Marcel Freund (re.) und Lucas Groß (Kilia Kiel) zwischen Felix Knuth (TuS Rotenhof) und Thies Bütow (li.). © 2026 Ismail Yesilyurt
Eine Woche nach dem späten Gegentreffer gegen den PSV Neumünster hat der TuS Rotenhof diesmal selbst in letzter Minute zugeschlagen. Beim FC Kilia Kiel verwandelte Kapitän Felix Knuth in der fünften Minute der Nachspielzeit einen Foulelfmeter zum 2:2-Endstand. Die Gastgeber beendeten die intensive und hitzige Oberligapartie nach zwei Gelb-Roten Karten nur noch zu neunt.
Happy End für Rotenhof
Es dürfte sich für den TuS Rotenhof ein wenig wie ausgleichende Gerechtigkeit angefühlt haben. Beim 2:2 gegen den PSV Neumünster hatten die Rotenhöfer eine Woche zuvor in der 86. Minute noch den Ausgleich hinnehmen müssen. Dieses Mal war es die Mannschaft von Trainer Henning Knuth, die ganz spät zurückschlug und einen bereits verloren geglaubten Punkt rettete.
Frühe Kieler Führung
Vor 250 Zuschauern brachte Marc Schwabe den FC Kilia Kiel in der 32. Minute in Führung. Nach dem Seitenwechsel kamen die Gäste jedoch mit mehr Schwung aus der Kabine. Henry Grothkopp erzielte in der 56. Minute den Ausgleich zum 1:1.

Vergebene Chancen der Gäste
Danach verlor Kilia für einige Minuten den Zugriff auf die Partie. Rotenhof drängte auf den zweiten Treffer und hatte in der 64. Minute die große Gelegenheit zur Führung. Nach einer gelungenen Kombination kam Grothkopp am Elfmeterpunkt frei zum Abschluss, setzte den Ball jedoch deutlich über das Tor.
Marcel Freund trifft aus der Distanz
Mit zunehmender Spielzeit fand Kilia wieder besser in die Begegnung. In der 75. Minute legte Marvin Müller von der linken Seite auf Marcel Freund zurück. Dessen Schuss aus rund 14 Metern wurde vom angelegten Arm eines Rotenhofer Spielers abgeblockt.

Drei Minuten später machte es Freund besser. Sein abgefälschter Distanzschuss aus etwa 20 Metern schlug zum 2:1 für die Gastgeber ein. Rotenhof musste erneut einem Rückstand hinterherlaufen. In der 86. Minute fehlten nur Zentimeter zum Ausgleich. Einen Freistoß von Mats Henke aus rund 30 Metern lenkte Kilia-Torhüter Nikolas Wulf noch an den Pfosten.
Hektische Schlussphase und Platzverweise
Die turbulente Schlussphase war damit jedoch längst nicht beendet. Bereits in der 69. Minute hatte Lucas Groß nach einer umstrittenen Entscheidung die Gelbe Karte gesehen. Nach einem Zweikampf mit Leon Rathmann war der Kilia-Spieler zu Fall gekommen. Der Schiedsrichter entschied allerdings auf ein Foulspiel von Groß und verwarnte ihn anschließend wegen seiner Beschwerde.
In der Nachspielzeit foulte Groß Rotenhofs Mats Henke im Strafraum. Der Schiedsrichter entschied auf Elfmeter, zeigte die zweite Gelbe Karte jedoch Kilia-Verteidiger Ove Witt, der daraufhin unter heftigem Protest vom Feld musste. Felix Knuth übernahm die Verantwortung und verwandelte in der fünften Minute der Nachspielzeit zum 2:2.

Wenig später sah auch Groß Gelb-Rot. Die Zuordnung der Karten sowie einige weitere Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns sorgten nach der Partie für Diskussionen.
Kilia-Coach Soranno kritisiert die Spielkontrolle
Kilia-Trainer Nicola Soranno war mit der Punkteteilung, die er als gerecht einstufte, nicht zufrieden und erklärte, woran es aktuell hapert und warum es in der Schlussphase turbulent wurde: „Ja, aber hausgemacht. Ich habe es schon in der ersten Halbzeit gesagt dem Schiedsrichter, dass das noch ein wildes Spiel werden wird. Weil er nur Karten gegeben hat, wenn man sich emotional aufgeregt hat. Und sofort. Gar nicht bei Foulspiel von uns und Rotenhof.“ Bei der Suche nach den Gründen für den Nicht-Sieg fasste sich der Kieler Coach aber auch an die eigene Nase: „Trotzdem fehlt uns aktuell ein bisschen die Qualität bei der Entscheidungsfindung im letzten Drittel.“ Seine Mannschaft sei häufig hinter die gegnerische Abwehrkette gekommen, habe die Situationen anschließend aber nicht konsequent genug ausgespielt.
„Wir haben Möglichkeiten, den Ball an den Mann zu bringen, chippen ihn aber nicht auf den zweiten Pfosten oder legen ihn nicht in den Rückraum. Da fehlen uns aktuell die Zielstrebigkeit und die letzte Qualität“, so Soranno weiter.
„Wir treffen derzeit häufig die falsche Entscheidung. Daran müssen wir arbeiten“, sagte Soranno, der mit der Punkteteilung dennoch leben konnte: „Deswegen ist das 2:2 auch in Ordnung. Viele Entscheidungen fand ich allerdings sehr, sehr wild.“
Henning Knuth lobt seine junge Mannschaft
Auch Rotenhof-Trainer Henning Knuth bewertete das Unentschieden als gerecht. Seine stark ersatzgeschwächte Mannschaft habe einen großen Kampf geliefert. „Es war ein sehr offenes Spiel mit einer mutigen Spielweise von beiden Mannschaften“, sagte der noch recht junge Cheftrainer der Rendsburger. „Wir haben heute einen Riesenkampf abgeliefert.“

Der TuS musste nach Angaben des Trainers auf neun verletzte oder erkrankte Spieler verzichten. Dadurch kamen mehrere junge Akteure zum Einsatz. „Wir haben mit einem 18-jährigen Innenverteidiger (Lorenz Billerbeck, Anm. d. Red.) gespielt, dazu mit jungen Spielern auf der Sechs (Jonte Lahrs, Anm. d. Red.) und in der Offensive (Dustin Jacob, Anm. d. Red.). Die Jungs haben heute ihr Herz komplett auf dem Platz gelassen. Darauf bin ich sehr stolz.“
Knuth sah auf beiden Seiten Möglichkeiten, die Partie für sich zu entscheiden. „Es war ein Hin und Her. Deshalb ist das Unentschieden wahrscheinlich das gerechte Ergebnis.“ Auch nach dem zwischenzeitlichen 2:1 habe Rotenhof noch Gelegenheiten gehabt, um zumindest den Ausgleich zu erzielen.
Auch den späten Strafstoß hielt der Rotenhof-Trainer grundsätzlich für vertretbar. Eine Abseitsstellung habe aus seiner Sicht nicht vorgelegen. Beim anschließenden Zweikampf habe Henke die Situation allerdings geschickt angenommen. „Der Kontakt ist, glaube ich, da. Aber es war mit Sicherheit auch eine gewisse Cleverness von Mats dabei.“
Stimmen zum Spiel
- FC Kilia Kiel: Nikolas Wulf – Yannick Jakubowski, Ove Witt, Berat Ayyildiz (86. Paul Meseberg) – Tom Warncke – Drilon Trepca (74. Marcel Freund), Luca Bjarne Senger, Selim Cetintürk (63. Lucas Groß), Jannis Voß, Marvin Müller (89. Kevin Kortum) – Marc Schwabe
- Trainer: Nicola Soranno
- TuS Rotenhof: Justin Sörensen – Christoph Ohm, Dennis Bienwald (63. Mats Henke), Lorenz Billerbeck, Leon Rathmann – Jonte Lahrs, Felix Knuth – Dustin Jacob (63. Felix Struck), Thies Flemming Bütow, Henry Grothkopp (89. Paul Krämer) – Moritz Gersteuer (63. Cedric Nielsen)
- Trainer: Henning Knuth
- Schiedsrichter: Jannik Romahn (SV Hemmingstedt) hatte nicht seinen besten Tag erwischt.
- Assistenten: Simon Schmeling, Robert Petersen
- Zuschauer: 250
- Gelb-Rote Karte: Ove Witt (90.+4, Kilia), Lucas Groß (90.+7, Kilia)
- Tore: 1:0 Marc Schwabe (32.), 1:1 Henry Grothkopp (56.), 2:1 Marcel Freund (78.), 2:2 Felix Knuth (90. +5, FE)
Tabelle Oberliga Schleswig-Holstein – 5. Spieltag (22.08.26)
| Platz | Mannschaft | Sp | G | U | V | Tore | Diff | Pkt |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. (↑ 2) | VfR Neumünster | 5 | 4 | 1 | 0 | 15:5 | 10 | 13 |
| 2. (↓ 1) | SC Rapid Lübeck | 5 | 4 | 0 | 1 | 11:5 | 6 | 12 |
| 3. (↑ 5) | Holstein Kiel II – U23 | 5 | 3 | 1 | 1 | 16:6 | 10 | 10 |
| 4. (↓ 3) | TSB Flensburg | 4 | 3 | 0 | 1 | 14:5 | 9 | 9 |
| 5. (↓ 4) | 1.FC Phönix Lübeck II | 5 | 3 | 0 | 2 | 13:12 | 1 | 9 |
| 6. (↑ 8) | TSV Nordmark Satrup | 5 | 3 | 0 | 2 | 10:10 | 0 | 9 |
| 7. (↓ 6) | FC Kilia Kiel | 5 | 2 | 2 | 1 | 10:8 | 2 | 8 |
| 8. (↓ 7) | Oldenburger SV | 4 | 2 | 1 | 1 | 10:10 | 0 | 7 |
| 9. (↑ 12) | Kaltenkirchener TS | 5 | 2 | 0 | 3 | 9:9 | 0 | 6 |
| 10. (↓ 9) | TuS Rotenhof | 5 | 1 | 3 | 1 | 11:13 | -2 | 6 |
| 11. (11) | MTSV Hohenwestedt | 5 | 1 | 2 | 2 | 12:14 | -2 | 5 |
| 12. (↓ 10) | PSV Neumünster | 4 | 1 | 2 | 1 | 6:8 | -2 | 5 |
| 13. (↑ 14) | Heider SV | 5 | 1 | 1 | 3 | 7:17 | -10 | 4 |
| 14. (↓ 13) | Eckernförder SV | 5 | 1 | 0 | 4 | 9:14 | -5 | 3 |
| 15. (15) | SV Eichede | 4 | 0 | 1 | 3 | 5:8 | -3 | 1 |
| 16. (16) | VfB Lübeck II – U21 | 5 | 0 | 0 | 5 | 4:18 | -14 | 0 |
