Osterrönfelds Ligamanager Kai Nacken-Hoffmann ging beim Spiel in Hademarschen durch ein Wechselbad der Gefühle. © Olaf Wegerich
Es war ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst – und das am Ende nur Verlierer auf Seiten der Gäste kannte. Der Osterrönfelder TSV hat im Abstiegskampf der Verbandsliga West eine schmerzhafte 5:6 (1:2)-Niederlage beim Tabellenschlusslicht SV Merkur Hademarschen einstecken müssen. Dabei durchlief die Mannschaft vom Bahndamm ein Wechselbad der Gefühle, das von totaler Desorientierung bis hin zu einer heroischen Aufholjagd reichte, nur um in der siebten Minute der Nachspielzeit doch mit leeren Händen dazustehen.
Die Vorzeichen standen eigentlich gut: Die Ergebnisse der Konkurrenz am Samstag hatten dem OTSV die ideale Steilvorlage geliefert, um mit einem Sieg den Relegationsplatz zu verlassen. Doch was folgte, war laut OTSV-Manager Kai Nacken-Hoffmann ein „Wahnsinns-Drama“.
Fehlstart und kalte Duschen am laufenden Band
Bereits nach 50 Sekunden geriet der Matchplan der Gäste ins Wanken. Der erste lange Ball der Hausherren landete bei Christopher Stotz, der eiskalt zum 1:0 vollstreckte. Zwar antwortete die junge Osterrönfelder Truppe prompt durch Jon Truschkowski (4.), doch trotz drückender Überlegenheit und Chancen im Minutentakt wollte die Führung nicht fallen. Stattdessen schlug Stotz nach 33 Minuten erneut aus dem Nichts zu und sorgte für die 2:1-Pausenführung der Gastgeber.
Was sich nach dem Seitenwechsel abspielte, glich aus Sicht der Gäste einem Albtraum. „Völlig desorientiert kamen die Blau-Gelben aus der Kabine“, konstatierte Nacken-Hoffmann. Binnen elf Minuten schraubte Hademarschen das Ergebnis durch Luca Ubben (47.), einen umstrittenen Handelfmeter von Jon Niklas Wulff (49.) und den dritten Streich von Stotz (58.) auf ein schier uneinholbares 5:1 hoch. Der Schiedsrichter Sinan Bott habe sich dabei, so der OTSV-Manager, „durch das lautstarke Heimpublikum beeinflussen lassen.“
Die Auferstehung: Von 1:5 auf 5:5
Als in der 60. Minute Jamie Liß im Strafraum gefoult wurde, folgte die Wende: Rote Karte gegen Merkur und Elfmeter für den OTSV. Marko Grbavac verwandelte sicher zum 5:2. In Überzahl startete Osterrönfeld eine furiose Schlussoffensive. Ein Doppelpack von Jamie Liß (65., 69.) ließ den Rückstand auf 4:5 schmelzen und die Hoffnung zurückkehren.
In der 82. Minute schien das Wunder perfekt: Lorenz Billerbeck drückte den Ball zum 5:5 über die Linie. Der OTSV wollte nun den kompletten Triumph. Doch während hochkarätige Chancen zur Führung leichtfertig vergeben wurden, lauerte Hademarschen auf den einen Konter.
Der Knockout in der 97. Minute
Das bittere Ende folgte in der Nachspielzeit. Nach einem Foul von Bobby Zuleger konnte OTSV-Keeper Silas Einfeldt den fälligen Freistoß noch zur Ecke lenken. Doch der anschließende Standard besiegelte das Schicksal der Gäste: Luca Ubben köpfte in der 97. Minute zum 6:5 ein.
Manager Nacken-Hoffmann zog nach diesem Krimi ein ernüchtertes Fazit: „Eine mit großartiger Moral erkämpfte Aufholjagd blieb ohne Erfolg.“ Der OTSV bleibt damit auf dem Relegationsplatz kleben und muss die Wunden nach dieser „schmerzhaften“ Niederlage schnellstmöglich lecken, um den psychologischen Knacks vor den nächsten Aufgaben zu vermeiden.
Schiedsrichter: Bott.
Zuschauer: 99.
Tore: 1:0 Stotz (1.), 1:1 Truschkowski (4.), 2:1 Stotz (33.), 3:1 Ubben (47.), 4:1 Wulff (49. Foulelfmeter), 5:1 Stotz (58.), 5:2 Grbavac (60. Foulelfmeter), 5:3 Liß (65.), 5:4 Liß (69.), 5:5 Billerbeck (82.), 6:5 Ubben (90.+7)
