Ein Stadionbesuch soll ein positives Erlebnis werden und kein „Krieg“. © Olaf Wegerich
Nach den gewaltsamen Ausschreitungen rund um das Heimspiel gegen den Hamburger SV II zieht der VfB Lübeck drastische Konsequenzen. Für das kommende Heimspiel gegen Blau-Weiß Lohne bleibt die traditionsreiche Pappelkurve geschlossen. Der Verein reagiert damit auf die unüberbrückbaren Differenzen zwischen den Fangruppierungen UKL und „Halunken“ und führt eine strikte Fantrennung auf dem gesamten Stadiongelände ein.
Die Vorfälle vom 13. März 2026 wirken massiv nach. Was sich nach dem Schlusspfiff gegen die HSV-Reserve vor und im sogenannten „Contidorf“ abspielte, zwingt die Verantwortlichen des VfB Lübeck nun zu Maßnahmen, die es in dieser Form an der Lohmühle selten gab. Oberstes Ziel der Vereinsführung: Ein sicheres Stadionerlebnis für alle Besucher wiederherzustellen.
Zur Erinnerung: Es gab eine große Schlägerei nach dem Spiel zwischen den Lübecker und Hamburger Fans, bei dem eine Handvoll an Personen verletzt wurden. Die Lübecker Verantwortlichen machten daraufhin auch im nächsten Auswärtsspiel beim FSV Schöningen den Gastgebern den Vorschlag, den Gäste-Block für die VfB-Fans nicht zu öffnen. Nun folgten weitere Schritte.
Unüberbrückbare Gräben zwischen UKL und Halunken
In der vergangenen Woche suchte der Vorstand das Gespräch mit den beteiligten Fangruppen „Ultra Kollektiv Lübeck“ (UKL) und den „Halunken“. Das Ergebnis war ernüchternd: Beide Seiten lehnen es strikt ab, künftig gemeinsam in einem Block zu stehen. „Gespräche haben offengelegt, dass es beide Seiten ablehnen, gemeinsam mit der anderen Gruppierung in einem Fanblock zu stehen“, teilte der Verein mit.
Daher sieht sich der VfB gezwungen, die Fankurve neu zu ordnen. Für das Spiel gegen Lohne ist die überdachte Pappelkurve komplett gesperrt. Ein Ausweichen auf die Sitzplätze wurde aus Rücksicht auf Dauerkarteninhaber und aufgrund einer neuen Risikobewertung mit den Sicherheitspartnern verworfen.
Strikte Fantrennung und geschlossenes Contidorf
Die neuen Regelungen gleichen einem logistischen Kraftakt:
- Die „Halunken“ ziehen in den Block B links neben der „Alten Holze“ um. Der Zugang erfolgt über die Hansehalle/Jonny-Felgenhauer-Straße.
- Das UKL wird in den eigentlichen Gästeblock (A1) umgesiedelt. Der Zugang ist ausschließlich über den P+R-Parkplatz möglich.
- Andere Fanclubs müssen in die unüberdachten Pappelblöcke D und E ausweichen.
Besonders hart trifft es den beliebten Treffpunkt der Fans: Das Contidorf bleibt geschlossen. Bevor dort wieder Bier fließen kann, müssen laut Verein zunächst „angemessene Entfluchtungsmöglichkeiten baulich hergestellt“ und weitere Sicherheitslücken geschlossen werden.
Verschärfte Regeln im Innenraum
Auch abseits der Blöcke weht ein schärferer Wind. Zaunfahnen dürfen nur noch von innen befestigt werden, Fanfotografen und Fanordner verlieren vorerst ihre Akkreditierungen für den Innenraum. Zudem wurden die Zonen für Personen mit Stadionverbot präzisiert: Sie dürfen sich zwar auf dem P+R-Parkplatz aufhalten, das dazwischenliegende Gelände ist jedoch tabu.
Werte-Diskussion im Verein
Hinter den Kulissen brodelt es derweil weiter. Ehrenrat, Aufsichtsrat und Vorstand befinden sich im Daueraustausch über die künftige Ausrichtung der Vereinskultur. In der Stellungnahme findet der VfB deutliche Worte: „Wir als VfB verurteilen jegliche Form der Ausübung von Gewalt, lehnen alle Formen von Diskriminierung, Homophobie und Radikalismus ab und werden jeglichen Versuch, dadurch Einfluss auf die Werte des VfB zu nehmen, unterbinden.“
Ob diese Maßnahmen auch für das darauffolgende Heimspiel gegen Werder Bremen II gelten, will der Verein nach einer detaillierten Analyse der kommenden Partie entscheiden. Eines ist jedoch klar: Die beschaulichen Zeiten an der Lohmühle sind vorerst vorbei.
Die Maßnahmen im Überblick:
- Pappelkurve (überdacht): Geschlossen.
- Contidorf: Geschlossen.
- UKL: Block A1 (Gästebereich).
- Halunken: Block B (neben Alter Holze).
- Tickets: Dauerkarten gelten ohne Umtausch für die neuen Bereiche.
