Ayberk Kaya (Heikendorfer SV) stellte die Weichen für den HSV auf Sieg. © 2025 Ismail Yesilyurt
Showdown in Heikendorf im Edeka Ristow-Sportpark zwischen dem Heikendorfer SV und dem Türkischen SV vor der beeindruckenden Kulisse von über 600 Zuschauern! Obwohl klar war, dass nach dem Spiel noch nicht feststehen würde, wie viele der vier beteiligten Teams der Aufstiegsrunde den Sprung in die Landesliga überhaupt schaffen, war schon vorher klar:
Mindestens eine Mannschaft würde nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Falk Schmidt jubeln dürfen!
Türkischer SV im taktischen Vorteil
So viel stand fest: Bei einem Unentschieden wäre das der Gast aus Lübeck gewesen. Entsprechend unaufgeregt begann die Elf von Ismail Öztürk. Die spielstarken Gäste um die Gebrüder Dagli hatten von Beginn an mehr Ballbesitz und kontrollierten die Partie. Heikendorf zeigte Respekt, hatte sich aber sichtlich gut vorbereitet. Man ließ sich nicht aus der Reserve locken und stand hinten sicher. Die beiden Lübecker Innenverteidiger Eray Korkmaz und Kaniwar Ismail spielten sich wiederholt hinten fast minutenlang die Bälle hin und her, ohne dass Heikendorf sich davon irgendwie herauslocken ließ, sondern man blieb in der strikt defensiven Grundordnung.
„Terrier“ Linus Mordhorst gegen Rafique Dwaah …
… hieß ein Schlüsselduell dieser Partie. Der schnelle Rechtsaußen der Lübecker hatte in der Aufstiegsrunde schon nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht. Doch Linksverteidiger Linus Mordhorst gab einen unerbittlichen, bissigen Manndecker, der an Berti Vogts erinnerte. Ältere werden sich erinnern. Zudem wurde schnell gedoppelt und zugeschoben, sodass es keinen Raum für den schnellen Dwaah gab. Damit war den Gästen schon mal viel Gefährlichkeit genommen.

Ugur Dagli und Lasse Schönwald scheitern
So ergab sich in der ersten Hälfte ein chancenarmes Spiel, trotz der deutlichen Feldüberlegenheit des Türkischen SV. Als jedoch Heikendorfs Keeper Maximilian Müller einen Ball fallen ließ, hatte zunächst der frühere Eicheder Lasse Schönwald die große Chance, scheiterte aber ebenso an einem Heikendorfer Abwehrbein wie im Nachschuss auch Ugur Dagli.
1:0 durch Ayberk Kaya aus dem Nichts mit dem Pausengong
So plätscherte das Spiel undramatisch der Halbzeit entgegen. In der Nachspielzeit schlug dann jedoch die Hungerecker-Elf zu. Im Mittelfeld wurde zugepackt, Rechtsverteidiger Tim Marquardt stürmte plötzlich mit, ohne dass sich ein Gastakteur dafür zuständig zeigte. Der Ball kam zu Marquardt, ein Zwanzig-Meter-Antritt mit unbedrängter Flanke. In der Mitte schraubte sich der stabile Ayberk Kaya hoch, stand lange in der Luft und köpfte gegen die Laufrichtung von Keeper Stefan Ponomarenko ins lange Eck. Der Spielverlauf war auf den Kopf gestellt.
Furkan Kalfa kommt zur Pause
Der Türkische SV wechselt, bringt mit Furkan Kalfa einen weiteren überregional bekannten Akteur. Selbstbewusst reißt man das Spiel wieder an sich.

Heikendorfer SV gewinnt Gefallen am Kontern
Doch was ist das? Plötzlich die nächste Riesenchance für die Heimelf. Linus Mordhorst ist urplötzlich frei vor Ponomarenko, der Winkel war aber zu spitz, ein Abwehrspieler rettet vor der Linie.
Der HSV 16 kann sich jetzt zunehmend öfter befreien. Nach 61 Minuten springt einem TSV-Akteur nach einer 30-Meter-Flanke von rechtsaußen bei freier Sicht der Ball an den Arm. Hätte man durchaus pfeifen können, Glück für die Gäste. Die wirken aber plötzlich verunsichert.
Dann geht es beim HSV über links ab. 50-Meter-Sprint von Linus Mordhorst, Pass nach innen auf den enorm fleißigen Lukas Deutschbein, der legt weiter auf Tim Mordhorst. Der schlägt noch einen Haken und schlenzt die Kugel in den Winkel (64., 2:0).

Beim nächsten Konter (70.) ist am Strafraum rechts Yannik Meenken ungedeckt, setzt sich durch, wird am Trikot gehalten. Er fällt aber nicht, sondern schießt. Glanztat Ponomarenko. Die nächsten Minuten spielt Heikendorf nicht nur auf Augenhöhe mit, sondern gibt den Gästen einige Rätsel auf, denen in dieser Phase nicht mehr viel einfällt. Das 3:0 scheint in der Luft zu liegen.
Türkischer SV mit Schlussspurt
Doch dann kommen die wirklich spielstarken Gäste noch mal. Enis Dagli schlägt einen langen Ball, Marquardts Kopfball-Abwehr missglückt, scheint sich unhaltbar ins lange Eck zu senken, doch Müller rettet mit einer Flugparade – der Auftakt zu einer Schlussoffensive der Öztürk-Elf. Ein aussichtsreicher Freistoß aus 18 Metern geht aber knapp drüber.
Dwaah mit Anschlusstor
Bei Enis Daglis nächstem langen, gut getimten Ball schläft dann die HSV-Abwehr. Dwaah nutzt die Konfusion über die missglückte Abseitsfalle und verkürzt im Stile eines Torjägers. Anschlusstreffer, 87.
Hektik bis zum Ende
Nun ist richtig Aufregung im Spiel. Lasse Schönwald wird nach einem langen Ball leicht im Strafraum geschubst und fällt protestierend. Zu wenig. Findet aber Trainer Öztürk nicht. Bei der nächsten Spielunterbrechung verlässt er seine Coaching-Zone um gut 20 Meter, eilt zum Linesman und teilt mit: „Gaaaanz klar“. Eine Strafe gibt es dafür nicht. Anspannung pur auf beiden Seiten. 10 Minuten hin und her, die Luft scheint zu knistern. Aber: Beide Teams bleiben superfair!
Kracht lässt es krachen – 3:1 (90.+7)
Erst in der allerletzten Szene entscheidet sich der Aufstieg. Der letzte Heikendorfer Joker Niklas Kracht erkämpft die Kugel, verlagert mit einem 30-Meter-Diagonalball auf den weiteren Joker Jack Palm, der halblinks ganz alleine auf das TSV-Tor zusteuert. Er schießt aber nicht, sondern legt noch mal quer auf Kracht, der aber auch nicht gleich abschließt, sondern mit seiner guten Technik noch zwei Gegenspieler leerlaufen lässt und dann mit der Kugel quasi ins leere Tor läuft. Danach wird gar nicht mehr angepfiffen.
Pointe am Rande
Nicht dabei waren heute die Eltern von Niklas Kracht. Die waren am Vortag in den Urlaub geflogen. Vater Ingo war einst Torjäger beim BSC Brunsbüttel und beim Itzehoer SV. Am Steuerknüppel der Linienmaschine saß dabei gestern erstmals als Pilot der Eltern der ältere Bruder Torben, ebenfalls ein Superfußballer. Er wurde 2012 mit der Eidertaler C-Jugend und 2015 mit der A-Jugend Eidertals Landesmeister (vor Schönwalds Eichedern, siehe oben) und kickte anschließend beim TSV Schilksee in der Oberliga, bevor ihn eine Knieverletzung stoppte.
Fazit: Heikendorf ist nach drei Jahren wieder zurück in der 2. Liga Schleswig-Holsteins! Der Türkische SV muss jetzt auf Schützenhilfe hoffen. Bei einem Aufstieg des SV Todesfelde, die morgen spielen, in die Regionalliga Nord springen die Lübecker als Tabellendritter mit auf den Paternoster zur Landesliga.
Stimme zum Spiel
Heikendorfer SV: Müller – Marquardt, Jahnke, Rumohr, Linus Mordhorst – Botschatzke (77. Heinrich) – Meenken (89. Kracht), Tim Mordhorst, Martens, Deutschbein (76. Jack Palm) – Kaya (59. Lühr).
Trainer: Mark Hungerecker.
Türkischer SV Lübeck: Ponomarenko – Aynaci, Korkmaz, Ismail (69. Thiele), Demircan (72. Yildiz) – Enes Dagli, Schönwald – Dwaah, Akcasu, Gökgöz (46. Kalfa) – Ugur Dagli (62. Tarim).
Trainer: Ismail Öztürk.
Schiedsrichter: Falk Schmidt (TSV Gadeland).
Assistenten: Jan-Malte Ganz, Jan Malte Plath.
Zuschauer: 626 im Heikendorfer Sportpark.
Tore: 1:0 Ayberk Kaya (45.+2), 2:0 Tim Mordhorst (65.), 2:1 Rafique Dwaah (88.), 3:1 Niklas Kracht (90.+7).
Spiele
- TSV Heiligenstedten – Heikendorfer SV 3:2
- Türkischer SV Lübeck – TSB Flensburg II 3:1
- TSV Heiligenstedten – Türkischer SV 1:1
- Heikendorfer SV – TSB Flensburg II 3:0
- Heikendorfer SV – Türkischer SV 3:1
- TSB Flensburg II – TSV Heiligenstedten 2:2
Tabelle
| Platz | Verein | Punkte | Tore |
|---|---|---|---|
| 1. | Heikendorfer SV | 6 | 8:4 |
| 2. | TSV Heiligenstedten | 5 | 6:5 |
| 3. | Türkischer SV HL | 4 | 5:5 |
| 4. | TSB Flensburg II | 1 | 3:8 |
