Cheftrainer Björn Sörensen gibt beim SV Todesfelde den Kurs vor. © 2026 Olaf Wegerich
Endlich geht es wieder los. Der SV Todesfelde startet am Sonntag um 14:00 Uhr mit einem Heimspiel im Joda-Sportpark gegen die U23 des FC St. Pauli in die neue Regionalligasaison.
Trainer Björn Sörensen schaffte es nach dem Abstieg vor einem Jahr mit seiner Mannschaft in der Flens-Oberliga, zunächst ganz souverän den Meistertitel einzufahren, um sich dann auch eindrucksvoll in den Aufstiegsspielen durchzusetzen.
In einem Exklusivgespräch mit Youkick nimmt Sörensen sowohl zur Vorbereitung, zur Kaderzusammenstellung als auch zu den Saisonzielen und einigen anderen aktuellen Themen ausführlich Stellung.
Wie zufrieden bist du mit der Vorbereitung auf die zweite Saison in der Regionalliga?
Grundsätzlich bin ich sehr zufrieden mit der Vorbereitung und wie sie verlaufen ist. Auch wenn wir personell hier und da arg gebeutelt waren, dürfen wir ja ein, zwei Fakten nicht vergessen: Durch diese katastrophale Regelung, dass wir als Meister noch eine Aufstiegsrunde spielen müssen, sind wir fast vier Wochen später als normal in die Pause gekommen. Das heißt auch, wir hatten nur zwei Wochen Sommerpause. Wir haben die Pause schon verlängert, sodass wir dann im Endeffekt nur auf fünf Wochen Vorbereitung kommen. Und trotzdem: Diese fünf Wochen haben wir mit der Mannschaft und jeder einzelne Spieler super genutzt. Wir haben sehr intensiv trainiert, sehr viel mit Ball, und insofern ist die Vorbereitung von den Inhalten her gut verlaufen.
Dass die Belastung extrem hoch war – gerade auch im Saisonendspurt –, hat uns natürlich viele Verletzungen beschert, worauf wir immer wieder Rücksicht nehmen und die Spieler von der Belastung her gut steuern mussten. Das stört natürlich schon in der Vorbereitung. Aber trotzdem haben diejenigen, die beim Training zur Verfügung waren, immer am Maximum gearbeitet. Insofern bin ich grundsätzlich zufrieden; natürlich geht es immer besser. Aber die Jungs haben das Beste aus der Situation gemacht. Da auch einmal ein Riesenkompliment insbesondere an die medizinische Abteilung und an die Physiotherapeuten, die immer einen Top-Job gemacht haben.

. © 2026 Volker Schlichting
Wie siehst du den SV Todesfelde personell aufgestellt und wie bewertest du den aktuellen Kader im Vergleich zum ersten Jahr in der Regionalliga?
Ich glaube, wir haben insbesondere in der Breite eine Entwicklung genommen. Auch in der Vielseitigkeit der Möglichkeiten, die wir jetzt haben, wie wir die Mannschaft aufstellen können und wie wir gewisse Stärken der einzelnen Spieler vielleicht gewinnbringend für uns einsetzen können, haben wir mit Sicherheit eine Entwicklung im Vergleich zum ersten Jahr gemacht. Da wurde sicherlich auch in der Kaderplanung ein super Job gemacht.
Da würde ich auch dem netten Kollegen von den Lübecker Nachrichten widersprechen. Wir können halt nicht die Spieler mit 200 oder 300 Spielen in der Regionalliga verpflichten, sondern wir schauen auf Spieler, die aus der Region kommen. Wir gucken nach Spielern, die talentiert sind und die sicherlich schon ihre Regionalligaerfahrung haben – und das ist eben das, wo ich dem Kollegen widerspreche: Wir haben mit Ben Jablonski, Moritz Achtenberg und Moritz Krösche alleine schon drei Spieler verpflichtet, die über Regionalligaerfahrung verfügen. Das ist der Weg, den gehen wir weiter, und darauf freue ich mich sehr mit einer nochmals verjüngten Mannschaft.
In eurer ersten Regionalliga-Saison habt ihr oft sehr knapp verloren, aber insgesamt zu wenig Treffer für den Klassenerhalt erzielt. Könnte das vielleicht wieder zum Problem werden?
Tatsächlich waren wir im ersten Regionalligajahr defensiv sehr stabil. Wir haben die siebtbeste Abwehr zum Saisonende gestellt, aber leider auch den mit Abstand schlechtesten Angriff. Das heißt, wir haben sehr kompakt verteidigt, haben mit vielen Leuten hinter dem Ball gestanden und dadurch viele Spiele sehr knapp verloren oder viele Unentschieden geholt. Auch da sehe ich uns deutlich besser aufgestellt, weil wir die Spielstatik entsprechend verändern und die Schwerpunkte noch einmal auf die Situationen gelegt haben, in denen man dann da sein muss.
Thema Standards ist ein Riesenthema: Wenn du lange ein 0:0 hältst, musst du auch irgendwann einmal einen Standard ziehen. Und das ist uns schon bei den einfachsten der möglichen Standards – bei Elfmetern – in der Regionalligasaison nicht gut gelungen. Da hatten wir eine ganz schlechte Quote. Da wollen wir in der kommenden Saison in der Regionalliga deutlich besser werden, und das wird uns auch gelingen. Dann werden wir mit einer ähnlich stabilen Defensive sicherlich auch mehr Punkte erzielen.

Wird sich an den Abläufen – z. B. zusätzliches Training oder früheres Anreisen zu Auswärtsspielen mit Hotelübernachtung – etwas ändern?
An den Abläufen wird sich grundsätzlich nichts ändern. Wir haben auch im letzten Jahr schon unseren Rhythmus gehabt. Wir werden keine Übernachtungsfahrten planen. Natürlich verändert die lange Anfahrt ein bisschen was bei der Anreise, dass wir irgendwo noch einen Aktivierungsstopp machen oder vor dem Spiel so essen, dass die Jungs noch genügend Energie im Tank haben. Von den Trainingsabläufen wird sich im Vergleich zur Oberliga nichts ändern. Außer, dass wir keine Morgeneinheiten machen werden; insofern nutzen wir dann die vier Einheiten am Abend optimal.
Wie bist du mit dem Auftaktprogramm zufrieden?
Wir müssen jeden Gegner zweimal bespielen, und am Ende ist es mir eigentlich fast egal, welcher Gegner wann kommt. Wir nehmen das Auftaktprogramm so, wie es ist. Es ist natürlich sehr klangvoll mit St. Pauli, Werder Bremen und dem HSV – alle drei U-Mannschaften aus der vergangenen Regionalligasaison. Da müssen wir sagen, dass wir gegen diese Mannschaften nicht allzu viele Punkte holen konnten, und das wollen wir in diesem Jahr auf jeden Fall besser machen. Insofern will ich gar nicht das Auftaktprogramm bewerten, sondern vielmehr den Auftaktgegner, und das ist die U23 von St. Pauli.
Euer Auftaktgegner FC St. Pauli II war sportlich abgestiegen, durfte durch den Lizenzentzug vom TSV 1860 München und dem daraus resultierenden Nichtabstieg des TSV Havelse aber trotzdem Regionalligist bleiben. Wie schätzt du die Kiezkicker sportlich ein?
Die U23 ist im letzten Jahr sportlich abgestiegen. Durch die Umstände um 1860 München sind sie dann drin geblieben. Sie haben jetzt eine Mannschaft zusammen und ein neues Trainerteam, worauf wir vorbereitet sein werden. Es ist eine Mannschaft, die normalerweise mit viel Dynamik kommt, mit viel Tempo und viel Spielwitz, taktisch gut ausgebildet. Trotzdem haben wir auch Themen gefunden, wo wir St. Pauli knacken und wo wir ihnen wehtun können. Deswegen freue ich mich sehr auf den Auftakt gegen die Jungs vom FC St. Pauli.

Mit welcher sportlichen Zielsetzung geht der SV Todesfelde in die Saison?
Unsere Zielsetzung ist natürlich ganz klar: Wir wollen es diesmal besser machen, und die 28 Punkte sollen nicht reichen, sondern wir wollen mehr Punkte holen. Wir wollen die Klasse sichern, und das ist natürlich das übergeordnete Ziel, dass wir den Klassenverbleib möglichst schnell sichern. Das heißt auch, wir müssen von Spiel zu Spiel gucken. Wir müssen uns weiterentwickeln, wir müssen aus Fehlern lernen, wir müssen aus Rückschlägen lernen. Deswegen bin ich auch kein Fan von einem übergeordneten Ziel, auch wenn es das irgendwo auf dem Papier gibt. Entscheidend ist letztendlich auch die Entwicklung, die die Mannschaft im Laufe der Saison nimmt. Wenn die Entwicklung positiv ist, werden wir am Ende auch über dem Strich stehen und die Klasse halten können.
Wie stehst du zur Regionalligareform?
Zur Regionalligareform haben sich schon so viele geäußert, da würde ich gar nicht so groß darauf eingehen. Grundsätzlich bin ich der Meinung – und das unabhängig von der Regionalliga –, dass Meister aufsteigen müssen. Es ist für mich eine Farce – egal in welcher Liga –, wenn man ein Jahr lang den ehrlichsten aller Titel holt, sich über 30 oder 34 Spieltage durchsetzt und am Ende kein Aufstieg steht, sondern man sich über Aufstiegsspiele und Tagesformspiele noch durchsetzen muss. Das kann irgendwie nicht die Lösung sein.
Mit dem SV Meppen ist der Regionalliga das große Zugpferd verloren gegangen. Auf welche Spiele in der 4. Liga freust du dich besonders?
Meppen ist als Zugpferd verloren gegangen, das mag sein. Aber ich meine: Spiele gegen die Zweitvertretungen, den VfB Oldenburg, den SV Drochtersen/Assel (einer der Topfavoriten auf den Titel) … Eigentlich ist jedes Spiel etwas Besonderes. In Emden zu spielen, die Derbys gegen Weiche, gegen Phönix, gegen den VfB Lübeck – also ich freue mich darauf. Regionalliga macht Bock! Und auch wenn Meppen hoch ist: Da sollten wir uns freuen, wenn eine Nordmannschaft wieder die 3. Liga bereichert. Wenn es denn Meppen in diesem Jahr geworden ist, freue ich mich sehr für sie.
Aber es gibt noch viele andere Zugpferde in der Regionalliga Nord. Ich freue mich tatsächlich auf jedes Spiel, weil es alle im Verein, die Mannschaft, die Spieler und das Trainerteam gefällt und wir alle noch einmal an das Limit gehen müssen. Deswegen betreiben wir diesen geilen Sport – weil man sich halt nicht nur mit 70 oder 80 Prozent zufriedengeben sollte, sondern immer an das Maximum gehen muss. Und das müssen wir. Natürlich gibt es Spiele, bei denen wir eine große Kulisse erwarten, ob in Oldenburg, in Drochtersen oder auf der Lohmühle. Aber wie gesagt: Das sind halt nur Ausschnitte einer Saison, und ich glaube, wir tun gut daran, wenn wir uns auf jedes Spiel freuen, jedes Spiel genießen und wenn wir jedes Spiel so angehen, als wäre es ein Finale. Dann haben wir auch das richtige Mindset, um die Klasse zu halten.
