Keeper Ozer (OSC Lille) fängt sicher einen Ball vor Adeline (Hamburger SV) ab. © 2026 Martin Bläsing
Hamburg. 135 Minuten Fußball, vier Tore und ein Härtetest gegen einen Champions-League-Teilnehmer: Der Hamburger SV hat sich am Sonnabend vor 20.204 Zuschauern im Volksparkstadion mit 2:2 (0:1) vom französischen Erstligisten Lille OSC getrennt. In der ungewöhnlichen Partie über dreimal 45 Minuten zeigte die Mannschaft von Cheftrainer Merlin Polzin über weite Strecken einen überzeugenden Auftritt. Alexander Røssing-Lelesiit Philippe und Otto Stange trafen für die Hamburger.
Dabei erwischten die Gäste aus Frankreich den besseren Start – obwohl zunächst der HSV offensiv Akzente setzte. Bereits in den ersten Minuten näherten sich die Rothosen durch eine Hereingabe von Bakery Jatta sowie einen Abschluss von Noah Adeline dem Tor an.
Doch Lille bestrafte wenig später den ersten folgenschweren Hamburger Fehler. Nach einem Ballverlust im Spielaufbau schalteten die Franzosen schnell um. Ngal’ayel Mukau bediente Hákon Arnar Haraldsson, der aus kurzer Distanz zur 1:0-Führung einschob (5.).
HSV übernimmt nach Rückstand die Kontrolle
Der frühe Gegentreffer brachte die Hamburger allerdings nicht aus dem Konzept. Im Gegenteil: Der HSV übernahm zunehmend die Initiative und drängte Lille phasenweise tief in die eigene Hälfte.

Yussuf Poulsen hatte gleich zweimal die Möglichkeit zum Ausgleich. Zunächst scheiterte der Angreifer aus halblinker Position an Lille-Keeper Berke Özer (11.), fünf Minuten später blieb der Torhüter erneut Sieger. Auch Albert Sambi Lokonga fehlte kurz vor Ende des ersten 45-Minuten-Abschnitts nicht viel – sein Abschluss aus rund 16 Metern strich knapp am linken Pfosten vorbei. So ging es trotz eines spielerisch guten Hamburger Auftritts mit einem 0:1 in die erste Unterbrechung.
Für den zweiten Abschnitt reagierte Polzin und brachte Patson Daka sowie Nachwuchsstürmer Otto Stange. Das Duo sorgte praktisch mit dem Wiederanpfiff für Gefahr: Daka behauptete den Ball im Strafraum und setzte Stange ein, dessen Abschluss Özer entschärfte.
Einen bitteren Moment erlebte der HSV wenig später. Nicolai Grønbæk musste nach einer Verletzung vorzeitig vom Platz und verschwand unter dem Applaus der Zuschauer direkt in den Katakomben.

In der Folge verlor die Begegnung etwas von ihrem anfänglich hohen Tempo. Beide Defensivreihen standen kompakter, klare Torchancen wurden seltener. Kurz vor Ende des zweiten Drittels bot sich Hamburg dennoch eine gute Gelegenheit: Einen Freistoß von Philippe blockte zunächst die Mauer, den anschließenden Distanzschuss von Emir Sahiti setzte der HSV knapp am rechten Winkel vorbei.
Philippe trifft traumhaft – Stange dreht die Partie
Im letzten der drei Abschnitte wechselten beide Mannschaften erneut kräftig durch. Und diesmal belohnte sich der HSV endlich für seinen Aufwand. In der 98. Minute trat Philippe zu einem Freistoß am rechten Strafraumeck an. Der Linksfuß zirkelte den Ball sehenswert in den rechten Winkel – 1:1. Ein Treffer, der selbst beim Gegner Anerkennung fand.
Nun war Hamburg am Drücker. Besonders Daka rückte immer wieder in den Mittelpunkt. Zunächst scheiterte er im direkten Duell an Lilles eingewechseltem Schlussmann Arnaud Bodart, wenig später parierte der Belgier erneut gegen den HSV-Angreifer. In der 111. Minute war Bodart schließlich geschlagen – doch Dakas Abschluss landete am Pfosten.
Nur zwei Minuten später fiel die inzwischen verdiente Hamburger Führung. Stange wurde im Strafraum von Srdanovic zu Fall gebracht. Der 19-Jährige übernahm selbst die Verantwortung und verwandelte den fälligen Foulelfmeter sicher ins rechte untere Eck. 2:1 für den HSV nach 113 Minuten.
Die Rothosen hatten die Begegnung gedreht und besaßen anschließend sogar Möglichkeiten, die Führung auszubauen. Philippe zielte nach einer Balleroberung von Immanuel Pherai auf das rechte untere Eck, doch Bodart verhinderte den nächsten Hamburger Treffer.
Lille schlägt spät zurück
In der Schlussphase wurde dann Daniel Heuer Fernandes gefordert. Der HSV-Keeper verhinderte zunächst mehrfach den Ausgleich und parierte unter anderem gegen Correira.

In der 127. Minute war aber auch er machtlos. Nach einer Ecke brachte Lille den Ball in die Mitte, wo Ayyoub Bouaddi Diaoune zum Kopfball kam und zum 2:2 ins lange Eck traf. Nach insgesamt 135 Minuten blieb es beim Remis.
Für den HSV dürfte dabei weniger das Ergebnis als vielmehr die Leistung gegen einen international erfahrenen Gegner im Mittelpunkt stehen. Trotz des frühen Rückstands bestimmten die Hamburger lange Phasen der Begegnung, erspielten sich zahlreiche Möglichkeiten und zeigten gerade im letzten Drittel viel Offensivdruck.
Der späte Ausgleich verhinderte zwar einen Hamburger Sieg, änderte aber wenig am insgesamt gelungenen Härtetest gegen den französischen Champions-League-Teilnehmer. Am kommenden Sonnabend, 15. August, steht für die Rothosen der nächste internationale Leistungsvergleich an. Um 19 Uhr gastiert der HSV beim FC Toulouse.
- Hamburger SV: Tangvik (91. Heuer Fernandes) – Jatta (85. Sahiti), Capaldo (77. Nandja), Torunarigha (53. Bissi-Mouelle), Omari (91. Elfadli), Lemke (91. Elfadli) – Remberg (91. Amoako), Sambi Lokonga (46. Daka, 122. Sedlatschek) – Grønbæk (53. Pherai), Poulsen (46. Stange, 132. Ojo), Adeline (77. Philippe)
- Lille OSC: Özer (91. Bodart) – Santos (91. Srdanovic), Ribeiro (91. Gounfissi), Ngoy (46. Edjouma), Perraud (68. Verdonk) – Diaoune (46. Perrin), Mukau (91. Sahraoui), Bentaleb (11. Bouaddi, 46. André), Onal (68. Correira) – Giroud (91. Diaoune), Haraldsson (46. Cossier)
- Tore: 0:1 Haraldsson (5.), 1:1 Philippe (98.), 2:1 Stange (113., Foulelfmeter), 2:2 Diaoune (127.)
- Zuschauer: 20.204
- Schiedsrichter: Konrad Oldhafer
