Ömer Dagtekin (am Ball, Eckernförder SV) war ein großer Unruheherd für den VfB Lübeck II. © 2024 Ismail Yesilyurt
Was für ein packender Auftakt in der Aufstiegsrelegation zur Oberliga Schleswig-Holstein! Vor 204 Zuschauern im Lübecker Stadion Lohmühle die Fans ein echtes Drama in zwei Akten. Am Ende feierte die U21 des VfB Lübeck nach einer Leistungssteigerung einen hart erkämpften 3:2-Heimsieg gegen den Eckernförder SV. Dabei sah es zur Pause noch für den VfB schon fast schwarz aus, denn die Gäste aus der Landesliga-Staffel Schleswig führten bereits komfortabel mit 2:0, ehe die jungen Grün-Weißen die Partie im zweiten Durchgang komplett auf den Kopf stellten.
Kalte Dusche für den VfB und Traumstart für die Gäste
Dabei erwischte der VfB-Nachwuchs, bei dem Trainer Oliver Stutzky seine Startelf im Vergleich zum letzten Ligaspiel vor zwei Wochen auf gleich sieben Positionen verändert hatte, eigentlich den besseren Start. Ein erster gefährlicher Abschluss von Anès Hadj (5.) konnte vom aufmerksamen ESV-Keeper Lauritz Sievers pariert werden. Kurz darauf wurde Orgen Marashi wegen eines vermeintlichen Stürmerfouls zurückgepfiffen, bevor er frei vor dem Kasten vollenden konnte (7.).
Mitten in diese kleine Drangphase hinein stachen die Gäste eiskalt zu. Nach einer kurz ausgeführten Ecke fasste sich Luc Justen ein Herz und nagelte das Leder in der 10. Minute per Traumtor unhaltbar in den Winkel.
Krause rettet mehrfach – Dagtekin erhöht vom Punkt
Die Lübecker zeigten sich beeindruckt und hatten es in der Folge ihrem glänzend aufgelegten Schlussmann Domenik Krause zu verdanken, der gegen den permanent gefährlichen Ömer Dagtekin mehrfach Kopf und Kragen riskieren musste (15., 18., 19.), um einen höheren Rückstand zu verhindern.

Kurz vor dem Pausenpfiff schien der Matchplan der Hausherren dennoch komplett zu brechen: Nach einem Foul im Lübecker Strafraum zeigte Schiedsrichter Jan-Mika Kröhnert auf den Punkt. Der gefoulte Dagtekin trat selbst an und verwandelte den Strafstoß eiskalt zum 2:0-Halbzeitstand für den ESV (39.).
VfB-Coach Oliver Stutzky analysierte den ersten Durchgang kritisch:
„Die erste Halbzeit war vom Ergebnis her unglücklich. Neben dem Schuss von Anès Hadj am Anfang des Spiels kamen wir nicht so richtig zu Torchancen. Wir haben die erste Linie des Gegners schon gut überdribbelt, hatten dann aber durch die Mann-gegen-Mann-Verteidigung des Gegners schon Probleme, in die gefährlichen Situationen zu kommen. Defensiv haben wir gar nicht so viel zugelassen, um den Sechzehner herum aber schon drei bis vier Situationen, wo wir nicht genug zupacken. So verursachen wir dann auch den Elfmeter. Das war ein bisschen zu einfach.“
Systemwechsel pure Effizienz bringen die Wende
Zur Pause reagierte Stutzky und stellte seine Formation um. Mit der Hereinnahme von Simon Moritz und Mariss Boll stellte der VfB von einer Vierer- auf eine Dreier-Abwehrkette um – eine Maßnahme, die den Druck auf die Eckernförder Hintermannschaft massiv erhöhen sollte. Keine 120 Sekunden waren im zweiten Spielabschnitt absolviert, als Elias Al Sadi einen individuellen Fehler im Eckernförder Spielaufbau nutzte und zum psychologisch enorm wichtigen 1:2-Anschlusstreffer einschob (47.).

Lübecker Doppelschlag: Erst der Winkelkracher, dann der Elfmeter
Dieser Treffer war Wasser auf den Flügeln der Lohmühle. In der 64. Minute krönte Anès Hadj die grün-weißen Angriffsbemühungen, als er den Ball mit einem sensationellen Distanzschuss ebenfalls genau in den Winkel jagte – der vielumjubelte 2:2-Ausgleich. Der VfB wollte jetzt den Heimsieg und drückte weiter. Nur sieben Minuten später brachte der eingewechselte Kevin Voeks die ESV-Defensive so in Bedrängnis, dass es den nächsten Strafstoß der Partie gab. Ramiz Demir übernahm die Verantwortung und stellte den Spielverlauf mit dem Treffer zum 3:2 endgültig auf den Kopf (71.).
In der Schlussphase hatte der VfB sogar Pech, als Voeks mit einem späten Abschluss nur den Pfosten traf (89.). In der siebenminütigen Nachspielzeit war es dann erneut Torwart Krause, der mit starken Paraden den knappen Vorsprung über die Zeit rettete.
Stutzky zeigte sich nach dem Schlusspfiff sichtlich stolz auf die Moral seiner Truppe:
„In der zweiten Halbzeit haben wir es verändert, um nicht in diese Mann-gegen-Mann-Situationen zu kommen. So kamen wir gut in die Partie und hatten viele Situationen über die Außenbahn. Das frühe Tor zu Beginn der zweiten Halbzeit war natürlich super für uns. Bis zur 97. Minute haben wir nichts zugelassen und alles gut wegverteidigt. Mit dem Pfostenschuss hätten wir sogar noch einen drauflegen können. Nach einem 0:2 das Spiel zu drehen, ist wirklich gut. Es hat richtig Spaß gebracht, in der zweiten Halbzeit zuzuschauen. Darauf können wir aufbauen für das Rückspiel.“
Eckernförde hadert, reist aber mit „einem Tor Kredit“ nach Hause
Auf der Gegenseite herrschte beim ESV verständlicherweise Enttäuschung über den verspielten Vorsprung, doch der Blick von Trainer Maik Haberlag richtete sich schnell wieder nach vorn. Im vorletzten Spiel seiner Amtszeit trauerte er den vergebenen Gelegenheiten nach, sah aber auch die Qualitäten des Gegners:
„Am Ende des Tages sind wir für das Ergebnis zuständig. In der ersten Halbzeit haben wir echt gut, sind wir gut angelaufen. Muss man sagen, die sind spielerisch gut. Die Kulisse war auch super. Aber grundsätzlich war hauptsächlich die gute defensive Vorstellung von uns der Schlüssel, weil wir viele Umschaltmomente hatten. Und dann hat der Gegner ein bisschen was umgestellt. Das hat bei denen dann gut funktioniert. Wobei man auch sagen muss leider, dass ein individueller Fehler im Spielaufbau dann dafür gesorgt hat, dass dann der Glaube für Lübeck auch wieder da war. Das war relativ früh durch dieses 2:1.“

Alles offen für das große Finale im Rückspiel
Trotz des schmerzhaften Einbruchs nach dem Seitenwechsel verfällt man in Eckernförde keineswegs in Schockstarre. Die Tatsache, dass am Ende nur ein einziges Tor den Ausschlag gab, lässt für das entscheidende Duell vor den eigenen Fans alles offen. Haberlag blickt kämpferisch auf den kommenden Samstag:
„Am Ende des Tages, auch wenn der Spielverlauf jetzt von außen betrachtet scheiße ist, haben wir gesehen, wir müssen unsere Spielphasen nutzen. Aber es ist ein Tor und ich glaube, es ist in Ordnung, aus der Lohmühle mit einem Tor Kredit nach Hause zu fahren. Und wir wissen, wir haben diese 90 Minuten noch bei uns in Eckernförde.“
Die endgültige Entscheidung um das begehrte Oberliga-Ticket fällt am kommenden Samstag, den 6. Juni 2026, um 14:00 Uhr, wenn der VfB Lübeck II zum heißen Rückspiel beim Eckernförder SV gastiert.
Stimme zum Spiel
VfB Lübeck II: Krause – Sachau, Jeschonek (47. Moritz), Wichmann, Goerke (46. Boll) – Seitz – Melo (59. Voeks), Marashi (90.+2 Majewski), Hadj (88. Yeboah-Boateng), Demir – Al Sadi.
Trainer: Oliver Stutzky.
Eckernförder SV: Sievers – Huber, Andreas, Knittel, Wolf (73. Mohr), Röschmann – Altendorf (90. Witte), Justen ,Wagner – Dagtekin (66. Woelki), Apitz (46. Stöterau).
Trainer: Maik Haberlag.
Schiedsrichter: Jan-Mika Kröhnert (Holstein Kiel).
Assistenten: Jannik Schneider, Mats Stankat.
Zuschauer: 204.
Tore: 0:1 Luc Justen (10.), 0:2 Ömer Dagtekin (39., Foulelfmeter), 1:2 El Sadi (47.), 2:2 Hadj (64.), 3:2 Ramiz Demir (71., Foulelfmeter).
