Hauke Moje. © 2026 Osterrönfelder TSV
Als Spieler sammelte er Gelbe Karten wegen Meckerns, heute gehört er zu den besten Schiedsrichtern Schleswig-Holsteins. Hauke Moje pfeift in der vierten Saison in der Oberliga, leitet Spiele vor mehr als 1.000 Zuschauern und ist Schiedsrichterwart des Osterrönfelder TSV (OTSV). Der 33-Jährige spricht über seinen überraschenden Weg an die Pfeife, große Spiele, den Umgang mit Kritik und die dringende Suche nach Nachwuchs. Markus Till führte ein Interview mit dem Unparteiischen.
Vom Spieler zum Schiedsrichter
Hauke, kannst du dich kurz vorstellen?
Mein Name ist Hauke Moje. Ich bin am 4. November 1992 in Rendsburg geboren, komme ursprünglich aus Bokel und lebe heute mit meiner Frau und unserer einjährigen Tochter in Schacht-Audorf. Beruflich arbeite ich in der Personalabteilung der VR Bank.
War es damals eine spontane Entscheidung, den Ball gegen die Pfeife zu tauschen?
Wenn man Leute fragt, die mich kennen, würden die sagen: Das ist der letzte Weg, den man mir zugetraut hätte. Als Spieler habe ich einige Gelbe Karten bekommen – allerdings selten wegen Foulspiels.
Sondern?
Wegen Meckerns. Heute würde ich sagen, weil ich die Regeln nicht gut genug kannte.
Wie bist du trotzdem im Schiedsrichterwesen gelandet?
Ich durfte damals ein Schiedsrichterteam begleiten. Das Glück war, dass ich auf Leute in meinem Alter getroffen bin, die richtig Spaß an der Sache hatten. Die haben mich früh mitgenommen und gefördert. Dadurch konnte ich unglaublich schnell lernen.
Der schnelle Weg in die Oberliga
Wie sahen deine ersten Einsätze aus?
Angefangen habe ich in der Kreisklasse C und bei Jugendspielen. Gleichzeitig war ich schon als Assistent unterwegs. Mein zweiter Einsatz an der Linie war direkt ein Kreispokal-Halbfinale zwischen dem MTSV Hohenwestedt und dem Büdelsdorfer TSV. Dadurch kam ich früh mit höherklassigem Fußball in Berührung.
Deine Aufstiege gingen ungewöhnlich schnell oder täuscht der Eindruck?
Das stimmt. Ich habe 2019 den Schiedsrichterschein gemacht und war während der Corona-Zeit bereits in der Verbandsliga. Danach ging es über die Landesliga direkt in die Oberliga. Seit vier Jahren pfeife ich dort.

Ist die Oberliga für dich das Ende der Fahnenstange?
Realistisch betrachtet ja. Für höhere Klassen hätte ich deutlich früher anfangen müssen. Dass ich überhaupt mit 30 Jahren noch in die Oberliga gekommen bin, war schon eine Überraschung.
Die Faszination an der Pfeife
Was begeistert dich am Schiedsrichterwesen?
Das Miteinander. Auf dem Platz stehen 22 unterschiedliche Charaktere. Der Schiedsrichter ist der Einzige, der mit allen klarkommen muss. Die hohe Kunst ist, dass nach dem Spiel niemand über dich spricht.
Was macht einen guten Schiedsrichter aus?
Ruhe, Gelassenheit, Objektivität und Menschenkenntnis. Man muss Fußball lieben und verstehen, wie Spieler ticken. Oft hilft ein kurzes Gespräch mehr als eine Verwarnung.
Wie Hauke mit großen Aufgaben umgeht
An welche Spiele erinnerst du dich besonders gern?
Das Kreispokalfinale zwischen dem Eckernförder SV und TuS Rotenhof vor etwa 700 Zuschauern war natürlich etwas Besonderes. Großartige Kulissen hatte ich auch bei Spielen des Heider SV oder im SHFV-Pokal zwischen dem SV Eichede und PSV Neumünster.

Bist du vor solchen Spielen nervös?
Früher als Spieler ja. Heute nicht mehr. Ich bereite mich intensiv vor und kenne die Mannschaften sehr gut. Vor dem Anpfiff wird im Gespann sogar oft noch herumgealbert. Mit dem Anstoß wird dann der Schalter umgelegt.
So hilft das Pfeifen bei der Persönlichkeitsentwicklung
Wie gehst du mit Kritik um?
Wenn sie vernünftig geäußert wird, freue ich mich darüber. Kritik hilft dabei, besser zu werden. Direkt nach dem Spiel ist vieles aber eher Frustabbau.
Was hat dir das Schiedsrichterwesen persönlich gebracht?
Sehr viel. Entscheidungen treffen, unter Druck ruhig bleiben und Menschen einschätzen – das hilft mir auch beruflich enorm.
Nachwuchs dringend gesucht
Du bist Schiedsrichterwart des OTSV. Was wünschst du dir für die Zukunft?
Mehr Schiedsrichter. Der Fußball kann ohne sie nicht stattfinden. Viele Spiele können heute schon nicht mehr besetzt werden.
Wer eignet sich besonders?
Natürlich Jugendliche ab 14 Jahren. Aber vor allem wünsche ich mir ehemalige Fußballer, die dem Sport erhalten bleiben möchten. Man muss kein Profi werden wollen. Wir brauchen Menschen an der Basis.
Warum sollte jemand Schiedsrichter werden?
Weil es eine großartige Persönlichkeitsschule ist. Man lernt Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Außerdem bleibt man Teil des Spiels.
Welches Ziel Hauke noch hat
Was war dein schönster Moment als Schiedsrichter?
Der Anruf zum Aufstieg in die Oberliga.
Welche Ziele hast du noch?
Ein Einsatz beim Lotto Masters oder am Finaltag der Amateure. Das wäre etwas Besonderes. Solange ich leistungsfähig bin, möchte ich auf diesem Niveau bleiben.
