeder Angriff von Heide ein Treffer. Ohne Zuth und Holtze fehlte uns vorne die Wucht. Wir haben im Spiel auch vieles gut gemacht. Daran gilt es, sich wieder aufzurichten. Wir sind jetzt in der Oberliga angekommen. Da wird jeder Fehler eiskalt bestraft. Das ist jetzt aber auch eine Chance, daraus zu lernen.
Stimmen aus der Pressekonferenz
- Heider SV: Thomsen – Busch (70. Abduljabar), Storb, Neelsen (80. Luca Wichmann), von Böhlen – Reimers, Buchtmann – Wolf (57. Arndt), Selcuk (57. Fleige), Harms (70. Lampros) – Kieselbach.
- Trainer: Markus Wichmann.
- TSB Flensburg: Rathmann – Stephan (70. Elias Kurzbach), Schäpler, Thomsen, Zymeraj, Paulsen – Nitsch (55. Miranda), Stuewe, Jessen, Noel Kurzbach – Siemund (66. Wunderlich).
- Trainer: Tore Wächter.
- Schiedsrichter: Per-Christian Roloff (Suchsdorfer SV). Kam in der fairen Partie mit zwei gelben Karten aus.
- Assistenten: Jan Mika Kröhnert und Mattes Michaelis.
- Zuschauer: 517 im HSV-Stadion an der Meldorfer Straße in Heide.
- Tore: 1:0 Mathis Harms (6.), 2:0 Mika Kieselbach (43., Foulelfmeter), 2:1 Melf Siemund (45.), 3:1 Mika Kieselbach (47.), 4:1 Mika Kieselbach (57.), 5:1 Mika Kieselbach (64.), 6:1 Mika Kieselbach (77.).
