Eckernförder SV dreht 0:2-Rückstand: Traum-Einstand für Maik Gabriel beim 4:2 in Flensburg

von Ismail Yesilyurt

Christian Peters (re., Eckernförder SV) leitete kurz nach seiner Einwechslung mit seinem Doppelpack den Wendepunkt ein. © Ismail Yesilyurt

Was für ein Einstand für Maik Gabriel! Der neue Trainer des Eckernförder SV, der Mamadou Sabaly letzte Woche ablöste, hat bei seinem Debüt gleich für einen Paukenschlag gesorgt. Beim Mitaufsteiger TSB Flensburg lag der ESV nach 54 Minuten mit 0:2 zurück, drehte die Partie anschließend aber komplett und feierte mit einem 4:2 den ersten Auswärtssieg der Saison.

Joker Christian Peters wurde mit zwei Treffern innerhalb von fünf Minuten zum entscheidenden Mann der Aufholjagd. Luc Justen setzte in der vierten Minute der Nachspielzeit den Schlusspunkt unter furiose 30 Minuten in der zweiten Halbzeit.

TSB nutzt seine Chancen und führt zur Pause

Dabei sah zunächst wenig nach einem erfolgreichen Trainerdebüt aus. Beide Mannschaften lieferten sich eine intensive Partie mit hohem Tempo und zahlreichen Zweikämpfen. Die ganz große Durchschlagskraft im letzten Drittel fehlte jedoch auf beiden Seiten.

„Zwei Mannschaften, die sehr intensiv Fußball gespielt haben. Viele Zweikämpfe, ja, hohes Tempo“, beschrieb Gabriel die Anfangsphase. Über weite Strecken sei die Begegnung ausgeglichen gewesen.

Alton Zymeraj (TSB Flensburg) ist vor Hendrik Fleige (Heider SV) am Ball. © 2026 Volker Schlichting.
Alton Zymeraj (5, TSB Flensburg) bringt die Gastgeber in Front. © 2026 Volker Schlichting.

Nach rund 20 Minuten bekam der TSB allerdings zunehmend Zugriff. Alton Zymeraj brachte die Gastgeber in der 21. Minute mit 1:0 in Führung. Gabriel sah den Grund dafür in einer kurzen Schwächephase seiner Mannschaft: „Die Abstände zu halten“ sei in den Minuten vor dem Gegentor nicht mehr ausreichend gelungen. Auch bei den zweiten Bällen habe der TSB Vorteile gehabt.

Tobias Zuth erhöht per Elfmeter

Nach dem Seitenwechsel wollte Gabriel seine Mannschaft offensiver sehen. Doch zunächst geriet sein Team noch weiter ins Hintertreffen. Nach 54 Minuten zeigte Schiedsrichter Per Roloff auf den Punkt. Tobias Zuth verwandelte den Elfmeter mit seine zweiten Saisontor zum 2:0 für den TSB.

„Danach wirkten wir kurz schockiert. Die fünf bis zehn Minuten danach schwammen wir ein wenig“, räumte Gabriel ein. Doch der ESV fing sich und bekam wenig später selbst einen Strafstoß zugesprochen. Leon Apitz blieb in der 61. Minute vom Punkt cool und verkürzte auf 1:2. Beide Elfmeter bezeichnete Gabriel als „von außen gesehen zumindest völlig berechtigt“.

Peters entfacht die Aufholjagd

Der Anschlusstreffer wurde zum Wendepunkt. Während der TSB zunehmend den Faden verlor, entwickelte der ESV plötzlich enorme Energie. „Nach dem 1:2 ging ein richtiger Ruck durch die Mannschaft“, berichtete Gabriel. Auf dem Platz sei regelrecht zu spüren gewesen, dass seine Mannschaft nun an die Wende glaubte.

Und tatsächlich: In der 71. Minute fiel der Ausgleich. Der in der Vergangenheit lange verletzte Torjäger Christian Peters, der zuvor eingewechselt worden war, traf zum 2:2. Der TSB konnte dem neuen Schwung des ESV nun kaum noch etwas entgegensetzen. Nur fünf Minuten später war die Partie endgültig gedreht. Erneut war Peters zur Stelle und erzielte das 3:2.

„Die Einwechsler waren sofort da“, freute sich Gabriel. Peters habe mit seinen beiden Treffern ebenso entscheidend zum Erfolg beigetragen wie Luc Justen, der ebenfalls von der Bank kam.

TSB gibt den Sieg aus der Hand

Für TSB-Trainer Tore Wächter war die Niederlage entsprechend schwer zu verdauen. Seine Mannschaft hatte über lange Zeit vieles richtig gemacht und führte verdient mit 2:0. „Ein Spiel, in dem wir einfach drei Punkte wegschmeißen. Anders kann man es gar nicht nennen“, sagte Wächter enttäuscht.

Sein Team sei gut in die Partie gekommen, habe die Dominanz gehabt und sich Chancen erspielt. Auch nach dem 2:0 habe der TSB die Möglichkeit gehabt, die Partie mit einem dritten Treffer zu entscheiden. Doch genau diese Konsequenz fehlte.

Coach Tore Wächter (TSB Flensburg) kann sich auf seine Mannschaft verlassen. Die Konstanz in der Teamleistung ist schon bemerkenswert, aber auch Verdienst des Trainers. © 2025 Ismail Yesilyurt
Coach Tore Wächter (TSB Flensburg). © 2025 Ismail Yesilyurt

„Wir verpassen das 3:0 und dann haben wir nicht mehr die Bereitschaft gehabt, die grundlegenden Dinge zu tun, die wichtig sind, um einen Ball zu gewinnen und einen Ball zu behalten“, analysierte Wächter.

ESV zeigt in der Schlussphase Reife

Während der TSB zunehmend lethargisch wirkte, spielte der ESV die Partie mit wachsendem Selbstvertrauen zu Ende. Gabriel sah gerade nach dem Ausgleich eine bemerkenswerte Entwicklung seiner Mannschaft. „Dann haben wir wirklich, wirklich, wirklich ein reifes Spiel gezeigt und stabil verteidigt und immer wieder angegriffen“, sagte der neue ESV-Coach.

Der Lohn folgte in der Nachspielzeit: Luc Justen machte in der Nachspielzeit mit dem 4:2 endgültig alles klar. Aus einem scheinbar komfortablen 2:0-Vorsprung des TSB war damit innerhalb einer halben Stunde eine 2:4-Niederlage geworden.

Wächter: „So kannst du kein Oberligaspiel gewinnen“

Wächter fand nach dem Schlusspfiff deutliche Worte für den Einbruch seiner Mannschaft. „So kannst du kein Oberligaspiel gewinnen“, stellte der TSB-Trainer fest. Zwar wollte er die ersten 60 Minuten nicht komplett schlechtreden. Auch die Rückkehrer nach längeren Verletzungspausen hätten positive Ansätze gezeigt. Doch am Ende stand der TSB mit leeren Händen da.

„Wir haben es nicht geschafft, den Fokus aufrechtzuhalten“, lautete Wächters ernüchterndes Fazit. Auch die Einwechslungen hätten nicht den gewünschten Effekt gebracht. Besonders bitter: Nach Ansicht des Trainers, der mit Benett Kwame auf den besten Oberligaschützen (7 Tore) und logischerweise zugleich besten TSB-Torschützen verzichten musste, hatte der TSB aufgrund der letzten 25 bis 30 Minuten den Sieg nicht mehr verdient.

Gabriel erlebt „einen schönen Einstand“

Auf der anderen Seite konnte Maik Gabriel sein erstes Pflichtspiel als ESV-Trainer kaum besser beginnen. Nach dem 0:2-Rückstand bewies seine Mannschaft Moral, blieb ruhig und drehte das Spiel mit einer beeindruckenden Energieleistung.

Findet die Mannschaft von Maik Gabriel (Osterrönfelder TSV) wieder das Quäntchen Glück wie zu Saisonbeginn. © 2024 Ismail Yesilyurt
Das Team des Eckernförder SV bereitete ihrem neuen Trainer Maik Gabriel einen perfekten Einstand. © Ismail Yesilyurt

„Ich bin sehr froh, klar, über den Sieg zum einen und so wie er zustande gekommen ist“, sagte Gabriel. Einen 0:2-Rückstand bei einem starken Flensburger Team noch in einen 4:2-Sieg zu verwandeln, sei ein besonderer Auftakt gewesen. Sein Schlusswort passte deshalb perfekt zu diesem verrückten Nachmittag: „Eine Freude. Was für ein Einstand.“

Für den TSB Flensburg heißt es dagegen, die bittere Pleite möglichst schnell zu den Akten zu legen. Bereits am kommenden Wochenende wartet im nächsten Heimspiel mit der zweiten Mannschaft des VfB Lübeck erneut ein direkter Konkurrent und Mitaufsteiger. „Da gilt es dann eben, die Punkte zu holen“, gab Wächter die Marschroute vor.

Stimmen zum Spiel

Maik Gabriel (Trainer Eckernförder SV)
Tore Wächter (Trainer TSB Flensburg)
  • TSB Flensburg: Ole Rathmann – Patrick Thomsen, Leon Knittel, Alton Zymeraj, Jon Jessen (82. Melf Siemund) – Felix Stuewe (72. Elias Kurzbach), Maxim Jurk (68. Jonatan González Miranda), Noel Kurzbach, Cosmo Nitsch (78. Cedric Neumann), Jakob Friedrichs (72. Kean Wojnarowski) – Tobias Zuth
  • Trainer: Tore Wächter
  • Eckernförder SV: Lauritz Sievers – Timo Bamler (85. Jannes Röschmann), Jost-Bennet Andreas, Malte Clausen, Jannes Mohr – Paul Richter (72. Henrik Stoeterau), Philipp Helpling – Rayan Hansen, David Wagner (65. Christian Peters), Leon Apitz (72. Johann Schneekloth) – Ole Altendorf (65. Luc Justen)
  • Trainer: Maik Gabriel
  • Schiedsrichter: Per Roloff (Suchsdorfer SV)
  • Assistenten: Mattes Michaelis, Jannes Martens
  • Tore: 1:0 Alton Zymeraj (21.), 2:0 Tobias Zuth (54., FE), 2:1 Leon Apitz (61., FE), 2:2 Christian Peters (71.), 2:3 Christian Peters (76.), 2:4 Luc Justen (90. +4)

Tabelle

Oberliga Schleswig-Holstein
Platz Mannschaft Sp. G U V Tore Diff. Pkt.
1. (1) Holstein Kiel II 8611 26:121419
2. (2) VfR Neumünster 8611 22:91319
3. (3) FC Kilia Kiel 8521 19:10917
4. (4) SC Rapid Lübeck (N) 8503 19:15415
5. (5) TSB Flensburg (N) 8323 21:15611
6. (6) 1.FC Phönix Lübeck II 8323 20:20011
7. (↑ 11) Heider SV 8323 14:21-711
8. (↓ 7) Oldenburger SV 8314 19:21-210
9. (↑ 12) TuS Rotenhof 8242 14:17-310
10. (↓ 8) TSV Nordmark Satrup 8314 12:17-510
11. (↓ 9) PSV Neumünster 8233 13:17-49
12. (↓ 10) Kaltenkirchener TS 8224 14:18-48
13. (↑ 15) VfB Lübeck II (N) 8215 12:22-107
14. (↓ 13) SV Eichede 8134 8:10-26
15. (↓ 14) MTSV Hohenwestedt 7133 15:18-36
16. (16) Eckernförder SV (N) 7205 13:19-66

ähnliche Artikel

Consent Management Platform von Real Cookie Banner