Noah Awuku (re., VfR Neumünster) schießt Rasensport anno dazumal an die Tabellenspitze der Oberliga. © 2026 Olaf Wegerich
Auf der Traditionsspielstätte am alten Flugplatz an der Travemünder Allee traf die Reserve des ältesten Fußballvereins Lübecks, des LBV Phönix, auf den Gast Rasensport aus der Schwalestadt Neumünster. Gespielt wurde auf Kunstrasen.
Heimelf äußerst knapp besetzt
Ohne die im Regionalliga-Kader geführten, aber dieses Jahr noch nicht in der Regionalliga eingesetzten Lennard Luth, Malek El Shaikh, Christen Mensah, Arvid Krogmann und Louis Grobauer sowie Arthur Kuki, der in diesem Jahr schon Regionalligaduft schnupperte, wäre die Phönix-Reserve um den Ex-Eutiner Leon Dippert gar nicht voll geworden. Auf dem komplett neu gemachten Hauptplatz trainierten derweil die für den Kader des DFB-Pokalspiels gegen Paderborn nominierten Regionalliga-Kollegen.
VfR meldet alle Mann an Bord
Vollkommen anders war die Situation beim VfR. Sämtliche angeschlagenen Akteure waren wieder fit. Cheftrainer Danny Cornelius und sein Co Marcel Vones hatten die Qual der Wahl und die unangenehme Aufgabe, Kaderstreichungen verkünden zu müssen.

Phönix‘ starke Physis beeindruckt Rasensport
Die Eingangsphase gehört den Gastgebern. Sofort wurde Druck gemacht, Angriff auf Angriff rollte in Richtung des VfR-Keepers Christopher Newe. Der bemängelte lautstark die fehlenden verbalen Ansagen in seinem Team. Mehrmals lag das 1:0 in der Luft, fiel dann aber zunächst nicht. Erst langsam kam Rasensport besser ins Spiel. Der überall zu findende Nils Drauschke hatte nach Vorarbeit von Ola Adesanya aus Nahdistanz die Führung auf dem Kopf, Keeper Niklas Baeskow rettet per Reflex. Die folgende Ecke findet wieder Drauschke, doch dessen 13-Meter-Schuss entschärft wieder Baeskow.
Luth nutzt schweren VfR-Patzer
Als Newe einen abgefangenen Ball kurz zu einem Verteidiger abspielt, erobert Lennard Luth zentral am 16er die Kugel und knallt sie trocken unter die Querlatte – 1:0 (19.).
Der VfR zeigt sich trotz dieses Rückschlages unbeeindruckt und hat nun auch seinerseits Chancen gegen die keineswegs sattelfeste Defensive der Heimelf. Luca Aouci verzieht aus 12 Metern, und wenig später scheitert Noah Awuku ganz frei an Baeskow, der den Winkel verkürzt hatte.
Krause wird gefoult – oder doch nicht?
Dann wird Rafael Krause hart an der Mittellinie gecheckt. Klares Foul – oder doch nicht? Schiri Claudius Böhnke pfeift nicht. 2,0 Sekunden später wird der attackierende, durchstartende Phönix-Spieler selbst gecheckt – absolut vergleichbar mit der Szene vorher. Oder doch nicht? Jedenfalls pfeift Böhnke diesmal. Den Freistoß aus 22 Metern versenkt Ligaleihgabe Arvid Krogmann zum 2:0 (26.). Die Vorentscheidung?
VfR kommt immer besser rein
In der Folge findet der VfR besser ins Spiel. Aouci ist schneller als sein Gegenspieler, ist frei durch, doch Baeskow rettet wieder. Eine Ecke köpft Adesanya aus vier Metern am langen Pfosten knapp vorbei (36.).

18 – 9 = 12
Als Adesanya dann halbrechts kurz vor dem 16er in die Zange genommen wird, entscheidet Schiri Böhnke auf Freistoß für Rasensport. Und macht obige Rechnung auf. Der Freistoß wird auf zwei Meter außerhalb des 16ers gelegt. Die Mauer steht dann final gut einen Meter VOR dem Elfmeterpunkt bei folglich zwölf Meter Torentfernung. Also müssen 18,50 Meter minus 9,15 Meter = 12 Meter ergeben.
Visar Mehmeti kann auch mit dieser Rechnung umgehen…
… denn er zirkelt den Freistoß an der Mauer vorbei an den Innenpfosten, von wo er parallel zur Torlinie fliegt und genau am anderen Pfosten um Millimeter nicht an diesen, sondern im Feld bleibt. Das Abschlusspech aus dem Pokalspiel am Mittwoch hat den VfR heute wieder eingeholt.
2:0 zur Pause – „Wir hätten heute Tabellenführer werden können…“
… stellen die mitgereisten VfR-Fans fest. Denn die Partien auf den anderen Plätzen sind bereits beendet und es ist klar: Ein Sieg hievt den VfR seit ganz Langem mal wieder an die Tabellenspitze der Oberliga.
Cornelius nutzt Kaderbreite
Zur Pause ersetzt der VfR-Coach die gelbverwarnten und in diesem Abnutzungskampf potentiell Platzverweis-gefährdeten Nick Neca und Geart Latifi. Auch der schnelle Wirbelwind Luca Aouci wird von Alban Jashari abgelöst. Außerdem wird die Statik des Spiels geändert, oft wird hinten mit Dreierkette agiert, in die auch der überall zu findende Drauschke eingebunden wird.
Grobauer scheitert an Newe…
Zwar nimmt direkt nach der Pause der neu sortierte Gast das Kommando, wäre aber fast kalt erwischt worden. Grobauer kommt nach gelungenem Umschaltspiel halbrechts aus 16 Metern zum Abschluss, aber Newe rettet mit Unterstützung der Latte zur Ecke.
…doch dann schlägt Rasensport zu
Was dann passiert, ist schwer in Worte zu fassen. Phönix lässt den VfR kommen, Jan Lippegaus und Krause kombinieren sich links durch, die Flanke kommt und am Fünfmeterraum steht ganz allein Jashari, der den Ball zwar nicht richtig trifft, aber Baeskow genau damit den Ball durch die Beine schiebt – die Kugel trudelt zum Anschlusstreffer über die Linie (50.).

Auch der nächste Angriff sitzt. Diesmal über rechts, die eingewechselten Necati Agdan, wieder Jashari und Drauschke sind beteiligt, Awuku ist dann im Eins-gegen-Eins erfolgreich und spitzelt final den Ball an Baeskow vorbei zum 2:2-Ausgleich (52.). Der Wahnsinn ist noch nicht vorbei. Wieder geht es rechts über Drauschke, Adesanya kommt in der Mitte nicht durch, doch Mehmeti hat plötzlich ein Schussfenster, schließt sofort ab – Pfosten, was für ein Pech, sein zweiter Pfostentreffer! Die Szene ist noch nicht vorbei, den Nachschuss setzt Awuku in die andere Ecke (2:3, 55.). Was für eine Wendung. Plötzlich ist beim VfR jeder Angriff drin.
„Spitzenreiter, Spitzenreiter“
… skandieren begeisterte Fans. Und weiter macht der VfR Druck. Schnelle Seitenwechsel durch Ballstafetten oder lange Diagonale von meist Kapitän Kenny Korup beeindrucken den Gegner in dieser Phase. Doch Abschlüsse kommen nicht mehr zustande. Und Phönix fängt sich schnell wieder, besinnt sich auf seine Grundtugenden: starke Physis, damit Gewinn der zweiten Bälle, lange Bälle in den Sechzehner auf die großgewachsenen Angreifer.
Wahnsinn: Das Tor ist nun für Phönix wie vernagelt
Nach 65 Minuten spielt dann nur noch Phönix. Ab jetzt ist der VfR permanentem Dauerdruck ausgesetzt. Ein Ball von rechts segelt durch den Fünfer, ganz hinten steht Frederick Mensah und kann ins leere Tor köpfen – er köpft vorbei.
Der VfR behält trotz des immer stärker werdenden Dauerdrucks die defensive Ordnung. Immer wieder haben Korup, Kahlcke, Agdan, Lippegaus oder Newe noch ein Körperteil dazwischen. Ganz besonders aber Drauschke, der in der 80. Minute den aus zwei Metern zum Abschluss kommenden Marvin Freund blockt – was wie ein Tor bejubelt wird.
Alban Jashari vergibt Entscheidung…
Nach 87 Minuten dann mal nach Kopfballgewinn Adesanyas ein Konter über Kastriot Alija – Drei-gegen-Eins-Überzahl. Links läuft Krause und rechts Jashari mit. Alija entscheidet sich für Jashari – der aus 14 Metern übers Tor schießt. Das scheint sich 60 Sekunden später zu rächen. Denn da knallt Grobauer aus 14 Metern brachial aufs Newe-Tor…
…und wieder spielt der Innenpfosten nicht mit
Der Ball schlägt ein. Am gleichen Innenpfosten wie bei Mehmeti in Halbzeit eins. Und fliegt genauso parallel zur Torlinie, aber nicht ins Tor. Riesenglück für den VfR, der die letzten Minuten in Unterzahl bestreiten muss.
Necati Agdan geht k.o.
Denn Agdan wird bei einer Kopfball-Abwehraktion im Fünfmeterraum schwer im Gesicht getroffen (90.). Wie bisher lässt auch da der Schiri weiterlaufen. Kein einziges Stürmerfoul wird in 90 + Nachspielzeit gepfiffen. Ungewöhnlich. Agdan kommt auch nach Ablauf der einminütigen Sperrfrist nicht wieder und kann nicht mehr ersetzt werden.
Ball auf Ball segelt nun im VfR-Sechzehner hin und her, der VfR hält aber stand und bringt in einem denkwürdigen Spiel den Sieg nach Hause.
Fazit: Letztlich glücklicher, aber auch vollauf verdienter Sieg des VfR gegen starke Adlerträger. Wieder auch Dank des breit aufgestellten Kaders, der dem Trainerteam gestattet, personell und taktisch nachzulegen und zu variieren.
Stimme zum Spiel
- 1. Phönix Lübeck II: Baeskow – Krogmann, Freund, Silas Meyer, Grobauer – Seibt – Mensah, Dippert, El Shaikh – Kuki, Luth (67. Dodoo)
- Trainer: Björn Joppe.
- VfR Neumünster: Newe – Neca (46. Agdan), Korup, Latifi (46. Kahlcke), Lippegaus – Aouci (46. Jashari), Drauschke, Mehmeti (79. Knutzen), Krause – Awuku (75. Alija), Adesanya.
- Trainer: Danny Cornelius.
- Schiedsrichter: Claudius Böhnke (SV Eichede) mit durchaus leichtem Heimdrall.
- Assistenten: Florentin Henning Gartz, Tom Dornberger.
- Zuschauer: 80 (fast alle aus Neumünster)
- Tore: 1:0 (19.) Luth, 2:0 (26., direkter Freistoß) Krogmann, 2:1 (50.) Jashari, 2:2 (53.) Awuku, 2:3 (55.) Awuku.
Tabelle Oberliga Schleswig-Holstein – 5. Spieltag (22.08.26)
| Platz | Mannschaft | Sp | G | U | V | Tore | Diff | Pkt |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. (↑ 2) | VfR Neumünster | 5 | 4 | 1 | 0 | 15:5 | 10 | 13 |
| 2. (↓ 1) | SC Rapid Lübeck | 5 | 4 | 0 | 1 | 11:5 | 6 | 12 |
| 3. (↑ 5) | Holstein Kiel II – U23 | 5 | 3 | 1 | 1 | 16:6 | 10 | 10 |
| 4. (↓ 3) | TSB Flensburg | 4 | 3 | 0 | 1 | 14:5 | 9 | 9 |
| 5. (↓ 4) | 1.FC Phönix Lübeck II | 5 | 3 | 0 | 2 | 13:12 | 1 | 9 |
| 6. (↑ 8) | TSV Nordmark Satrup | 5 | 3 | 0 | 2 | 10:10 | 0 | 9 |
| 7. (↓ 6) | FC Kilia Kiel | 5 | 2 | 2 | 1 | 10:8 | 2 | 8 |
| 8. (↓ 7) | Oldenburger SV | 4 | 2 | 1 | 1 | 10:10 | 0 | 7 |
| 9. (↑ 12) | Kaltenkirchener TS | 5 | 2 | 0 | 3 | 9:9 | 0 | 6 |
| 10. (↓ 9) | TuS Rotenhof | 5 | 1 | 3 | 1 | 11:13 | -2 | 6 |
| 11. (11) | MTSV Hohenwestedt | 5 | 1 | 2 | 2 | 12:14 | -2 | 5 |
| 12. (↓ 10) | PSV Neumünster | 4 | 1 | 2 | 1 | 6:8 | -2 | 5 |
| 13. (↑ 14) | Heider SV | 5 | 1 | 1 | 3 | 7:17 | -10 | 4 |
| 14. (↓ 13) | Eckernförder SV | 5 | 1 | 0 | 4 | 9:14 | -5 | 3 |
| 15. (15) | SV Eichede | 4 | 0 | 1 | 3 | 5:8 | -3 | 1 |
| 16. (16) | VfB Lübeck II – U21 | 5 | 0 | 0 | 5 | 4:18 | -14 | 0 |
