0:0 gegen Köln II – das Women-Wunder von der Waldwiese bleibt aus

von Ismail Yesilyurt

Kira Hasse (re., Holstein Women) gegen Frieda Bähr (1. FC Köln II). © 2026 Ismail Yesilyurt


Das Wunder von der Waldwiese ist ausgeblieben! Bei hochsommerlichen Temperaturen über 30 Grad konnten die Frauen von Holstein Kiel die 0:4-Hypothek aus dem Hinspiel beim 1. FC Köln II nicht tilgen. Nach dem 0:0 im Rückspiel im heimischen Stadion Waldwiese müssen die Holstein Women in der kommenden Saison erneut den Anlauf über die Regionalliga Nord in die 2. Bundesliga nehmen.

Am Ende steigen die Rheinländer summa summarum verdient auf. Trotz der verpassten Sensation verabschiedet sich die Mannschaft von Cheftrainer Stefan Fischer nach einem Spiel, in dem insgesamt die Defensivreihen das Spiel prägen, mit erhobenem Haupt aus einer insgesamt herausragenden Saison. Neben der souveränen Regionalliga-Meisterschaft schmücken der Gewinn des Lotto Nordcups 2026 sowie der schleswig-holsteinische Landespokalsieg die vereinsinterne Vitrine. Am Ende mussten sich die Kielerinnen einem extrem hochkarätig besetzten Kontrahenten geschlagen geben, in dessen Reihen unter anderem drei U-Nationalspielerinnen sowie zwei Akteurinnen standen, die bereits feste Profiverträge für die Frauen-Bundesliga in der Tasche haben.

Furioser Kieler Beginn: Ein frühes Tor liegt in der Luft

Pünktlich zu „High Noon“ schickte Stefan Fischer exakt dieselbe Startformation wie im Hinspiel in die Hitzeschlacht von Kiel. Kölns Trainerin Verena Hagedorn, die ihren Vertrag im Zuge der positiven Entwicklung vorab langfristig bis 2028 verlängert hatte, änderte ihre Elf auf einer Position: Toyosi Mary Doherty rückte für Nicole Barilov in die Anfangsformation.

Alia Redant (Holstein Women) machte als rechtsverteidigerin ihre Aufgabe auch mit Offenivakzenten sehr gut. © 2026 Ismail Yesilyurt.JPG
Alia Redant (Holstein Women) machte als rechtsverteidigerin ihre Aufgabe auch mit Offenivakzenten sehr gut. © 2026 Ismail Yesilyurt.JPG

Die Holstein Women legte los wie die Feuerwehr und erarbeiteten sich in der ersten Viertelstunde beste Gelegenheiten, um das Fundament für das erhoffte Wunder zu gießen. Bereits in der 2. Minute bediente Minta die heraneilende Kapitänin Sarah Begunk, die jedoch vergab. Nur eine Zeigerumdrehung später prüfte Torjägerin Kira Hasse die Kölner Abwehr aus spitzem Winkel (3.). In der 7. Minute hatte erneut Begunk nach einer scharfen Hasse-Hereingabe von der rechten Seite die Führung auf dem Fuß – Endstation war Keeperin Anika Dübel.

Die Gäste aus der Domstadt, die sich nach dem komfortablen Hinspiel-Erfolg verständlicherweise auf eine kompakte Defensive konzentrierten, fanden erst nach der ersten Trinkpause besseren Zugriff. Die Kölner Abwehr um die gewohnt stark aufgelegte Torhüterin Dübel stabilisierte sich zusehends. Offensiv trat der FC-Nachwuchs im ersten Durchgang lediglich einmal gefährlich in Erscheinung, als ein Distanzschuss von Julia Schiffarth deutlich über den Querbalken segelte (37.). Kurz vor dem Seitenwechsel hatte Kiels Arjela Lako nach einer feinen Kombination sogar noch die Chance auf das verdiente 1:0, scheiterte jedoch knapp.

Kölner Kontrolle im zweiten Durchgang

Nach dem Seitenwechsel war es ein Spiel auf Augenhöhe – dieses Mal mit den besseren Chancen für die Gäste. Der West-Meister übernahm mehr Spielkontrolle auf dem Naturrasen der Waldwiese und erarbeitete sich ein Chancenplus. In der 49. Minute verpasste Maja Weber per Kopf nach einer Ecke die Kölner Führung, als Jasmin Grosnick für die bereits geschlagene Kieler Keeperin Celin Naward in allerhöchster Not rettete.

Wie ihr Gegenüber Anika Dübel auch ein starker Rückhalt - Holstein-Keeperin Celin Naward. © 2026 Ismail Yesilyurt.JPG
Wie ihr Gegenüber Anika Dübel auch ein starker Rückhalt – Holstein-Keeperin Celin Naward. © 2026 Ismail Yesilyurt

In der 71. Minute stockte den Holstein-Zuschauern der Atem: Luiza Zimmermann fälschte eine scharfe Kölner Hereingabe unglücklich ab, doch die Oberkante der Querlatte verhinderte das Kieler Eigentor. Nur drei Minuten später stand Naward im Fokus, als sie im Eins-gegen-eins gegen die durchgebrochene Schiffarth glänzend parierte. Ein Kölner Pfostenschuss in der Nachspielzeit verhinderte schließlich den späten Auswärtssieg der Gäste, sodass das torlose Remis am Ende völlig in Ordnung ging.

„Holstein Kiel hat es uns echt schwer gemacht, auch hier auf dem heimischen Platz.“

Direkt nach dem Abpfiff zeigten sich beide Trainerbänke von der Intensität der Hitzeschlacht gezeichnet und zogen ein tiefgehendes Fazit zum Relegationsduell.

Das sagte Verena Hagedorn (Trainerin 1. FC Köln II) zum Spiel:

„Also es war wahnsinnig schwer. Holstein Kiel hat es uns echt schwer gemacht, auch hier auf dem heimischen Platz. Das war uns klar. Ja, und wir haben auch echt teilweise Glück gehabt, dass sie vorne das Tor nicht gemacht haben, aber wir hatten hinten eine sensationelle Keeperin heute. Und ja, wir wussten klar, wir führen 4:0 in Summe und haben auch gesagt, wir gehen gar kein Risiko und lassen den Gegner kommen. Der Plan ist tatsächlich dann auch aufgegangen zum Glück.“

Auf der Gegenseite widersprach Kiel-Coach Stefan Fischer deutlich dem Eindruck von außen, seine Mannschaft habe nach dem torlosen Pausenstand im zweiten Durchgang bewusst einen Gang zurückgeschaltet, weil der Glaube an das Weiterkommen gefehlt habe:

„Nö, das war so nicht. Vielleicht wäre die Überschrift tatsächlich: Ein frühes Tor hat gefehlt. Ich fand, wir haben sie in der ersten Halbzeit gut unter Druck gesetzt. Wir haben gezeigt, dass wir hier auf diesem Rasen, auf der Waldwiese, auch zu Hause sind und dass die Kölnerinnen eben halt auf anderem Geläuf normalerweise spielen. Die haben zu Hause auch nicht einen Punkt abgegeben, die haben insgesamt jedes Spiel gewonnen. Hier haben wir gezeigt, dass die eben halt auf Rasen auch ihre Schwierigkeiten haben.“

Janine Minta (Holstein Women) im Strafraum der Kölnerinnen. © 2026 Ismail Yesilyurt
Janine Minta (Holstein Women) im Strafraum der Kölnerinnen. © 2026 Ismail Yesilyurt

Dass in der zweiten Hälfte spürbar die Körner fehlten, sah Fischer als logische Konsequenz des enormen Aufwands:

„Es ist klar, dass irgendwann in der zweiten Halbzeit dann mal so ein bisschen die Körner ausgehen. Es ist bei den Kölnern aber genau das Gleiche gewesen, war auch zu sehen. Insgesamt ist es einfach so ein bisschen schade tatsächlich, dass wir diese zwei, drei Hochkaräter, die wir hatten, nicht genutzt haben. Hätten wir die genutzt, dann wäre es noch mal so ein bisschen eng geworden für die Kölnerinnen. Die hätten dann vielleicht auch wackelige Knie bekommen.“

Besonders in Bezug auf die Effizienz erkannte der Kieler Coach:

„Wenn es um den Aufstieg geht, muss man eben halt diese kleinen Hundertprozentigen – wenn du davon zwei hast, dann musst du auch zwei nutzen. Das haben wir leider nicht gemacht. Am Ende ist so ein 0:0 insgesamt vom Ergebnis her in Ordnung. Für uns ist natürlich schade, dass wir nicht von Anfang an gleich das Tor geschossen hatten. Mit einem 1:0 im Rücken, glaube ich, wäre es dann anders gelaufen.“

Trotz des verpassten Wunders blickte Fischer mit breiter Brust auf die Leistung gegen das rheinische Spitzenteam zurück:

„Entscheidend ist immer: Wie gehst du in die Zweikämpfe? Und die haben wir gewonnen. Das war im ersten Spiel anders. Wir haben sie angenommen, wir haben besser zu den Spielerinnen von Köln gestanden und die kamen über diesen langsamen Rasen schlechter ins Spiel. Das war ein Riesenvorteil. Als es dann 0:0 in die Halbzeit ging, habe ich gedacht: Boah, jetzt wird’s eng. Aber man verliert den Glauben ja nicht mal. Den verlierst du vielleicht in der 89. Minute. Aber bis zur 60., 70. glaubst du: Wir müssen ein Tor schießen. Einfach mal ein Tor, und dann werden sie nervös. Das sind ja auch junge Spielerinnen und dann kann alles passieren.“

„Größtenteils überlegen gewesen“

Auch Spielführerin Sarah Begunk erkannte nach dem Schlusspfiff fehlende Effizienz, stellte aber gleichzeitig die enorme spielerische Steigerung im Vergleich zum Hinspiel in den Vordergrund.

Sarah Begunk (Holstein Women) als Passgeberin. © 2026 Ismail Yesilyurt
Sarah Begunk (Holstein Women) als Passgeberin. © 2026 Ismail Yesilyurt

Zu ihren beiden Großchancen in der Anfangsphase erklärte die Mittelfeldakteurin:

„Ich bin zweimal auf den ersten Pfosten gelaufen und konnte da zum Abschluss kommen. Es ist halt ein spitzer Winkel und da muss man das Risiko nehmen. Entweder man trifft ihn perfekt oder – jetzt in meinem Falle – mit ein bisschen zu wenig Druck. Aber wir hatten ganz gute Chancen, um schon mal ans Wunder anzuknüpfen.“

Dass die Holstein Women diesmal ein völlig anderes Gesicht zeigten, stand für die Kapitänin außer Frage. Taktisch und kämpferisch agierte die Fischer-Elf insgesamt auf Augenhöhe:

„Definitiv. Wir haben heute wirklich das gezeigt, was uns auch in der Saison ausgezeichnet und stark gemacht hat. Ich würde sogar weitergehen und sagen, ich glaube, dass wir im ganzen Spiel größtenteils überlegen waren und uns einfach nicht belohnt haben. Wir haben das Ganze höher angelaufen, uns aber auch einfach getraut, Fußball zu spielen und nicht nur auf lange Bälle zu setzen. Uns hat in den entscheidenden Momenten nur das Tor gefehlt, weil wir teilweise wirklich sehr gute Kombinationen gezeigt haben, wo es dann vielleicht manchmal am letzten Pass oder dem Abschluss gehapert hat.“

Auch die extremen äußeren Bedingungen beschäftigten Begunk:

„Klar macht das Wetter was mit einem. Ich glaube, das würde Köln jetzt genauso unterschreiben wie wir. Aber ich hätte uns das heute wirklich sehr gewünscht. Vier Tore dann am Ende zwar nicht mehr, das war dann auch abzusehen, aber dass wir das Spiel gewinnen – weil ich glaube, das wäre heute eigentlich schon verdient gewesen, wenn wir als Sieger vom Platz gehen.“

Keine Erleichterung durch Ligenreform: Aufgalopp zur Kieler Woche


Auf die Frage, ob der Aufstiegsmodus durch die anstehende Einführung einer dritten Liga in der Saison 2027/28 für den Nord-Meister leichter werden würde, bremste Stefan Fischer die Hoffnungen direkt ab, da man als Meister der Regionalliga Nord wieder K.o.-Spiele hätte:

„Das würde wieder eine Relegation bedeuten.“

Dennoch zog der Coach ein rundum positives Fazit unter eine bemerkenswerte Spielzeit:

„Wir haben so eine lange Saison gespielt. Wir waren total erfolgreich, Meister geworden, wir haben den Pokal gewonnen. Wir haben alle die Ziele erreicht, die wir wollten. Wir haben diese Relegationsspiele erreicht und das muss man ja auch erst mal hinkriegen. Und deswegen bin ich auch zufrieden. Dass man ein bisschen enttäuscht ist, dass man das jetzt hier nicht geschafft hat, okay, aber wir haben nicht verloren heute. Und das ist eben halt auch ein gutes Gefühl. Wenn man sagt, gegen so eine Mannschaft, die aus Profis besteht, die Nationalspielerinnen hat, spielen wir hier 0:0. Und dann haben wir denen hier ordentlich Feuer unter den Hintern gemacht. Also ich finde, das spricht schon für uns.“

Gefragt, ob es am Abend trotz des verpassten Wunders für das Team geschlossen auf die traditionelle Kieler Woche gehen würde, verabschiedete sich Fischer mit einem Schmunzeln:

„Ja, vielleicht. Aber wir haben jetzt erst mal eine andere Feier da intern.“

Stimmen zum Spiel

Verena Hagedorn (Trainer 1. FC Köln II)
Stefan Fischer (Trainer Holstein Women)
Sarah Begunk (Spielführerin Holstein Women)

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