3:1-Auswärtssieg vor 420 Zuschauern! TS Einfeld nimmt beim VfB Kiel Kurs auf die Verbandsliga

von Helwig Pfalzgraf

So ausverkauft wie 1966 beim Derby SV Friedrichsort – Holstein Kiel war die Partie des VfB gegen Einfeld nicht, aber 420 Zuschauer …. © Fotoarchiv Stadt Kiel


Die Tabellenzweiten der Kreisligastaffeln „Kiel“ und „Holstein“ trafen zum Relegations-Hinspiel zur Verbandsliga im schönen Waldwiesen-Stadion in Kiel aufeinander.

Traditionsreiche Waldwiese: Hausherr ist der VfB Kiel

Schon seit geraumer Zeit ist die Waldwiese auch Heimspielort der Frauenfußballelf von Holstein Kiel. Zumindest in der warmen Jahreszeit. Das führt bei den auswärtigen überregionalen Gegnern oft zum Eindruck, dass die Waldwiese zum Imperium Holsteins gehört. Und auch in Kiel muss im Zuge der Diskussion um die Ertüchtigung der Waldwiese als eventuelle Zweitligaspielstätte für Holsteins Frauen wieder daran erinnert werden, dass der gesamte Gebäudekomplex einschließlich des Grundstücks, auf dem er steht, Eigentum des VfB ist. Holstein hat sich dort lediglich eingemietet, nach YOUKICK-Informationen für eher schmales Geld. Nur das Stadion selbst ist städtisch. Übrigens: Der Neubau des schmucken, aber teuren Vereinsheims, das 1981 fertiggestellt wurde, hätte den Verein fast in den Ruin getrieben.

1980er Jahre: VfB Kiel mit Abstand beste Jugendabteilung in Kiel

Man kriegte nur knapp die Kurve, hauptsächlich die Ablösesumme (40.000 DM) des zum Bundesligisten FC St. Pauli wechselnden Frank „Wölfi“ Wolf (Sohn Yannick siehe unten) rettete 1990 den VfB. 1986 hatte man für den U19-Nationalspieler Andreas Claasen, der zu Bayern München wechselte, keinen Pfennig gesehen. Ausbildungsentschädigung gab es seinerzeit noch nicht.

Auch THW Kiel, Hamburger SV und SV Friedrichsort mit Heimspielen auf der Waldwiese

Holstein Kiel hat als Waldwiesen-Gast einige prominente Vorgänger. 1950 spielte hier der Hamburger SV gegen Union Oberschönweide in einem Endrundenspiel um die Deutsche Meisterschaft (16.000 Zuschauer). Ab 1947 nutzte der THW Kiel im Feldhandball bei wichtigen Spielen die Waldwiese, u. a. 1949 gegen Polizei Hamburg vor proppenvoller Hütte. Und der SV Friedrichsort begrüßte als gelegentlich eingemietete Heimelf in den Jahren 1964–1966 in der Regionalliga Nord z. B. gegen Holstein Kiel 1964 14.000 Besucher auf der restlos ausverkauften Waldwiese. Last not least war auch das Herrenteam von Holstein Kiel immer mal wieder hier als Mieter, wenn das Holstein-Stadion renoviert wurde. So z. B. im DFB-Pokal gegen die Stuttgarter Kickers 1981.

Holsteins Torjäger Gerd Koll trifft 1964 auf der Waldwiese vor 14.000 Zuschauern gegen Friedrichsorts Keeper. © Fotoarchiv Stadt Kiel
Holsteins Torjäger Gerd Koll trifft 1964 auf der Waldwiese vor 14.000 Zuschauern gegen Friedrichsorts Keeper. © Fotoarchiv Stadt Kiel

TS Einfeld Favorit

Zurück zur Gegenwart: Die TS um Sturmtank Björn Ole Steinmetz, noch unter seinem Geburtsnamen Peters auch für die Neumünsteraner Topvereine VfR und PSV aktiv, wurde schon vor der Saison in Neumünster als Verbandsligakandidat gehandelt. Heute fehlte aber ein Leistungsträger, der 35-malige Oberligaspieler Tom Harley Steinmetz (TSV Wankendorf, PSV Neumünster). Dagegen ist der zweite Platz der Waldwiesenelf eine echte Überraschung. Im vergangenen Jahr noch Vierter, verließen im letzten Sommer mit Marc Zeller, dem besten Torschützen Kiels nach dem 2. Weltkrieg und aktuellen Torschützenkönig der Landesliga Nord, Marek Hopp (beide zu RS Kiel) und Yannick Wolf (Sohn von Frank, siehe oben) echte, eigentlich kaum ersetzbare Leistungsträger den Verein. Hinzu kamen dagegen nur Akteure der zweiten Mannschaft. So ist auch Trainer Tim Spirgatis überrascht: „Mit Platz zwei ist nicht zu rechnen gewesen. Aber wir kommen über die Mannschaftsleistung.“

Einfeld mit leichter Feldüberlegenheit

Zunächst beginnen beide Teams hochkonzentriert. Von Beginn an hatte die Turnerschaft im zweikampftechnischen Bereich leichte Vorteile. So erarbeitete man sich viele Ecken. Nach einem Freistoß dann auch die erste Großchance für die Einfelder: Max Schlüter scheitert per Kopf aus fünf Metern an Bent Möllgaard, der eine Weltklasseparade zeigt (20.). Nur zwei Minuten später dann aber auf der anderen Seite nach einem Freistoß von Yannik Imm ein satter Lattentreffer von Timo Pagel aus Nahdistanz, bei dem der souveräne, aber wenig geforderte Einfelder Keeper Jan-Erik Hansen keinerlei Reaktion mehr zeigt. Im Anschluss bleibt Einfeld weiter überzeugend und auch in der Spielanlage äußerst flexibel: Rechtsverteidiger Jannis Blöcker taucht nach Angriff über links am Fünfmeterraum auf, trifft aber auf dem malträtierten Rasen den hoppelnden Ball nicht. Mehrmals noch flippert der Ball bis zur Halbzeit durch den VfB-Strafraum. Zu den Höhepunkten der ersten Halbzeit zählen die Zweikämpfe vom starken Waldwiesen-Innenverteidiger Daniel Pagel gegen Steinmetz, die sich absolut nichts schenken.

VfB startet zweite Halbzeit optimal

Die zweite Hälfte beginnt für die Bewegungssportler optimal. Marco Wohlgemuth hat im Mittelfeld im Gegenpressing den Ball erobert, Finn Bretthauer legt raus auf Imm, der in seiner stärksten Szene seinen Gegenspieler vernascht und von der Grundlinie auf den zweiten Pfosten flankt. Dort köpft Timo Pagel ein (47.).

TS dreht das Spiel über gewonnene Zweikämpfe

Im Anschluss wirkt Einfeld etwas ratlos, spielerisch wirkt das alles nun auch nicht sooo zwingend. Doch kämpferisch bleibt man voll da. Und dann hat man damit auch Erfolg. Der VfB wird gnadenlos abgestraft. In elf Minuten dreht die TS das Spiel zum 1:3. Jeweils vorher hatte die Heimelf im eigenen Ballbesitz reichlich unnötige Zweikämpfe im Mittelfeld riskiert und prompt jedes Mal den Ball verloren. In direkter oder indirekter Folge davon trafen Timm-Lucas Stegelmann (58.) zum 1:1, der Ex-Tungendorfer Landesligaakteur Luca Grammes (64.) zum 1:2 und, hervorragend von der TS zu Ende gespielt, auch Kapitän Christoph Wegener (69.) zum 1:3.

Einfelder Defensive steht

In der Folgezeit findet dann die Spirgatis-Elf keine Mittel, um die starke, gut organisierte Einfelder Abwehr zu knacken. Die Elf wirkt mit zunehmender Spielzeit immer sicherer und homogener. Sämtliche VfB-Flanken blieben wirkungslos, lange Bälle sowieso. Fast hätte Wegener (90.+4), frei auf Möllgaard zulaufend, sogar noch das 1:4 gemacht, aber der VfB-Keeper rettet.

Fazit: Die TS wird ihrer Favoritenrolle gerecht und steht mit einem Bein in der Verbandsliga. Das Rückspiel steigt am kommenden Freitagabend in Einfeld.

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