Keeon Erfurth und Volodymyr Pryiomov geben VfR Neumünster Lebensenergie

von Helwig Pfalzgraf

Bei sonnigem Wetter, aber eiskalten Nordostwinden trafen im Aufsteigerduell Nordmark Satrup und der VfR Neumünster aufeinander. Der Platz an der schönen Sportanlage am Schwimmbad war zwar tief, aber hervorragend präpariert und gut bespielbar. Die Heimelf von Trainer Bernd Hansen musste auf einige Stammakteure (u.a. Noah Briekorn, Jannik Sellmer, Nick Falke) verzichten.

Neumünster mit neuer Taktik und überraschender Aufstellung

Bei den Veilchen hatte Coach Rocco Leeser nach der desaströsen Vorstellung der Vorwoche (0:1 gegen Oldenburg) Konsequenzen gezogen. Das Spielsystem wurde geändert, man agierte mit einer 3er Kette. Auch entscheidende, teils sehr überraschende personelle Veränderungen gab es.

Neca und Latifi aus Sperren zurück

Auf Rechtsaußen fand sich nach 3 Spielen Rotsperre Nick Neca wieder. Der etatmäßige Verteidiger erhielt dort den Vorzug vor den Offensivleuten Emirkaan Güzel, Ilir Serifi oder Diego Berendsohn. In der Defensive stand zudem Geart Latifi nach seiner Gelbsperre wieder zur Verfügung. So wurde Sean Vinberg wieder fürs Mittelfeld frei. Und noch ein Coup: Der sonstige zentrale Mittelfeldakteur Marcel Stölting besetzte die rechte defensivere Außenbahn.

VfR schnell spielbestimmend

Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase wurde schnell deutlich: Leeser lag mit seinen Änderungen 100% richtig. Nach 10 Minuten hatte der VfR alles unter Kontrolle. Satrup bekam keinen Zugriff auf die Gäste, die diesmal auch den Eindruck einer “Männermannschaft” machten.

Es wurde deutlich, dass Satrup wie im Hinspiel (5:3 für Satrup) auf schnelles Umschaltspiel setzte. Das klappte jedoch nicht, im Zentrum verhinderten dies Vinberg, dessen Zweikämpfe mit dem starken früheren Husumer Finn Christiansen zu den Höhepunkten des Spiels gehörten, und Björn Lambach immer schon im Ansatz.

Björn Lass und Christoph Ottsen in vorderster Linie versuchten das jetzt immer deutlicher dominierende Neumünsteraner Aufbauspiel zu unterbinden, liefen Rasensports Abwehrchef Kenny Korup immer wieder an. Doch der gab die Verantwortung des Aufbaus in dieser frühen Phase dann per Kurzpass an Nebenmann Christoph Kahlcke ab, der immer wieder andribbelte und ein ums andere Mal die vordere Front bediente. Stölting und Neca waren dankbare Abnehmer. Sturmspitze Volodymyr Pryiomov machte trotz engster Manndeckung durch Sebastian Waterhues fast jeden Ball fest. Auf der linken VfR-Seite sorgten die schnellen Zinedine Hukporti und Keenon Erfurth für permanente Gefahr vor dem von Ingmar Struck hervorragend gehüteten Nordmark-Gehäuse.

Vinbergs Kopfball-Tor zählt nicht

Nach einer der zahlreichen Rasensport-Ecken durch Lambach köpfte Vinberg (14.) zum vermeintlichen Gäste-Führungstor ein. Doch der gut stehende Schiedsrichter Jannik Romahn bewertete dessen Einsatz gegen Thorve Hansen als Foulspiel.

Unbeeindruckt spulten die Veilchen weiterhin ihr Pensum ab. Gästekeeper Christopher Newe wurde nur durch gelegentliche Rückpässe ins Spiel eingebunden. Die Partie spielte sich fast ausschließlich in der Satruper Hälfte ab. Satrup geriet so unter Dauerdruck.

Pryiomov scheitert per Elfer an Struck

Dann schien vor der Pause die Gästeführung fällig. Vinberg wurde gefoult, Schiri Romahn zeigte sofort auf den Punkt. Doch Ingmar Struck wehrte den hart und platziert geschossenen Pryiomov-Elfer mit einer fantastischen Parade ab (39.). Nur zwei Minuten später rettete Struck erneut gegen Pryiomov. Der VfR-Sturmroutinier nahm eng gedeckt mit dem Rücken zum Tor die Kugel an, versetzte seinen Schatten Sebastian Waterhues und lief frei aufs Satruper Tor zu, doch Struck blieb wieder Sieger. So ging es mit einem 0:0 in die Pause.

2. Hälfte: Satrup resettet

Zu Beginn der zweiten Hälfte präsentierte sich Satrup zunächst gleichwertig, hatte mehr Spielanteile. Nach einem Angriff über rechts gelang Tom Karlshünning ein Traumpass auf den in den freien Raum sprintenden Ottsen, der die Geschwindigkeit mitnehmend schon fast an Newe vorbei war, der jedoch mit einer starken Rettungstat Ottsen die Kugel noch vom Fuß fischte (49.) Fast hätte Nordmark hier den bisherigen Spielverlauf auf den Kopf gestellt.

Satrup patzt im Spielaufbau: 0:1

Auch in der folgenden Phase gelingt es dem VfR nicht mehr, Satrup einzuschnüren. Es entwickelt sich ein offeneres Spiel. Doch dann geht der VfR in Führung, begünstigt durch einen Satruper Fehler im Spielaufbau: Vinberg klaut Hansen den Ball, bedient Erfurth, der mühelos seinen Gegenspieler übersprintet und frei vor Struck einschiebt (59.).

Keeon Erfurth, hier im Testspiel bei Kilia, gelingt das wichtige Führungstor in Satrup. © 2024 Ismail Yesilyurt
Keeon Erfurth, hier im Testspiel bei Kilia, gelingt das wichtige Führungstor in Satrup. © 2024 Ismail Yesilyurt

Rot für Satrups Paul Waterhues

Das Spiel wird danach hektischer, nickliger: Neca foult seinen Gegenspieler Paul Waterhues, der sich spontan revanchiert und nachschlägt. Sofort und ohne Umschweife gibt es glatt Rot für Waterhues (67.). Alles spricht jetzt für den VfR, doch Satrup gibt sich nicht geschlagen, versucht alles. Nachwuchsmann Jens Nicolas Wollesen (73.) kommt ebenso wie Torjägerroutinier Ken Dikun (79.) für die Offensive. Newe steht jetzt öfter im Blickpunkt, es gibt heiße Szenen im VfR-Strafraum. Richtige Großchancen hat Nordmark dabei aber nicht. Gefährlicher sind die VfR-Konter: der unermüdliche Pryiomov düpiert auf Linksaußen wieder seinen Gegenspieler, stürmt auf Struck zu, hämmert den Ball aber Millimeter am Winkel vorbei (85.).

Satrup holt die Brechstange raus, schlägt jetzt jeden Ball hoch in den gegnerischen Strafraum, versucht dort Chaos zu erzeugen. In der Nachspielzeit begeht der VfR zweimal kurz hintereinander zwei unnötige Foulspiele weit in der Satruper Hälfte, obwohl Trainer Leeser vor diesen dummen Aktionen gradezu flehentlich ruft: “Kein Foulspiel!!!”.

Pryiomov zum Zweiten: 0:2

Doch souverän verteidigt der VfR auch diese Bälle. Einen finalen Konter veredelt Pryiomov. Er lässt wieder seinen Gegenspieler stehen, geht auf und davon, wird 14 Meter vor dem Tor abgeräumt. Elfmeter für den VfR und wegen sonstiger Doppelbestrafung “nur” Gelb für den Notbremser. Diesmal lässt sich Pryiomov diese Chance nicht entgehen und schickt Struck in die falsche Ecke.

Fazit: Ein eindrucksvolles Lebenszeichen des bisherigen Tabellenschlusslichts VfR Neumünster.

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