Doppelpacker Kian Tack (Holstein Kiel II) freut sich über seinen 3. Saisontreffer und gleichzeitig die erstmalige Führung. © 2026 Ismail Yesilyurt
Die U23 von Holstein Kiel bleibt das Maß der Dinge in der Oberliga Schleswig-Holstein. Gegen die Kaltenkirchener TS feierten die Jungstörche beim 7:0 (3:0) den sechsten Sieg in Folge und unterstrichen dabei eindrucksvoll ihre derzeitige Form. Vor 209 Zuschauern entwickelte sich die Partie spätestens nach dem Seitenwechsel zu einer einseitigen Angelegenheit.
Kaps: „dass wir für das, was am Wochenende ansteht, ready sein müssen“
Für Trainer Freddy Kaps ist die beeindruckende Serie vor allem das Ergebnis einer konstanten Einstellung. „Wir haben der Mannschaft in den letzten Wochen immer wieder vermittelt, dass wir für das, was am Wochenende ansteht, ready sein müssen“, erklärte der Kieler Coach, der nach dem Schlusspfiff im Mannschaftskreis seine Protagonisten für eine überragende Vorstellung mit zwei Tagen trainingsfrei belohnte.
Dabei spielt es für Kaps keine entscheidende Rolle, ob seine Mannschaft zu Hause oder auswärts antritt, welcher Gegner wartet oder in welcher personellen Konstellation die U23 aufläuft. „Das ist der Schlüssel, dass wir das Woche für Woche schaffen“, so Kaps.

Auch deshalb wollte der Trainer den 7:0-Erfolg keineswegs als Selbstverständlichkeit abtun. Gerade für eine junge Mannschaft sei es bemerkenswert, „dass man das dann so einfach, gerade auch als junge Truppe, so liefert und auch so konstant zumindest für den Moment liefert“.
Kian Tack eröffnet das Schützenfest
Die Kieler legten von Beginn an ein hohes Tempo vor und gingen nach einer Viertelstunde in Führung. Im Zentrum kombinierten sich die Gastgeber durch, Kevin Hahn nahm den Ball in seinen Lauf an die Strafraumgrenze mit. Dort stand Kian Tack goldrichtig und traf mit einem trockenen und ansatzlosen Flachschuss ins linke untere Eck zum 1:0.
Kaltenkirchen versuchte, mutig mitzuspielen, konnte das Tempo der Jungstörche aber nur phasenweise mitgehen. Nach der regeltechnisch einminütigen Pause für einen behandelten Spieler nutzte Holstein in der 29. Minute auf der linken Seite die kurzzeitige Unordnung beim KTS eiskalt aus. Leland-Jordan Junge marschierte rechts mit viel Tempo, drang in den Strafraum ein und brachte den Ball scharf in den Torraum. Kaltenkirchens Innenverteidiger Sebastian Böttcher lenkte die Kugel unglücklich ins eigene Netz.

Kurz vor dem Pausenpfiff legte Tack nach und stellte mit seinem zweiten Treffer auf 3:0. Eine klare Führung, die mit viele Effizienz erzielt wurde. Die druckvollen Gastgeber hatten kaum mehr Chancen, da die KTS defensiv gut dagegen hielt.
KTS hat eine Möglichkeit, Holstein bleibt gnadenlos
Kurz vor der Pause kam Kaltenkirchen zu einer guten Möglichkeit. Marten Soder setzte den Ball knapp über die Latte. Kaps sah diese Phase auf Nachfrage kritisch. „Wir lassen da so ein bisschen locker in Entscheidungen im letzten Drittel, ein bisschen locker im Weg zurück“, analysierte der Trainer. Genau solche Situationen wolle man möglichst vermeiden.
Grundsätzlich zeigte sich Kaps jedoch hochzufrieden mit der Leistung. Kaltenkirchen hatte zwei Chancen, ansonsten sei die eigene Defensive sehr stabil gewesen. Gleichzeitig hätte seine Mannschaft selbst „bestimmt auch noch ein, zwei Tore mehr schießen“ können.
Nach der Pause kennt Holstein keine Gnade
Die KTS wechselte in der zweiten Halbzeit gleich dreifach, doch am Kräfteverhältnis änderte sich wenig. Holstein Kiel II hielt das Tempo hoch und setzte den Gegner weiterhin unter Druck.
In der 55. Minute erhöhte Mark Richter Monserrat auf 4:0. Rene Guder legte in der 75. Minute nach, ehe Valton Mehmeti fünf Minuten später das halbe Dutzend perfekt machte. Den Schlusspunkt setzte Felix Lüth in der 90. Minute.

Auffällig: Trotz der deutlichen Führung ließ die Kieler Intensität kaum nach. Die U23 blieb hunrig auf weitere Tore bis zur letzten Minute.
Junge Störche profitieren von der Breite
Ein weiterer Erfolgsfaktor der Kieler ist die Qualität auf der Ersatzbank. Selbst Top-Torjäger Islam Matene, der bis dahin bereits sechs Oberliga-Treffer erzielt hatte, begann diesmal zunächst außerhalb der Startelf. Nach seiner Einwechslung in der Schlussphase brachte er zusätzlichen Schwung und Spielfreude mit.
Für eine zweite Mannschaft ist genau diese Entwicklung, die Ausbildung aller Spieler, ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. Kaps kann auf unterschiedliche Spieler zurückgreifen, ohne dass das Niveau der Mannschaft zwangsläufig abfällt. Das hohe Tempo und die intensive Spielweise machen derzeit einen wesentlichen Unterschied aus. Die U23 verkörpert dieses Tempo momentan besonders eindrucksvoll.
Kaps sieht keinen Grund, die Mannschaft zu bremsen
Sechs Siege hintereinander könnten bei einer jungen Mannschaft durchaus zu einer gewissen Selbstzufriedenheit führen. Der Sieg sei in dieser Höhe nicht selbstverständlich, gerade für eine junge Truppe. „Und das ist das, was uns gerade total zufrieden macht“, so Kaps. Auf die Frage, ob die Mannschaft nach sechs Siegen in Folge zu erden sei, winkte der Coach ab. „Nein, das Gefühl habe ich nicht. Sie arbeiten alle total fleißig, brutal intensiv, auch egal, in welcher Rolle Spieler sind“, sieht Kaps dafür allerdings aktuell keinen Anlass. Jeder wolle „alles investieren für die Gruppe“.
Gleichzeitig weiß der Coach, dass die Saison noch lang ist. „Es geht trotzdem darum, Woche für Woche das immer wieder zu schärfen“, sagte Kaps. Der aktuelle Lauf sei schließlich nur eine Momentaufnahme.
Genz: „Gegen Holstein Kiel kannst du unter die Räder geraten“
Bei den Gästen aus dem Kreis Segeberg hielt sich der Frust trotz der heftigen Klatsche in Grenzen. Angesichts der jüngsten Niederlagen betonte Kaltenkirchens Trainer Martin Genz realistisch: „Letzte Woche gegen Rapid war scheiße. Das darf nicht sein, dass du da sechs Gegentore bekommst, aber gegen Holstein Kiel kannst du unter die Räder geraten. Die hören nicht auf, Fußball zu spielen. Wenn sie merken, dass der Gegner am Boden ist, dann treten sie drauf. Überragende Qualität.“ Nun gelte es, das Spiel richtig einzuordnen und den Blick nach vorn zu richten.

Genz betonte, dass seine Mannschaft nicht kaputt nach Hause gehe oder komplett nervös werde. Wichtig sei, wie man jetzt damit umgehe. „Dass wir jetzt nicht dauerhaft rumweinen und rumjammern, dass irgendwie die Welt gegen uns ist. Müssen wir den Bock wieder umstoßen.“
Wer stoppt die U23?
Mit dem sechsten Sieg in Serie setzt sich Holstein Kiel II weiter an der Spitze der Oberliga Schleswig-Holstein fest. 7:0 gegen Kaltenkirchen, hohes Tempo über nahezu die gesamte Spielzeit und eine Bank, die zusätzliche Qualität ins Spiel bringen kann: Die Jungstörche präsentieren sich derzeit als Mannschaft, die nur schwer auszubremsen ist.
Die nächste Frage liegt damit auf der Hand: Wer kann die Jungstörche stoppen? Die Antwort darauf muss die Oberliga liefern. Zunächst scheint nur eine Mannschaft dazu in der Lage zu sein: Holstein Kiel II!
Stimmen zum Spiel
- Holstein Kiel II – U23: Henrie Müller-Kalthoff – Leland-Jordan Junge, Malte Petersen, Felix Lüth, Rene Guder (77. Veit Lückner) – Till Wiese (61. Kjell Knaak) – Mark Richter Monserrat, Tayar Tasdelen, Andu Kelati (61. Cengizhan Koc), Kevin Hahn (68. Valton Mehmeti) – Kian Tack (71. Islam Matene)
- Trainer: Jan Frederik Kaps
- Kaltenkirchener TS: Luca Adler – Janik Jensen (66. Mika Gutovsky), Ben Mügge, Sebastian Böttcher, Luis Eising – Malte Pietsch, Marten Soder – Tom Nyamekye Steffen (58. Finn Rerop),Josef Jueidi (58. Marc Jürgensen), Max Spreitzer (46. Till Siemßen) – Linus Goldmann (58. Lenny Glissmann)
- Trainer: Martin Genz
- Schiedsrichter: Steffen Brandt (SV Wasbek)
- Assistenten: Falk Schmidt, Leo Timmermann
- Zuschauer: 209
- Tore: 1:0 Kian Tack (15.), 2:0 Sebastian Böttcher (29., Eigentor), 3:0 Kian Tack (45.+1), 4:0 Mark Richter Monserrat (55.), 5:0 Rene Guder (75.), 6:0 Valton Mehmeti (80.), 7:0 Felix Lüth (90.)
| Platz | Mannschaft | Sp. | G | U | V | Tore | Diff. | Pkt. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. (1) | Holstein Kiel II | 9 | 7 | 1 | 1 | 33:12 | 21 | 22 |
| 2. (2) | VfR Neumünster | 9 | 6 | 2 | 1 | 24:11 | 13 | 20 |
| 3. (3) | FC Kilia Kiel | 9 | 5 | 2 | 2 | 20:14 | 6 | 17 |
| 4. (4) | SC Rapid Lübeck (N) | 9 | 5 | 1 | 3 | 21:17 | 4 | 16 |
| 5. (5) | TSB Flensburg (N) | 9 | 4 | 2 | 3 | 23:15 | 8 | 14 |
| 6. (↑ 7) | Heider SV | 9 | 4 | 2 | 3 | 18:22 | -4 | 14 |
| 7. (↑ 9) | TuS Rotenhof | 9 | 3 | 4 | 2 | 18:18 | 0 | 13 |
| 8. (↓ 6) | 1.FC Phönix Lübeck II | 9 | 3 | 3 | 3 | 23:23 | 0 | 12 |
| 9. (↓ 8) | Oldenburger SV | 9 | 3 | 2 | 4 | 21:23 | -2 | 11 |
| 10. (10) | TSV Nordmark Satrup | 9 | 3 | 2 | 4 | 13:18 | -5 | 11 |
| 11. (11) | PSV Neumünster | 9 | 2 | 4 | 3 | 16:20 | -4 | 10 |
| 12. (12) | Kaltenkirchener TS | 9 | 2 | 2 | 5 | 14:25 | -11 | 8 |
| 13. (↑ 14) | SV Eichede | 9 | 1 | 4 | 4 | 10:12 | -2 | 7 |
| 14. (↑ 15) | MTSV Hohenwestedt | 8 | 1 | 4 | 3 | 16:19 | -3 | 7 |
| 15. (↓ 13) | VfB Lübeck II (N) | 9 | 2 | 1 | 6 | 12:24 | -12 | 7 |
| 16. (16) | Eckernförder SV (N) | 8 | 2 | 0 | 6 | 14:23 | -9 | 6 |
