Der spielentscheidende Treffer zum 1-0 durch Leon Mordhorst (li.) für den TSV Klausdorf vs. Rot-Schwarz Kiel. © 2026 Ismail Yesilyurt
Saisonstart auch in der Landesliga Schleswig! Zum Lokalderby empfing der TSV Klausdorf die in Meimersdorf und Kronsburg beheimatete SG Rot-Schwarz Kiel. Beide Teams gehörten in der Vorsaison zu den stabilen Sechstligisten, wobei RS sogar noch lange eine theoretische Oberliga-Aufstiegschance besaß.
Intensität war von Beginn an Trumpf. Bei der Elf der Hausherren, bei der Dennis Trociewicz seit gefühlten Ewigkeiten Trainer ist, begann Oberliga-Neuzugang Phil Baumgarn im offensiven Mittelfeld. Bei den Gästen war mit Rückkehrer Tim Jansa ebenfalls ein letztjähriger Oberligaakteur (PSV Neumünster) dabei.
Rasenschach – Taktische Kniffe und ihre Gegenmittel
Beide Teams agierten aus einer sicheren Abwehr heraus. Klausdorf hatte die taktische Variante parat, dass der nominelle Rechtsverteidiger Lennart Bossen sich fast bei jedem Angriff ins zentrale Mittelfeld orientierte. Allerdings war das Team von Ove Sass darauf vorbereitet und stellte ihm sofort einen Mann auf die Füße.

Nach acht Minuten klärte RS nicht konsequent, Finn Luca Schwee angelte sich den zweiten Ball, sah sich plötzlich am linken Strafraumeck im Eins-gegen-eins gegen RS-Rechtsverteidiger Leif Melvin Lekebusch. Rechts angetäuscht, links vorbei, aber dann doch nicht. Lekebusch fährt das Bein aus, Schwee kommt zu Fall. Freistoß – ein Fall für Leon Mordhorst.
Traumfreistoß durch Leon Mordhorst zum 1:0
Der Youngster legt sich den Ball zurecht, die Mauer formiert sich, RS-Keeper Oliver Stein orientiert sich ins lange Eck, das kurze Eck scheint durch die Mauer abgeschirmt zu sein. Von links läuft Mordhorst an, der perfekte Topspin fliegt über die Mauer und rauscht mit Effet genau ins kurze Eck. Stein macht sich ganz lang, der Ball schlägt trotzdem ein.
Ausgeglichene Partie
In der Folgezeit neutralisieren sich beide Teams gegenseitig. Viel spielt sich im Mittelfeld ab. So gut wie alles wird auf beiden Seiten wegverteidigt. Mit einer Ausnahme: Sturmspitze Driton Gashi hat halbrechts mehrere Spieler auf sich gezogen, legt dann quer auf Schwee. Der steht frei vor Stein, aber der bleibt Sieger (35.).
Chancenarmut auch in der zweiten Hälfte
In der zweiten Halbzeit ändert sich kaum etwas. Klausdorfs Defensivstrategen Daniel Großmann, Lukas Göttsch und Marvin Bossen sind schon seit gemeinsamen Eidertaler Oberliga-Jugendzeiten hervorragend eingespielt und verstehen sich blind. Das macht die Sache für RS schwer. Mehr als einige Halbchancen neben einem Leon-Lembke-Schuss, den Christian Gutsmann nur abklatschen lassen kann, lässt Klausdorf nicht zu. Auf der anderen Seite bekommt auch Stein kaum noch etwas zu tun. RS steht ähnlich solide.
Neue Regeln im Mittelpunkt, Teil 1
So geraten in der zweiten Halbzeit zunehmend die neuen Regeln in den Vordergrund. Zunächst prallen Klausdorfs Linus Knöfel und Leon Lembke zusammen, Knöfel bleibt liegen, Klausdorf spielt den Ball ins Aus. So weit, so gut, so normal. Knöfel rappelt sich wieder hoch, kein Betreuer ist zur Behandlung auf dem Platz. Schiri Per Christian Roloff schickt Knöfel trotzdem für eine Minute runter. What’s that? Bisher ging der Schreiber dieser Zeilen davon aus, dass das nur bei Behandlung auf dem Platz zu erfolgen hat. Auch Kapitän Göttsch hakt nach. Von draußen ist zu hören, wie Roloff Göttsch erklärt, dass das so die neuen Regeln seien, die er im Übrigen nicht gemacht hat. Derweil schimpft Gashi mit seinem Mitspieler, dass der den Ball ins Aus gespielt hat. Deshalb muss man jetzt eine Minute in Unterzahl spielen. Wieder was gelernt.

Was bedeutet das nun in der Praxis?
Das Spiel läuft weiter, wenig später liegt RS-Akteur Emre Kayali nach einem Zweikampf ohne Foul mit sichtlichen Schmerzen am Boden. Was passiert jetzt? Kann man sich denken: Nichts! Die obige Szene hat für einen Lerneffekt gesorgt. Ist ja klar, RS denkt: Wenn wir den Ball ins Aus schießen, sind wir anschließend eine Minute in Unterzahl. Da spielen wir lieber weiter.
Nicht im Sinne des Erfinders
Wenn das die Konsequenz ist, dass ein eventuell schwerer verletzter Spieler aufgrund der Konsequenzen der neuen Regel länger unversorgt bleibt, dann gute Nacht, Freunde! Das kann’s wirklich nicht sein! Zum Glück ist das bei Kayali nicht der Fall, er kann sogar weiterspielen.
Neue Regeln Teil II: fünf, vier, drei, zwei, eins und du bleibst draußen
Das Spiel wird nun zunehmend hektischer, aber ansonsten gilt das oben Gesagte zum Spielverlauf. Aber zwei Bonmots hat die neue Regel noch: In der 89. Minute wechselt Klausdorf zum vierten Mal, Jonathan „Johnny“ Beeck kommt für Torschütze Leon Mordhorst zwecks Ergebniskonsolidierung. Mordhorst bewegt sich, vom Schiri fein beobachtet, gerade angesichts seines jugendlichen Alters etwas zu unschneidig vom Platz. Konsequenz: Johnny darf sich das Spiel eine weitere Minute von draußen ansehen. Fies für den Einwechselspieler, wenn sowieso kaum noch Spielzeit abfällt.
Aber es kommt noch besser: Bei der nächsten Einwurfsituation für RS in Höhe des Klausdorfer Sechzehners wechselt Klausdorf ein fünftes Mal, während Lembke gerade einwerfen will. Nun geht Altmeister Driton Gashi bei Klausdorf, seiner Erfahrung entsprechend in höchster Cleverness mit der Schnelligkeit eines an der roten Fußgängerampel wartenden Joggers. Zwar mit deutlicher Laufbewegung, aber doch ohne großen Raumgewinn. Lembke wird es zu bunt. Er beginnt immer lauter werdend die Sekunden mitzuzählen: „Acht, neun, zehn …“, er kommt nicht ganz bis dreizehn. Dann zeigt ihm der Schiri, der das gar nicht witzig findet, die Gelbe Karte.
Ach ja: Nach dem Einwurf knallen Göttsch und sein Pendant auf RS-Seite, Malte Kratzenberg, wuchtig mit den Köpfen zusammen. Beide bleiben lange angeschlagen liegen. Wenig später ist dann Schluss.
Fazit: Neue Regeln, neues Konfliktpotenzial zwischen Schiri und Spielern. Aber ohne die neuen Regeln hätte es weniger zu berichten gegeben. Und Lembke hätte nicht Gelb gesehen. Nötig sind sie aber sicherlich nicht wirklich, die neuen Regeln, für die der Schiri zur Umsetzung alle fünf Finger braucht. Spannend wird sein, ob die Regeln gegen Saisonende noch genauso konsequent umgesetzt werden.
Stimmen zum Spiel
- TSV Klausdorf: Christian Gutsmann – Daniel Grossmann, Mohammed Mahmud, Lukas Göttsch – Hime Hakaj (77. Stian-Petter Waschko), Lennart Bossen – Finn Schwee (83. Constantin Spliedt), Linus Knöfel (77. Michael Duncan-Williams), Leon Mordhorst (90. Jonathan Beeck) – Driton Gashi (90. +3 Oskar Wilke), Phil Baumgarn
- Trainer: Dennis Trociewicz
- SSG Rot-Schwarz Kiel: Oliver Stein – Leon Lembke, Malte Kratzenberg, Jonathan Elsner (86. Bennet Leuschner), Leif Lekebusch – Tim Jansa, Rasmus Backhaus (82. Jonathan Suchocki) – Emre Kayali, Ben-Joel Jarik (76. Finn Logemann), Chima Iheagwaram – Marc Zeller (76. Tom Lemke)
- Trainer: Ove Saß
- Schiedsrichter: Per Roloff (Suchsdorfer SV)
- Assistenten: Mats Bennet Stankat, Emin Bayrak
- Zuschauer: 70
- Tore 1:0 Leon Mordhorst (8.)
