Nach 0:2 noch 2:2 gegen Phönix: Kilia-Coach Nicola Soranno zieht Hut vor seinem Team

von Ismail Yesilyurt

Ben Luca Nohns (re., Kilia Kiel) hatte als einzige Spitze einen schweren Stand, arbeitete aber auch sehr mannschaftsdienlich. Hier gegen Obinna Iloka (Phönix Lübeck). © 2024 Ismail Yesilyurt


Eine sehr gute Laune herrscht bei den Vereinsverantwortlichen des FC Kilia Kiel am frühen Samstagabend. Mit dem 2:2 am 25. Spieltag gegen einen vielleicht zukünftigen Drittligisten 1. FC Phönix Lübeck gelingt dem abstiegsgefährdeten 17. der Regionalliga Nord ein höchst überraschender Punktgewinn. Umso erstaunlicher nach einem 0:2 mit dem Pausenpfiff.

Nicola Soranno justiert auf 4-5-1-System um

Am Ende ist das Unentschieden als gerechter Ausgang nicht von der Hand zu weisen. Nicola Soranno hat nach den letzten beiden Spielen (2:3 gegen St. Pauli II und 0:3 in Lohne) nachjustiert nach jeweils drei frühen Gegentoren in der ersten Halbzeit. Die Dreier-Abwehrkette wird um eins erhöht, der Angriff um eins auf einen Stürmer reduziert. Im 4-5-1-System spielt Ben Luca Nohns die einzige Spitze.

Kilia Kiel zum Anfang gleichwertig

Das fruchtet, denn in den ersten knapp 20 Minuten macht sich der Unterschied von 13 Plätzen nicht bemerkbar. Das Mittelfeld arbeitet sehr gut und schließt die Lücken. Alles was dann durchkommt wird von der hintere Reihe bereinigt. Dazu gehört auch der gute Keeper Tom Pachulski, der nach einem Zuspiel von Laufwunder Julian Meier einen erfolgreichen Abschluss von Vladyslaw Kraiev zerstört (13.). Phönix übernimmt nach und nach mehr die Initiative. Bei den Aktionen sind die Gäste nun immer einen kleinen Schritt voraus. Mit One-Touch-Fußball und dem Pass vor dem Pass überzeugt die Mannschaft von Christiano Adigo, der mit viel Leidenschaft an der Seitenlinie auf und ab seit Team anleitet.

Malte Petersen (re., Kilia Kiel) ist im Zweikampf nah an Julian Meier (Phönix Lübeck) dran. © 2024 Ismail Yesilyurt
Malte Petersen (re., Kilia Kiel) ist im Zweikampf nah an Julian Meier (Phönix Lübeck) dran. © 2024 Ismail Yesilyurt

Flanken und Eckbälle bringen Gefahr für Kilianer

Dennoch lassen die Kilianer keine großartigen Chancen zu. Gefährlich wird es bei den Flanken und Eckbällen, die durch den Torraum an den zweiten Pfosten gezogen werden. Da brennt es ein paar Mal, weil manchmal die Abstimmung in der durch die Mittelfeld-Außen erweiterten Abwehrkette nicht stimmt. So wie beim 0:1, als Jonathan Stöver unbedrängt einköpft. Den höheren Druck der besseren Adlerträger hält Kilia bis zur letzten Sekunde der 46 Minuten dauernden ersten Hälfe stand. Dann ist nach einer Flanke von links erneut Stöver per Kopf erfolgreich.

Bewegung tut bei der Kälte gut - Coach Christian Adigo (Phönix Lübeck) ist im ersten Abschnitt viel unterwegs. © 2024 Ismail Yeslyurt
Bewegung tut bei der Kälte gut – Coach Christian Adigo (Phönix Lübeck) ist im ersten Abschnitt viel unterwegs. © 2024 Ismail Yeslyurt

Kieler widerlegen These

Das war es, so denken nicht nur die Fans. Diese These hält sich knapp 10 Minuten mit je einer Chance auf beiden Seiten, wackelt in der 57. Minute und fällt komplett nach 69 Minuten. Zunächst mit dem 1:2. Jan Matti Seidel schirmt nach einem Zuspiel von Salih Ramo in den Strafraum den Ball am Torraum geschickt gegen Kevin Ntika ab und trifft aus unmöglichem Winkel die kurze Ecke entlang fast aus dem Nichts. Das setzt Adreanlin frei bei den Kilianer, die nun die optische Überlegenheit der Phönixer wegwischen und mehr Ballbesitzanteile holen. Es kommt noch viel besser für die Kieler. Drilon Trepca, der mit seiner Einwechselung mehr Action mitbringt, passt im Strafraum auf Marvin Müller, der an die Strafraumgrenze zurück legt. Dort steht Rezan Acer und trifft ins rechte Eck zum 2:2. Abwehrspieler Kevin Harder testet dann noch einmal den Antritt seines Keepers. Sein No-Look-Rückpass, Pachulski hatte sich ganz rechts im Strafraum angeboten, trudelt auf auf das leere Tor. Doch Pachulski ist in zwei Sekunden von 0 auf 100 und rettet einen Meter vor der Torlinie (79.).

Hat an diesem Sonntag Geburtstag - Julius Alt (re., Kilia Kiel), hier gegen Vladyslav Kraiev (Phönix Lübeck). © 2024 Ismail Yesilyurt
Hat an diesem Sonntag Geburtstag – Julius Alt (re., Kilia Kiel), hier gegen Vladyslav Kraiev (Phönix Lübeck). © 2024 Ismail Yesilyurt

Punkt-Geschenk für Julius Alt

Fazit: Stark Kilia! Nach einem niederschmetternden 0:2 mit dem Pausenpfiff so aufzustehen. Danach erhöhen die Lübecker wieder den Takt, doch den können die Kieler nun leicht mittanzen bei eisigen Windverhältnissen. Offensiv läuft nichts Vernünftiges beim Favoriten. Zumal auch Phönix-Coach Christiano Adigo seine Leidenschaft auf seinem Stuhl sitzend abgeschaltet hat. Am Ende darf die Elf von Nicola Soranno kräftig jubeln. Vielleicht auch später, wenn Julius Alt, der am Sonntag 26 Jahre jung wird, einen ausgibt.

Stimmen

Christiano Adigo (Trainer 1. FC Phönix Lübeck)
Nicola Soranno (Trainer Kilia Kiel)
Julius Alt (Kilia Kiel)

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