Das Tor von Roman Reikat (li., hier noch im Trikot des TSV Kronshagen) zum 1:0 öffnet dem VfB Kiel alle Türen. © 2026 Ismail Yesilyurt
Zum Punktspielauftakt der Kreisliga Kiel trafen gleich zwei Titelanwärter aufeinander. Der Vorjahresvierte MED SV empfing zum Hassee-Derby den Vizemeister VfB Kiel von der kaum 700 Meter Luftlinie entfernten Waldwiese.
Gemeinsamkeiten
Sowohl der Traditionsverein VfB Kiel v. 1910 als auch der genau 100 Jahre später in Gaarden gegründete MED SV, der heute auf der ehemaligen Spielstätte des DJK Kiel auf dem Schulsportplatz in Hassee spielt, gehörten in jüngerer Vergangenheit der Verbandsliga an. Und zwar jeweils zwei Jahre. Der VfB von 2022 bis 2024, MED von 2023 bis 2025. Nach jeweils guter erster Verbandsligasaison war im schwierigen zweiten Jahr der Wiederabstieg nicht mehr zu verhindern.
Beide Teams haben sich zur aktuellen Saison deutlich verstärkt. Man durfte also gespannt sein. Während Tim Spirgatis die Waldwiesenelf schon länger coacht, ist mit Tolga Sahin ein neuer ambitionierter Verantwortlicher an der Seitenlinie tätig (YOUKICK berichtete).
MED brennt Feuerwerk ab…
Die Heimelf begann mit Höchsttempo und erspielte sich in den Anfangsminuten Großchancen am Fließband vor allem durch Halil Can Karakaya und Ramez Sulaeiman Alahmad, immer wieder in Szene gesetzt von den Ortacs oder Kapitän Alan Rahman. Auch die Standards sind brandgefährlich. Doch Latte, Riesenlück, Keeper Griephan und/oder gerade noch ein Bein dazwischen verhinderten den frühen VfB-Rückstand.
… aber wie hoch ist der xGoal-Wert?
Unter den Zuschauern auch die aus Kiel stammenden aktuellen Neumünsteraner Fußballer Fyn Claasen (PSV) und Christoph Kahlcke (VfR), die angeregt mit dem verletzten VfBer Timo Pagel (Knorpelschaden im lädierten Knie) und Edelfan Gräfi (PSV NMS + VfB Kiel) nach 10 Minuten über den xG-Wert diskutieren. Der nach einhelliger Meinung deutlich für MED über zwei liegt. Der VfB kommt in dieser Phase kaum mal über die Mittellinie.
VfB wird gleichwertig und trifft mit der ersten Chance
Doch nach spätestens einer Viertelstunde kann der MED SV sein hohes Tempo nicht mehr gehen. Die Spirgatis-Schützlinge werden gleichwertig. Als Neuzugang Roman-Alexander Reikat im Mittelkreis angespielt wird, zeigt der Neuzugang aus dem Landesligateam des TSV Kronshagen seine Klasse. Er lässt seinen Bewacher stehen, zieht los, spielt noch einen aus und kommt aus 22 Metern zum Schuss. MED-Keeper Jost Günther hechtet zwar ins Eck, aber auf dem harten Geläuf hoppelt die Kugel tückisch über seinen Arm. 0:1 (25.).
Bis zur Pause sehen die Zuschauer dann ein verteiltes, hochklassiges Kreisligaspiel. Tore fallen aber nicht mehr, beide Defensiven arbeiten gut.
2. Halbzeit: Blitzstart VfB…
Die zweite Halbzeit beginnt wie die erste, nur hat diesmal der VfB den Hut auf. Marco Wohlgemuth steckt steil auf Felix Beeck durch, der den Ball an den Pfosten knallt. Den Abpraller bringt Alexander Frank nicht am auf der Linie klärenden Max Schenkel vorbei (48.). Zwei weitere Großchancen kurz vorher und kurz nachher bleiben ebenfalls ungenutzt, aber der xG-Wert ist jetzt in etwa ausgeglichen. „Langsam kann man von einer nicht unverdienten Führung sprechen“, analysiert Fyn Claasen, dessen Opa und Vater (sogar U19-Nationalspieler) beim VfB aktiv waren.
… und dann auch effektiv
Aus einer der Großchancen entsteht eine Ecke. Die bringt Linksfuß Moritz Bremer mit Effet lang auf den zweiten Pfosten. Dort ist Wohlgemuth mütterleinseelenallein und kann aus zwei Metern ungestört einnicken: 0:2 (52.).

MED hat nach der Pause noch gar nicht stattgefunden und scheint angeknockt. Der VfB nutzt das jetzt gnadenlos. Wieder über halbrechts: Wohlgemuth steckt durch auf Yannik Imm, der aus zehn Metern an Günther scheitert, aber den Abpraller versenkt Reikat humorlos. 0:3 (55.).
Etwas Sommerfußball zwischendurch
Aber damit stellt nun auch der VfB seine Dominanz ein, beide Teams agieren nun auf Augenhöhe. Allerdings nicht mehr mit allerletzter Konsequenz. Das Spiel scheint auch in den Köpfen der Spieler entschieden.
Anschlusstor läutet Abschlussfeuerwerk ein
Nach einer MED-Ecke ist dann auch die Waldwiesenelf hinten mal unsortiert, aus dem Gewühl erzielt Alahmad den mehr als hochverdienten Anschlusstreffer. Nur noch 1:3 (80.).
Nun kommt wieder Leben in die Heimelf. Deutlich engagierter geht man nun wieder zur Sache und nimmt sich dadurch gleich selbst alle Chancen. Wohlgemuth hat sich beim VfB auf Linksaußen den Ball geangelt, zieht zur Mitte, aber nicht aufs Tor, sondern eher davon weg. Als er von links kommend gerade die Strafraumecke erreicht und auch gleich wieder verlassen hätte, da eher zurück unterwegs, wird er vollkommen unnötig gefoult. Der wie gewohnt gute Schiri Jan Pannenborg zögert keine Sekunde. Strafstoß!
Ali Demir eiskalt per Elfmeter zum 1:4 (82.)…
Den Ball schnappt sich beim VfB keiner der gewohnten Verdächtigen, sondern der mit einer Bierruhe ausgestattete Neuzugang Ali Demir. Souverän verwandelt er, das Spiel ist nun endgültig durch.
… und noch ein Traumfreistoßtor zum 1:5 (85.).
Nach einem MED-Foulspiel halblinks gut 24 Meter vor dem eigenen Tor schießt der beim VfB eingewechselte Tobias Töppe. Unterkante Latte direkt neben den Pfosten – Traumtor!
In der Schlusssekunde verpasst der ebenfalls eingewechselte Thanathorn Rermsoongnern, ein VfB-Urgestein mit zwischenzeitlicher erfolgreicher Oberligakarriere in Eidertal und Schilksee, die Chance, das halbe Dutzend voll zu machen. Artistisch bringt er einen langen Diagonalball unter Kontrolle, schießt dann aber drüber.
Fazit: Klasse Kreisligaspiel mit offenem Visier, das alles bot, was beim Zusehen Spaß macht. Tipp: Eine der beiden Mannschaften wird Meister!
- MED SV: Günther – Schröder (59. Farho), Azami (54. Papke), Schenkel, Heinsohn – Rahman – Alsoeleh (59. Derman), Serhat Ortac (69. Böhnke Quintana), Serdar Ortac – Karakaya (69. Hütz), Alahmad.
- Trainer: Keywan Kazemi / Tolga Sahin.
- VfB Kiel: Griphan – Beeck (82. Abdullah), Demir, Daniel Pagel, Bretthauer (68. Harneid) – Wagner, Wohlgemuth – Bremer (68. Rermsoongnern), Imm, Alexander Frank (68. Schwertfeger) – Reikat (76. Töppe).
- Trainer: Tim Spirgatis.
- Schiedsrichter: Jan Pannenborg (Suchsdorfer SV)
- Assistenten: Lars Jansen, Dennis Suffa.
- Zuschauer: 90.
- Tore: 0:1 (25.) Reikat, 0:2 (53.) Wohlgemuth, 0:3 (55.) Reikat, 1:3 (80.) Alahmad, 1:4 (82., Foulelfmeter) Demir, 1:5 (85., direkter Freistoss) Töppe.
