Im April 1966 gastierte Phönix Lübeck mit dem späteren Nationalspieler Peter Nogly bei Holsteins Amateuren auf dem Fögeplatz. Blickrichtung Projensdorfer Straße, das Stadion ist nicht mehr im Bild, liegt aber rechts. Links stehend Holsteins Peter Kardel. Quelle: Stadtarchiv
In der Folge 11 der YOUKICK-Serie „Lost Places – Untergegangene Sportplätze in Kiel“ geht es um einen Platz, der den allermeisten Kieler Fußballfreunden noch in Erinnerung ist. Viele werden auch noch auf ihm gespielt haben.
„Untere Plätze“ komplettieren die Holstein-Anlage 1913 bzw. 1927
Wie bereits in Folge 10 geschildert, reichten die Kapazitäten des 1911 in Betrieb genommenen Holstein-Platzes von vornherein nicht aus. Um alle Holstein-Aktivitäten am neuen Vereinsdomizil zu bündeln, wurden auf einer direkt nebenan liegenden Koppel zwei weitere Spielfelder errichtet. Diese wurden, da etwas niedriger liegend, schlicht die „unteren Plätze“ genannt und im Oktober 1913 in Betrieb genommen. 1927 kamen noch zwei weitere etwas abseits liegende Plätze hinzu (die wir in Folge 10 vorgestellt haben). Damit hatte die Holstein-Anlage fünf Spielfelder zur Verfügung.
Erinnerung an den zweimaligen Präsidenten, der auch Fußballer und Leichtathlet war: Ernst Föge
Im Zweiten Weltkrieg wurden Holsteins Sportanlagen stark zerstört, aber schnell wieder hergerichtet. Der neben dem Holstein-Platz gelegene „untere Platz“ wurde zwecks Würdigung des 1949 verstorbenen Ernst Föge nach diesem benannt. Föge war gleich zweimal Präsident Holsteins, war ein sehr guter Leichtathlet und half zumindest 1922 auch in der Fußball-Ligamannschaft aus, als diese in einem Freundschaftsspiel 0:0 beim Westmeister Westfalia Herne spielte.
Nach dem Krieg wurde der Fögeplatz als Grandplatz hergerichtet, damals noch als „Allwetterplatz“ bezeichnet. Zunächst wieder mit zwei Spielfeldern quer zum Stadion. In den Sechzigern gab es dann nur noch ein Spielfeld, parallel zum Stadion angeordnet. Der Begriff „Allwetterplatz“ ist wörtlich zu nehmen, denn gespielt wurde auf dem später fast undefinierbaren Sand-/Ascheplatz tatsächlich so gut wie immer. Holsteins Amateure, 1961 Deutscher Amateurmeister, trugen hier vor durchaus auch stattlicher Zuschauerkulisse ihre Heimspiele aus.

Olympia-Trainingszentrum Fögeplatz: Hammerwurf – Bronzemedaille 1964 für Uwe Beyer (Holstein Kiel)
In den fünfziger und sechziger Jahren verfügte Holstein Kiel auch über eine starke Leichtathletik-Abteilung. Die Laufbahn im Stadion wurde stark benutzt. Aber Holsteins herausragender Athlet der Sechziger war der Hammerwerfer Uwe Beyer, der sogar auf einer vereinseigenen Anlage trainieren konnte. In den fünfziger Jahren errichtete Holstein in der Nordwest-Ecke des Fögeplatzes eine Diskus-/Hammerwurfanlage. Vermutlich wurde dafür das zweite Spielfeld des Fögeplatzes geopfert. Ein Hammerwurf-Einschlag hinterlässt ja auch auf einem Grandplatz beträchtliche Spuren.

Schwere Verletzung von „Ebi“ Gräf am Hammerwurf-Drahtkäfig
Der Drahtkäfig der Anlage stand aber immer noch sehr nahe an der Grundlinie des verbliebenen Spielfelds. Bei einer Abwehraktion verletzte sich der junge Eberhard Gräf äußerst schwer am Drahtverhau der Anlage und konnte monatelang kein Fußball mehr spielen. Zum Glück erholte sich der spätere Liga-Stammverteidiger wieder. Klaus Stürmer, 1953–1961 kongenialer Sturmpartner Uwe Seelers beim HSV, verstarb 35-jährig 1971 an den Spätfolgen einer ganz ähnlichen Verletzung. Beyer wechselte 1968 zu Bayer Leverkusen, spätestens 1970 war die Hammerwurfanlage nicht mehr vorhanden.

Mit dem Fögeplatz geht es bergab …
In den Folgejahren wurde der Zustand des Fögeplatzes analog der sanitären Situation des schon sehr in die Jahre gekommenen Stadions immer schwieriger. Vor allem im Winter war an ein Training auf dem Fögeplatz laut Erzählungen des damaligen Ligaspielers Immo Stelzer überhaupt nicht mehr zu denken. Teils vagabundierte die Ligamannschaft über diverse Kieler Plätze, trainiert wurde teilweise auf dem Uni-Sportplatz oder am Elendsredder.
… und wieder hergerichtet: nochmal zwei Plätze, einer davon nun „grün“
Der Fögeplatz wurde dann jedoch nochmal auf Vordermann gebracht. Auf dem Gelände entstanden wieder wie schon früher zwei Spielfelder, eines davon wurde mit einer Art Filz belegt. Er war damit noch vor dem Molfseer Kunstrasen der erste „Kunstrasenplatz“ im Großraum Kiel, jedoch weit davon entfernt, das zu sein, was heute unter „Kunstrasen“ zu verstehen ist.
Breitensport-Aus und Umzug ins NLZ besiegelt das Aus
Mit dem stufenweisen Umzug zunächst der Jugendteams ins neu errichtete und immer weiter ausgebaute NLZ in Projensdorf wurde der Fögeplatz nicht mehr benötigt. Breitensport gab es bei Holstein sowieso nicht mehr. Die III. und IV. Herrenmannschaft wurde dem Post-SV angegliedert, der daraufhin noch jahrelang als „PTSK/Holstein“ antrat. Als Holstein 2003 seine Frauenmannschaften etablierte, war der Fögeplatz schon lange im Abseits.

Weitere Folgen:
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- Lost Places 2: Die Wiege des Rekordmeisters THW Kiel lag in Gaarden
- Lost Places 3: Holstein Kiels erstes Eintrittsgeld – Platz zerbombt und unter die Räder gekommen
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