Der Oldenburger SV darf sich für den Eintrag ins OSV-Geschichtsbuch feiern lassen. © 2026 Oldenburger SV
Dramatik pur in Oldenburg. Im Duell der Flens-Oberligisten schmeißt der Oldenburger SV den PSV Neumünster nach einem 4:3 (1:0) aus dem SHFV-LOTTO-Landespokal. Durch den goldenen Treffer von Daniel Junge (90.+2) in der Nachspielzeit gelingt den Ostholsteinern der Sprung in das finanziell lukrative Halbfinale. Dabei hatte der OSV bereits scheinbar sicher mit 3:1 geführt, um dann kurz vor Spielende noch einmal den 3:3-Ausgleich zu kassieren. Im Halbfinale warten auf die Mannschaft von Trainer Florian Stahl bei der Auslosung drei Regionalligisten. Damit ist dem Flens-Oberligisten ein Heimspiel sicher.
Mit Mika Wölk, Marcel Sobotta, Patrick Schulz und Noah Enseleit starten die Gastgeber mit vier Neuverpflichtungen. Beim PSV gab Salih Ramo als Rechtsverteidiger sein Pflichtspieldebüt.
Auf dem kleinen, engen Kunstrasenplatz in Oldenburg begann der PSV mit vielen Ballbesitzphasen zunächst sehr schwungvoll und hatte durch einen Kopfball von Timo Barendt (15.), den Cedric Cordes abwehren konnte, auch gleich eine gute Gelegenheit.
Mielke trifft zum Führungstreffer
Doch nach einem einstudierten Eckball von Neuzugang Mika Wölk, der flach in den 16er auf Rico Mielke (18.) spielt, der dann zum Führungstreffer trifft, führen auf einmal die Gastgeber. PSV-Fußballobmann Volker Bernaschek hatte nach der unnötigen Ecke, die von Torhüter Körtzinger verursacht wurde, bereits eine Vorahnung: „Jetzt kriegen wir einen.“ Und auch OSV-Coach Florian Stahl hatte in seiner Vorabanalyse bei den Gästen eine Schwachstelle ausgemacht: „Wir haben gesehen, dass sie bei Eckbällen im Verteidigungsverhalten den Rückraum nicht gut verteidigen.“
Unmittelbar nach dem Rückstand sind die Gäste in einer hart umkämpften, durch einige intensive Zweikämpfe geprägten Phase wieder am Drücker und kommen durch Ben Luca Nohns (29.) und durch einen Schuss aus 16 Metern von Salih Ramo (40.), der knapp das Tor verfehlt, zu zwei guten Gelegenheiten. Zudem erspielten sich die Gäste eine Vielzahl an Standards, doch die Oldenburger Abwehr ließ bis zum Pausenpfiff des guten Unparteiischen Tim Marvin Meyer vom TuS Hartenholm nichts anbrennen.
Silas Bünning mit dem zweiten Treffer
Auch nach dem Seitenwechsel spielen die Gastgeber äußerst konzentriert weiter, und nach einem schnell vorgetragenen Konter über Daniel Junge spielt Marcel Sobotta in den Lauf von Silas Bünning (62.), der abgeklärt zum 2:0 erhöht. Unmittelbar nach der Pause war Silas Bünning noch frei vor Torhüter Körtzinger gescheitert.
Zinkondo macht es wieder spannend
Doch die Gäste haben sich noch lange nicht aufgegeben, und nach einem Eckball von Marvin Ehlert verkürzt Grady Zinkondo (68.) mit einem überragenden Kopfballtreffer für die Schwalestädter.
Severin trifft zum 3:1
Nach dem Anschlusstreffer drängen die Gäste vehement auf den Ausgleich und werden nach einem eigenen Eckball auf dem kleinen Platz erneut klassisch ausgekontert. Nach schöner Vorarbeit von Luca Neumann mit dem Außenrist kann Finn Severin (76.) zum 3:1 einnetzen. Nicht nur hier bewies der OSV-Coach mit der Einwechslung von Severin ein glückliches Händchen.
Treffer von Ceyhan und Nohns bringen den Ausgleich
In einem völlig verrückten Spiel machen es die Gäste durch ein kurioses Tor von Devin Ceyhan (77.) noch einmal spannend. Fast von der Mittellinie trifft der Neuzugang vom SV Wasbek gegen den zu weit vor seinem Tor positionierten Cedric Cordes, der den Ball zwar fangen kann, aber knapp hinter der Torlinie.
Der PSV wirft nun alles nach vorne, und drei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit gelingt Ben-Luca Nohns (87.) nach einem durchgerutschten Ball tatsächlich noch der 3:3-Ausgleich.
„Da hatten wir uns schon alle auf das Elfmeterschießen eingestellt. Haben schon die Schützen herausgeschrieben“, musste auch OSV-Coach Florian Stahl später gegenüber Youkick einräumen.
Junge trifft zum 4:3
Doch die Partie endet für die Gäste, die bis dahin so viel Moral bewiesen hatten, tragisch, denn in der Nachspielzeit verlädt Daniel Junge (90.+2) nach Vorarbeit von Rico Mielke Devin Ceyhan und trifft aus gut zwölf Metern ins kurze Eck zum viel umjubelten 4:3-Siegtreffer für den Oldenburger SV. „Dann freue ich mich für Daniel Junge. Er hat in der Vorbereitung oft Pech gehabt. Ich habe es ihm heute vorhergesagt, dass er das entscheidende Ding macht“, hatte Stahl eine Vorahnung, dass sein in der Vorbereitung oft unglücklich agierender Torjäger diesmal zum Matchwinner wird.
Anmerkung: Aus Sicht der Gäste sorgte die aktuelle Platzsperre für den Rasenplatz am Schauenburger Platz für Unverständnis, da dort keinerlei Baumaßnahmen festzustellen waren und der Platz aus deren Sicht bespielbar war.
Stimmen zum Spiel
Trainer Florian Stahl (Oldenburger SV): „Aus meiner Sicht ein absolut verdienter Sieg. Der PSV hat mehr Ballbesitz gehabt über das gesamte Spiel, aber darauf haben wir uns eingestellt. Wir wussten, dass wir da gewisse Phasen überstehen müssen. Mit Patrick Schulz haben wir den einzigen gelernten Außenverteidiger in das kalte Wasser geworfen, weil Marwin Müller noch in Irland war. Der Oldenburger SV hat Geschichte geschrieben. Zum ersten Mal steht die Ligamannschaft im Halbfinale vom Landespokal. Das ist eine tolle Errungenschaft. Der Verein haut heute alles raus im Sportheim. Die Jungs sollen Gas geben. Solche Momente soll man aufsaugen.“
Trainer Nils Voss (PSV Neumünster): „Dass man hier spielen darf, ist ein Scherz. Auf diesem Platz war es eine andere Sportart. Aber damit mussten beide Mannschaften klarkommen.“
Fußballobmann Lars Brunner (Oldenburger SV): „Wir sind super glücklich, dass wir das Spiel gezogen haben. Respekt an die Truppe, dass sie nach dem 3:3 nochmal zurückgekommen ist.“
Fußballobmann Volker Bernaschek (PSV Neumünster): „In der ersten Hälfte haben wir viele Chancen liegen gelassen. Nachdem wir aussichtslos mit 1:3 zurückgelegen und dann zum 3:3 ausgeglichen haben, musst du dich in das Elfmeterschießen retten und darfst nicht so einen Treffer bekommen.“
- Oldenburger SV: Cordes – Lunau, Robin Bünning, Schulz – Mielke, Neumann, Silas Bünning, Wölk (65. Severin), Enseleit (63. Kränzke) – Sobotta, Junge (90.+2 Wellendorf).
- Trainer: Florian Stahl.
- PSV Neumünster: Körtzinger – Zarpe, Fölster, Zinkondo, Ramo (62. Kruse) – Assameuer (60. Ceyhan), Marvin Ehlert – Werner (87. Vitali von der Mehden), Youri Von der Mehden (46. Calvin Ehlert), Nohns (87. Rune Kulig) – Barendt.
- Trainer: Dennis Buthmann und Nils Voss.
- Schiedsrichter: Tim Marvin Meyer (TuS Hartenholm).
- Assistenten: Philip Zeich und Marcel Görlitz.
- Zuschauer: 250 auf dem Kunstrasen am Schauenburger Platz in Oldenburg.
- Tore: 1:0 Rico Mielke (18.), 2:0 Silas Bünning (62.), 2:1 Grady Zinkondo (67.), 3:1 Finn Severin (76.), 3:2 Devin Ceyhan (77.), 3:3 Ben Luca Nohns (87.), 4:3 Daniel Junge (90.+2).
