Rücken an Rücken, so eng wie das Spiel in Hälfte zwei war, sind Jeppe Waschko (re., Kilia Kiel) und Till Börner (Inter Türkspor Kiel). © 2026 Ismail Yesilyurt
Das Kieler Stadtderby zwischen dem FC Kilia Kiel und Inter Türkspor Kiel bot am Sammlungsnachmittag am Hasseldieksdammer Weg eigentlich die perfekte Bühne für einen entspannten Saisonausklang. Kilia siegte knapp mit 2:1 (1:1) und sicherte sich damit den dritten Tabellenplatz in der Flens-Oberliga. Doch das sportliche Geschehen geriet aufgrund komplett in den Hintergrund. Bereits während der 90 Minuten machte ein Gerücht am Spielfeldrand die Runde, das Inter-Trainer Karim Youssef nach dem Schlusspfiff schweren Herzens bestätigte: Er wird die Mannschaft nicht in die Landesliga begleiten.
Die Kehrtwende nach dem Resetknopf
Die Entscheidung kommt für viele überraschend, da Youssef nach dem feststehenden Abstieg in intensiven Gesprächen mit den Vereinsverantwortlichen eigentlich schon seine Zusage für das Projekt Wiederaufbau gegeben hatte. Ursprünglich lautete sein interner Plan: Klassenerhalt oder Abschied. Doch nun folgte die Kehrtwende am Erich-Kästner-Weg auf dem Kieler Ostufer. Der Verein drückte mit einem neuen sportlichen Leiter auf den Resetknopf.
Youssef erklärte seine Beweggründe nach der Partie gewohnt offen und reflektiert:
„Jetzt kommt ein neuer Sportleiter mit neuen Ideen, mit neuem Schwung, hat auch mal sein eigenes Leben, wieder einen Umbruch. Und ich habe gesagt, dann mache ich halt meinen Posten frei und lasse auch mal den Umbruch vernünftig mit einem neuen machen und fertig.“

Auch Co-Trainer Lars Horstinger hört ebenfalls auf. „Wir haben nicht mal mehr die gleiche Konstellation, in der wir zugesagt haben. Rational ist das Beste auch fürs Team, dass sie wirklich von null anfangen“, so Youssef.
Stolzer Abschied mit einer Rumpftruppe
Trotz der Niederlage zeigte sich Youssef tief beeindruckt von der Moral seiner Mannschaft, die beim Tabellendritten mit dem sprichwörtlich letzten Aufgebot angetreten war. Ohne gelernte Abwehrspieler – mit Ausnahme von Andre Volkers – hielt Inter Türkspor die Partie bis in die Schlussphase offen. Nach der frühen Kilia-Führung durch Marc Schwabe (19.) gelang Phil Baumgarn kurz vor der Pause sogar der vielumjubelte Ausgleich (41.).

Erst in der 74. Minute besiegelte Luca Senger den 2:1-Endstand für die Hausherren. Mit einem schönen Schlenzer von der linken Strafraumgrenze traf der Rechtsfuß sehenswert ins lange Eck. Unhaltbar für Keeper Lukas Hoop, der trotz seines jungen Alters viel Ruhe ausstrahlte. Es war nun das vierte 1:2 von Inter in Folge.
Youssef sparte nicht mit Lob für sein Team, das die gesamte Saison über über seinen Verhältnissen kämpfen musste:
„Das war heute auch noch mein letztes Spiel. Ich kann dieser Mannschaft nichts vorwerfen, als was sie gegeben hat. Mit einem von der Qualität her Landesliga-Kader haben wir fast immer so knappe Spiele gegen die stärkste Oberliga momentan geliefert. Ich gehe mit erhobenem Haupt.“
Kilia feiert Platz drei trotz fehlender Konsequenz
Auf der Gegenseite herrschte bei Kilia-Trainer Nicola Soranno nach dem Schlusspfiff Erleichterung, auch wenn er mit der spielerischen Leistung am letzten Spieltag nicht vollends zufrieden war. Vor 120 Zuschauern ließen die Kilianer, die vor dem Spiel Jeppe Waschko, Justus Kaack, Julius Alt, Florian Foit, Pelle Kieker, Philipp Spohn, Joshua Nwokoma und Rezan Acer (schon zur Winterpause zu Inter und beim Spiel dabei) verabschiedeten, hochkarätige Chancen im ersten Abschnitt ungenutzt.

Soranno bilanzierte den Derby-Sieg und das Erreichen des dritten Ranges mit einem Schmunzeln:
„Heute war es schleppend, was das Spiel angeht, weil bei uns einfach die letzte Konsequenz gefehlt hat. In der ersten Halbzeit müssen wir auf drei, vier, fünf null stellen. Aber am Ende ist es scheißegal, wir haben gewonnen. Jetzt sind wir Tabellendritter – nach der Hinrunde haben wir damit nicht gerechnet.“
Während der FC Kilia Kiel nach einer starken Aufholjagd in der Rückrunde positiv in Richtung der neuen Spielzeit blicken kann, beginnt für Inter Türkspor Kiel am Ostufer ab sofort die Suche nach einem neuen Trainer für den Neustart in der Landesliga.
Stimmen zum Spiel
FC Kilia Kiel: Kaack (46. Kieker) – Jakubowski, Foit (82. Ködörgü), Meseberg – Spohn – Senger, Alt, Yazgan (67. Bauer), Waschko (59. Müller) – Nwokoma (59. Groß), Schwabe.
Trainer: Nicola Soranno.
Inter Türkspor Kiel: Hoop – Sercan Yildirimer (74. Sönmez), Sharba, Volkers, Lovizio – Börner (86. Adjamgba) – Serkan Yildirimer, Petersen (46. Halili), Acer, Cerrah – Baumgarn.
Schiedsrichter: Khaled El-Rifai (VfL Bad Schwartau).
Assistenten: Kjell-Oke Schneider, Finn Rolfes.
Zuschauer: 120.
Tore: 1:0 Marc Schwabe (19.), 1:1 Phil Baumgarn (41.), 2:1 Luca Senger (74.).
30. Spieltag – Oberliga SH
| Datum | Begegnung | Erg. |
|---|---|---|
| 16.05.26 | TSV Nordmark Satrup – VfR Neumünster | 2:1 |
| 16.05.26 | TuS Rotenhof – Holstein Kiel U23 II | 0:2 |
| 16.05.26 | FC Kilia Kiel – Inter Türkspor Kiel | 2:1 |
| 16.05.26 | Polizei SV Union Neumünster – Oldenburger SV | 5:3 |
| 16.05.26 | Eutin 08 – MTSV Hohenwestedt | 0:3 |
| 16.05.26 | SV Preußen Reinfeld – Kaltenkirchener TS | 1:5 |
| 16.05.26 | Heider SV – 1. FC Phönix Lübeck II | 4:0 |
| 16.05.26 | SV Eichede – SV Todesfelde | 0:2 |
Tabelle Oberliga Schleswig-Holstein
| Pos | Verein | Sp. | Tore | Pkt. |
|---|---|---|---|---|
| 1 | SV Todesfelde (Ab) | 30 | 79:24 | 77 |
| 2 | Holstein Kiel U23 II (Ab) | 30 | 82:25 | 65 |
| 3 | FC Kilia Kiel | 30 | 86:37 | 59 |
| 4 | SV Eichede | 30 | 59:29 | 59 |
| 5 | VfR Neumünster | 30 | 61:55 | 50 |
| 6 | Heider SV | 30 | 59:58 | 47 |
| 7 | Polizei SV Union Neumünster | 30 | 68:62 | 44 |
| 8 | 1. FC Phönix Lübeck II (Auf) | 30 | 65:68 | 42 |
| 9 | TSV Nordmark Satrup | 30 | 44:51 | 40 |
| 10 | Kaltenkirchener Turnerschaft (Auf) | 30 | 47:55 | 36 |
| 11 | TuS Rotenhof | 30 | 50:69 | 34 |
| 12 | MTSV Hohenwestedt | 30 | 48:64 | 29 |
| 13 | Oldenburger SV | 30 | 61:86 | 29 |
| 14 | Eutin 08 | 30 | 32:65 | 27 |
| 15 | Inter Türkspor Kiel (Auf) | 30 | 31:77 | 20 |
| 16 | SV Preußen Reinfeld | 30 | 38:86 | 16 |
