Elvind Bajrami (re., SC Weiche Flensburg 08 II) verhindert den Rekord des Eckernförder SV. © 2025 Ismail Yesilyurt
Der Eckernförder SV hat eine ohnehin schon herausragende Saison in der Oberliga Schleswig-Holstein nicht mit einem historischen Meilenstein krönen können. Am letzten Spieltag schlüpfte die Regionalliga-Reserve des SC Weiche Flensburg 08 im Manfred-Werner-Stadion erfolgreich in die Rolle des Partycrashers.
Die Vorzeichen für den Tabellenzweiten aus Eckernförde waren klar: Mit 67 Punkten im Gepäck reiste das Team an. Ein Sieg hätte die historische Marke von 70 Zählern bedeutet – so viele Punkte hatte bis dato noch keine Eckernförder Mannschaft eingefahren. Am Ende stand auf dem gepflegten Flensburger Rasenplatz jedoch ein 1:1 (0:0)-Unentschieden auf der Anzeigetafel, wodurch der ESV die Spielzeit mit dennoch beachtlichen 68 Punkten beendet.
Gelb-Rot bringt den Bruch im Eckernförder Spiel
Die Partie nahm kurz vor der Pause eine vorentscheidende Wendung. Nach einer unübersichtlichen Freistoßsituation, bei der laut Eckernförder Spielern eine Tätlichkeit im Raum stand, verwarne Schiedsrichter Nic Ströhnisch beide beteiligten Akteure in der 31. Minute mit Gelb . Flensburgs Trainer Dimitry Kehl erkannte die emotionale Aufladung beim Gegner sofort und reagierte taktisch:
„Der gegnerische Spieler, der nachher Gelb-Rot kriegte, der war so aufgebracht und dann haben wir versucht, ihm auf seine Seite da reinzuspielen. Der war so hochgefahren. Das haben wir natürlich eiskalt ausgenutzt.“
Die Quittung folgte in der 40. Minute: Der bereits verwarnte Timo Bamler agierte in den Augen des Unparteiischen zu überdreht und flog mit Gelb-Rot vom Platz. ESV-Trainer Maik Haberlag ärgerte sich sichtlich über den Platzverweis:
„Das haben wir uns leider selber zuzuschreiben. Ich finde, die gelb-rote Karte hat einen Bruch gegeben. So von der Sache her haben wir nichts zugelassen. Dann haben wir leider auch ein bisschen mit in die Karten von Weiche reingespielt, sodass Timo Bamler dann in der vierzigsten gelb-rot vom Platz gehen musste.“
Führung in Unterzahl und ein offener Schlagabtausch
Trotz der personellen Dezimierung kamen die Eckernförder wacher aus der Kabine. In der 50. Minute zappelte der Ball im Flensburger Netz: Nach einer einstudierten Eckenvariante lauerte Ömer Dagtekin am zweiten Pfosten und vollstreckte zur 1:0-Führung für den ESV. „Das 1:0 war von Ömer Dagtekin nach einer Ecke. Die war auch so gewollt auf den zweiten Pfosten und Ömer hat’s dann gut verwertet“, lobte Haberlag den Spielzug.

Weiches Coach Kehl ärgerte sich derweil über den Tiefschlaf seiner Elf: „Wir kommen nach der Halbzeit raus, kassieren das 0:1s, weil wir wieder nach einer Standardsituation schlafen“. In der Folge entwickelte sich ein hochklassiger und rasanter Schlagabtausch, bei dem man zu keiner Zeit merkte, dass es für beide Teams tabellarisch um nichts mehr ging – Eckernförde war bereits sicher für die Aufstiegsrelegation qualifiziert, Weiche II im gesicherten Mittelfeld jenseits von Gut und Böse.
Später Ausgleich und Stolz auf die Leidenschaft
Eckernförde verpasste es in Unterzahl drei Mal, den Sack zuzumachen. Unter anderem scheiterte Ole Altendorf nach einem feinen Chipball von Dagtekin am Pfosten. Auf der Gegenseite verbuchte der Gastgeber ebenfalls zwei Aluminiumtreffer. In der 76. Minute belohnten sich die Hausherren schließlich für den Aufwand: Über die rechte Seite stark durchkombiniert, landete der Ball im Zentrum bei Elvind Bajrami, der unten links zum 1:1-Endstand einschoss.
Trotz des verpassten Punkterekords überwog bei beiden Trainern nach dem Abpfiff der Respekt vor der gezeigten Leistung. Weiche-Coach Kehl zollte dem Vizemeister großen Respekt:
„Hut ab vor der Leistung von Eckernförder SV ab der vierzigsten Minute mit zehn Mann und dann so viel Ehrgeiz noch und so zu laufen. Am Ende war das 1:1s verdient. Das Spiel hätte 2:2 ausgehen können, 3:3 ausgehen können.“
Auch Maik Haberlag zog, mit Blick auf die anstehenden Qualifikationsspiele zur Oberliga, wertvolle Lehren aus dem packenden Saison-Finale:
„Wir haben es einerseits geschafft, dieses Jahr immer noch unschlagbar zu sein. Das muss man auch mal als Positives mitnehmen. Wir haben es geschafft, leidenschaftlich zu verteidigen in Unterzahl. Aber, und das nehme ich jetzt auch mal so ein bisschen als Lerneffekt für die nächsten Wochen, deswegen war das heute richtig gut.“
Am 30. Mai spielt der Eckernförder SV bei der U23 des VfB Lübeck vor – am 6. Juni im Rückspiel in Eckernförde wird der 3. Aufsteiger neben den beiden Meistern in die Oberliga gefunden werden. Der unterlegene Verein steigt mit auf, wenn Todesfelde die Regionalliga-Aufstiegsrunde meistert. Vor der Relegation kämpft der ESV noch um den Kreispokal und Einzug in den Landespokal. Am Montag, dem 25. Mai gibt es das Duell gegen den Oberligisten TuS Rotenhof.
SC Weiche Flensburg 08 II: Buck – Santos (33. Theo Fritze), Kehl, Theede, Hassanoglou – Attisso, Barth, Shahid – Kaya, Kabus, Bajrami.
Trainer: Dimitry Kehl.
Eckernförder SV: Sievers – Bamler, Andreas, Knittel, Mohr (61. Wolf), Huber (46. Röschmann) – Justen (87. Wölki), Richter (63. Stöterau), Wagner – Altendorf, Dagtekin (81. Behrens).
Trainer: Maik Haberlag.
SR: Nic Ströhnisch (TuS Hartenholm).
Ass.: Maxim Liebert, Timo Walther.
Z.: 67.
Gelb-Rote Karte: Timo Bamler (40., ESV).
Tore: 0:1 Ömer Dagtekin (50.), 1:1 Elvind Bajrami (76.).
