Jonas Kock (re.) belohnt ein gutes Spiel des TSV Gremersdorf in der Schlussminute. © 2025 Ismail Yesilyurt
In der Verbandsliga Ost ist die Geschichte des TSV Gremersdorf eigentlich schon geschrieben: Der Abstieg steht fest, die Reise endet nach nur einem Jahr. Doch wer glaubte, die Mannschaft von Christian Ippig würde die Saison austrudeln lassen, wurde am Wochenende eines Besseren belehrt. Mit einem leidenschaftlichen Auftritt und einem überraschenden 2:1-Erfolg gegen das Spitzenteam der SG Sarau/Bosau bewies der TSV sportliche Moral und rückte seinem selbstgesteckten Ziel – dem Abschied mit Anstand und mindestens zehn Punkten – ein großes Stück näher.
Taktische Disziplin gegen spielerische Dominanz
Das Spiel war von Beginn an ein Duell der Gegensätze. Während die Gäste das Spiel machten, verbarrikadierte sich Gremersdorf in der eigenen Hälfte. SG-Coach Tony Böhme analysierte treffend: „Ich glaube, wir hatten über 90 Minuten mehr vom Spiel, mehr Ballbesitz. Gremersdorf hat mit zwei Ketten sehr tief gestanden und probiert, über die schnellen Außen zu kontern.“
Dieser Plan von Christian Ippig ging beinahe schon vor der Pause auf. Gremersdorf setzte „Nadelstiche“, haderte jedoch mit der Chancenverwertung und dem Schiedsrichter. Laut Ippig übersah der Unparteiische einen klaren Elfmeter an Rune Jäkel, zudem vergab Dustin Gabbey eine Großchance aus kürzester Distanz. Dennoch ging es mit einem torlosen Remis in die Kabinen, da die TSV-Defensive kaum etwas zuließ.
Elfmeter-Drama und die Entscheidung in der Schlussphase
Der zweite Durchgang begann für die Hausherren mit einer kalten Dusche. Nach einer kurzen Phase der Unachtsamkeit entschied der Schiedsrichter auf Strafstoß für die Gäste – eine Entscheidung, die er laut Ippig nach dem Spiel selbst als „umstritten“ einräumte. Die SG Sarau/Bosau ließ sich nicht bitten und ging durch Marc Rodriguez mit 1:0 in Führung.
Dustin Gabbey sorgt für Umschwung
Wer nun mit einem Einbrechen des Absteigers rechnete, sah sich getäuscht. Gremersdorf kämpfte sich zurück. Ein taktischer Kniff von Ippig, Dustin Gabbey weiter nach vorne zu beordern, zahlte sich prompt aus: Gabbey erzielte den Ausgleich. In der Schlussphase entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, da die SG voll auf Sieg spielte. „Ich nehme den Rest auf meine Kappe“, so Tony Böhme ehrlich. „Da machen wir hinten auf, weil uns der Punkt nicht mehr nach vorne bringt. Am Ende hat Gremersdorf das entscheidende Tor geschossen.“
Dieses goldene Tor fiel nach einem Lattentreffer von Lennart Petersen, als Jonas Koch den Abpraller aus zehn Metern zum 2:1-Endstand in die lange Ecke schob.
Charaktertest bestanden: Zehn-Punkte-Marke im Visier
Für Christian Ippig war der Sieg mehr als nur drei Punkte für die Statistik: „Aufgrund der tollen kämpferischen Leistung ein verdienter Sieg. Wir haben gezeigt, dass wir unsere Ziele noch erreichen können und nichts abschenken. Das ist wichtig.“ Ein Sonderlob gab es für die Defensivleistung seiner Jungs, die dem Favoriten den Schneid abkauften.
Während die SG Sarau/Bosau die Niederlage am Mittwoch gegen Suchsdorf wettmachen will, hat der TSV Gremersdorf eines bereits geschafft: Sich den Respekt der Liga erarbeitet.
Stimmen zum Spiel
TSV Gremersdorf: Mandt – Schöning, Luca Zielinski, Bormann, Rüddiger – Winter, Kock, Ruske, Petersen, Gabbey – Jaekel (63. Eichholz (87. Reise)).
Trainer: Christian Ippig.
SG Sarau/Bosau: Ehlert – Jansen, Möhr, Rodriguez, Nehring (75. Clasen) – Hartmann, Gutsch (69. Junge), Prahl, Häsler – Ostaudaj (69. Engel), Kath.
Trainer: Tony Böhme/Mark Klukas.
SR: Tim-Marvin Meyer (TuS Hartenholm).
Ass.: Catalin Bucsanu, Felix Butenschoen.
Z.: 80.
Tore: 0:1 Marc Rodriguez (53.), 1:1 Dustin Gabbey (67.), 2:1 Jonas Kock (90.).
