Joker drehen das Spiel: Rotenhof feiert späten 2:1-Heimsieg gegen Phönix Lübeck II

von Markus Till

Niklas Baeskow wehrt den Eckball auf den Rücken von Phönix-Kapitän Leon Dippert ab. In der Folge entsteht daraus der Ausgleich durch Dustin Jacob (li. neben dem Torwart). © 2026 Markus Till

Der TuS Rotenhof hat sich mit großer Moral und einem starken Schlussspurt einen wichtigen Heimsieg in der Oberliga Schleswig-Holstein gesichert. Gegen die zweite Mannschaft des 1. FC Phönix Lübeck lag die Mannschaft von Trainer Henning Knuth vredient zur Pause mit 0:1 zurück. Erst die Einwechslungen und eine deutlich energischere Zweikampfführung brachten die Wende. Dustin Jacob glich in der 83. Minute aus, ehe Joker Moritz Gersteuer in der Schlussminute einen Handelfmeter zum umjubelten 2:1 verwandelte.

Phönix übernimmt früh die Kontrolle

Die Gäste aus Lübeck zeigten vom Anpfiff an, warum sie vor allem spielerisch zu den unangenehm zu spielenden Mannschaften der Liga gehören. Phönix ließ den Ball sicher durch die eigenen Reihen laufen, fand immer wieder Lösungen unter Druck und entzog sich durch technisch saubere Kombinationen den Rotenhöfer Zugriffsbemühungen.

Der TuS kam kaum in die Zweikämpfe, stand häufig einen Schritt zu weit vom Gegenspieler entfernt und musste den Gästen lange hinterherlaufen. Vor allem im zentralen Mittelfeld bestimmte Phönix das Geschehen. Die Lübecker wirkten beweglicher und kombinationssicherer und verfolgten bei ihren Angriffen einen klaren Plan.

Bereits in der elften Minute bot sich den Gästen die erste große Gelegenheit. Nach einer Ecke kam Silas Meyer frei zum Kopfball. Rotenhofs Torhüter Tobias Quincke stand jedoch goldrichtig und wehrte den Ball ab.

Grothkopp vergibt Rotenhofs beste Gelegenheit

Trotz der spielerischen Überlegenheit der Gäste bekam auch Rotenhof seine Chance. In der 15. Minute leitete Innenverteidiger Lorenz Billerbeck einen der wenigen zielstrebigen Angriffe der Gastgeber ein. Er erkannte die Lücke in der Lübecker Defensive und bediente Henry Grothkopp mustergültig. Dessen Abschluss wurde jedoch vom souveränen Phönix-Torwart Niklas Baeskow entschärft.

Es blieb einer der wenigen Momente, in denen Rotenhof in der ersten Halbzeit gefährlich in den Strafraum der Gäste gelangte. Zu ungenau waren viele Zuspiele, zu selten konnten die Gastgeber den Ball über mehrere Stationen behaupten.

Phönix blieb dagegen die spielbestimmende Mannschaft und belohnte sich in der 21. Minute. Astemir Boziev wurde vor dem Strafraum nicht konsequent angegriffen und traf mit einem trockenen, flachen Schuss platziert ins linke untere Eck – 0:1 (21.). Für den Rotenhöfer Schlussmann gab es nichts zu halten.

Rotenhof findet keinen Zugriff

Auch nach dem Rückstand änderte sich zunächst wenig am Spielgeschehen. Phönix bewegte den Ball geschickt, während es Rotenhof kaum gelang, die spielerische Überlegenheit der Gäste zu durchbrechen. Die Gastgeber blieben offensiv weitgehend ungefährlich.

Die Lübecker überzeugten vor allem technisch und spielerisch. Immer wieder fanden sie freie Räume und entzogen sich dem Rotenhöfer Pressing. Allerdings verpassten es die Gäste, ihre Überlegenheit in weitere Tore umzumünzen.

So blieb der TuS trotz einer durchwachsenen ersten Hälfte im Spiel. Mit dem knappen 0:1 ging es in die Pause. Phönix-Trainer Björn Joppe sah sein Team in den ersten 45 Minuten ebenfalls klar im Vorteil: „Die erste Hälfte war sehr gut von uns, auch spielerisch.“ Seine Mannschaft habe darauf gehofft, noch einmal durchzukommen und den Vorsprung auszubauen.

Frühes Warnsignal nach dem Seitenwechsel

Nur wenige Sekunden nach Wiederbeginn zeigte Phönix, dass die Gäste zunächst nahtlos an ihre Leistung aus der ersten Hälfte anknüpfen wollten. Nach einem schnellen Angriff kam Christen Mensah zu einer guten Möglichkeit, doch Rotenhof verteidigte die Situation im letzten Moment.

Mit zunehmender Spielzeit wurde Rotenhof mutiger und körperlich präsenter. Die Gastgeber gingen nun entschlossener in die Zweikämpfe, schoben weiter nach vorn und zwangen die Lübecker häufiger zu Fehlern. Das zuvor sichere Kombinationsspiel der Gäste verlor immer mehr an Wirkung.

Wechsel verleihen Rotenhof neue Energie

Zum entscheidenden Faktor wurde die Rotenhöfer Bank. In der 69. Minute brachte Trainer Henning Knuth mit Thies Bütow, Dustin Jacob und Cedric Nielsen gleich drei neue Spieler. Später kam auch Moritz Gersteuer in die Partie.

Die Einwechslungen erhöhten die Intensität noch einmal deutlich. Rotenhof baute zunehmend Druck auf, gewann die zweiten Bälle und drängte Phönix immer weiter in die eigene Hälfte zurück.

„Wir haben immer weiter den Druck aufgebaut – erhöht, erhöht, erhöht“, beschrieb Knuth die Entwicklung. Seine Mannschaft habe Angriff auf Angriff gestartet und „Welle um Welle“ in Richtung des Lübecker Tores geschoben.

Auch die Zweikämpfe kippten nun zugunsten der Gastgeber. Während Phönix in der ersten Hälfte noch spielerisch dominiert hatte, fehlte den Gästen zunehmend die körperliche Gegenwehr.

Joppe kritisierte diesen Leistungsabfall deutlich: „Wenn der Gegner anfängt, Männerfußball zu spielen und körperlich wird, haben wir immer das Nachsehen.“ Seine Mannschaft habe die entscheidenden Situationen „brutal schlecht“ verteidigt und sei den Zweikämpfen teilweise aus dem Weg gegangen.

Henke verpasst den Ausgleich

In der 78. Minute hatte Mats Henke die große Gelegenheit, die Partie auszugleichen, scheiterte jedoch an Keeper Baeskow. Eine Minute später forderten die Gastgeber vehement einen Elfmeter, nachdem Nielsen bei einem Zweikampf im Strafraum zu Boden gegangen war. Der Pfiff blieb zunächst aus. Rotenhof ließ sich davon nicht stoppen. Die Mannschaft blieb am Drücker, gewann immer mehr Bälle und setzte die Lübecker Defensive dauerhaft unter Druck.

Dustin Jacob drückt den Ball über die Linie

In der 83. Minute war der Bann schließlich gebrochen. Der eingewechselte Dustin Jacob nutzte eine Rotenhöfer Druckphase und erzielte das inzwischen verdiente 1:1.

Baeskow konnte eine Ecke nicht entscheidend klären und wehrte den Ball unglücklich gegen einen Mitspieler ab. Von dessen Rücken sprang die Kugel unmittelbar vor die Füße von Jacob, der keine Mühe hatte, den Ball über die Linie zu drücken und für großen Jubel auf der Bank und auf den Rängen zu sorgen.

Der Treffer war die logische Folge der zweiten Hälfte. Phönix wirkte nun verunsichert und konnte sich kaum noch aus der eigenen Hälfte befreien. Die Gastgeber wollten sich mit dem Ausgleich nicht zufriedengeben und spielten weiter auf Sieg.

Handspiel entscheidet die Partie

Kurz vor dem Ende folgte die entscheidende Szene. Nach einer Rotenhöfer Hereingabe bekam Leon Dippert den Ball im eigenen Strafraum an die Hand. Der zu Spielbeginn in der Verteidigung aufgebotene und im zweiten Durchgang in seiner gewohnten Stürmerrolle eingesetzte Routinier hatte bei der Aktion im eigenen Strafraum ausgeholfen. Schiedsrichter Jannik Schneider entschied auf Strafstoß.

Phönix-Kapitän Leon Dippert bekommt den Ball von Moritz Gersteuer (TuS Rotenhof an den Arm. Der Elfmeterpfiff folgte und Gersteuer traf zum Sieg. © 2026 Markus Till
Phönix-Kapitän Leon Dippert bekommt den Ball von Moritz Gersteuer (TuS Rotenhof an den Arm. Der Elfmeterpfiff folgte und Gersteuer traf zum Sieg. © 2026 Markus Till

Moritz Gersteuer, der erst wenige Minuten zuvor eingewechselt worden war, übernahm die Verantwortung. Der Joker blieb ruhig und verwandelte sicher ins linke untere Eck zum 2:1. Der späte Treffer löste großen Jubel bei den Rotenhöfern und den Anhängern aus. Innerhalb weniger Minuten hatte der TuS die Partie gedreht.

Knuth lobt die Qualität seiner Bank

Henning Knuth war nach dem Schlusspfiff die Erleichterung deutlich anzumerken. „Jetzt gerade geht es mir sehr gut“, sagte der Rotenhof-Trainer. Er freue sich, dass sich seine Mannschaft für ihren Aufwand belohnt habe und nun den verdienten Applaus der Zuschauer genießen könne.

Knuth sah auch die erste Hälfte seiner Mannschaft etwas positiver, räumte aber ein, dass zunächst „dieses ganz kleine letzte Prozent“ gefehlt habe, um die Partie auf die eigene Seite zu ziehen. In der zweiten Halbzeit sei es seiner Mannschaft gelungen, den Druck kontinuierlich zu erhöhen. Besonders hob der Trainer die Wirkung seiner Einwechselspieler hervor.

Dass Spieler wie Dustin Jacob, Moritz Gersteuer, Thies Bütow, Cedric Nielsen und Till Berg von der Bank kommen und eine Partie entscheidend verändern könnten, sei „eine brutale Qualität“ seiner Mannschaft. Knuth richtete deshalb ein „großes Lob an die gesamte Mannschaft“.

Joppe kritisiert fehlende Zweikampfhärte

Auf der anderen Seite überwog bei Björn Joppe die Enttäuschung. Der Phönix-Trainer sprach angesichts des erneuten Einbruchs nach einer guten ersten Hälfte vom „täglich grüßenden Murmeltier“.

Moritz Gersteuer (TuS Rotenhof) bejubelt seinen siegbringenden Elfmetertreffer. © 2026 Markus Till
Moritz Gersteuer (TuS Rotenhof) bejubelt seinen siegbringenden Elfmetertreffer. © 2026 Markus Till

Seine Mannschaft habe in der ersten Halbzeit sehr gut gespielt, nach dem Seitenwechsel jedoch erneut große Probleme bekommen, sobald der Gegner körperlicher agiert habe.

Joppe wollte die Niederlage nicht allein mit der dünn besetzten Bank oder der personellen Situation erklären. Mit acht Spielern könne man trainieren, stellte der Trainer fest. Die fehlende Zweikampfführung habe damit jedoch nichts zu tun.

Deutliche Worte richtete er auch an die Spieler aus dem Regionalligakader, die zum Einsatz kamen und entsprechende Ansprüche anmeldeten. Diese müssten sich Gedanken darüber machen, „ob sie dann auch alles geben“.

Trotz der großen Enttäuschung erkannte Joppe den Rotenhöfer Erfolg an: „Aufgrund vor allem der letzten 20 Minuten hat Rotenhof verdient gewonnen.“

Moral und Bank machen den Unterschied

Der TuS Rotenhof erarbeitete sich den Sieg mit einer deutlichen Leistungssteigerung nach der Pause. Am Ende standen ein emotionaler 2:1-Heimsieg, drei wichtige Punkte und die Erkenntnis, dass Rotenhof auch Spiele aus einer schwierigen Ausgangslage heraus drehen kann.

  • TuS Rotenhof: Quincke – Ohm, Rathmann, Billerbeck, Braun (Bütow, 69.) – Lahrs (Berg, 60.), Knuth – Henke, Grothkopp (Nielsen, 69.), Struck (Jacob, 69.) – Fiebelkorn (Gersteuer, 84.)
  • Trainer: Henning Knuth
  • 1. FC Phönix Lübeck: Baeskow – Grobauer, Dippert, Silas Meyer, Mensah – Skolik (Dodoo, 80.), Seibt, El Shaikh – Mika Meyer (Luth, 62.), Shalabai, Boziev
  • Trainer: Björn Joppe
  • Schiedsrichter: Jannik Schneider (VfR Laboe)
  • Assistenten: Lennard Gawellek, Daniel Feil
  • Zuschauer: 220
  • Tore: 0:1 Astemir Boziev (21.), 1:1 Dustin Jacob (83.), 2:1 Moritz Gersteuer (90., HE)

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