Emotionen mit Berg- und Talfahrt im Nordfriesland-Derby– Hattstedt mit 9 Mann gegen Husum zum 2:2

von Ismail Yesilyurt

Als auch noch Kapitän Ruda Jaber (TSV Hattstedt) vom Bord gehen musste, lag der TSV mit 1:2 zurück. © 2025 Ismail Yesilyurt


Boah und Herrje! Die Gefühle nach dem 2:2 im Nordfriesland-Derby zwischen dem letztjährigen Aufsteiger TSV Hattstedt und dem aktuellen mit dem Husumer SV liegen marginal an den Grenzen von himmelhochjauzend, zu Tode getrübt! Während die Gäste aus Husum im Nachholspiel am Mittwochabend nach zahlreichen vergebenen Hochkarätern und einer doppelten Überzahl wie der sichere Sieger aussahen, feierten die Hausherren aus Hattstedt in Unterzahl das 2:2 in der Nachspielzeit wie den Gewinn der Meisterschaft.

Blitzstart für Hattstedt, Husum vergibt Chancenwucher

Die Begegnung geht vor 369 Zuschauern gleich furios los für die Gastgeber. Mit der zweiten Großchance kommt das 1:0 bereits in der 5. Minute. Damit startet die Nisson „drei Punkte gegen einen Mitkonkurrenten im Abstiegskampf“ verheißungsvoll in diesem Nordfriesland-Derby der noch nicht mal sechs Kilometer entfernten Städte in der Landesliga Schleswig. Doch Husum übernahm nach Startschwierigkeitenim Anschluss das Kommando.

Chefcoach Michael Schmidt (Husumer SV), der hier seinen Kollegen Mark Hungerecker (Heikendorfer SV) begrüßt, ärgerte sich über die vielen vergeben Chancen. © 2026 Ismail Yesilyurt
Chefcoach Michael Schmidt (Husumer SV), der hier seinen Kollegen Mark Hungerecker (Heikendorfer SV) begrüßt, ärgerte sich über die vielen vergeben Chancen. © 2026 Ismail Yesilyurt

„Wir hatten in der Anfangsphase Probleme, ins Spiel zu finden. Insgesamt haben wir aber wieder Chancenwucher betrieben. Wir waren die klar spielbestimmende Mannschaft ab der 20. Minute, haben etliche Chancen im Eins-gegen-eins liegen lassen. Müssen dieses Spiel einfach mit mehreren Toren Unterschied gewinnen“, schilderte Husum-Trainer Michael Schmidt die schwierige Anfangsphase und den folgenden Chancenwucher. Den verdienten Ausgleich besorgte schließlich Daouda Soumah in der 30. Minute nach einem flachen Zuspiel von außen. Schon der 4. Saisontreffer des Sturm- und Spielführers.

Rote Karte und Elfmeter sorgen für Zündstoff

Nach dem Seitenwechsel kippte das Spiel zugunsten der Gäste. In der 59. Minute zeigte die Schiedsrichterin Thao-Vy Nguyen, die auch in der 2. Frauen-Bundesliga pfeift, nach einer umstrittenen Szene im Strafraum auf den Punkt und wertete eine Aktion als elfmeterreif – verbunden mit einer Roten Karte gegen Hattstedts Innenverteidiger Manuel Lorenzen.

Hattstedts Coach Sebastian Kiesbye ärgerte sich maßlos über diese Szene: „Das war auf jeden Fall ein großer Knackpunkt im Spiel. Wir haben schon per Video gesehen, dass da nicht eine Berührung stattfand. Die Husumer Spieler sind ja alle gut miteinander, hat danach schon direkt gesagt, er hatte schon Angst, dass er eine gelbe Karte kriegt für eine Schwalbe. Und ja, stattdessen bekamen die den Elfmeter. Wir bekamen eine rote Karte dafür sogar. Also absoluter Fehlgriff.“

Salaeh Beko (Husumer SV) und Mitspieler verschenkten wieder zwei Punkte. © 2026 Ismail Yesilyurt
Salaeh Beko (Husumer SV) und Mitspieler verschenkten wieder zwei Punkte. © 2026 Ismail Yesilyurt

Daouda Soumah verwandelte den fälligen Strafstoß sicher zur 2:1-Führung für die Gäste (59.). In der Folge vergaßen die Husumer bei mehreren guten Kontersituationen die Tür zu schließen. „Zweite Halbzeit liefen wir, ich weiß nicht, fünf, sechs Mal alleine aufs Tor zu. Ein Abseitstor wurde aberkannt, was auf gar keinen Fall Abseits war. Das ist reihenweise passiert“, konstatierte Schmidt.

Neun Hattstedter erzwingen den späten Ausgleich

Als sich kurz vor dem Ende auch noch Ruda Jaber nach wiederholtem Foulspiel die Gelb-Rote Karte abholte (85.), schien das Spiel bei doppelter Überzahl für Husum gelaufen. Doch die dezimierten Gastgeber wuchsen über sich hinaus, entwickelten zusätzlichen Energie und warfen alles nach vorn.

In der fünften Minute der Nachspielzeit schlug Hattstedt dann schon sensationell noch einmal zu: Nach einem Freistoß aus der Mittellinie segelte der Ball in den Strafraum, Husums Keeper Kenny Koch sah unglücklich aus, und Dennis Jeßat köpfte zum umjubelten 2:2-Endstand ins leere Tor ein (90.+5).

Während Gäste-Coach Michael Schmidt angesichts des Chancenwuchens und der vergebenen doppelten Überzahl enttäuscht bilanzierte („Das tut natürlich weh, das trübt die Stimmung auch ein wenig“), überwog bei Sebastian Kiesbye die Freude über die Moral: „Im Nachhinein mit neun Mann dann noch den Punkt zu holen, ist natürlich wiederum sehr, sehr stark und da habe ich mich auch gefreut, dass die Mannschaft da so Moral gezeigt hat.“

Der Husumer SV dagegen lässt wie schon am Sonntag beim 3:3 in Heikendorf leichtfertig zwei Punkte liegen. Mit nun drei Punkten aus den ersten vier Spielen springen die Husumer aus der Abstiegsregion heraus – wobei die Tabelle natürlich noch nicht viele Aussagekraft hat. Die ausbaufähige Bilanz des TSV Hattstedt, der am letzten Wochenende zuhause unglücklich dem SV Dörpum 2:3 unterlegen war, steht bei zwei Unentschieden und zwei Niederlagen.

Stimmen zum Spiel

Michael Schmidt (Trainer Husumer SV)
Sebastian Kiesbye (Trainer TSV Hattstedt)
  • TSV Hattstedt: Boy Tamme Boysen – Ruven Jorden, Manuel Lorenzen, Leon Poschkamp (81. Tom Heldt), Tobias Wetzel – Luca Sander, Ruda Jaber, Mart Lewe Michelsen (66. Nico Thiesen) – Dennis Jeßat, Oke Paulsen (66. Niklas Völker), Niklas Ludwig (75. Mirko Krueger)
  • Trainer: Sebastian Kiesbye
  • Husumer SV: Kenny Koch – Raghib Hasan (90. Kim-Marwin Martensen), Hawas Hasan, Tjerk Hansen, Islam Baouche (67. Lasse Hintze) – Johan Siebels, Saleh Beko (67. Ferhat Dogan), Hannes Backsen – Flemming Westensee, Daouda Soumah (90.+2 Nik Böckmann), Leven Jensen (90.+4 Michael Pavlenok)
  • Trainer: Michael Schmidt
  • Schiedsrichter: Thao-Vy Nguyen (IF Stj. Flensborg)
  • Assistenten: Simon Pieper, Moritz Bern
  • Zuschauer: 369
  • Rote Karte: Manuel Lorenzen (57., Hattstedt)
  • Gelb-Rote Karte: Ruda Jaber (85., Hattstedt)
  • Tore: 1:0 Oke Paulsen (5.), 1:1 Daouda Soumah (30.), 1:2 Daouda Soumah (59., Strafstoß), 2:2 Dennis Jeßat (90.+5)

Tabelle Landesliga Schleswig 26/27 – 4. Spieltag

Liga-Tabelle
Platz Mannschaft Sp G U V Tore Diff Pkt
1. (1)Inter Türkspor Kiel (Ab)431020:21810
2. (2)TSV Kronshagen43107:2510
3. (3)TSV Klausdorf43106:1510
4. (4)SC Weiche Flensburg 08 II430115:879
5. (5)TuS Nortorf (Auf)43018:809
6. (6)SV Frisia 03 Risum-Lindholm42119:907
7. (7)TSV Rantrum412110:735
8. (8)SV Dörpum41127:8-14
9. (9)TSV Heiligenstedten (Auf)41125:12-74
10. (14)Husumer SV (Auf)40316:7-13
11. (10)SpVg Eidertal Molfsee41033:5-23
12. (11)SSG Rot-Schwarz Kiel41033:6-33
13. (12)TSV Friedrichsberg-Busdorf31022:5-33
14. (13)TSV Kropp31023:9-63
15. (15)TSV Hattstedt40228:14-62
16. (16)Heikendorfer SV (Auf)40134:13-91

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