3:1 gegen Reinfeld: Yazgan, Adesanya und Yildirimer beenden Inter-Durststrecke

von Ismail Yesilyurt

Serkan Yildirmer geht als Kapitän stets voran – auch als Vorbild, Vorbereiter und Torschütze. © 2024 Ismail Yesilyurt


155 Tage musste die fußballbegeisterte Anhängerschaft von Inter Türkspor Kiel warten. Auf einen Sieg „ihrer“ Mannschaft in der Oberliga Schleswig-Holstein. Und wer die Fans mit südländischem Temperament, Enthusiasmus und Stolz kennt, weiß, dass so eine lange Zeitspanne für diese sich viel viel länger anfühlt. Für den letzten Drei-Punkte-Erfolg muss man ein bisschen blättern: Am 24. September 2023 gab es für Inter zuhause ein 3:0 gegen den VfB Lübeck II. Es folgten dann 10 Spiele ohne Sieg inklusive drei Unentschieden.

Inter Türkspor holt sich verdient Saisonpunkte 17, 18 und 19

Am späten Sonntagnachmittag gegen 17 Uhr beenden die Interisti ihre Durststrecke. Nach einem intensiven, temporeichen und spannenden Match behalten die Kieler nach Treffern von Serhat Yazgan, Moshood Adesanya und Serkan Yildirimer sowie dem zwischenzeitlichen 1:1 durch Patrick Ellenberger mit 3:1 gegen den starken Aufsteiger Preußen Reinfeld die Oberhand. Völlig zurecht und verdient. In der Summe sind die Gastgeber, die vor dem Anpfiff mit 16 Punkten mitten im Abstiegskampf sind, besser als Reinfeld. Die Preußen, die bisher aus 15 Spielen 25 Punkte gesammelt haben, werden von Co-Trainer Jan-Christian Hack betreut. Chefcoach Pascal Lorenz war aufgrund Nachwuchs-Zuwachs nicht vor Ort: herzlichen Glückwunsch.

„Durchatmen“ und „Stress, Stress“

Der Gastgeber, Tabellenelfter, legt gleich ein unheimlich hohes Tempo in allen Aktionen vor. Der Sechste der Liga aus Reinfeld muss schon gleich zu Beginn in den roten Bereich unter dem Dauerdruck. Doch die Reinfelder, mit einer defensiven Ausrichtung, sind eine physisch starke Mannschaft und halten gegen. Inter läuft und rennt vehement an, schafft trotz der Dominanz aber in den ersten 12 Minuten nicht den Durchbruch. Gefährliche Szenen bahnen sich an, das finale Zuspiel/Abschluss passt noch nicht. „Durchatmen“, hört man aus Richtung der Preußen-Bank nach 10 Minuten. Die Verschnaufpause dauert nur wenige Sekunden, dann rollt schon die nächste Inter-Welle an. „Stress, Stress“, vernimmt man von Türkspors Seite. Das ist die Stimme von Trainer Miki Mladenovic, der an der Seitenlinie wie sein Team 90 plus 5 Minuten Nachspielzeit fleißig unterwegs ist mit verbaler Unterstützung.

Inters Justin Petersen trifft Lattenkreuz

In der 13. Minute ist endlich der erste Hochkaräter da. Serhat Yazgan passt in die Schnittstelle, der Schuss von Justin Petersen frei vor Keeper Przemyslaw Szymura landet jedoch am Lattenkreuz. Gleich darauf dringt Ola Adesanya von links in den Strafraum ein. Im Abschluss fehlt indes die Power beim bulligen Angreifer mit großem Durchsetzungsvermögen (14.). Der Gast kommt danach mit einem Fallrückzieher von Franz Schlatow dem Türkspor-Gehäuse näher (19.).

Visar Mehmeti (in rot, Inter Türkspor Kiel) gegen Dominik Möller (Preußen Reinfeld). © 2024 Ismail Yesilyurt
Visar Mehmeti (in rot, Inter Türkspor Kiel) gegen Dominik Möller (Preußen Reinfeld). © 2024 Ismail Yesilyurt

Preußen-Coach Jan-Christian Hack korrigiert

Inzwischen hat die Reinfelder Trainerbank zwei, drei Mal Spieler herangerufen, um etwas nachzujustieren. Die Gäste können sich nun vom Druck befreien und kommen in der 22. Minute in eine für Inter Türkspor gefährliche Position. Doch frei im Strafraum kann Mevan Mustafa einen Ball nicht verwerten. Nach etwas mehr als 30 Minuten nimmt die Mladenovic-Elf wieder Fahrt auf. Mit einer klaren Möglichkeit erneut für Petersen, der nach einer feinen Kombination aus 7 Metern Preußen-Keeper Szymura mit einem „Rückpass“ nicht bezwingen kann (32.). Eine Minute später kommt ein hoher Ball in den Strafraum bei Yazgan an. Der Mittelfeldspieler verliert das Gleichgewicht, stolpert und so ist das direkte Duell aus kurzer Entfernung mit Szymura nicht möglich. In der 40. Minute lenkt der Reinfelder Torwart einen Schuss von Yildirimer zum 1:0 per Übergreifen stark über die Latte. Da die Gäste 5 Minuten zuvogenutzt haben, geht es mit einem glücklichen 0:0 für den Aufsteiger in die Kabine. Nach einer Flanke von rechts von Justin Cloppatt, auf dieser Seite versuchen die Reinfelder vermehrt Angriffe zu initiieren, setzt Ben Bäßler frei und in bester Mittelstürmerposition zentral aus 6 Metern seinen Kopfball links vorbei.

Halbzeitfazit vor den Augen des unter den Zuschauer weilenden David Lehwald, der Inter Türkspor Kiel im Sommer übernimmt: Einer starken Türkspor-Mannschaft mit viel Teamspirit fehlt zu einem perfekten Auftritt nur das Salz in der Suppe mit dem (den) Tor(en). Das Niveau in dieser Oberliga-Partie ist gehobener Art, da auch die Hack-Truppe eigentlich (defensiv) ordentlich spielt, sich aber dem Gegenüber beugen muss.

Elf von Miki Mladenovic nach der Pause weiter im Temporausch

Das Tempo nach der Pause bleibt weiterhin hoch, aber Preußen Reinfeld ist nach den Erfahrungen aus Abschnitt eins vorgewarnt und ist nun weitaus fokussierter und konzentrierter in der Defensivarbeit. Die Auswahl von Miki Mladenovic setzt weiter nach und kann sich ein paar Mal über Außen in Szene setzen, doch ist der finale Pass verbesserungswürdig. Vor allem beim glücklosen Justin Petersen, der ein enormes Pensum liefert und ansonsten auch überzeugt. Den größeren Inter-Spielanteilen setzt der Gast seinen mannschaftlich geschlossenen Auftritt entgegen.

Nach Foul an Petersen kein Elfer für Inter

Bis auf zwei Szenen gibt es dennoch lange Zeit keinen Höhepunkt in einem interessanten Vergleich. In der 55. Minute nimmt Cloppatt eine Diagonalflanke in die Abwehrkette, das bevorzugte Werkzeug der Preußen, aus spitzem Winkel. Doch Torwart Tilman Körtzinger steht goldrichtig. 3 Minuten später sind die Platzherren wieder einmal im gegnerischen Strafraum. Dabei wird Petersen, ohne Ballbesitz, von Christoph Böckelmann zu Fall gebracht. „Das ist ein klarer Elfmeter“, hört man die an der eigenen Torlinie warmmachenden Preußen-Ergänzungsspieler untereinander reden, „unser Spieler kreuzt den Laufweg und bringt ihn zu Fall.“ Auch wenn das Foulspiel unbeabsichtigt ist, eine falsche Entscheidung von Regionalliga-Schiedsrichter Schulz mit dem Nichtpfiff, da Petersen in Richtung des Balles unterwegs war. Vielleicht hat das Schiedsrichter-Gespann dieses Szene auf der Strafraumseite von Assistentin Wendtorff eventuell nicht wahrgenommen.

Überragendem Serhat Yazgan gelingt hochverdiente Führung

Dafür auf jeden Fall die hochverdiente Führung für Inter Türkspor Kiel. Adesanya passt auf der linken Seite auf den eingewechselten Tom Marquardt, der aus dem Strafraum zurück legt. In Bedrängnis schießt Serhat Yazgan vom Elfmeterpunkt zum 1:0 ein.

Serhat Yazgan (Inter Türkspor Kiel) spielt einen Schnittstellenpass zwischen Justin Kloppatt (li.) und Maximilian Grimm (Preußen Reinfeld). © 2024 Ismail Yes
Serhat Yazgan (Inter Türkspor Kiel) spielt einen Schnittstellenpass zwischen Justin Kloppatt (li.) und Maximilian Grimm (Preußen Reinfeld). © 2024 Ismail Yesilyurt

1:1-Antwort von Patrick Ellenberger schockt Türkspor nur kurz

Die Reinfelder werden nun aktiver und erzielen aus kurzer Entfernung das 1:1. Schock bei Inter Türkspor: Wird ein gutes Spiel, dieses Mal länger als eine Halbzeit, wieder nicht belohnt? Doch! Drei Minuten später tippelt Keeper Körtzinger sich vor dem eigenen Strafraum den Ball zurecht. Sein weites Zuspiel vor die andere Box wird zum Assist. Adesanya nimmt mit dem Rücken zum Preußen-Gehäuse profimäßig den Ball in seinen Lauf mit und drischt das Spielgerät von rechts unhaltbar ins linke Eck. In einem offenen Schlagabtausch erhöht Yildirimer auf 3:1. Mit einem Tunnel gegen Ivan Taritas legt Yazgan im Zentrum vor und Inters Kapitän schiebt von der Strafraumgrenze überlegt rechts an Szymura vorbei ein.

Tilmann Körtzinger verhindert Zitterpartie

Eine Zitterpartie, die es schon ein paar Mal in dieser Saison auf dem Hans-Mohr-Sportplatz gab, in den restlichen vier Minuten verhindert Körtzinger. Nach einem „Diago“ ist der inzwischen nicht mehr auf seiner IV-Position zu haltende Böckelmann völlig frei vor dem Inter-Goalie, der mit einer Glanzparade das 2:3 vereitelt. Tilman Körtzinger gehört ebenso wie Serhat Yazgan, Serkan Yildirimer, Moshood Adesanya und Visar Mehmeti zu den besten auf dem Platz in einer sowieso schon überaus starken Inter-Mannschaft, in der alle Kicker überzeugen. Beim Gast mit einem sehr guten und ausgewogenen Mannschaftsgefüge holt sich Torwart Przemyslaw Szymura eine gute Note ab.

Dieses Hinspiel sollte eigentlich in Reinfeld stattfindenden. Aufgrund der schlechten Platzverhältnise erfolgte ein Heimrechttausch. Das Rückspiel findet am 27. April bei den Preußen statt. In der kommenden Woche wartet auf Inter Türkspor eine sehr wichtige Partie. Beim SC Weiche Flensburg 08 II, die den letzten Platz belegen, wäre ein Sieg wie im Hinspiel (3:1) sehr hilfreich.

Jan-Christian Hack (Co-Trainer Preußen Reinfeld)
Miki Mladenovic (Kapitän Inter Türkspor Kiel)
Przemyslaw Szymura (Torwart Preußen Reinfeld)
Serkan Yildirimer (Kapitän Inter Türkspor Kiel)

Inter Türkspor Kiel: Körtzinger – Zinkondo, Polonski, Mahmud, Rahman (87. Alvarez) – Yildirimer, Mehmeti – Petersen (70. Yilmaz), Yazgan (87. Ibrahimoglu), Cerrah (60. Marquardt) – Adesanya (84. Schwantes).
Trainer: Miki Mladenovic.
SV Preußen 09 Reinfeld: Szymura – Grimm, Cloppatt, Böckelmann, Czeschel (65. Pirch) – Ellenberger, Schlatow (83. Schroeder) – Mustafa (76. Taritas), Marcel Möller (76. Heinze), Dominik Möller – Bäßler (63. Lie).
Trainer: Jan-Christian Hack.
Schiedsrichter: Ole Andreas Schulz (VfL Bad Schwartau).
Assistenten: Khaled El-Rifai, Joelina Wendtorff.
Zuschauer: 120.
Tore: 1:0 Serhat Yazgan (68.), 1:1 Patrick Ellenberger (77.), 2:1 Moshood Adesanya (80.), 3:1 Serkan Yildirimer (83.).

ähnliche Artikel

Consent Management Platform von Real Cookie Banner