Relegations-Dämpfer am Rhein: Holstein-Frauen benötigen nach 0:4 in Köln Wunder

von Ismail Yesilyurt

Stolze 120 Holstein-Anhänger unterstützten die Women in Köln. © 2026 Patrick Nawe


Der Traum von der 2. Frauen-Bundesliga ist für die Fußballerinnen von Holstein Kiel in weite Ferne gerückt. Nach dem bitteren Hinspiel in der Aufstiegsrelegation beim Meister der Regionalliga West, dem 1. FC Köln II, darf man nach den Eindrücken auf dem Platz und vor allem aufgrund des deutlichen Ergebnisses ohne viel Wenn und Aber behaupten: Das Wunder von der Förde benötigt im Rückspiel epische Ausmaße. Die Mannschaft aus Schleswig-Holstein unterlag beim rheinischen Top-Team klar mit 0:4 (0:2).

In der Summe war es ein absolut verdienter Erfolg für die Elf von FC-Cheftrainerin Verena Hagedorn, der ehemaligen Bundesligaspielerin und Co-Trainerin der Nationalmannschaft. Die Kölnerinnen, die sich in ihrer Staffel ein packendes Kopf-an-Kopf-Rennen mit Borussia Dortmund geliefert hatten und am Ende mit 68 Punkten zwei Zähler vor dem BVB landeten, erwiesen sich als die ballsicherere und athletisch stärkere Einheit. Den Kielerinnen fehlte es in den wenigen entscheidenden Momenten schlicht an der nötigen Durchschlagskraft in der Offensive, um sich eine bessere Ausgangslage für das Rückspiel am kommenden Samstag im heimischen Stadion Waldwiese zu erarbeiten. Bei der Defensivarbeit standen die Kielerinenn zumeist viel zu weit weg von den gegenspielerinnen, sodass die Kölnerinnen kombiniueren durften.

Defensiver Matchplan wackelt nach Kölner Doppelschlag

Kiels Coach Stefan Fischer hatte für die Partie auf dem großen Kölner Kunstrasenplatz eine betont defensive Marschroute ausgegeben. Aus einer tief gestaffelten, kompakten Einheit heraus sollte nach Ballgewinn blitzschnell der Weg nach vorne gesucht werden. In der ersten Viertelstunde ging dieser Plan auf, und die Kielerinnen konnten gegen spielerisch reifere und bessere Domstädterinnen ein optisches Gleichgewicht halten. Ihr erstes Ausrufezeichen setzten die „Holstein Women“, als eine Flanke von Alia Redant die eingelaufene Sarah Begunk fand, deren Kopfball jedoch knapp über den Querbalken strich (11.). Bereits in der 6. Minute hatte Kölns Elsner nach einer flachen Eckenvariante die erste Großchance für die Heimelf vergeben.

Sarah Begunk (Holstein Women). © Ismail Yesilyurt

Mit zunehmender Dauer erhöhten die Gastgeberinnen spürbar die Schlagzahl und setzten Kiels Defensive unter Dauerdruck. In der 21. Minute knackte der FC-Nachwuchs den Kieler Riegel: Nach einem präzisen Anspiel ins Zentrum vor der Box bekamen die Kielerinnen Kölns Toptorjägerin Antonia Langshausen (25 Saisontore) nicht kontrolliert. Der Ball landete bei Emily Tichelkamp, die im Strafraum die Nerven behielt und das Leder über Kiels Keeperin Celin Naward hinweg zum 1:0 in die Maschen einschoss. Nur f+nf Minuten später legte Köln nach: Eine halbhohe Flanke von Julia Schiffarth verwertete erneut Tichelkamp eiskalt per Doppelpack zum 2:0 (26.). Kiel steckte nicht auf, doch ein Schuss von Alia Redant aus zehn Metern zum möglichen 1:2wurde im allerletzten Augenblick noch von einer Kölner Abwehrspielerin geblockt (35.).

Alia Redant (Holstein Women) wird hier letzten Augenblick am Torerfolg verhindert. © 2026 Patrick Nawe
Alia Redant (Holstein Women) wird hier letzten Augenblick am Torerfolg verhindert. © 2026 Patrick Nawe

Effiziente Domstädterinnen bestrafen Kiel

Zum psychologisch ungünstigsten Zeitpunkt gab es für Holsteins Kira Hasse, die ihre Mannschaft mit sagenhaften 21 Treffern aus 22 Spielen zur Nord-Meisterschaft geballert hatte, an diesem Tag leider wenig zu feiern. Am Vortag erlebte die Torjägerin ihren 21. Geburtstag – ein sportliches Geschenk in Form eines Auswärtstores blieb ihr jedoch verwehrt.

Zwar konnten die Kielerinnen den zweiten Durchgang mit deutlich mehr Biss in den Zweikämpfen offener gestalten, doch die sich bietenden Umschaltsituationen wurden schlicht nicht sauber genug ausgespielt. Die Defensive des Westmeisters stand felsenfest und hatte das Geschehen weitgehend unter Kontrolle. Kölns Torhüterin Anika Dübel verbrachte einen geruhsamen Sonntagmittag: In der zweiten Halbzeit hatte Dübel nur einen Ballkontakt.

Mitten in einer Phase, in der das Spiel merklich nach dem Seitenwechsel verflachte und auf beiden Seiten kaum etwas auf ein Tor hindeutete, schlug der FC eiskalt zu: Nach einem Eckball durfte Leni Palm am kurzen Pfosten völlig unbedrängt zum 3:0 einköpfen (72.). Kurz vor dem Abpfiff machte Emily Tichelkamp schließlich ihren Dreierpack perfekt. Nach einem langen Ball entwischte sie der Kieler Kette und schob die Kugel eiskalt an Naward vorbei zum 4:0-Endstand ins lange Eck (86.).

Während im Parallelspiel der Relegation Hertha BSC durch ein deutliches 4:1 beim 1. FC Saarbrücken ebenfalls bereits mit anderthalb Beinen in der 2. Bundesliga steht, bleibt den Holstein Women für das Rückspiel am Samstag vor den eigenen Fans, die zahlreich in Köln angereist waren, noch die Gelegenheit, sich mit einer besseren Performance aus einer starken Regionalligasaison von den Anhängern – das Spiel ist mit 800 Fans ausverkauft – zu verabschieden..

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