Gutes Kilia Kiel im Landespokal – aber 0:2 gegen Angstgegner Weiche Flensburg 08

von Ismail Yesilyurt

Hart, aber herzlich auf dem Kunstrasen – Lucas Wolf (Kilia Kiel) wird schmerzhaft von Kevin Bondombe (SC Weiche Flensburg 08) gestoppt. © 2026 Ismail Yesilyurt


Der SC Weiche Flensburg 08 erweist sich einmal mehr als unüberwindbare Hürde für den FC Kilia Kiel im Landespokal. In den letzten sieben Teilnahmen einschließlich der aktuellen Pokalrunde 2026/27 trafen die Kieler viermal auf den Regionalligisten – viermal bedeutete dies das Aus für den Oberligisten. Die Tore zum am Ende verdienten 2:0-Weiterkommen der Gäste erzielten Erolind Krasniqi früh nach drei Minuten und der eingewechselte Randy Gyamenah kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit.

Statistisch gesehen wäre ein Erfolg für Kilias Cheftrainer Nicola Soranno und sein Team zwar fällig gewesen – neben den Pokalspielen gab es in der gemeinsamen Regionalliga-Saison 2023/24 eine 2:3-Niederlage und ein 0:0 –, doch die Partie begann mit einem frühen Dämpfer. Weiche jubelte bereits in der 3. Minute: Der agile Neuzugang Ilir Serifi legte in der gegnerischen Box geschickt mit der Hacke zurück auf Erolind Krasniqi, der im Torraum noch einen Kieler ins Leere laufen ließ und aus kurzer Distanz an Keeper Tom Pachulski vorbei zum 1:0 vollstreckte. Für Serifi lief das Spiel insgesamt nach Plan: „Wir sind 1:0 in Führung gegangen und haben es dann am Ende einfach cool runtergespielt“, so der Offensivakteur, der sich auch von den neuen Herausforderungen in der Regionalliga unbeeindruckt zeigt („intensiver, schneller, ich komme aber ganz gut klar“).

Kilia drückt, belohnt sich aber nicht

Der frühe Rückstand juckte die Kilianer indes wenig. Das Team setzte die Flensburger von Beginn an mit intensivem Pressing unter Druck und zeigte ein Niveau mit viel Tempo und gesunder Härte, das bereits Regionalliga-Format besaß. Die aktivere Mannschaft in Durchgang eins war Kilia Kiel, während Weiche kompakt stand und auf Umschaltmomente lauert. Den Lohn für eine starke Startphase verpassten die Platzherren jedoch: In der 11. Minute lief Lucas Groß nach einem langen Ball alleine auf das Flensburger Gehäuse zu, versuchte es gegen den herauslaufenden Keeper Ronny Seibt mit einem Heber, der über die Latte strich.

Ove Witt (Kilia Kiel), bester Spieler auf dem Platz, behauptet den Ball gegen Torjäger Rasmus Tobinski (SC Weiche Flensburg 08). © 2026 Ismail Yesilyurt
Ove Witt (Kilia Kiel), bester Spieler auf dem Platz, behauptet den Ball gegen Torjäger Rasmus Tobinski (SC Weiche Flensburg 08). © 2026 Ismail Yesilyurt

Auf der Gegenseite verhinderte Kilia-Schlussmann Tom Pachulski mit großartiger Reaktion das 0:2 gegen Benjamin Lamce (16.), ehe Weiches Kapitän Kevin Bondombe in der 39. Minute in höchster Not nach einer Hereingabe von Tino Klein vor dem einschussbereiten Groß den Ball am Torraum weg spitzelte. Genauso auch in der zweiten Halbzeit.

Flensburger Kontrolle nach der Pause

Nach dem Seitenwechsel verlor Kilia etwas den großen Schwung aus der ersten Hälfte, auch weil das kräftezehrende Powerspiel seinen Tribut forderte. Weiche bekam mehr Zugriff und Kontrolle. „Wir haben in der ersten Halbzeit viele Fehler gemacht und Kiel die Räume gegeben, weil wir das Anlaufen nicht richtig gut hingekriegt haben. Dementsprechend haben wir uns ein bisschen zurückgezogen, den Ball viel laufen lassen und hatten ein gutes Ballbesitzspiel“, analysierte Weiche-Coach Tim Wulff den Auftritt in der ersten Halbzeit.

Kilia lässt „das Herz auf dem Platz“

Kilia versuchte neue Impulse zu setzen, doch im letzten Drittel fehlte die Durchschlagskraft gegen nun konzentrierter zu Werke gehende Flensburger. „Wir müssen schon vor dem Spiel was kompensieren, aber es gehört dazu, da will ich gar nicht näher drauf eingehen. Aber es ist natürlich so, die auf dem Platz standen, haben es dann trotzdem gut gemacht. Haben, ich hab gerade den Jungs gesagt, das Herz auf dem Platz gelassen und mich nervt immer, wenn wir uns nicht dafür belohnen und wenn der Gegner, ja, nicht allzu viel dafür tun muss, um dann die Tore zu machen beziehungsweise dann das Spiel zu gewinnen“, sagte Nicola Soranno, „und trotzdem Glückwunsch an Weiche Flensburg. Am Ende des Tages ist es trotzdem verdient. Wenn du zwischen den Sechzehnern ein gutes Spiel machst, aber nicht in den Sechzehnern, dann verdienst du auch nicht zu gewinnen. Und das hat Weiche uns natürlich voraus und das ist immer so, glaube ich, jedes Mal, wenn wir gegen Weiche spielen, halten wir es eng.“

Luca Senger (Kilia Kiel) und Ove Witt (verdeckt) gegen Rasmus Tobinski (SC Weiche Flensburg 08). © 2026 Ismail Yesilyurt
Luca Senger (Kilia Kiel) und Ove Witt (verdeckt) gegen Rasmus Tobinski (SC Weiche Flensburg 08). © 2026 Ismail Yesilyurt

Yannik Jakubowski fehlen Zentimeter zum Ausgleich

In der 67. Minute stellte Soranno offensiv um und beorderte Rechtsverteidiger Yannik Jakubowski, 2025 Deutschlands Torjäger Nummer eins in den fünften Ligen mit 37 Toren, in die Spitze. Die große Ausgleichschance blieb jedoch aus, weil der Angreifer einen langen Ball nicht sauber verarbeiten konnte, und so das direkte Duell gegen Keeper Ronny Seibt ausblieb. Später rutschte Jakubowski auch noch knapp an einer Flanke vorbei.

Randy Gyamenah macht Halbfinale klar

In der Schlussphase machte der Regionalligist, dessen Großchance in der 51. Minute durch Brandolf Duah Torwart Pachulski mit einem Reflex, abwehrte, dann alles klar. Nachdem ein Treffer von Duah wegen eines vorausgegangenen Handspiels noch aberkannt worden war (65.), setzte der eingewechselte Randy Gyamenah nach einer Hereingabe von links in der 85. Minute den Schlusspunkt zum 0:2. Während Tim Wulff glücklich über die Qualität von der Bank – „ich bin umso glücklicher, dass ich so einen Kader habe“ – und den Einzug ins Halbfinale bilanzierte, bleibt für Kilia die alte Erkenntnis, dass gegen die Flensburger im Sechzehner erneut die entscheidenden „so zehn, fünfzehn Prozent“ fehlten, um die Hürde zu überspringen.

Tino Klein (Kilia Kiel) setzt sich gegen Weiches Defensivezentrale Torben Marten durch. © 2026 Ismail Yesilyurt
Tino Klein (Kilia Kiel) setzt sich gegen Weiches Defensivezentrale Torben Marten durch. © 2026 Ismail Yesilyurt

Tim Wulff ist es gelungen, die vielen Neuzugänge gut zu integrieren. Weiche sammelte seine Pluspunkte, weil es reifer und eingespielter nach der Pause auftrat. „Egal, Pokal ist immer was, ist immer was Besonderes und, es gibt nur eine Möglichkeit: Entweder man kommt in die nächste Runde oder man scheidet aus. Dementsprechend kann man nicht sagen: „Ja, beim nächsten Mal machen wir es besser.“ Und 2:0 ist ein richtig gutes Ergebnis, weil du hast kein Gegentor bekommen und du hast zwei gemacht. Von daher glaube ich, ist es auch hochverdient, dass wir da gewonnen haben. Aber Kiel hat es halt auch richtig gut gemacht“, lautete das Statement von Wulf zum Weiterkommen.

Cetintürk sammelt wertvolle Erfahrungen

Für Kilias Neuzugang Selim Cetintürk war die Partie trotz der Niederlage ein besonderes Erlebnis: „Es war für mich eine Ehre, gegen so einen starken Gegner direkt in der Startelf zu stehen. Natürlich bin ich traurig über das Ergebnis, aber ich bin dankbar für die Chance und nehme viele Erfahrungen mit.

Zwei Talente gegeneinander - Ilir Serifi schirmt den Ball gegen Selim Cetintürk ab. © 2026 Ismail Yesilyurt
Zwei Talente gegeneinander – Ilir Serifi schirmt den Ball gegen Selim Cetintürk ab. © 2026 Ismail Yesilyurt

Nun blickt Weiche Flensburg gespannt auf den kommenden Freitag, wenn im Rahmen des Eröffnungsspiels in der Oberliga zwischen den PSV und VfR Neumünster das Halbfinale ausgelost wird. Wer wird es: Oldenburger SV, 1. FC Phönix Lübeck oder der VfB Lübeck?

Gegen letztgenannten Verein bestreiten die Flensburger ihr Auftaktspiel in der Regionalliga Nord. „Ich habe eine super spannende junge Mannschaft. Wir haben ja auch schon gesagt, so eine junge Mannschaft hatten wir noch nie in der Regionalliga. Wir sind erfrischend, wir sind frech. Wir werden auch Lehrgeld zahlen. Aber ich bin sehr positiv gestimmt und freue mich riesig auf die Saison, auf die nächsten Pokalspiele und auch auf den Saisonstart nächste Woche in Lübeck“, so Weiches Cheftrainer zum Abschluss.

Stimmen zum Spiel

Tim Wulff (Trainer SC Weiche Flensburg 08)
Nicola Soranno (Trainer Kilia Kiel)
Ilir Serifi (SC Weiche Flensburg 08)
Selim Cetintürk (Kilia Kiel)

FC Kilia Kiel: Tom Pachulski – Yannik Jakubowski, Ove Witt, Berat Ayyildiz (83. Seymen-Ahmet Ködörgü) – Luca Senger (56. Hussein Sharba) – Drilon Trepca, Tino Klein, Selim Cetintürk (46. Marcel Freund), Paul Meseberg – Marvin Müller (67. Tom Warncke), Lucas Groß (60. Felix Niebergall)
Trainer: Nicola Soranno
SC Weiche Flensburg 08: Ronny Seibt – Theo Behrmann, Uchechi Duru, Kevin Ntika Bondombe, Ole Wagner – Torben Marten (46. Brandolf Duah) – Ibrahim Bashiru Ali (67. Nick Selutin), Benjamin William Lamce, Ilir Serifi (89. Samuel Piechnik Hust), Erolind Krasniqi (90. +1 Joshua Nwokoma) – Rasmus Tobinski (72. Randy Manu Gyamenah).
Trainer: Tim Wulff
Schiedsrichter: Luca Sambill (VfB Lübeck)
Assistenten: Alexander Roppelt, Ole Andreas Schulz
Zuschauer: 500.
Tore: 0:1 Erolind Krasniqi (3.), 0:2 Randy Manu Gyamenah (86.)

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