Torhüter Nils Witten (TSV Heiligenstedten) klärt vor Rafque Dwaah (Türkischer SV). © 2026 Olaf Wegerich
Der TSV Heiligenstedten und der Türkische SV Lübeck haben weiterhin beste Chancen, den Aufstieg in die Landesliga zu schaffen. Am 2. Spieltag der Aufstiegsrunde auf neutralem Platz in Neumünster trennten sich beide Mannschaften vor 309 Zuschauern nach einem sehr intensiven Spiel 1:1 (1:1). Im zweiten Spiel der Vierergruppe konnte sich der Heikendorfer SV ebenfalls auf neutralem Platz in Eckernförde deutlich mit 3:0 gegen den TSB Flensburg II durchsetzen.
Am letzten Spieltag muss Tabellenführer Türkischer SV beim Heikendorfer SV antreten, während auf den TSV Heiligenstedten ein Auswärtsspiel beim bisher noch punktlosen Schlusslicht TSB Flensburg II wartet.
Unter der Leitung von Oberliga-Schiedsrichter Tim Marvin Meyer entwickelte sich sofort ein sehr intensives, von vielen harten Zweikämpfen geprägtes Spiel, in dem der Unparteiische vom TuS Hartenholm mit vier Gelben Karten auskam.

Bolten mit der ersten Chance
Beide Teams agierten vor allem in der ersten Hälfte mit viel Tempo und suchten die frühe Entscheidung. Dabei hatte der Vizemeister der Verbandsliga West durch einen halbhohen Schuss ins rechte Eck von Marlon Bolten (4.) die erste gute Torgelegenheit. Doch Torhüter Stefan Ponomarenko war nicht zu überwinden und faustete den Ball zur Seite.
Auf der Gegenseite setzte Rafique Dwaah (7.) nach einem Tempolauf ein erstes Ausrufezeichen, als seine scharfe Hereingabe von der rechten Seite das Tor nur knapp verfehlte.
Beide Mannschaften lieferten sich nun einen offenen Schlagabtausch mit vielen gefährlichen Torraumszenen. Auch die nächste gute Tormöglichkeit konnte der Türkische SV für sich verbuchen, als Ugur Dagli eine scharfe Hereingabe von Efe Gökgöz (18.) nur knapp verpasste.
Auf der anderen Seite wurde Sascha Behrens (22.) nach einem langen Ball bei seinem Schussversuch im letzten Moment geblockt.

Matthiesen mit dem Führungstreffer
Die Mannschaft von Trainer Stefan Pohlmann wirkte nun etwas entschlossener und nutzte ihre optische Überlegenheit zur Führung. Nach einem Eckball von der rechten Seite durch Marlon Bolten bekamen die Lübecker die Situation nicht geklärt, und Ben-Joshua Matthiesen (24.) war zur Stelle, um zum 1:0 zu vollenden.
Die Lübecker blieben jedoch gefährlich und verfehlten bei einem Drehschuss von Ugur Dagli (35.) nur knapp den möglichen Ausgleich.
Bolten trifft nur den Pfosten
Nach einem schnellen Angriff über die linke Seite war die Lübecker Abwehrformation ausgehebelt. Nach Vorlage von Steven Bolln traf Marlon Bolten (37.) aus wenigen Metern nur den Pfosten. Auch den Nachschuss setzten die Gäste überhastet über das Tor.

Traumtor von Enes Dagli zum Ausgleich
Statt der durchaus möglichen Zwei-Tore-Führung kassierte der TSV Heiligenstedten im Gegenzug durch ein Traumtor von Enes Dagli (39.) den 1:1-Ausgleich. Mit einem Dropkick aus gut 25 Metern traf er sehenswert und verlieh dem Türkischen SV neuen Mut.
Im zweiten Durchgang lebte das Spiel überwiegend von der Spannung. Beide Mannschaften befanden sich zwar weiterhin im Vorwärtsgang, waren aber bei Weitem nicht mehr so zielstrebig in ihren Aktionen.
Herausragend auf Lübecker Seite blieb Flügelflitzer Rafique Dwaah, der immer wieder mit viel Tempo über die rechte Seite kam, keinen Zweikampf scheute und aus dem Lauf reihenweise scharfe Flanken vor das Tor brachte. Diese konnten jedoch trotz einiger brenzliger Situationen meist geklärt werden.

Fast schien es so, als hätte der TSV Heiligenstedten im zweiten Durchgang sein Pulver verschossen. Trotz vieler ansprechender Offensivaktionen fehlte es im letzten Drittel zu oft an der nötigen Präzision im Spielaufbau, um sich klare Torchancen herauszuspielen.
Gefährlich wurde es auf beiden Seiten allenfalls nach Standards. Dennoch hatten die Lübecker trotz ausgeglichener Spielanteile zum Ende hin noch drei gute Chancen, das Spiel zu ihren Gunsten zu entscheiden.
Zunächst wurde Eray Korkmaz nach Vorarbeit von Rafique Dwaah (75.) im letzten Moment geblockt. Nur eine Minute später setzte erneut Korkmaz einen Kopfball knapp neben das Tor.

Thiele verpasst den Sieg
Richtig bitter wurde es dann in der letzten Minute der insgesamt vierminütigen Nachspielzeit. Heiligenstedten warf alles nach vorne und lief in einen Konter. Wieder war es Rafique Dwaah, der mit hoher Geschwindigkeit Richtung Strafraum sprintete und dann mit viel Übersicht quer in den Lauf von Justin Thiele legte. Doch dieser schaffte es nicht, den Ball aus wenigen Metern im Tor unterzubringen.
Fazit: Betrachtet man das gesamte Spiel, geht das Remis in Ordnung. Allerdings hätte sich niemand beschweren dürfen, wenn der Türkische SV Lübeck seine Riesenchance in der Nachspielzeit zum Siegtreffer genutzt hätte. Das Gute für beide Teams: Sie können am Sonntag mit einem Sieg den Aufstieg aus eigener Kraft perfekt machen.

Stimme zum Spiel
Stefan Pohlmann (Trainer TSV Heiligenstedten): „Sicherlich wollten wir im Vergleich zum Samstag frische Spieler bringen, weil der Kick schon sehr intensiv war. Krankheits- und verletzungsbedingt waren es sogar gleich vier Spieler. Die Jungs haben e super gemacht. Wir haben gegen einen 99-Tore-Angriff relativ wenig zugelassen. Großes Lob an die Defensivleistung aller. Speziell Ben Matthiesen, der seinem schnellen Gegenspieler auf 20 Metern acht Meter abgenommen hat. Das waren packende Duelle. Oder auch Horatio Schultz, der als Duracell-Hase ständig unterwegs ist. Es wäre vermessen, aber nur die beiden lobend zu erwähnen. Man konnte sich heute wieder auf alle verlassen – mit Entschlossenheit und Mentalität.
Dazu waren wir reifer in der Spielanlage und konnten den einen oder anderen erfolgversprechenden Angriff setzen. Durch den Pfostentreffer von Marlon Bolten oder seine Großchance im Fünf-Meter-Raum hätten wir den 2:1-Siegtreffer eher verdient gehabt als der Gegner. Wobei der Gegner ständig Gefahr ausstrahlte.
Mit der Einwechslung von Marvin Vett im Zentrum, der für den Kick aus der zweiten Mannschaft hochgezogen wurde, wurden die Räume für uns noch größer. Und die Kräfte schwanden langsam beim Gegner aus Lübeck. Der eine oder andere bekam bereits Krämpfe, während wir mehr und mehr die Oberhand bekamen. Leider fehlte nur noch ein Tor.
Wir haben jetzt vier Punkte aus zwei Spielen und sind damit total zufrieden. Im gesamten Fußballjahr 2026 haben wir bisher erst ein Pflichtspiel verloren – gegen den Meister aus Nortorf. Die junge Mannschaft kann stolz auf das Erreichte sein. Mit breiter Brust und vollem Selbstvertrauen kann jeder Spieler am Samstag nach Flensburg fahren. Wenn wir genau so weitermachen, haben die Jungs auch ohne Hilfe von Todesfelde alles selbst in der Hand.
Hervorheben möchte ich im Nachgang zum Spiel noch einmal den stets sportlich fairen Umgang der Mannschaft aus Lübeck. Eine sehr gute Mannschaft, die sehr diszipliniert unterwegs ist, aber stets mit offenem Visier um drei Punkte kämpft. Gleiches konnten wir am Samstag bereits gegen Heikendorf spüren. Und in beiden Spielen sorgten die Schiedsrichterleistungen für ein rundum gutes Fußballspiel. So macht Relegation Spaß – sowohl für die beteiligten Mannschaften und Trainer als auch für die Zuschauer.“
TSV Heiligenstedten: Nils Witten – Bolln (90.+1 Koopmann), Matthiesen, Krüger, Schultz – Bolten, Smukowski, Steinmann, Wulf (58. Vett), Alou (34. Teut) – Behrens (66. Klatte).
Trainer: Stefan Pohlmann.
Türkischer SV Lübeck: Ponomarenko – Aynaci, Schönwald, Enes Dagli, Korkmaz, Ugur Dagli, Dwaah, Gökgöz (57. Kalfa), Demircan, Akcasu, Ismail (56. Tsurkan).
Trainer: Ismail Öztürk.
Schiedsrichter: Tim Marvin Meyer (TuS Hartenholm) hatte mit seinem Gespann alles im Griff und war dem Spiel ein guter Leiter.
Assistenten: Ron Rusinger und Tom-Noah Knöller.
Zuschauer: 309 auf dem Sportplatz der TS Einfeld in Neumünster.
Tore: 1:0 Ben-Joshua Matthiesen (24.), 1:1 Enes Dagli (39.).
Spiele
- TSV Heiligenstedten – Heikendorfer SV 3:2
- Türkischer SV Lübeck – TSB Flensburg II 3:1
- TSV Heiligenstedten – Türkischer SV 1:1
- Heikendorfer SV – TSB Flensburg II 3:0
- Heikendorfer SV – Türkischer SV 06.06.26 – 16 Uhr
- TSB Flensburg II – TSV Heiligenstedten 06.06.26 – 16 Uhr
Tabelle
| Platz | Verein | Punkte | Tore |
|---|---|---|---|
| 1. | Türkischer SV HL | 4 | 4:2 |
| 2. | TSV Heiligenstedten | 4 | 4:3 |
| 3. | Heikendorfer SV | 3 | 5:3 |
| 4. | TSB Flensburg II | 0 | 1:6 |
