Till Berg (TuS Rotenhof) und Timo Barendt (li., PSV Neumünster) im Kopfballduell. © 2026 Markus Till
Der TuS Rotenhof hat einen möglichen Heimsieg gegen den PSV Neumünster spät aus der Hand gegeben. Nach einem 0:1-Pausenrückstand drehten die Gastgeber vor 310 Zuschauern die Oberligapartie innerhalb von sechs Minuten, mussten in der 86. Minute aber noch den Ausgleich zum 2:2 (0:1) hinnehmen.
Die Partie begann zunächst ohne große Höhepunkte. Während der PSV Neumünster auf Ballkontrolle und einen gepflegten Spielaufbau setzte, suchte Rotenhof häufiger mit langen Bällen den Weg nach vorne. Wirklich zwingend wurde es auf beiden Seiten zunächst nicht.
Nach 21 Minuten half Rotenhof allerdings kräftig beim Führungstreffer der Gäste mit. Kapitän Felix Knuth leistete sich einen folgenschweren Ballverlust, den PSV-Torjäger Barendt konsequent nutzte und den Ball zum 0:1 links oben im Tor unterbrachte.
TuS-Kapitän Knuth nimmt die Schuld auf sich
Knuth nahm den Gegentreffer nach dem Abpfiff ohne Umschweife auf seine Kappe. „Das erste Tor ärgert mich auch brutal, weil das mein Fehlpass vorher war. Das geht zu 100 Prozent auf meine Kappe“, sagte der Rotenhofer Kapitän. „Ich kann mich nur bei allen entschuldigen. Es darf nicht passieren.“
Grundsätzlich sah Knuth den ersten Durchgang seiner Mannschaft allerdings nicht ganz so negativ. „Wir hatten nicht so die ganz klaren Torchancen in der ersten Halbzeit, aber ich fand schon, dass wir es ganz gut gemacht haben und uns teilweise sogar in deren Hälfte ein bisschen festgesetzt haben.“ Das Problem sei vielmehr gewesen, die Angriffe konsequent zu Ende zu spielen.
Nach der Trinkpause änderte sich am Spielstand nichts mehr. Wenn die Gastgeber einmal gefährlich in die Tiefe kamen, ertönte der Abseitspfiff. Neumünster konzentrierte sich zunehmend darauf, die Führung zu verteidigen und defensiv wenig zuzulassen.
TuS-Trainer Henning Knuth fehlte in den ersten 45 Minuten vor allem die letzte Konsequenz. Er habe das Gefühl gehabt, dass die Spieler „trotzdem nicht am Maximum“ gewesen seien.
TuS: Mehr Zug in Durchgang zwei
Das änderte sich nach der Pause deutlich. Rotenhof kam mit wesentlich mehr Energie aus der Kabine, erhöhte den Druck und brachte nun jene Aggressivität auf den Platz, die im ersten Durchgang noch gefehlt hatte. „Die zweite Halbzeit war von der Körpersprache, von der Intensität und von der Schärfe ein anderes Level als die erste Halbzeit“, lobte Henning Knuth die Reaktion seiner Mannschaft.
In der 58. Minute belohnte sich der TuS. Henry Grothkopp drang in den Strafraum ein und wurde von Imasun zu Fall gebracht. Schiedsrichter Jan Mika Kröhnert zeigte auf den Punkt. Felix Knuth übernahm die Verantwortung und verwandelte den Foulelfmeter zum 1:1.
Dass ausgerechnet er nach seinem Fehler vor dem 0:1 zum Strafstoß antrat, war keine spontane Entscheidung. „Gersi (Moritz Gersteuer, Anm. d. Red.) und ich haben uns kurz abgesprochen“, berichtete Knuth. Bereits in der Vorbereitung habe er seinen Mitspielern gesagt: „Wenn jemand schießen will, dann nehmt euch den Ball, das ist für mich alles in Ordnung.“ Diesmal übernahm der Kapitän selbst – und traf.
Nur sechs Minuten später war die Partie endgültig gedreht. Henke erzielte in der 64. Minute das 2:1 für Rotenhof. „Wir haben das Spiel dann ja auch drehen können in ein 2:1“, sah Henning Knuth seine Mannschaft für die deutliche Leistungssteigerung nach der Pause belohnt.

PSV-Coach Buthmann: „Dann war es wild”
Nun war Rotenhof am Drücker. Auch PSV-Trainer Dennis Buthmann sah, wie seiner Mannschaft zunehmend die Kontrolle entglitt. Bis zum Strafstoß sei die Defensivleistung noch in Ordnung gewesen. Rotenhof habe bis dahin nur wenige klare Möglichkeiten besessen. „Ab dem Elfmeter wird es dann auch wild“, sagte Buthmann. Seine Mannschaft habe sich zu viele einfache Ballverluste geleistet, sei in der hintersten Linie unnötig in Dribblings gegangen und habe dadurch zunehmend Unsicherheit ausgestrahlt.
Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgte eine Szene in der 80. Minute. Der eingewechselte Ole Fiebelkorn wurde auf dem Weg zum Tor vom letzten PSV-Verteidiger Zinkondo zu Fall gebracht. Schiedsrichter Kröhnert beließ es bei einer Gelben Karte.
Für Henning Knuth war dies ein möglicher Knackpunkt der Partie. Fiebelkorn sei „von dem letzten Mann dann irgendwie umgerissen“ worden. Aus Sicht des Rotenhofer Trainers hätte die Konsequenz ein Platzverweis sein müssen. Eine Rote Karte hätte die Voraussetzungen für die verbleibenden Minuten erheblich verändert.
Zu elft schafft der Gast den Ausgleich
Doch der PSV blieb zu elft – und schlug noch einmal zu. Nach einer Ecke bekam Rotenhof den Ball nicht entscheidend aus der Gefahrenzone. Assameur nutzte die Situation in der 86. Minute zum 2:2. „Das Gegentor ist echt brutal unglücklich“, ärgerte sich Henning Knuth. „Die Ecke segelt da bei uns dann irgendwie durch und keiner geht richtig hin.“
Dass eine Führung in der Oberliga bis zum Abpfiff keine Sicherheit bietet, wusste auch Felix Knuth. „Gewissheit hat man nie, vor allem in der Liga. Da kann so viel passieren“, sagte der Kapitän. „Man muss schon von der ersten bis zur 90. Minute hellwach sein.“ Nach dem 2:1 habe man zwar „schon ein gutes Gefühl“ gehabt, dass die Partie diesmal zugunsten des TuS ausgehen könnte. Am Ende reichte es dennoch nicht.
Keeper Jonte Peters rettet den Punkt für Neumünster
Dabei war für Rotenhof selbst nach dem Ausgleich noch mehr möglich. Die Gastgeber kamen zu weiteren Möglichkeiten, doch PSV-Torhüter Peters reagierte zweimal stark und verhinderte den dritten Rotenhofer Treffer.

Sein Trainer wusste entsprechend genau, bei wem er sich für den Punkt bedanken konnte. „Jonte muss uns ein-, zweimal retten“, sagte Buthmann, der mit der Vorstellung seiner Mannschaft insgesamt nicht zufrieden war. „Letztendlich muss man sagen, dass das zu wenig ist. Es kann nicht den Ansprüchen genügen.“
Der PSV-Trainer räumte zugleich offen ein, dass seine Mannschaft mit dem Unentschieden gut bedient war. „Die Leistung heute hat auch nicht mehr hergegeben als einen Punkt, wenn überhaupt“, sagte Buthmann. „Dementsprechend können wir uns, glaube ich, über einen Punkt heute nicht beschweren.“
Erschwert wurde die Aufgabe der Neumünsteraner durch erhebliche personelle Probleme. Nach Angaben Buthmanns standen 14 Spieler nicht zur Verfügung. Während der Partie musste der PSV mehrfach seine Innenverteidigung umbauen. „Wir mussten, glaube ich, dreimal das Innenverteidigerpärchen in 90 Minuten wechseln“, berichtete der Trainer. Als Entschuldigung für die Leistung wollte er die Ausfälle jedoch nicht gelten lassen. Auch in der vorhandenen Besetzung hätte seine Mannschaft einige Situationen „besser lösen können oder müssen“.
Weder Fisch noch Fleisch: Rotenhof nicht glücklich
Während der PSV den Punkt daher mitnehmen konnte, überwog bei Rotenhof der Ärger über eine verpasste Gelegenheit. „Ich bin auch nicht zufrieden, weil natürlich heute einfach mehr möglich gewesen wäre“, bilanzierte Henning Knuth. Das Ziel sei gewesen, einen „Dreier mitzunehmen“. Nach der deutlichen Steigerung in der zweiten Halbzeit und der zwischenzeitlichen Führung sei dies durchaus möglich gewesen.
Ähnlich fiel das Fazit seines Kapitäns aus. Gegen den PSV Neumünster hatte Rotenhof zuvor noch nicht gepunktet. Das änderte sich zwar an diesem Nachmittag, richtig freuen konnte sich Felix Knuth darüber aber nicht. „Jetzt ist es ein Punkt. Aber wenn man das Spiel sieht, dann ärgern wir uns schon. Es hätten schon mehr sein können.“
Letztlich fehlte Rotenhof aus seiner Sicht nur eine Kleinigkeit, um sich für die Leistungssteigerung mit drei Punkten zu belohnen. „Dieser letzte Ticken, der fehlte“, sagte Knuth. Und auch die zwischenzeitliche Führung änderte für ihn nichts an der Bewertung: Wer 2:1 führe, müsse das Ergebnis am Ende auch über die Zeit bringen.
So stand nach 90 Minuten ein 2:2, mit dem der PSV Neumünster angesichts der Rotenhofer Möglichkeiten in der Schlussphase deutlich besser leben konnte. Für den TuS dagegen fühlte sich der Punkt nach einer starken zweiten Halbzeit, der gedrehten Partie und einer bis zur 86. Minute gehaltenen Führung eher wie zwei verlorene Zähler an.
- TuS Rotenhof: Sörensen – Ohm (87. Rathmann), Bienwald, Billerbeck, Nielsen – Knuth, Berg – Henke (77. Jacob), Grothkopp, Struck (71. Bütow) – Gersteuer (71. Fiebelkorn).
- Trainer: Henning Knuth
- PSV Neumünster: Peters – Ramo, Zinkondo, Imasun (59. Kruse), Zarpe – Assameur, Ceyhan (81. Laurenz Kulig) – Calvin Ehlert, von der Mehden (70. Rune Kulig), Werner – Barendt.
- Trainer: Dennis Buthmann/ Nils Voss
- Schiedsrichter: Jan Mika Kröhnert (Holstein Kiel)
- Assistenten: Malte Gerhardt, Mattes Michaelis
- Zuschauer: 310.
- Tore: 0:1 Barendt (21.), 1:1 Knuth (58., Foulelfmeter), 2:1 Henke (64.), 2:2 Assameur (86.).
Tabelle Oberliga Schleswig-Holstein
| Platz | Mannschaft | Sp | G | U | V | Tore | Diff | Pkt |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | SC Rapid Lübeck | 4 | 4 | 0 | 0 | 11:4 | 7 | 12 |
| 2. | 1.FC Phönix Lübeck II | 4 | 3 | 0 | 1 | 11:9 | 2 | 9 |
| 3. | Holstein Kiel II – U23 | 4 | 2 | 1 | 1 | 12:6 | 6 | 7 |
| 4. | VfR Neumünster | 3 | 2 | 1 | 0 | 6:2 | 4 | 7 |
| 5. | FC Kilia Kiel | 3 | 2 | 1 | 0 | 8:5 | 3 | 7 |
| 6. | Oldenburger SV | 4 | 2 | 1 | 1 | 10:10 | 0 | 7 |
| 7. | TSB Flensburg | 3 | 2 | 0 | 1 | 13:5 | 8 | 6 |
| 8. | TSV Nordmark Satrup | 4 | 2 | 0 | 2 | 9:10 | -1 | 6 |
| 9. | TuS Rotenhof | 4 | 1 | 2 | 1 | 9:11 | -2 | 5 |
| 10. | PSV Neumünster | 4 | 1 | 2 | 1 | 6:8 | -2 | 5 |
| 11. | MTSV Hohenwestedt | 4 | 1 | 1 | 2 | 11:13 | -2 | 4 |
| 12. | Kaltenkirchener TS | 4 | 1 | 0 | 3 | 5:7 | -2 | 3 |
| 13. | Eckernförder SV | 4 | 1 | 0 | 3 | 7:10 | -3 | 3 |
| 14. | Heider SV | 3 | 1 | 0 | 2 | 5:10 | -5 | 3 |
| 15. | SV Eichede | 4 | 0 | 1 | 3 | 5:8 | -3 | 1 |
| 16. | VfB Lübeck II – U21 | 4 | 0 | 0 | 4 | 4:14 | -10 | 0 |
