Kevin Knott (Rapid Lübeck) gegen Maurice Knutzen (VfR Neumünster). © 2026 Olaf Wegerich
In der Oberliga traf das Überraschungsteam der Saison, der Aufsteiger SC Rapid Lübeck, als Tabellenvierter auf dem heimischen Kunstrasen am Kasernenbrink auf den Zweiten Rasensport Neumünster.
Echtes Spitzenspiel
Von Anbeginn ein temporeiches, energiegeladenes und von vielen Emotionen begleitetes Spiel, das schlussendlich mit einem gerechten 2:2-Unentschieden endete – auch wenn der Gast am Ende mit dem Ergebnis haderte, kassierte man doch in der Nachspielzeit in Überzahl noch den Ausgleich.
Neumünster zunächst überlegen, aber wieder mit Chancenwucher
Der VfR war gleich gut im Spiel. Nach langem Kenny-Korup-Einwurf und Kopfballverlängerung von Ola Adesanya scheiterte Nils Drauschke ganz frei am langen Pfosten am heute ganz starken Sami Aboukassim im Rapid-Tor (5.). Rafael Krause, halblinks ebenfalls unbedrängt, findet ebenso im Keeper seinen Meister.
SC Rapid schwimmt sich frei
Allmählich kommt auch Rapid besser ins Spiel. Das Muster ist zwar einfach, aber effektiv: Man hatte sich wohl die Blaupause beim VfB Lübeck II abgeguckt, der Rasensport vor 14 Tagen mit 4:1 geschlagen hatte. Man lief früh und hoch an, ebenso ging man konsequent auf die zweiten Bälle. Hatte man dann erst mal Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte, wurde es jedes Mal brandgefährlich.
Es geht hin und her
Beim Pfostenkracher von Amir Aboukassim von halblinks nach Zusammenspiel mit Tino Arp nach VfR-Ballverlust im Aufbauspiel hat der VfR Glück. Auch in der 21. Minute ist Amir Aboukassim nach zu kurz abgewehrtem Ball wieder durch, Jose Aguirre rettet dem VfR das Remis – noch.

Im Gegenzug vergibt Kastriot Alija ganz frei für den VfR. Doch nur 30 Sekunden später klingelt es auf der Gegenseite: Tino Arps satten, unbedrängten 16-Meter-Hammer wehrt Aguirre mit Glanzparade ab, doch Jonas Dürr reagiert am schnellsten und staubt ab (24.).
Danach wird die Partie hektischer und auch ruppiger. Schiri Frederik Simon bekommt alle Hände voll zu tun. Kevin Voeks hat Glück, kommt mit einer Ermahnung davon, als er bei seinem kompromisslosen Einsatz gegen Visar Mehmeti wenig Ball, aber ganz viel Mehmeti trifft. Enge Abseitsentscheidungen, einmal komplett falsch, tragen auch nicht zur Entspannung bei.
Nach dem Rückstand ist der VfR wieder besser drin. Hinten ist man wieder souveräner. Ein vermeintliches Abseitstor von Alban Jasari nach Drauschke-Freistoß zählt nicht (37.). Doch als sich dann zentral Kastriot Alija behauptet und Adesanya einsetzt, wird der kurz vorm Strafraum abgeräumt. Visar Mehmeti zirkelt den Ball trotz viel zu dicht stehender Mauer per Innenpfosten ins Tor (41.). Verdientes Unentschieden zur Halbzeit in einem schnellen und stellenweise hochklassigen Spiel.
Kastriot Alija trifft zum 1:2
Kurz nach der Halbzeit nutzt dann die Cornelius-Elf einen der wenigen Aufbaufehler der Hausherren und schaltet blitzschnell um. Einen Rapid-Fehlpass leitet Jan Lippegaus direkt auf Krause weiter, der links Alija freispielt, der diesmal Aboukassim bezwingen kann (47.).
Danach hat der VfR eine ganz starke Phase. Rapid ist etwas geschockt. Aboukassim rettet mit einer phantastischen Flugeinlage gegen Drauschke, dessen Freistoß aus 22 Metern unhaltbar schien. Analog zur ersten Halbzeit braucht Rapid wieder eine Viertelstunde, um diesmal durch Thierry Spiecker (60.) mal wieder gefährlich zum Abschluss zu kommen.
Notbremse: Rot für Spiecker
Doch wenig später kann Spiecker kurz hinter der Mittellinie Alija nur mit einer Notbremse stoppen. Schiri Simon, inzwischen von seiner großzügigen Ermahnungslinie abgekommen und konsequent die Zügel anziehend, bleibt gar keine Wahl.
VfR nutzt die Chancen nicht…
Wenig später ist Krause nach einer Adesanya-Seitenverlagerung schon am Keeper vorbei, schiebt den Ball aber aus spitzem Winkel am leeren Tor vorbei. Danach nutzt der Gast eine Vielzahl von Umschaltsituationen nicht, immer mehr Ungenauigkeiten schleichen sich ein. Als Alija nach 75 Minuten von Krause eingesetzt nur die Lattenunterkante trifft, ist es danach erst mal vorbei mit der bis dahin sichtbaren numerischen Überlegenheit des VfR.

Überzahl? Nicht mehr zu sehen
Nach 80 Minuten stellt Rapid auf Dreierkette um. In der Folge macht Rasensport vorne keinen Ball mehr fest, Rapid kommt zu mehr und mehr Chancen. Es wirkt jetzt, als hätte der SC Rapid Überzahl. Aguirre (82.) rettet gegen den völlig freien Arp. Der quirlige Amir Aboukassim wird wenig später im Strafraum am Fuß getroffen – kein Pfiff (84.). Dann hat doch noch einmal der VfR die Chance, alles klarzumachen: Manuel Carvalho, bereits am Vorabend in der Reservemannschaft im Einsatz, behauptet sich links und legt quer auf Ramadan Issifou, der ebenfalls am Freitagabend bereits gespielt hatte. Er scheitert aus 8 Metern am überragenden Sami Aboukassim.
Rapid mit verdientem Ausgleich – mit VfR-Unterstützung
In der Nachspielzeit unterläuft dem Gast ein schwerer taktischer Fehler, den eine Spitzenmannschaft bei diesem Spielstand einfach nicht macht: Ein Offensivspieler bricht die Rückwärtsbewegung, seinen Gegenspieler verfolgend, kurz hinter der Mittellinie einfach ab und bleibt stehen. Damit hat kein Mitspieler gerechnet, auf dieser Seite hat Rapid so unverhofft Überzahl, die das starke Sturmtrio bzw. das Sturmduo Tino Arp und Jonas Dürr sofort nutzt. Arps Schlenzer aus 18 Metern landet genau im Winkel, unhaltbar für Jose Aguirre.

Fazit
Unterm Strich ein gerechtes Unentschieden in einem ganz starken Oberligaspiel.
Stimmen zum Spiel
Christian Arp: „Aufgrund der ausgeglichenen ersten Halbzeit konnten beide Teams mit dem Unentschieden zur Pause zufrieden sein. Kurz nach Wiederanpfiff kassierten wir das 1:2 und eine Viertelstunde später eine fragwürdige Rote Karte. Trotzdem haben wir nicht aufgegeben und hatten spielerisch die besseren Momente gegen die fast nur mit langen Bällen operierenden Gäste. Durch die fast halbstündige Unterzahl haben wir natürlich einige Torchancen zugelassen, doch auch wir haben uns einige davon erspielt, und so kamen wir auch aufgrund unseres Willens sowie unserer mutigen Spielweise zum wohlverdienten Ausgleich kurz vor dem Ende der Partie. Aufgrund der Gegebenheiten sind wir mit dem Unentschieden zufrieden und halten weiter Abstand zu den Abstiegsrängen.“
- SC Rapid Lübeck: Sami Abukassim – Spiecker, Rivera (46. Knott), Theiss (54. Nagel), Meier – Amir Aboukassim (84. Betani-Baku), Bilic, Taritas, Voeks (76. Morr) – Dürr, Tino Arp.
- Trainer: Christian Arp / Dario Bilic.
- VfR Neumünster: Aguirre – Agdan (83. Neca), Korup, Latifi, Lippegaus – Jasari (79. Issifou), Mehmeti, Drauschke (79. Carvalho), Krause – Alija (76. Knutzen), Adesanya.
- Trainer: Danny Cornelius.
- Schiedsrichter: Frederik Simon (Heikendorfer SV)
- Assistenten: Juri Alexander Heberlein, David Lemke
- Zuschauer: 290
- Rote Karte: Spiecker (62., , Rapid, Notbremse)
- Tore: 1:0 (24.) Dürr, 1:1 (41., direkter Freistoß) Mehmeti, 1:2 (47.) Alija, 2:2 (90.+2) Arp
| Platz | Mannschaft | Sp. | G | U | V | Tore | Diff. | Pkt. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. (↑ 2) | VfR Neumünster | 9 | 6 | 2 | 1 | 24:11 | 13 | 20 |
| 2. (↓ 1) | Holstein Kiel II | 8 | 6 | 1 | 1 | 26:12 | 14 | 19 |
| 3. (3) | FC Kilia Kiel | 9 | 5 | 2 | 2 | 20:14 | 6 | 17 |
| 4. (4) | SC Rapid Lübeck (N) | 9 | 5 | 1 | 3 | 21:17 | 4 | 16 |
| 5. (5) | TSB Flensburg (N) | 9 | 4 | 2 | 3 | 23:15 | 8 | 14 |
| 6. (↑ 7) | Heider SV | 9 | 4 | 2 | 3 | 18:22 | -4 | 14 |
| 7. (↑ 9) | TuS Rotenhof | 9 | 3 | 4 | 2 | 18:18 | 0 | 13 |
| 8. (↓ 6) | 1.FC Phönix Lübeck II | 9 | 3 | 3 | 3 | 23:23 | 0 | 12 |
| 9. (↓ 8) | Oldenburger SV | 9 | 3 | 2 | 4 | 21:23 | -2 | 11 |
| 10. (10) | TSV Nordmark Satrup | 9 | 3 | 2 | 4 | 13:18 | -5 | 11 |
| 11. (11) | PSV Neumünster | 9 | 2 | 4 | 3 | 16:20 | -4 | 10 |
| 12. (12) | Kaltenkirchener TS | 8 | 2 | 2 | 4 | 14:18 | -4 | 8 |
| 13. (↑ 14) | SV Eichede | 9 | 1 | 4 | 4 | 10:12 | -2 | 7 |
| 14. (↑ 15) | MTSV Hohenwestedt | 8 | 1 | 4 | 3 | 16:19 | -3 | 7 |
| 15. (↓ 13) | VfB Lübeck II (N) | 9 | 2 | 1 | 6 | 12:24 | -12 | 7 |
| 16. (16) | Eckernförder SV (N) | 8 | 2 | 0 | 6 | 14:23 | -9 | 6 |
