Ein Stich ins Inter-Herz: VfR Neumünster siegt glücklich mit letzter Aktion

von Helwig Pfalzgraf

Melih Cerrah (Inter Türkspor Kiel) sorgte für Highlights. Kenny Korup (re.) und Ilir Serifi (VfR Neumünster) versuchen, den dribbelstarken Akteur zu stoppen. © 2026 Ismail Yesilyurt


In seinem letzten Saisonheimspiel empfing Inter Türkspor Kiel die Rasensportler aus der ehemaligen Tuchmacherstadt Neumünster. Für die Gäste ging es noch um Platz fünf. Im Vergleich zu Inter ein absoluter Luxus, denn für die Heimelf von Trainer Karim Youssuf und Co-Trainer Rezan Acer ging es bereits heute um alles. Drei Punkte Rückstand zuzüglich der Hypothek des deutlich schlechteren Torverhältnisses müssen aufgeholt werden, um das rettende Ufer zu erreichen. Angesichts der drei schweren Auswärtsspiele in Satrup, in Rotenhof und zum Saisonabschluss das Stadtderby bei Kilia war ein Sieg heute alternativlos.

VfR ohne Sechs

Die Chancen standen trotz der Verletzungen der Inter-Verteidiger Pascal Polonski und Moritz Haye gar nicht mal so ungünstig. Dem Gast fehlten neben den Mittelfeldspielern Sven Freitag, Visar Mehmeti, Radovan Karaman und Kevin Schulz heute auch noch der angeschlagene Jan Lippegaus und Tom Schilling (hospitiert beim FC Carl Zeiss Jena). Auch Spielmacher und Torjäger Ilir Serifi nahm zunächst nur auf der Bank Platz.

Inter reaktiviert Lars Horstinger

Die Interisti hatten sich für dieses überaus wichtige Spiel einiges einfallen lassen. So wurde Lars Horstinger reaktiviert und als Mittelstürmer aufgeboten, um die Durchschlagskraft im Angriff zu erhöhen. Kapitän Andre Volkers und Neuzugang Orkan Erkucu verteidigten innen, Denzel Imasün und Abbas Sharba außen.

Mit Lars Horstinger (Co-Trainer Inter Türkspor) warf headcoach Karim Youssef eine Unbekannte in die Gleichung gegen den VfR Neumünster, die fast aufging. © 2026 Ismail Yesilyurt
Mit Lars Horstinger (Co-Trainer Inter Türkspor) warf Headcoach Karim Youssef eine Unbekannte in die Gleichung gegen den VfR Neumünster, die fast aufging. © 2026 Ismail Yesilyurt

Zunächst ausgeglichene Partie

Auf dem stumpfen Kunstrasen des Hans-Mohr-Sportplatzes hat der Gast die erste Chance. Rafael Krause setzt sich halblinks durch, Inter-Keeper Mats Jonas Lüdtke wehrt zur Ecke ab. Der Auftakt zu einer Ecken-Serie des Gastes, die aber nichts einbringt. Aber auch Inter ist gut im Spiel, erkämpft bereits jetzt viele Standards, weil man entschlossener und engagierter in die Zweikämpfe geht. Nach der 2. Ecke durch Till Börner köpft Andre Volkers knapp vorbei (12.). Wenig später ein Freistoß von Börner, Horstinger köpft noch knapper vorbei.

Inter wieder mit Fehler – Krause trifft zur Gästeführung

Bei verteiltem Spiel ist es dann wie schon so oft in dieser Saison. Ein fataler Fehlpass der Interisti wird gnadenlos bestraft. Kastriot Alija ist vor Lüdtke am Ball, umkurvt ihn, spielt nach innen. Krause legt sich noch den Ball und zwei Gegner zurecht und vollstreckt eiskalt zum 0:1 (23.). Quasi aus dem Nichts.

Nach dem 0:1 spielt nur noch Intertürk

Nach dem Rückstand spielt im Prinzip nur noch die Heimelf. Besonders gefährlich wird es immer dann, wenn die Interisti schnell über außen kommen und dort überlagern. Dem VfR gelingt es defensiv nicht, außen mal zu doppeln. Dazu steht man schlicht zu hoch, schaltet auch zu langsam von eigenem (meist schnell beendetem) Ballbesitz auf kollektive Abwehrarbeit um. So ist Imasün halblinks frei, scheitert aber an VfR-Keeper Newe, der sich aufgebaut hat (28.). Doch nach 40 Minuten scheint der Ausgleich fällig. Wieder über links hat sich Ömer Sönmez im Eins-gegen-eins durchgesetzt, ist frei vor Newe, der zu spät kommt und ihn trifft. Elfmeter!

Newe hält Strafstoß

Eugen Halili tritt an, doch Christopher Newe ahnt die Ecke und wehrt ab (40.). So geht es mit einer knappen Führung der Gäste-Elf von Trainer Danny Cornelius in die Halbzeit.

Starker Rückhalt des VfR Neumünster - der starke Keeper Christopher Newe. © 2026 Ismail Yesilyurt
Starker Rückhalt des VfR Neumünster – der starke Keeper Christopher Newe. © 2026 Ismail Yesilyurt

Inter drückend überlegen mit dem schnellen Ausgleich

Direkt nach der Pause verliert dann der VfR über außen noch vor der Mittellinie das Spielgerät, Horstinger wird von Abbas Sharba bedient. Horstinger zieht aus 25 Metern ab, Glanzparade Newe. Doch wenig später spielt Sönmez wenig bedrängt von außen ganz laaaang, der Ball setzt auf, Newe kann den Ball nicht kontrollieren, und fast von der Grundlinie zirkelt der andere schnelle Außen Melih Cerrah den Ball aus 10 Metern ins verwaiste Tor (50.). Längst verdienter Ausgleich.

Nochmal ein Lebenszeichen des VfR

Dann meldet sich auch der VfR nochmal zu Wort. Über rechts wird mal schnell und direkt kombiniert. Über Kenny Korup und Nick Neca kommt der Ball zum eingewechselten Ilir Serifi, der auf engstem Raum einen Mann aussteigen lässt und auf den ganz freien Jordan Marquardt ablegen will. Die Fußspitze von Orkan Erkocu fälscht den Ball die entscheidenden fünf Zentimeter ab (53.).

Zweite Halbzeit: Spiel auf ein Tor

Anschließend findet Rasensport fast gar nicht mehr statt. Inter drückt den Gast in die eigene Hälfte. Und hat Riesenchancen: Sönmez ist am allein gelassenen Neca vorbei, Newe hält überragend (55.). Immer wieder Freistöße gegen den verteidigenden VfR. Wieder von Börner, Horstingers Kopfball aus Nahdistanz (65.) – Glanzparade Newe. Außerhalb des eigenen Strafraums gewinnt der VfR kaum mal zweite Bälle. Eigener Aufbau von hinten raus ist heute nicht möglich, dazu ist man schlicht zu unterlegen. Aber im eigenen Strafraum behält man aber meist doch den Überblick, oft müssen sich Korup, Schomaker oder Kahlcke mit wilden Befreiungsschlägen behelfen.

Inters zahlreiche Abschlüsse zu ungenau

Die Yussef-Elf kommt zu vielen Distanz-Abschlüssen. Aber auch hier offenbart sich das Manko der Elf. Zu wenig geht gefährlich aufs Tor. Viel geht drüber oder der vielbeschäftigte Newe ist da. So langsam läuft Inter dann die Zeit davon. Ein aussichtsreicher Freistoß 18 Meter von halblinks ist dann die allerletzte vergebene Großchance (88.). Der Schuss von Rechtsfuß Erkocu wird von der Mauer zur Ecke geblockt. „Newe hatte die Mauer so gestellt, dass die Schussbahn für mich komplett zu war, deshalb habe ich nicht geschossen“, so Lars Horstinger, der Mann mit dem Linksfuß-Hammer nach Schlusspfiff.

VfR mit einfachster Spielidee – Lang und weit auf Kramer

Mit Christopher Kramer hatte Cornelius nach einer guten Stunde seinen kopfballstärksten Akteur gebracht. Zunehmend kommen die langen Abschläge von Korup oder Newe auf ihn. Und er verarbeitet viele, bringt sie zum Nebenmann. Das bringt zunächst auch nicht viel, aber in der Schlussphase dann doch.

Abbas Sharba  (Inter Türkspor Kiel) war auch ein Aktivposten für seins Mannschaft. © 2026 Ismail Yesilyurt
Abbas Sharba (Inter Türkspor Kiel) war auch ein Aktivposten für seine Mannschaft. © 2026 Ismail Yesilyurt

Schlussphase: Plötzlich Chancen im Minutentakt für Rasensport – Alija nutzt die letzte

Doch dann klappt bei den drückenden Interisti die Restverteidigung auf einmal nicht mehr gut. Zunächst vergibt Adesanya (84.) plötzlich halblinks frei vor Lüdtke noch. Nach einem Foul an Adesanya spielt der VfR dann nicht hoch rein, sondern Akcicek nimmt Korup rechts mit. Flache Hereingabe, in der Mitte ist Jonas Schomaker plötzlich ganz frei, vergibt aber aus fünf Metern (89.). Dann ist Krause außen durch, seine Flanke köpft Kramer am langen Pfosten Millimeter vorbei (90.+1). Und in der letzten Minute der Nachspielzeit setzt sich der VfR im Sechzehner der Gastgeber fest, die nicht mehr klären können. Kramer (zweimal) und Serifi werden noch geblockt, doch dann trifft Alija mitten ins Inter-Herz (90.+4). Direkt nach dem Wiederanpfiff ist Schluss!

Fazit: Die wohl unglücklichste Niederlage Inters in einer insgesamt unglücklich verlaufenden Saison. Der Klassenerhalt ist in ganz weite Ferne gerückt. Der VfR dagegen hat nach einer der schlechtesten Saisonleistungen drei mehr als glückliche Punkte aus Garden mitgenommen.

Stimmen zum Spiel

Danny Cornelius (Trainer VfR Neumünster)
Karim Youssef (Trainer Inter Türkspor Kiel)
Christopher Kramer (VfR Neumünster)
Eugen Halili (Inter Türkspor Kiel)

27. Spieltag – Oberliga SH

Datum Begegnung Erg.
25.04.26 Heider SV – SV Preußen Reinfeld 3:1
25.04.26 Kaltenkirchener TS – FC Kilia Kiel 0:1
25.04.26 MTSV Hohenwestedt – TuS Rotenhof 1:1
26.04.26 SV Eichede – Holstein Kiel U23 II 1:1
26.04.26 SV Todesfelde – Eutin 08 1:0
26.04.26 1. FC Phönix Lübeck II – PSV Union Neumünster 3:2
26.04.26 Oldenburger SV – TSV Nordmark Satrup 4:1
26.04.26 Inter Türkspor Kiel – VfR Neumünster 1:2

Tabelle Oberliga Schleswig-Holstein

Pos Verein Sp. Tore Pkt.
1 SV Todesfelde (Ab) 27 71:24 68
2 Holstein Kiel U23 II (Ab) 27 68:25 56
3 SV Eichede 26 55:25 54
4 FC Kilia Kiel 27 76:34 52
5 VfR Neumünster 25 55:44 45
6 Heider SV 27 55:54 44
7 1. FC Phönix Lübeck II (Auf) 26 59:52 41
8 Polizei SV Union Neumünster 27 57:56 35
9 TSV Nordmark Satrup 26 38:40 34
10 Kaltenkirchener Turnerschaft (Auf) 27 39:49 33
11 Oldenburger SV 27 56:71 29
12 TuS Rotenhof 27 45:65 28
13 MTSV Hohenwestedt 26 38:58 23
14 Eutin 08 26 26:56 21
15 Inter Türkspor Kiel (Auf) 27 28:71 20
16 SV Preußen Reinfeld 26 30:72 12

ähnliche Artikel

Consent Management Platform von Real Cookie Banner