Neumünsteraner Lucas Schulze startet durch

von Olaf Wegerich

Lucas Schulze (Eintracht Norderstedt) gegen Moritz Brinkmann (SSV Jeddeloh II). © 2026 Eintracht Norderstedt


Lucas Schulze startet durch. Der gebürtige Neumünsteraner, der seine Jugend in Bönebüttel verbracht hatte, ist inzwischen im Regionalligakader – genauer gesagt in der U23 – des FC St. Pauli gelandet.

Angefangen hatte seine Karriere als Fußballer in der Jugend beim heimischen SV Bönebüttel-Husberg, dem er lange die Treue hielt. In der D-Jugend erfolgte der Wechsel zum SV Tungendorf, wobei es dann mit 15 Jahren zur Eintracht nach Norderstedt ging. Dort spielte Schulze dann auch – mit Ausnahme des einen Jahres beim PSV Neumünster, zugleich seiner ersten Saison im Herrenbereich – die letzten sechs Jahre.

Doch der steinige Weg zu dem beliebten Kiezverein kam erst auf Umwegen zustande. Dass der inzwischen 21-Jährige weiterhin unbeirrt seinen Weg geht, liegt neben seinem fußballerischen Talent auch an seinem außergewöhnlichen Fleiß. Denn der beidfüßige Schulze ist sich auch für Extratrainingseinheiten nie zu schade und sprüht vor Energie und Ehrgeiz.

Sein Stützpunkttrainer Marco Frauenstein kann sich noch gut an den 1,87 Meter großen Schulze erinnern: „Schulle ist ein super Junge, sehr ehrgeizig und mit einer Top-Einstellung. Er hat eine gute Dynamik, beide Füße sind super und er hat einfach noch einmal einen riesigen Schritt in seiner Entwicklung gemacht. Er spielt jetzt ja viel im Zentrum. Bei uns ist er ja eher über den Flügel gekommen. Das zeigt ja auch, wie flexibel er ist.“

Nachdem sich Schulze zunächst in der U23 bei Eintracht Norderstedt durchsetzen konnte, folgte prompt die Beförderung in den Regionalligakader, wo er auch auf Anhieb seine Chance genutzt hat.

Lucas Schulze (Eintracht Norderstedt) Leonardo Posadas (Hamburger SV II). © 2026 Eintracht Norderstedt
Lucas Schulze (Eintracht Norderstedt) gegen Leonardo Posadas (Hamburger SV II). © 2026 Eintracht Norderstedt

Durch seine guten und beständigen Leistungen in der 4. Liga wurde dann auch schnell der Millerntorverein auf Schulze aufmerksam. Im Sommer folgte dann die Offerte vom FC St. Pauli, und trotz eines bestehenden Vertrages wurden sich beide Vereine, die ihre Heimspiele jeweils im Norderstedter Edmund-Plambeck-Stadion austragen, schnell einig.

St. Paulis U23-Cheftrainer Alexander Hahn sagte auf der Website des Kiezclubs zur Verpflichtung von Schulze: „Wir sind sehr froh, dass wir mit Lucas einen jungen, hungrigen Spieler dazubekommen haben. Er ist auf den zentralen Positionen flexibel einsetzbar und wird mit seinen Qualitäten ein weiterer Baustein auf unserem eingeschlagenen Weg sein.“

Ebenso äußerte sich Carsten Rothenbach, sportlicher Leiter der U23, bei der gleichen Quelle: „Wir danken Eintracht Norderstedt ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit in der Personalie und dafür, dass sie Lucas keine Steine in den Weg gelegt haben.“

Lucas Schulze im Trikot des FC St.Pauli. © 2026 Eintracht Norderstedt
Lucas Schulze im Trikot des FC St.Pauli. © 2026 Eintracht Norderstedt

Für Youkick nimmt sich Lucas Schulze, der inzwischen seinen Lebensmittelpunkt komplett nach Hamburg verlegt hat, noch einmal ganz viel Zeit und schildert detailliert seinen fußballerischen Werdegang. Dabei bekommt vor allem sein großer Förderer Milenko Mutabdzija die ihm gebührende Würdigung für seine Verdienste.

Wie ist es dir nach deiner Zeit in der Flens-Oberliga beim PSV Neumünster in Norderstedt ergangen? Du hattest ja zunächst in der Zweiten gespielt und dann im Frühjahr sogar Regionalliga für Eintracht Norderstedt. Wie hast du es geschafft, so durchzustarten, und wer waren deine Förderer?

Im letzten Sommer habe ich für mich persönlich einen großen Schritt gewagt: Ich bin von zu Hause ausgezogen, nach Norderstedt, um meinen Lebensmittelpunkt nach Hamburg zu verlegen. Ich wollte kürzere Wege für Studium und Arbeit und mich generell mehr in Richtung Hamburg orientieren.

Nachdem mein Abgang beim PSV bekannt war, war der Kreis der Interessenten in der Hamburger Oberliga nicht besonders groß. Also habe ich mich entschieden, zu meinem früheren Förderer in die U23 von Eintracht Norderstedt zurückzukehren. Er wollte mich unbedingt zurückhaben und hatte einen klaren Plan mit mir.

Ich habe Milenko viel zu verdanken. Er fördert mich schon seit der U16 in Norderstedt und hat mich im Winter 2024, ohne mit der Wimper zu zucken, in die U23 geholt, als ich in der U19 keine große Rolle mehr spielte.

Nach ein paar Startschwierigkeiten lief die Hinrunde dann nahezu perfekt. Ich habe jedes Spiel über die volle Distanz gemacht; nach der Joker-Rolle beim PSV hat mir das sichtlich gutgetan. Dazu bin ich im Laufe der Hinrunde immer weiter nach hinten gerückt: angefangen im zentralen Mittelfeld, dann oft als Sechser, am Ende sogar als Innenverteidiger.

In der Winterpause wurde mein Trainer Jörn Großkopf zum Cheftrainer der Ersten befördert, und ich durfte mich in der Vorbereitung oben zeigen. Rückblickend muss ich das ganz gut gemacht haben, denn danach war ich fester Bestandteil der Ligamannschaft.

Im März kam mein Regionalliga-Debüt, ausgerechnet gegen St. Pauli, und danach wurde ich eigentlich in jedem Spiel eingewechselt. Der Durchbruch gelang mir gegen den HSV, als ich früh in der Partie für unseren Abwehrchef in die Innenverteidigung ins kalte Wasser geworfen wurde. Wir haben knapp verloren, aber ich habe den Härtetest bestanden und eines meiner besten Spiele gemacht.

Danach kam der Stein richtig ins Rollen. Es ging alles so schnell, dass ich selbst keine Zeit hatte, groß darüber nachzudenken. Ich habe jedes der verbleibenden Spiele über 90 Minuten gespielt, in der Innenverteidigung wie im Mittelfeld, und ich glaube, dass ich der Mannschaft mit meiner Unbekümmertheit im Abstiegskampf gut helfen konnte.

Das Geheimnis hinter der Entwicklung ist gar nicht so spannend: Ich habe nicht viel anders gemacht als vorher. Schon zu PSV-Zeiten und davor habe ich neben dem Teamtraining viele Extraeinheiten eingeschoben. Ich bin einfach fußballbegeistert und habe unfassbar viel Spaß an der Sache. Das neue Umfeld und der positive Flow haben sicher auch ihren Teil dazu beigetragen.

Wie gesagt, gehört Milenko zu meinen wichtigsten Förderern. Er war im vergangenen Sommer mehr oder weniger der Einzige, der mich haben wollte, und hat schon seit der U16 immer auf mich gesetzt.

Dazu hat mich in der Rückrunde das Trainerteam um Jörn Großkopf und Fabian Boll unglaublich gefördert. Ich bin beiden sehr dankbar für das Vertrauen. Gerade dass sie mich in einer Drucksituation wie dem Abstiegskampf reinwerfen, bedeutet mir viel. Und wenn dir zwei ehemalige Bundesligaprofis sagen, dass du das gut machst, pusht das natürlich enorm. Ich habe super viel von beiden gelernt; auch dank ihnen konnte ich mich ins Rampenlicht spielen.

Lucas Schulze (Eintracht Norderstedt) gegen Peer Mahncke (BSV Kickers Emden). © 2025 Eintracht Norderstedt
Lucas Schulze (Eintracht Norderstedt) gegen Peer Mahncke (BSV Kickers Emden). © 2025 Eintracht Norderstedt

Wie kam es zur Verpflichtung durch den FC St. Pauli und wie fühlt es sich für dich an, jetzt bei der U23 von einem Bundesligisten zu spielen?

Der Sommer war dann ehrlicherweise etwas turbulent. Zum Ende der Saison hatte ich meinen Vertrag in Norderstedt vorerst verlängert, trotz weiterer Angebote aus der Regionalliga. Ich wollte erstmal in Hamburg bleiben und meine gute Rückrunde in der neuen Saison bestätigen. Zudem will ich nächstes Jahr meinen Bachelor in Online Marketing beenden. In Norderstedt wurde mir eine Perspektive aufgezeigt, in der ich ein essenzieller Bestandteil der Mannschaft sein soll, deshalb passte das für mich.

Dann kam die Meldung, dass St. Pauli nun doch in der Regionalliga bleibt, und die haben sich sehr interessiert an mir gezeigt. Der Kontakt kam relativ plötzlich, und danach ging alles ziemlich schnell. Wegen meiner vertraglichen Situation mussten noch ein paar Schleifen gedreht werden, aber die Vereine haben sich dann auf eine Lösung geeinigt, die für alle Beteiligten optimal war. Ich musste nicht lange überlegen, ich hatte richtig Bock auf die Aufgabe, und so kam der Wechsel zustande. Ich danke Norderstedt, dass sie mir diesen Schritt ermöglicht haben.

Jetzt bin ich seit knapp einer Woche bei St. Pauli an Bord und habe mich bisher super eingelebt. Ich muss aber sagen, dass hier noch alles Neuland für mich ist. Die Professionalität, mit der hier gearbeitet wird, die Bedingungen, der enge Kontakt zu den Profis – das ist unfassbar. Logischerweise ist alles viel genauer und detaillierter als bei den Vereinen, bei denen ich bisher gespielt habe.

Ich habe nie in einem NLZ gespielt und so etwas auch noch nie von innen gesehen. Ich komme absolut über den zweiten fußballerischen Bildungsweg, deshalb erfüllt es mich mit Stolz, diese Chance bekommen zu haben und das hier erleben zu dürfen.

Lucas Schulze im Trikot von Eintracht Norderstedt. © 2025 Eintracht Norderstedt
Lucas Schulze im Trikot von Eintracht Norderstedt. © 2025 Eintracht Norderstedt

Welche Ziele hast du dir persönlich in der U23 beim FC St. Pauli in deiner ersten Regionalligasaison beim Kiezclub gesetzt?
Meine persönlichen Ziele haben sich mit dem Wechsel grundlegend nicht verändert. Ich will mich in meiner ersten vollen Regionalliga-Saison etablieren und zeigen, dass ich das Niveau der Rückrunde auch über eine ganze Saison halten kann. Dazu will ich mit der Mannschaft maximalen Erfolg haben, und ich bin zuversichtlich, dass wir mit St. Pauli entgegen vieler Erwartungen eine deutlich bessere Rolle spielen werden als in der letzten Saison.

Alles on top wäre für mich Bonus.

Wenn du deine Stationen im Herrenbereich vergleichst: Wie hoch war jeweils der Trainingsaufwand beim PSV Neumünster, dann bei Eintracht Norderstedt in der U23, ab dem Frühjahr in der Regionalligamannschaft und nun in Hamburg bei der U23 vom FC St. Pauli?
Da sind natürlich einige Unterschiede: Als ich beim PSV gespielt habe, wohnte ich noch zu Hause in Neumünster und hatte dadurch kurze Wege. Wegen meines dualen Studiums musste ich aber zwei Tage in der Woche aus Hamburg zum Training fahren, mitten im Feierabendverkehr – das war an diesen Tagen immer stressig und zeitintensiv. Grundsätzlich hatten wir beim PSV maximal drei bis vier Einheiten in der Woche plus Spiel, das war also gut mit Nebenbeschäftigungen zu vereinbaren.

In Norderstedt hatte ich den Vorteil, dass ich sehr dicht am Platz wohne. Die Wege waren super kurz, ich konnte ohne lange, stressige Autofahrten frisch ins Training gehen. Die Belastung war trotzdem noch einmal deutlich höher als beim PSV. Wir haben als Team gar nicht so viel häufiger an Tagen trainiert, aber Intensität und Länge der Einheiten waren eine andere Nummer.

Bei St. Pauli ist es jetzt noch einmal deutlich professioneller. Wir trainieren eigentlich jeden Tag bis auf einen freien Tag, auch am Wochenende, meistens am frühen Nachmittag oder vormittags. Die Belastung ist also noch einmal höher, aber genau das ist ja das, was man sich als Fußballer wünscht.

Dadurch musste und durfte ich bei der Arbeit jetzt auch deutlich kürzer treten, um den zeitlichen Mehraufwand aufzufangen. Mein Studium führe ich weiter und werde es nächstes Jahr abschließen.

Lucas Schulze im Trikot des PSV Neumünster. © 2025 Sabrina Szyja
Lucas Schulze im Trikot des PSV Neumünster. © 2025 Sabrina Szyja

Was ist für dich aus der Zeit in Neumünster beim PSV und dem Stützpunkttraining mit Marco Frauenstein noch an Erinnerungen hängengeblieben?
Ich habe gute Erinnerungen an die Zeit beim PSV. Auch wenn es sportlich nicht meine erfolgreichste Saison war, habe ich tolle Jungs kennengelernt und viel dazugelernt, auf und abseits des Platzes. Gerade weil es mein erstes Jahr im Herrenfußball war und ich in Neumünster aufgewachsen bin, wird die Zeit für mich immer etwas Besonderes bleiben.

Marco kenne ich, wie du schon sagst, noch aus den alten Stützpunktzeiten. Wir hatten damals eine super Zeit zusammen, und es freut mich, dass auch andere bekannte Gesichter aus dem Stützpunkt bei Marco und beim PSV ihren Weg gehen. Ich verfolge den Verein weiterhin aus der Ferne, wünsche allen nur das Beste und drücke die Daumen für das Derby am Freitag.

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