Mikail Polat (am Ball) den VfB Lübeck in Front. © 2025 Olaf Wegerich
Es war ein Wechselbad der Gefühle im Ammerland, das für den VfB Lübeck mit einer maximalen Enttäuschung endete. Im Nachholspiel der Regionalliga Nord unterlagen die Grün-Weißen am Mittwochabend beim SSV Jeddeloh II mit 2:3 (2:2). Dabei schien die Partie nach einem furiosen Beginn bereits früh zugunsten der Lübecker entschieden, doch am Ende stand eine Niederlage, die vor allem aufgrund der Art und Weise tiefe Wunden hinterließ.
Vier Minuten Ekstase – und dann der schleichende Kontrollverlust
Der VfB legte in der HASKAMP-Arena einen Start nach Maß hin. Kaum hatte der Unparteiische angepfiffen, zappelte der Ball bereits im Netz: Mikail Polat umkurvte nach Vorarbeit von Mika Lehnfeld den Keeper und schob zur Blitzführung ein (2.). Nur 120 Sekunden später erhöhte Yusuf Wardak per Kopf nach einer präzisen Istefo-Flanke auf 2:0 (4.). Die mitgereisten Fans träumten bereits von einem Kantersieg, doch die Souveränität wich schleichend einer gefährlichen Passivität.
Guerino „Rino“ Capretti fand nach Spielende deutliche Worte für diese Phase: „Wir hatten den Gegner genau da, wo wir ihn haben wollten. Stattdessen haben wir es zu leicht genommen und gedacht, das Spiel wäre schon entschieden. So darfst du im Fußball nicht denken.“ Kurz vor der Pause rächte sich die Nachlässigkeit: Ein Doppelschlag durch Max Wegner (44.) und Kasra Ghawilu (45.) stellte den Spielverlauf innerhalb von 60 Sekunden völlig auf den Kopf und schickte beide Teams mit einem 2:2 in die Kabinen.
Elfmeter-Pech und mangelnde Cleverness
In der zweiten Halbzeit entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, den Capretti als „Katastrophe für jeden Trainer“ bezeichnete. Die riesige Chance zur erneuten Führung bot sich dem VfB in der 72. Minute, als Schiedsrichter Felix Mutz nach einem Foul an Dardan Karimani auf den Punkt zeigte. Doch Ali Abu-Alfa scheiterte am glänzend reagierenden Moritz Onken im Jeddeloher Tor.
„Du bekommst die Möglichkeit, wieder in Führung zu gehen – und nutzt sie nicht. Der Gegner macht es auf der anderen Seite besser. Am Ende ist das dann auch eine Frage der Konsequenz“, resümierte Capretti bitter. In der Nachspielzeit folgte die Quittung: Ein unnötiges Foul im eigenen Strafraum bescherte Jeddeloh einen Elfmeter, den Ghawilu zum 3:2-Endstand verwandelte (92.). Auch Dardan Karimani zeigte sich selbstkritisch: „Am Ende hat uns die Reife gefehlt. Dann verursachen wir selber einen Elfmeter, weil wir nicht clever genug sind.“
Capretti fordert Charakter: „Das muss ein Warnschuss sein“
Die Niederlage im Nachholspiel wiegt schwer, vor allem aufgrund der Einstellung nach der frühen Führung. Der Cheftrainer nahm seine Mannschaft nach dem Abpfiff in die Pflicht und kündigte eine harte Aufarbeitung an: „Wenn wir so spielen wie heute, brauchen wir gar nicht mehr antreten. Jetzt geht es um Mentalität und Charakter. Das Spiel muss ein Warnschuss sein.“
Viel Zeit zum Wundenlecken bleibt den Lübeckern nicht. Unterm Strich steht eine bittere Niederlage, aus der Mannschaft und Trainerteam schnell die richtigen Lehren ziehen müssen. Die Chance zur Wiedergutmachung bietet sich bereits am kommenden Sonntag, wenn das schwere Auswärtsspiel bei Hannover 96 II auf dem Programm steht.
SSV Jeddeloh II: Onken – Gramberg (32. Touray), Taguchi (46. Bothe), Friedrichs, Ndure, Ghawilu, Krolikowski, Janßen (79. Kanowski), Wegner (62. Gaida), Steinwender (46. Brinkmann), Siala.
Trainer: Björn Lindemann.
VfB Lübeck: Diestel – Melenivskyi, Pfundheller, Polat, Thiel, Wardak (79. Farrona Pulido), Pelzer, Istefo, Shivani (46. Karimani), Lehnfeld (46. Abu-Alfa), Ramaki (70. Albrecht).
Trainer: Guerino Capretti.
SR: Felix Mutz (HSC Hannover).
Ass.: Bastian Winkler, Tim Wieggrebe.
Tore: 0:1 Polat (2.), 0:2 Wardak (4.), 1:2 Wegner (44.), 2:2 Ghawilu (45.), 3:2 Ghawilu (92., FE)
Zuschauer: 425.
