Mirko Schöning und SpVg Eidertal Molfsee mit Silberhochzeit

von Ismail Yesilyurt

Mirko Schöning. ©2026 privat


Zum Saisonauftakt bei der SpVg Eidertal tummelten sich rund 30 vorwiegend sehr junge Akteure auf dem Molfseer Kunstrasen. Wieder mit dabei: Mirko Schöning, der zuletzt ein Jahr wegen einer Knieverletzung ausfiel.

Vereinstreue: Ein Vierteljahrhundert Fußball nur bei der SpVg Eidertal

Sein Eidertaler Spielerpass ist im denkwürdigen September 2001 ausgestellt worden. Da waren die allermeisten seiner heutigen Mannschaftskameraden noch nicht geboren. Seitdem ist Schöning seit 25 Jahren ununterbrochen seinem Verein treu – eine Seltenheit, selbst im Amateurfußball. Im stark verjüngten und veränderten Eidertaler Kader 2026/2027 ist er damit mit Abstand (hinter Rückkehrer Leif Celik) der Zweitälteste.

Ein Teil der Fußballhistorie

Betrachtet man die Karriere Schönings, wirft man auch einen Blick in die Fußballhistorie der Eidertaler Fußballer. Er wurde ein wichtiger Baustein des Aufschwungs der Eidertaler Jugendabteilung in den 2000er-Jahren. Sein Jugendtrainer Günter Klatt erinnert sich: „Mirko ist ein zunächst unauffälliger Spieler, über den sich aber jeder gute Trainer freut. Leistungsstark, ballsicher, mannschaftsdienlich wie sonst kaum einer, absoluter Siegeswille. Immer das Team im Blick. Jemand, der seine Mitspieler besser macht.“ Dafür hat Klatt ein Beispiel.

Schöning macht Mitspieler/innen besser…

Klatt erinnert sich an ein D2-Jugendspiel mit seinem damaligen 1995er-Jahrgang gegen den FC Kilia: „Die hatten Lauri Kulikas vorne. Marie Becker (Red.: spätere U-Nationalspielerin, 2. Liga Holstein Kiel) sollte ihn bewachen.“ Beckers Vater war zunächst entsetzt, dass seine Tochter gegen den schon damals körperlich starken Torjäger spielen sollte. Klatt aber hatte keine Bedenken: „Mirko sollte bei Bedarf helfen. Hat hervorragend geklappt.“

…und räumt für sie auch seinen Stammplatz

Schöning kann sich darauf angesprochen noch gut erinnern: „Lauri ist heulend vom Platz gegangen.“ Zu der Zeit mit Marie Becker: „Ich musste für Marie meinen bisherigen Stammplatz räumen und spielte dann Linksverteidiger. Fand ich erst mal nicht sooo gut.“

Mirco Schöning (SpVg Eidertal Molfsee) versucht Damian Krause (TSV Rantrum) bei der Kopfball-Mitnahme zu stören. © 2023 Ismail Yesilyurt
Mirko Schöning (SpVg Eidertal Molfsee) versucht Damian Krause (TSV Rantrum) bei der Kopfball-Mitnahme zu stören. © 2023 Ismail Yesilyurt

Keine gradlinige Jugendzeit – Schöning schmeißt DFB-Stützpunkt

Auf Klatt folgte dann in der D1 Uwe Kähler als Trainer. Mit Florian Foit, Marie Becker und Mirko Schöning in der Defensive war die Kieler Kreismeisterschaft fast zwangsläufig. Schöning wurde für den DFB-Stützpunkt gecastet. Auch sein Eidertaler Trainer Uwe Kähler gehörte damals zum DFB-Trainerteam. Schöning gab den bald wieder auf: „Ich sagte zu Uwe, zweimal Training in der Woche mit dir in Molfsee reicht.“

Überhaupt dachte der junge Mirko nur von Saison zu Saison. „Ich hatte viele andere Interessen, oft wollte ich im nächsten Sommer aufhören.“ Doch Mirko blieb Jahr für Jahr dann doch, auch als Becker und Foit u. a. zu Holstein wechselten.

Oberliga – Aufstieg mit der U19

Überhaupt hatte Schöning mit seinem nach und nach ausdünnenden Jahrgang etwas Pech. Leistungsstärker waren vor ihm die Eidertaler Jahrgänge und vor allem auch nach ihm. Die 95er hingen irgendwo dazwischen. Als älterer A-Jugend-Jahrgang stieg Schöning dann aber zusammen mit den nachrückenden starken 96ern souverän in die Oberliga auf.

Seit 2014 Herren-Stammspieler

Als Herrenspieler wurde Schöning sofort Stammkraft. Seine dritte Verbandsliga-Spielzeit 16/17 wurde dann zur Pechsaison. Die Landesliga stand vor der Einführung. Eidertal musste Siebter werden, um mit hochrutschen zu können. Alles sah gut aus, man stand auf Platz 4, als am 9.4.2017 der Abstiegskandidat TSV Stein in Molfsee gastierte.

Doppelter Bänderriss 2017 – Aufstieg ade

Nach 20 Minuten verletzte sich Schöning schwer, die Saison war für ihn beendet. Eidertal verlor nach 2:0-Führung noch 2:6. Und Schöning musste mit auf Krücken zusehen, wie im Anschluss Spiel um Spiel verloren ging und die Landesliga noch verspielt wurde.

Landesliga erreicht, aber wieder Verletzungspech

Der Aufstieg klappte dann ein Jahr später. Zum Saisonende war Schöning wieder gut in Tritt gekommen. Doch in den Folgejahren bremsten weitere Verletzungen Schöning immer wieder aus. So verpasste Schöning bereits die Landesliga-Aufstiegssaison 24/25 fast komplett. Nur in den ersten vier Saisonspielen (alle gewonnen) war er dabei. Umso erstaunlicher, dass Schöning immer weiter dranblieb.

Mirco Schöning (SpVg Eidertal Molfsee) überläuft Keeper Jan Dethlefsen, schiesst dann aber links vorbei. © Ismail Yesilyurt
Mirko Schöning (SpVg Eidertal Molfsee) überläuft Keeper Jan Dethlefsen (TSV Altenholz). © Ismail Yesilyurt

Oberligadebüt und sensationelle Partie gegen VfR Neumünster

Im Oberligajahr Eidertals feierte er in der höchsten Spielklasse kurz nach seinem 29. Geburtstag nach 13 Monaten Wettkampfpause dann am 4. September 2024 sein (Kurz-)Debüt in der Schleswig-Holsteinischen Eliteliga. Er kämpfte sich wieder ins Team. In der Rückrunde absolvierte er dann nach weiteren sechs Monaten Pause weitere acht Oberligapartien. Highlight waren dabei seine Torvorbereitungen beim 2:2 gegen den VfR Neumünster.

Doch im August 2025 musste er sich erneut am Knie operieren lassen. Seitdem hat er bis heute kein weiteres Spiel für Eidertal (148 Spiele / 5 Tore) mehr bestritten.

„So wollte ich nicht abtreten“

„Viele meiner langjährigen Mitspieler wie Louis Schütt, Marvin Blümke, Tom Wüllner oder Livius Höckendorff (Red.: zum KMTV, YOUKICK berichtete) gehen jetzt in die Zweite oder wechseln den Verein, da hätte sich das natürlich auch angeboten. Aber nach einer Saison ohne Spiel wollte ich nicht abtreten.“

Großer Umbruch bei Eidertal – über 400 Tore gehen in die Zweite

Und so ist er auch in der aktuellen Saisonvorbereitung nach dem großen Umbruch weiter dabei. Was sagt er zum aktuellen Team, das YOUKICK ja nach und nach vorgestellt hat: „Ich bin positiv überrascht. Kicken können alle.“

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