Die Ausgangslage ist nie aussichtslos

von Olaf Wegerich

Die Mannschaft des Heider SV. © 2026 Volker Schlichting

Großkampftag beim Heider SV. Am Samstag um 17.00 Uhr kommt es im HSV-Stadion an der Meldorfer Straße im Viertelfinale des SHFV-LOTTO-Pokals zum Traditionsduell gegen den Regionalligisten VfB Lübeck. Der Sieger darf sich über den Einzug ins Halbfinale des SHFV-LOTTO-Pokals und über satte 10.000 Euro Prämie freuen. Gerade in Zeiten, in denen die beiden sportlichen Schwergewichte aus dem hohen Norden finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet sind, wäre diese Zusatzeinnahme ein mehr als willkommenes Zubrot.

Insbesondere für den finanziell eher klammen VfB Lübeck sind die Einnahmen aus dem Landespokal von immenser Bedeutung. Ein frühes Ausscheiden wie im vergangenen Jahr, als man beim jetzigen Regionalligisten SV Todesfelde früh die Segel streichen musste, soll sich auf keinen Fall wiederholen. Der neue Cheftrainer Kevin Rodewald (35), der vom Nordost-Regionalligisten FC Eilenburg an die Lohmühle gelotst wurde, steht vor der Herkulesaufgabe, möglichst schnell 14 Neuzugänge zu integrieren und daraus gemeinsam mit den wenigen verbliebenen Spielern aus dem Kader der vergangenen Saison schnellstmöglich ein schlagkräftiges Team zu formen. Einer der wenigen verbliebenen Führungsspieler bei den Marzipanstädtern ist der gebürtige Lübecker Marvin Thiel (31), der – bis auf ein kurzes Engagement beim SC Preußen Münster – den Grün-Weißen stets die Treue gehalten hat.

Das Spiel des Jahres in Heide. © 2026 Heider SV
Das Spiel des Jahres in Heide. © 2026 Heider SV

Doch die ersten Testspiele und auch der Auftritt im Viertelfinale des SHFV-LOTTO-Pokals, als die völlig neu formierte Lübecker Mannschaft den Oberligisten Kaltenkirchener TS mit 4:1 bezwang, deuten darauf hin, dass sich der Traditionsverein sportlich auf dem richtigen Weg befindet. Vielleicht besitzt der neue Trainer wie sein Vorgänger Guerino Capretti ja sogar die seltene Gabe, relativ schnell ein neues schlagkräftiges Team formen zu können. Ebenso bleibt dem VfB nur zu wünschen, dass sich die derzeit noch rivalisierenden Ultragruppen schnellstmöglich wieder versöhnen, um in der Pappelkurve wieder gemeinsam für eine prächtige Stimmung wie in der Vergangenheit zu sorgen.

Auf jeden Fall wartet auf den VfB eine Woche vor dem Saisonstart in der Regionalliga, in die der Traditionsverein am 1. August um 14.00 Uhr mit einem Heimspiel gegen den Landesrivalen SC Weiche Flensburg 08 startet, in Dithmarschen ein echter Härtetest. Denn die Gastgeber zeigten im Achtelfinale des SHFV-LOTTO-Pokals beim 6:1 gegen den TSB Flensburg zumindest in der zweiten Halbzeit eine Galavorstellung, die Appetit auf mehr macht. Der Traditionsverein von der Westküste scheint nach einigen Wacklern in der Vorbereitung rechtzeitig vor dem Saisonstart in guter Verfassung und sehr stabil zu sein. Trainer Markus Wichmann und sein Co-Trainer Leif Hahn werden sicherlich nichts unversucht gelassen haben, um die Mannschaft optimal auf das Spiel des Jahres vorzubereiten.

Die begehrten Karten für den Pokalkracher. © 2026 Heider SV
Die begehrten Karten für den Pokalkracher. © 2026 Heider SV

Wichmann: „Vielleicht gehen wir mal spaßeshalber ins Elfmeterschießen“

Zur Vorbereitung auf das Spiel am Samstag und der Frage, ob vorsorglich auch Elfmeterschießen trainiert werde, sagte Heides Cheftrainer Markus Wichmann gegenüber Youkick:

„Der Ablauf ist natürlich ein bisschen dadurch gestört, durch das Pokalspiel in Wilster, das wir am Dienstag hatten. Es sind aber alle verletzungsfrei geblieben und am Freitag findet noch einmal ein Abschlusstraining statt. Da werden wir vielleicht mal spaßeshalber ins Elfmeterschießen gehen. Aber das kann man nicht eins zu eins nachstellen. Wenn da am Samstag 1.000 Zuschauer sind, ist es doch etwas anderes, als wenn man im Training ohne Anspannung aus elf Metern auf die Bude schießt. Aber ansonsten bin ich bis jetzt ganz zufrieden und wir freuen uns auf das Spiel.“

Wichmann glaubt an die Außenseiterchance

Dass die Dithmarscher an ihre Außenseiterchance glauben und das Potenzial haben, dem haushohen Favoriten ein Bein zu stellen, sieht auch der Heider Coach so:

„Die Ausgangslage ist nie aussichtslos. Das Spiel geht bei 0:0 los. Der VfB Lübeck ist Regionalligist und wir sind Oberligist. Von daher ist vor dem Spiel eine kleine Rollenverteilung klar. Nichtsdestotrotz wollen wir versuchen, unser Spiel durchzudrücken. Das wird natürlich ein Megabrett gegen einen Regionalligisten, aber ich glaube, wir haben so viele starke Spieler in der Truppe, dass wir da nicht nur mithalten können, sondern an dem Tag auf jeden Fall auch für eine Überraschung sorgen können. Da müssen natürlich mehrere Faktoren zusammenspielen, aber ich bin da eigentlich ganz guter Dinge.

Und was dazukommt: Es ist natürlich ein Pokalspiel. Ein Spiel über 90 Minuten. Das ist immer noch etwas anderes als ein Ligaspiel. Da hat man immer noch einen Teil der Saison Zeit, ein Ergebnis geradezubiegen. An diesem Tag muss alles passen – bei uns genauso wie beim VfB Lübeck. Sicherlich hängt auch viel von der Tagesform, dem Spielverlauf und dem Spielgeschehen ab.“

Das Publikum soll zum Faktor werden

Ganz wichtig wird aus Sicht von Wichmann die lautstarke Unterstützung von den Rängen:

„Das Publikum spielt in Heide immer eine große Rolle. Wir hoffen auf eine vierstellige Besucherzahl mit möglichst vielen Zuschauern, die in Schwarz-Weiß unsere Farben nach vorne peitschen. Sicherlich müssen wir unseren Teil dazu beitragen, indem wir uns gleich von Anfang an engagiert und mutig zeigen, Chancen herausspielen und das Publikum endgültig auf unsere Seite ziehen, um ein Feuerwerk abzubrennen. Auf jeden Fall helfen uns an diesem Tag viele stimmgewaltige Heider Zuschauer.“

Auch Heides Geschäftsführer Hannes Nissen setzt auf die Unterstützung der Fans: Wir freuen uns sehr auf dieses Pokal-Highlight. Die Atmosphäre wird ein absolutes Plus für uns sein. Ich erwarte eine fußballerisch sehr gut ausgebildete Mannschaft von Lübeck. Das wird eine große Herausforderung. Aber wir sind bereit, alles was es braucht an den Tag zu legen.“

Kleine Hoffnung auf Gieseler

Auch personell scheint der Heider SV für die Bewährungsprobe gegen den Regionalligisten gut gerüstet. Es besteht sogar eine kleine Hoffnung, dass der so lange wegen einer Herzmuskelentzündung schmerzlich vermisste, inzwischen aber wieder genesene Jonah Gieseler in den Kader rücken könnte.

„Bei Jonah Gieseler entscheidet sich am Freitag, ob wir ihn mit in den Kader nehmen. Er hat die ganze Woche trainiert und schon in der vergangenen Woche wieder leicht angefangen. Das entscheiden wir dann nach dem Abschlusstraining, werden aber vorher noch einmal mit ihm Rücksprache halten“, sagte Wichmann gegenüber unserem Medium.

Steffen Neelsen und Lennart Busch mussten am Dienstag im Pokal wegen einer Erkältung passen. Bei beiden ist eine Rückkehr in den Kader wahrscheinlich. Niclas Simson ist noch nicht wieder einsatzbereit, hat aber am Donnerstag bereits wieder trainiert. Vasyl Tanchak und Jannis Hinz fallen aufgrund ihrer Verletzungen aus.

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