Christopher Kramer (2. v. l., Inter Türkspor Kiel) bedankt sich bei Ömer Sonmez (20) für die Vorlage zu seinem Hattrick gegen Kropp. © 2026 Ismail Yesilyurt
Inter Türkspor Kiel hat sich zumindest vorübergehend an die Spitze der Landesliga Schleswig geschossen. Mit einem 6:1 (2:1) gegen den schon seit saisonbeginn personell arg gebeutelten TSV Kropp setzte sich die Mannschaft von Onur Cokgez zumindest vorübergehend an die Tabellenspitze. Punktgleich mit dem TSV Kronshagen, der erst am Sonntag in Rantrum gefordert ist, übernahm Inter damit die Pole Position.
Dass das Ergebnis am Ende so deutlich ausfallen würde, war allerdings lange nicht abzusehen. Denn trotz einer frühen Führung und einer Vielzahl guter Möglichkeiten machte es sich Inter über weite Strecken selbst unnötig schwer. Erst nach dem 3:1 brachen beim Gastgeber endgültig alle Dämme. Maßgeblichen Anteil daran hatte der zuletzt erkältete Christopher Kramer, der nach seiner Einwechslung innerhalb von nur zehn Minuten einen lupenreinen Hattrick erzielte.
Julius Alt sorgt für Türkspor-Traumstart
Die Partie war gerade einmal drei Minuten alt, als Julius Alt Inter Türkspor in Führung brachte. Nach einer Flanke von der rechten Seite konnte die Kropper Defensive den Ball nicht entscheidend klären. Youssef Bouzoumita legte zurück an die Strafraumgrenze, wo Kapitän Alt mit seinem schwächeren linken Fuß flach abschloss. Sein Schuss touchierte noch den Innenpfosten und schlug unhaltbar zum 1:0 ein.
„Nicht schon wieder“, schoss es Kropps Trainer Julian Schröder nach dem frühen 0:1 durch den Kopf. „Die letzten drei Spiele ähnlich, auch gegen Heikendorf ein frühes Gegentor“, erklärte Schröder. Seine Mannschaft habe sich vorgenommen, über Umschaltmomente gefährlich zu werden. Durch den frühen Rückstand sei dieser Matchplan allerdings bereits nach wenigen Minuten ins Wanken geraten.
Nur wenige Minuten später begann allerdings bereits das große Inter-Chancenfestival. Serkan Yildirimer und André Volkers scheiterten mit einer Doppelchance am stark reagierenden Kropper Torhüter Simon Manthei.

In der 16. Minute war Manthei bereits geschlagen, doch Tjorven Lamp rettete für den TSV auf der Torlinie nach einem Kopfball von Youssef Bouzoumita. Inter drängte auf das zweite Tor und bekam es schließlich in der 25. Minute. Till Börner spielte einen weiten Ball auf die linke Seite zu Andre Volkers, der Yildirimer im Strafraum bediente. Inters Nummer sieben dribbelte noch einige Meter und vollendete zum 2:0.
Kropp meldet sich aus dem Nichts zurück
Eigentlich schien Inter Türkspor die Begegnung zu kontrollieren. Doch nach dem zweiten Treffer verlor die Mannschaft von Onur Cokgez etwas den roten Faden. Kropp kam besser ins Spiel und wurde zunehmend mutiger.
In der 37. Minute wurden die Gastgeber für ihre nachlassende Konsequenz bestraft. Kevin Hentzsch verkürzte überraschend auf 1:2 und sorgte dafür, dass die Partie plötzlich wieder spannender wurde. Trotz weiterer Möglichkeiten aufseiten der Kieler, unter anderem durch Eugen Halili und Bouzoumita, ging es mit dem knappen 2:1 in die Pause.
Inter trifft den Pfosten, Kropp verpasst den Ausgleich
Nach dem Seitenwechsel kam Inter wieder deutlich druckvoller aus der Kabine. In der 52. Minute landete ein Kopfball des überzeugend spielenden, aber im Abschluss sehr unglücklichen Youssef Bouzoumita am Pfosten. Kurz darauf setzte der gleiche Akteur einen Schuss knapp neben das Tor, ehe er wenig später aus spitzem Winkel noch das Außennetz traf.

Doch Kropp blieb im Spiel. Und plötzlich lag sogar der Ausgleich in der Luft. In der 61. Minute hatte Daniel Wasielewski aus zentraler Position die große Gelegenheit zum 2:2, verfehlte das Tor jedoch knapp. Für Inter war das ein Warnschuss zur rechten Zeit.
„Wenn man den macht, hätten wir das Spiel vielleicht noch ein bisschen spannender machen können“, sagte Julian Schröder rückblickend. Seine Mannschaft habe aufgrund des Personalmangels allerdings kaum Möglichkeiten zum Wechseln gehabt. „Wir waren nachher körperlich nicht auf der Höhe, weil wir auch nicht so viel wechseln konnten.“
Rezan Acer bringt Inter endgültig auf Kurs
In der 70. Minute erzielte Rezan Acer das 3:1 und brachte Inter damit endgültig auf die Siegerstraße. Mit dem dritten Treffer kehrte beim Gastgeber auch die zuvor vermisste Sicherheit zurück. Inter spielte wieder mit mehr Selbstverständlichkeit und konnte nun seine Qualität ausspielen.
Großen Anteil hatte dabei die starke Bank der Interisti. Die eingewechselten Arian Jashari und Ömer Sönmez machten auf den Außenbahnen ordentlich Druck und bereiteten je einen Treffer vor. Und Joker Christopher Kramer wusste später, wo das gegnerische Gehäuse steht.

„Nach dem 3:1 können wir halt immer wieder aufdrehen“, erklärte Onur Cokgez. Gerade die Einwechslungen seien ein großer Trumpf seiner Mannschaft. „Das ist halt unser Luxus, wenn wir den kompletten Kader zur Verfügung haben.“ Und dieser Luxus sollte sich an diesem Nachmittag noch besonders deutlich bemerkbar machen.
Christopher Kramer braucht nur zehn Minuten für den Hattrick
In der 58. Minute hatte Cokgez Christopher Kramer ins Spiel gebracht. Der Angreifer war zuvor gesundheitlich angeschlagen gewesen und beim letzten Spiel in Dörpum nicht dabei gewesen. In der Trainingswoche konnte der Mittelstürmer lediglich eine Einheit absolvieren. Doch knapp 30 Minuten reichten Kramer.
Die Entscheidung zahlte sich somit spektakulär aus. Kramer benötigte gerade einmal zehn Minuten, um die Partie endgültig zu entscheiden. In der 73. Minute erzielte er das 4:1, drei Minuten später legte er das 5:1 nach. In der 83. Minute machte er seinen Hattrick perfekt.
„Ich meinte zu ihm: Wenn du reinkommst, machst du gerne zwei bis drei Dinger“, lächelte Cokgez mit einem Augenzwinkern. Kramer erfüllte den Auftrag seines Trainers prompt.
„Ist halt seine Qualität“, lobte Cokgez den Angreifer. „Über seine Qualität kann man einfach viel reden.“ Noch wichtiger sei allerdings, dass Kramer gesund und verletzungsfrei bleibe. „Er ist unser Spieler, der die Spiele in den Momenten einfach entscheiden kann.“
Kramer: „Schöner Tag für mich, definitiv“
Für den dreifachen Torschützen selbst war der ungewöhnliche Einsatz ebenfalls ein besonderer Freitagabend. „Dass ich dann reinkomme und drei Tore mache, ist natürlich schön für mich, auch schön für die Mannschaft“, sagte Kramer.
Dass er zunächst auf der Bank Platz nehmen musste, konnte er nachvollziehen aufgrund des geringen Trainingspensums. „Youssef hat das gut gemacht letzte Woche, hat auch super trainiert und diese ganze Gesamtsituation hat der Trainer ihn spielen lassen. Das war auch richtig so.“

Sein eigener Auftritt hätte anschließend kaum besser laufen können. „Das war halt ein Spiel, das passte einfach genau zu so einem Stürmer-Typen wie mich“, erklärte er. Mit seinen drei Treffern schraubte Kramer sein persönliches Saisonkonto auf neun Tore. „Soll nicht aufhören“, lachte und versprach der 36-Jährige.
Kropp kämpft, Inter macht es am Ende deutlich
Der TSV Kropp musste sich trotz der deutlichen Niederlage nicht vorwerfen lassen, die Partie frühzeitig aufgegeben zu haben. Gerade nach dem 1:2 hielt die Mannschaft von Julian Schröder, die am Freitag auch noch auf den etatmäßigen Innenverteidiger Lars Brand verzichten musste, lange dagegen und hatte mit Wasielewski sogar die große Möglichkeit zum Ausgleich.
„Dafür haben die Jungs das richtig gut gemacht“, sagte Schröder, der sich und Torwarttrainer Stefan Legrum neben dem angeschlagenen Sven Thomsen vorsichtshalber als Ergänzungsspieler auf der Spielerliste eingetragen hatte, angesichts der schwierigen personellen Situation. Zahlreiche Stammspieler fehlten verletzungsbedingt. Gegen eine Spitzenmannschaft wie Inter Türkspor machte sich dieser Substanzverlust im Laufe der zweiten Halbzeit jedoch zunehmend bemerkbar.
Am Ende stand ein 6:1, das aufgrund der Chancen durchaus verdient war, dessen Deutlichkeit aber über weite Strecken der Partie nicht absehbar gewesen war. Kropp überzeugte mit großem Einsatz und viel Leidenschaft. Mit dem 3:1 von Rezan Acer (70.) kam das Kieler „Mia san mia“ zurück, ehe die große Show von Christopher Kramer begann.
Stimmen zu Spiel
- Inter Türkspor Kiel: Oleksii Drui – Rinol Lahu (58. Christopher Kramer), Till Börner, Jeppe Waschko, André Volkers (65. Arian Jasari) – Serkan Yildirimer (58. Justin Petersen), Eugen Halili, Julius Alt, Rezan Acer, Melih Cerrah (77. Azuka Olise) – Youssef Bouzoumita (77. Ömer Sönmez)
- Trainer: Onur Cokgez
- TSV Kropp: Simon Manthei – Elias Jundi, Tjorven Lamp, Linus Kunze (46. Rouj Al Fattah), Maxim Weinert – Florian Legrum, Patrick Breitbeil, Kevin Hentzsch – Luca Stürmer (65. Vincent Kiprop), Mads Tolk, Daniel Wasielewski
- Trainer: Julian Schröder
- Schiedsrichter: Tim-Marvin Meyer (TuS Hartenholm)
- Assistenten: Philip Zeich, Kjell Liedtke
- Zuschauer: 100
- Tore: 1:0 Julius Alt (3.), 2:0 Serkan Yildirimer (25.), 2:1 Kevin Hentzsch (37.), 3:1 Rezan Acer (70.), 4:1 Christopher Kramer (73.), 5:1 Christopher Kramer (76.), 6:1 Christopher Kramer (83.)
Tabelle
| Platz | Mannschaft | Sp. | G | U | V | Tore | Diff. | Pkt. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. (↑ 2) | Inter Türkspor Kiel (A) | 8 | 6 | 1 | 1 | 34:7 | 27 | 19 |
| 2. (↓ 1) | TSV Kronshagen | 7 | 6 | 1 | 0 | 23:7 | 16 | 19 |
| 3. (3) | TSV Klausdorf | 7 | 4 | 3 | 0 | 14:8 | 6 | 15 |
| 4. (4) | SC Weiche Flensburg 08 II | 7 | 4 | 0 | 3 | 20:15 | 5 | 12 |
| 5. (5) | SSG Rot-Schwarz Kiel | 7 | 4 | 0 | 3 | 12:10 | 2 | 12 |
| 6. (6) | TuS Nortorf (N) | 7 | 4 | 0 | 3 | 13:12 | 1 | 12 |
| 7. (7) | SV Frisia 03 Risum-Lindholm | 7 | 3 | 2 | 2 | 19:17 | 2 | 11 |
| 8. (8) | Husumer SV (N) | 7 | 2 | 3 | 2 | 16:18 | -2 | 9 |
| 9. (9) | Heikendorfer SV (N) | 7 | 2 | 2 | 3 | 11:17 | -6 | 8 |
| 10. (10) | TSV Friedrichsberg-Busdorf | 6 | 2 | 1 | 3 | 6:10 | -4 | 7 |
| 11. (11) | SV Dörpum | 7 | 2 | 1 | 4 | 9:14 | -5 | 7 |
| 12. (12) | SpVg Eidertal Molfsee | 8 | 2 | 0 | 6 | 11:15 | -4 | 6 |
| 13. (↑ 16) | TSV Hattstedt | 7 | 1 | 3 | 3 | 11:18 | -7 | 6 |
| 14. (↓ 13) | TSV Rantrum | 6 | 1 | 2 | 3 | 14:16 | -2 | 5 |
| 15. (↓ 14) | TSV Kropp | 7 | 1 | 2 | 4 | 7:21 | -14 | 5 |
| 16. (↓ 15) | TSV Heiligenstedten (N) | 7 | 1 | 1 | 5 | 10:25 | -15 | 4 |
