Lio Rothenhagen (Holstein Kiel) kam zu seinem Profidebüt. © 2025 Ismail Yesilyurt
Holstein Kiel hat die erste Hürde im DFB-Pokal genommen. Die Störche setzten sich am Samstagabend, 22. August 2026, beim Regionalligisten TSV 1860 München mit 2:0 (1:0) durch und stehen damit in der zweiten Runde. Vor ausverkauftem Haus an der Grünwalder Straße musste die Mannschaft von Trainer Tim Walter allerdings lange um den Erfolg zittern.
Die Störche erfüllten damit ihre Pflichtaufgabe, mussten dafür aber deutlich mehr arbeiten als es das Endergebnis vermuten lässt. Vor allem die Chancenverwertung in der ersten Halbzeit blieb aus Kieler Sicht ein Schönheitsfehler. 1860 kämpfte leidenschaftlich und brachte den Favoriten nach der Pause durchaus ins Wanken. Am Ende setzte sich jedoch die größere Qualität des Zweitligisten durch.
Phil Harres brachte die Kieler in der 34. Minute per Kopf in Führung, Guillermo Balzi sorgte mit einem Konter ins leere Tor erst in der fünften Minute der Nachspielzeit für die endgültige Entscheidung. 15.000 Zuschauer, darunter rund 1.500 mitgereiste Kieler Fans, erlebten ein intensives Pokalspiel.
Kiel startet druckvoll und lässt mehrere Chancen liegen
Holstein übernahm von Beginn an die Initiative und setzte 1860 früh unter Druck. Bereits in der Anfangsphase wurde deutlich, dass die Kieler ihre spielerische Überlegenheit nutzen wollten. Faride Alidou hatte nach 17 Minuten die große Möglichkeit zur Führung, scheiterte jedoch aus kurzer Distanz.
Nur wenige Minuten später hatte Jonas Therkelsen das 1:0 auf dem Fuß. Nachdem er an 1860-Torhüter Vitus Eicher vorbeigelaufen war, musste Lasse Faßmann auf der Linie retten. Auch Adrian Kaprálik verfehlte das Tor wenig später nur knapp.
Die Gastgeber hielten dagegen und hatten ebenfalls ihre Möglichkeiten. Besonders spektakulär war ein Distanzversuch von Tunay Deniz, der den zu weit vor seinem Tor stehenden Kieler Schlussmann Lio Rothenhagen, der zu seinem ersten Profieinsatz kam, überraschte, den Pfosten aber knapp verfehlte.
Harres köpft die Störche in Führung
Nach einer halben Stunde belohnte sich Holstein schließlich für den hohen Aufwand. Guillermo Balzi brachte den Ball in die gefährliche Zone, Adrian Kaprálik legte erneut auf und Phil Harres war zur Stelle. Der Kieler Torjäger köpfte aus kurzer Distanz zum 1:0 ein.
Für Harres war es bereits sein drittes Saisontor. Zuvor hatte der 24-Jährige auch in den ersten beiden Zweitliga-Partien gegen Darmstadt und den FC St. Pauli getroffen.
Holstein hätte die Führung bis zur Pause durchaus ausbauen können. Therkelsen prüfte Eicher noch einmal aus der Distanz, doch die Münchner blieben trotz des Rückstands im Spiel.
1860 drängt nach der Pause auf den Ausgleich
Nach dem Seitenwechsel kam der Regionalligist mutiger aus der Kabine. 1860 erhöhte den Druck und brachte die Kieler Defensive zunehmend in Bedrängnis.
In der 68. Minute hatten die Löwen den Torschrei bereits auf den Lippen. Nach einer Ecke rollte der Ball durch den Kieler Strafraum, doch Hiroki Sekine klärte in höchster Not per Kopf auf der Linie. Wenige Minuten später musste Rothenhagen bei einem Distanzschuss von Dennis Dressel eingreifen.
Holstein verlor in dieser Phase etwas die Kontrolle. „In der zweiten Halbzeit haben wir ein wenig die Ruhe verloren. Das war nicht unser Spiel, da haben wir uns anstecken lassen“, analysierte Trainer Tim Walter nach der Partie.
Balzi macht in der Nachspielzeit alles klar
1860 gab sich bis zum Schluss nicht geschlagen und warf in der Nachspielzeit alles nach vorne. Selbst Torhüter Vitus Eicher rückte bei einem Freistoß mit in den Kieler Strafraum auf.
Der Schuss ging allerdings nach hinten los. Holstein konnte den Ball erobern und Guillermo Balzi startete zum Konter. Der Argentinier hatte schließlich freie Bahn und schob in der fünften Minute der Nachspielzeit ins verwaiste Münchner Tor zum 2:0 ein.
Damit war die Partie entschieden. Holstein Kiel überstand die Pokalhürde beim ambitionierten Regionalligisten und steht zum vierten Mal in Folge in der zweiten Runde des DFB-Pokals. „Wir haben uns das Leben selber schwer gemacht, weil wir den Sack in der ersten Halbzeit nicht zugemacht haben. Aber jetzt sind wir eine Runde weiter. Darum geht es im Pokal“, sagte Walter.
TSV 1860 München: Vitus Eicher – Lance Fiedler, Lasse Faßmann, Benedikt Hoppe, Julian Bell (77. Arian Ortivero Calderon) – Dennis Dressel, Tunay Deniz (65. Raphael Wach) – Emre Erdoğan (88. Cristian Leone), Michael Eberwein, Fabio Wagner (88. Moritz Seiffert) – Florian Niederlechner (65. Mark Gevorgyan).
Trainer: Alper Kayabunar
Holstein Kiel: Lio Rothenhagen – John Tolkin (82. Leon Parduzi), David Zec, Ivan Nekić, Hiroki Sekine – Jonas Meffert – Jonas Therkelsen (55. Kasper Davidsen), Guillermo Balzi – Faride Alidou (55. Gyan de Regt), Adrian Kaprálik (82. Moritz Reimers) – Phil Harres.
Trainer: Tim Walter
Schiedsrichter: Felix Weller (Neunkirchen)
Assistenten: Christian Bandurski, Dominic Stock
Zuschauer: 15.000, ausverkauft.
Tore: 0:1 Phil Harres (34.), 0:2 Guillermo Balzi (90.+5)
