Dreierpacker Kastriot Alija krönt Gala: VfR Neumünster deklassierte Heider SV mit 6:1

von Helwig Pfalzgraf

Was für ein Auftritt. In nur 30 Minuten erzielte Kastriot Alija (vorne, VfR Neumünster) hier gegen Rafail Lampros vom Heider SV drei Treffer. © 2026 Olaf Wegerich


In der Grümmi-Arena traf Rasensport Neumünster auf den Heider SV. Ein Evergreen, beiden Vereine führen die ewige Rangliste der Top-Liga Schleswig-Holsteins an. Die Klubs haben in der Vergangenheit auch schon höher gespielt, der VfR aber in jüngerer Vergangenheit auch schon tiefer. Vor der Einführung der Bundesliga waren die Klubs sogar für einige Zeit Erstligist, sogar auch beide gleichzeitig. Der „kleine“ HSV stellte mit Willi Gerdau sogar den einzigen deutschen Nachkriegs-A-Nationalspieler aus einem schleswig-holsteinischen Verein. Aber zurück zur Gegenwart:

VfR-Kader wieder halbwegs aufgefüllt

Etwas überraschend konnte die Heimelf von Danny Cornelius wieder auf Nils Drauschke zurückgreifen, dessen Sperre dann doch auf zwei Spiele reduziert wurde. Außerdem konnte auch der lädierte Geart Latifi auflaufen. Und last but not least feierte Luca Aouci seine Punktspielpremiere im lila-weißen Trikot, nachdem seine Zerrung aus dem Pokalspiel in Wasbek auskuriert ist. Dagegen fehlten neben dem Dauerverletzten Sven Freitag weiterhin Christoph Kahlcke (muskuläre Probleme) und auch Noah Awuku fiel nach seinem starken Auftritt in Eichede aus dem gleichen Grund aus. Ebenfalls noch nicht im Kader war Neuzugang Necati Agdan, der wieder im Training ist, aber nach einer Lebensmittelvergiftung viel Gewicht verloren hatte.

Geart Latifi (VfR Neumünster) mit einem Tackling gegen Hendrik Fleige (Heider SV). © 2026 Volker Schlichting
Geart Latifi (VfR Neumünster) mit einem Tackling gegen Hendrik Fleige (Heider SV). © 2026 Volker Schlichting

Heider SV: Mathis Harms gelb-rot gesperrt und auch sonst namhafte Ausfälle

Bei den Gästen musste Trainer Markus Wichmann, früher gefeierter Stürmer bei Rasensport, auf den in der Vorwoche mit Gelb-Rot des Feldes verwiesenen Mathis Harms verzichten. Es fehlten auch Ex-Profi Christopher Buchtmann, der ehemalige Drittligaakteur Fabian Arndt sowie Steffen Neelsen, der mit Fingerbruch auf der Bank Platz nahm.

Die HSV-Spielweise: the same procedure as every year…

… wie immer zuletzt gegen Rasensport begann der HSV offensiv und presste hoch. Mit dem Anstoß formierten sich gleich sieben Feldspieler aufgereiht links an der Mittellinie und gingen auf den hoch nach links vorne gespielten Ball, der jedoch zu lang geriet und ins Aus trudelte. Zunächst hat dann der Gast etwas mehr Ballbesitz, die Heimelf ist jedoch gut darauf eingespielt.

Der erste HSV-Aufbaufehler…

… zeigt schon die Verwundbarkeit der in der Oberliga weitgehend unerfahrenen Viererkette des HSV. Die Routiniers Helge Kröger und der Ex-Neumünsteraner Lennart Busch sitzen auf der Bank. Einen Aufbau-Fehlpass des HSV erläuft sich Rasensport-Sturmtank Ola Adesanya, der auf Rafael Krause ablegt. Der geht an seinem Verteidiger vorbei und scheitert an dem heute wieder im Heider Tor stehenden Christopher Thomsen, der abwehrt (8.). Der Nachschuss von Adesanya wird gerade noch zur Ecke geblockt. Die bringt höchste Gefahr, Nils Drauschke kommt aus 9 Metern zum Abschluss, wieder ist noch ein Bein dazwischen (9.).

VfR: Über links geht zunächst fast alles…

… ein Steilpass auf Linksverteidiger Jan Lippegaus zerlegt dann komplett die HSV-Defensive. Lippegaus geht links durch, legt ins Zentrum, wo Adesanya am schnellsten ist und an Thomsen vorbei (der noch an die Lippegaus-Vorlage kommen wollte) locker einschiebt. 1:0 (11.).

Tarek von Böhlen (li., Heider SV) gegen Jan Lippegaus (VfR Neumünster). © 2026 Olaf Wegerich
Tarek von Böhlen (li., Heider SV) gegen Jan Lippegaus (VfR Neumünster). © 2026 Olaf Wegerich

Die stärkste Phase der Wichmann-Elf

Nach einer Viertelstunde konsolidiert sich allerdings das Heider Spiel. Hinten steht man immer sicherer. Über viel Ballbesitz schnürt man den VfR teils in dessen eigener Hälfte ein und hat auch gute Torgelegenheiten. Nachdem sich das Team im Gegenpressing den Ball erobert hat und über mehrere One-Touch-Stationen halbrechts den heute etwas hinter den Spitzen agierenden Jonah Gieseler freigespielt hat, scheint der Ausgleich fällig. Doch Geart Latifi rettet fair mit einer Monstergrätsche (18.). Als Gieseler dann in einer ähnlichen Szene die Kugel auf Azat Selcuk durchsteckt und der the Ball an den langen Pfosten schlenzt (27.), wäre der Ausgleich längst verdient gewesen.

Doch dann: Heide verteilt Gastgeschenke

Bei vertrautem Spiel reicht dann ein einfacher langer Diagonalball, um das Spiel vorzuentscheiden. Hoch stehende Heider sind zu langsam, nur Aouci und Thomsen haben noch die Chance, den Ball zu erreichen. Außerhalb des Strafraums kann Thomsen seine Hände aber nicht einsetzen, Aouci wird an der Hüfte erwischt, geht zu Boden, aber Adesanya ist wieder am schnellsten am verwaisten Ball und schiebt aus 18 Metern ins leere Tor. 2:0 (43.).

Zweite Halbzeit: Unterhaltung garantiert

Nachdem Aouci per Direktabnahme nach 40 Sekunden der zweiten Halbzeit knapp verfehlt, dümpelt das Spiel dann etwas vor sich hin. Der VfR steht hinten sicher und Heide scheint auch nicht mehr so recht an eine Wende zu glauben.

Ein ratloser Heider SV beim 1-6 beim VfR Neumünster. © 2026 Volker Schlichting
Ein ratloser Heider SV beim 1-6 beim VfR Neumünster. © 2026 Volker Schlichting

Für Heide kommt es knüppeldick

Als dann ein auf den langen Pfosten gezogener Freistoß von Nils Drauschke aus ca. 35 Metern an Freund und Feind ins lange Eck trudelt, steht es aus dem Nichts plötzlich 3:0 (56.). Und als Visar Mehmeti und Jan Lippegaus an der Seitenauslinie auf Höhe des eigenen Sechzehners hoch angepresst werden, befreien sie sich spielerisch trotz Unterzahl stark. Lippegaus‘ langer Ball in die Spitze findet den gerade eingewechselten Kastriot Alija, der seinem Gegenspieler einfach wegläuft und mühelos zum 4:0 vollendet (63.).

Kieselbach kann noch mal verkürzen

Bei eigentlich ausgeglichenem Spiel erarbeitet sich Heide nach wie vor viele Standards. Bei einer Ecke von rechts durch Selcuk verkürzt Mika Kieselbach per Kopf auf 4:1 (70.). Da stimmte dann auch beim VfR mal nicht die Zuordnung gegen die kopfballstarken Dithmarscher. Danach macht Heide analog zur ersten Hälfte noch mal Druck, wittert Morgenluft gegen die nach den vielen Wechseln vorübergehend doch etwas unsortiert wirkenden Rasensportler.

Kenny Korup (VfR Neumünster) gegen Mika Kieselbach (Heider SV). © 2026 Olaf Wegerich
Kenny Korup (VfR Neumünster) gegen Mika Kieselbach (Heider SV), der den Ehrentreffer erzielte. © 2026 Olaf Wegerich

Rasensport mit ganz starker Bank

Aber diese Phase ist schnell vorbei, der heute seinen 30. Geburtstag feiernde Jonas Schomaker und die übrigen eingewechselten VfR-Akteure beweisen dann die starke Neumünsteraner Ersatzbank. Allen voran Kastriot Alija. Nachdem der seinen Gegenspielern viele Rätsel aufgebende Krause viel zu leicht über links zwei Akteure austanzt und aus acht Metern am glänzend reagierenden Thomsen scheitert, staubt Alija zum 5:1 (82.) ab. Und beim 6:1 (84.) knallt er einen langen Newe-Abschlag genau in den Winkel (84.). Drei Tore in einer halben Stunde. Der bislang stets von der Bank kommende Alija, der fast die gesamte Vorbereitung verpasste, zeigte mal wieder seine Klasse.

Kurzweilig bis zum Schluss

Als die nie aufsteckenden Heider durch Kieselbach per Kopf bereits Newe überwunden haben, klärt Nick Neca ebenfalls per Kopf auf der Torlinie. Und auch beim Dreierpacker Alija klappt dann doch nicht alles. Halbrechts ganz frei zögert er aus acht Metern etwas zu lange, sodass Luca Wichmann gerade noch klären kann. So bleibt es beim auch so überraschend hohen 6:1 für Rasensport.

Fazit

Heide hat ein Defensivproblem.

Stimmen zum Spiel

Markus Wichmann (Trainer Heider SV)
Danny Cornelius (Trainer VfR Neumünster)
Azat Selcuk (Heider SV)
Nils Drauschke (VfR Neumünster)
Rafael Krause (VfR Neumünster)
  • VfR Neumünster: Newe – Neca, Korup, Latifi, Lippegaus – Aouci (59. Aouci), Mehmeti (66. Schomaker), Knutzen, Krause (83. Schilling) – Drauschke (66. Carvalho), Adesanya (59. Jasari).
  • Trainer: Danny Cornelius.
  • Heider SV: Thomsen – von Böhlen, Wichmann, Lampros, Boukara – Selcuk (73. Wolf), Reimers, Gieseler, Abduljabar (73. Dreyer) – Kieselbach, Fleige (73. Busch).
  • Trainer: Markus Wichmann.
  • Schiedsrichter: Finn Jonah Dettmer (SV Adelby)
  • Assistenten: Lutz Jessen, Matthias Hendrik Müller
  • Zuschauer: 387
  • Tore: 1:0 (11.) Adesanya, 2:0 (43.) Adesanya, 3:0 (56., direkter Freistoß) Drauschke, 4:0 (63.) Alija, 4:1 (71.) Kieselbach, 5:1 (82.), 6:1 (84.) Alija

Tabelle Oberliga Schleswig-Holstein – 4. Spieltag

Liga-Tabelle
Platz Mannschaft Sp G U V Tore Diff Pkt
1. (1)SC Rapid Lübeck440011:4712
2. (2)VfR Neumünster431012:3910
3. (4)TSB Flensburg430114:599
4. (5)1.FC Phönix Lübeck II430111:929
5. (7)Holstein Kiel II – U23421112:667
6. (3)FC Kilia Kiel42118:627
7. (8)Oldenburger SV421110:1007
8. (6)TSV Nordmark Satrup42029:10-16
9. (8)TuS Rotenhof41219:11-25
10. (10)PSV Neumünster41216:8-25
11. (15)MTSV Hohenwestedt411211:13-24
12. (12)Kaltenkirchener TS41035:7-23
13. (11)Eckernförder SV41037:10-33
14. (13)Heider SV41036:16-103
15. (14)SV Eichede40135:8-31
16. (16)VfB Lübeck II – U2140044:14-100

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