Saisonfinale in Schleswig-Holstein: Rechnen, Hoffen und Bangen vor den letzten Spieltagen

von Ismail Yesilyurt

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Die Saison neigt sich dem Ende zu, doch auf den Sportplätzen zwischen Nordsee und Ostsee glühen die Köpfe. Bevor am Wochenende des 16. und 17. Mai der letzte reguläre Spieltag angepfiffen wird, bestimmen Rechenspiele und taktische Diskussionen das Bild. Wer packt den Aufstieg, wen trifft der bittere Gang in die tiefere Klasse? Während in den Kantinen und Clubheimen kräftig debattiert wird, sind einige wegweisende Entscheidungen bereits gefallen.

Todesfelde feiert, Reinfeld trauert: Erste Fakten in der Oberliga

In der Oberliga Schleswig-Holstein herrscht an der Spitze Klarheit. Der SV Todesfelde krönte sich am vergangenen Wochenende vorzeitig zum Meister. Ein knapper 1:0-Erfolg gegen Eutin 08 reichte, um am 27. Spieltag alles klarzumachen. Damit löste Todesfelde souverän das Ticket für die prestigeträchtige Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord.

Am anderen Ende der Tabelle muss Preußen Reinfeld die Segel streichen. Auch wenn es rechnerisch noch eine winzige Chance gäbe, besiegelt das desolate Torverhältnis praktisch den Abstieg. Die Reinfelder müssen den Gang runter in die Landesliga antreten.

TSB Flensburg meldet sich zurück, ESV sichert Vizemeisterschaft

In der Landesliga Schleswig sind die wichtigsten Fragen ebenfalls geklärt. Der TSB Flensburg korrigierte eindrucksvoll seinen „Unfall“ aus der Vorsaison. Bisher ungeschlagen, spazierte der TSB zur Meisterschaft und kehrt sofort wieder ins Oberhaus zurück.

Den begehrten zweiten Platz, der zur Teilnahme an der Aufstiegsrelegation zur Oberliga berechtigt, sicherte sich endgültig der Eckernförder SV. Ebenfalls ein Oberligaabsteiger, machten die Eckernförder am Mittwoch im Nachholspiel mit einem deutlichen 4:1-Sieg beim TuS Jevenstedt alles klar.

Das große Zittern: Wenn die Lizenzvergabe alles auf den Kopf stellt

Doch die sportlichen Ergebnisse sind nur die halbe Wahrheit. Die eigentliche Brisanz liegt oft am grünen Tisch. Youkick hat alle Konstellationen durchgespielt – von der Regionalliga bis zur Verbandsliga. Dabei fließt ein entscheidender Unsicherheitsfaktor in die Berechnungen ein: Was passiert, wenn ein schleswig-holsteinischer Regionalligist keine Lizenz erhält?

Hier rückt unweigerlich der VfB Lübeck ins Rampenlicht. Seit März hielten sich hartnäckig Gerüchte über eine drohende Insolvenz. Die Hansestädter sind aktuell dabei, den Profibereich in eine GmbH auszugliedern. Erst kürzlich trennte sich der Verein von Sportvorstand Sebastian Harms aufgrund von Differenzen über die strategische Neuausrichtung. Harms, so berichten Lübecker Nachrichten und weitere Medien, wollte den Sparkurs der obersten Etage nicht mittragen. Wie tiefgreifend der Umbruch ist, zeigt ein Blick auf den Kader: Von 31 Spielern haben aktuell erst zwei einen Vertrag für die kommende Saison. Zwar hat der VfB seine Lizenzunterlagen fristgerecht beim Norddeutschen Fußballverband (NFV) eingereicht, doch das Zittern hält an. Der NFV wird in den kommenden Tagen die Lizenzvergabe für alle 31. Bewerber bekannt geben.

SHFV bestätigt: Der Fall der Fälle beeinflusst die Relegation

Der Faktor Lizenz für die Regionalliga hat direkte Auswirkungen auf die unteren Ligen, insbesondere auf die Abstiegsrelegation zur Kreisliga. Normalerweise müssten die Tabellendreizehnten der vier Verbandsligen keine Abstiegsrunde bestreiten.

Auf Anfrage von Youkick bestätigte der Schleswig-Holsteinische Fußball-Verband (SHFV) diese pikante Konstellation:

„Wenn alle Regionallisten des SHFV eine Lizenz für 26/27 bekommen, dann nicht, sollte jedoch ein Verein keine bekommen und in die Oberliga eingereiht werden, dann ja“, antwortete der SHFV auf die Frage, ob die Abstiegsrelegation zur Verbands- und Kreisliga ausgetragen wird.

Die Termine der Auf- und Abstiegsrunden im Überblick

Für alle, die sich durch den Dschungel der Konstellationen kämpfen wollen, hier die wichtigsten Termine der Relegationsspiele (jeweils vorbehaltlich der endgültigen Bestätigung durch den SHFV und der Lizenzvergabe):

Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord:

  • Spieltag: Samstag, 30.05.2026
  • Spieltag: Mittwoch, 03.06.2026
  • Spieltag: Sonntag, 07.06.2026 (Todesfelde trifft auf Hamburg, Bremen und Niedersachsen-Vize; zwei steigen auf)

Aufstiegs-Relegation zur Oberliga:

  • Hinspiel: SA./SO., 30./31.05.2026
  • Rückspiel: SA./SO., 06./07.06.2026 (Meister Rapid Lübeck (Holstein) und TSB Flensburg (Schleswig) steigen direkt auf. Die Vizemeister spielen um den dritten Aufstiegsplatz.)

Abstiegsrelegation zur Verbandsliga:

  • Hinspiel: SA./SO., 30./31.05.2026
  • Rückspiel: SA./SO., 06./07.06.2026 (Tabellendreizehnte der Landesligen Holstein und Schleswig. Nach aktuellem Stand kein Absteiger aus dieser Runde.)

Aufstiegs-Relegation zur Landesliga:

  • Spieltag: SA./SO., 30./31.05.2026
  • Spieltag: DI.–DO., 02.–04.06.2026
  • Spieltag: SA./SO., 06./07.06.2026 (Vizemeister der Verbandsligen Nord, Ost, Süd, West; zwei Aufsteiger garantiert, eventuell drei.)

Abstiegs-Relegation zur Kreisliga:

  • Spieltag: SA./SO., 30./31.05.2026
  • Spieltag: DI.–DO., 02.–04.06.2026
  • Spieltag: SA./SO., 06./07.06.2026 (Tabellendreizehnte der Verbandsligen. Austragung nur bei Lizenzentzug in der Regionalliga.)

Ein Blick in die Kristallkugel: Die vier Szenarien

Welche konkreten Auswirkungen haben die Ergebnisse in der Regionalliga-Qualifikation und Todesfeldes Schicksal auf die Ligenstruktur? Wir haben die vier Hauptfälle zusammengefasst, beginnend mit dem – aus sportlicher Sicht – positivsten Szenario:

Fall 1: Optimalfall – Kein RL-Absteiger und Todesfelde steigt auf

  • Drei Absteiger aus der Oberliga.
  • Vier Aufsteiger aus der Landesliga (zwei Meister und beide Vizemeister).
  • Keine Relegation zur Verbandsliga der Landesliga-Dreizehnten.
  • Insgesamt sechs Absteiger aus beiden Landesligen (Plätze 14–16).
  • Sieben Aufsteiger aus der Verbandsliga (vier Meister plus drei Teams aus der AR).
  • Keine Relegation zur Kreisliga der Verbandsliga-Dreizehnten.
  • Insgesamt 12 Absteiger aus den vier Verbandsligen (Plätze 14–16).

Fall 2: Kein RL-Absteiger und Todesfelde steigt nicht auf

  • Drei Absteiger aus der Oberliga.
  • Drei Aufsteiger aus der Landesliga (zwei Meister und Sieger des Relegationsspiels).
  • Keine Relegation zur Verbandsliga der Landesliga-Dreizehnten.
  • Insgesamt sechs Absteiger aus beiden Landesligen (Plätze 14–16).
  • Sechs Aufsteiger aus der Verbandsliga (vier Meister plus zwei Teams aus der AR).
  • Keine Relegation zur Kreisliga der Verbandsliga-Dreizehnten.
  • Insgesamt 12 Absteiger aus den vier Verbandsligen (Plätze 14–16).

Fall 3: Der Ernstfall – Ein RL-Absteiger und Todesfelde steigt auf

  • Drei Absteiger aus der Oberliga.
  • Drei Aufsteiger aus der Landesliga (zwei Meister und Sieger des Relegationsspiels).
  • Achtung: Relegation zur Verbandsliga der Landesliga-Dreizehnten findet statt.
  • Insgesamt sechs Absteiger aus beiden Landesligen (Plätze 14–16).
  • Sechs Aufsteiger aus der Verbandsliga (vier Meister plus zwei Teams aus der AR).
  • Achtung: Relegation zur Kreisliga der Verbandsliga-Dreizehnten findet statt.
  • Insgesamt 12 Absteiger aus den vier Verbandsligen (Plätze 14–16).

Fall 4: Der Worst Case – Ein RL-Absteiger und Todesfelde steigt nicht auf

  • Vier Absteiger aus der Oberliga.
  • Drei Aufsteiger aus der Landesliga (zwei Meister und Sieger des Relegationsspiels).
  • Achtung: Relegation zur Verbandsliga der Landesliga-Dreizehnten findet statt.
  • Insgesamt sieben Absteiger aus beiden Landesligen (Plätze 14–16 plus Relegationsverlierer).
  • Sechs Aufsteiger aus der Verbandsliga (vier Meister plus zwei Teams aus der AR).
  • Achtung: Relegation zur Kreisliga der Verbandsliga-Dreizehnten findet statt.
  • Insgesamt 13 Absteiger aus den vier Verbandsligen (Plätze 14–16 plus AR-Vierter).

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