Holstein Kiel II dominiert Inter Türkspor trotz früher Roter Karte

von Ismail Yesilyurt

Okan Erkocu (Inter Türkspor Kiel), auf ungewohnter Position als Innenverteidger, bearbeitet Liga-Leihgabe Aldin Jakupovic (Holstein Kiel II). Links Islam Matene. © 2026 Ismail Yesilyurt


Das Kieler Stadtduell in der Oberliga Schleswig-Holstein bot am Wochenende eine dramatische Geschichte: Trotz einer Roten Karte nach nur 120 Sekunden setzte sich die U23 von Holstein Kiel souverän mit 3:0 (1:0) gegen Inter Türkspor Kiel durch. Während die „Jungstörche“ unter Interimstrainer Sven Boy ihre makellose Serie fortsetzen, herrschte am Ostufer große Ernüchterung über eine verpasste Chance beim Kampf um den Klassenerhalt.

Der Start hätte für die KSV Holstein kaum bitterer verlaufen können. Nach einer langen Verletzungspause rückte Tyler Dogan erstmals wieder zwischen die Pfosten, um Spielpraxis zu sammeln. Sein Arbeitstag endete jedoch bereits in der 2. Spielminute: Nach einer Notbremse gegen Melih Cerrah sah der Keeper die Rote Karte.

Tyler Dogan (Holstein Kiel II) kann es nicht fassen - Schiedsrichter Per Roloff zückt nach 70 Sekunden die Rote Karte. © 2026 Ismail Yesilyurt
Tyler Dogan (Holstein Kiel II) kann es nicht fassen – Schiedsrichter Per Roloff zückt nach 70 Sekunden die Rote Karte. © 2026 Ismail Yesilyurt

„Einen schlechteren Start kannst du gar nicht haben“, bilanzierte Trainer Sven Boy nach Abpfiff. „Tyler sollte heute Spielpraxis sammeln – ich weiß nicht, ob eine Minute zählt.“

Taktische Reife besiegt numerische Überlegenheit

Was folgte, war eine Lehrstunde in Sachen Organisation und Spielkontrolle. Trotz Unterzahl agierten die Gäste ruhiger, passsicherer, pressingstärker und läuferisch besser als die Hausherren. Sven Boy, der an der Seitenlinie von A-Plus-Lizenz-Anwärter und gleichberechtigten Trainer Linus Schewior unterstützt wurde, stellte sein Team taktisch um, ohne die eigene Identität aufzugeben. „Wir haben gesagt: Wir bleiben bei unserem Spiel. Es hat Spaß gemacht zuzugucken, dass sie trotz Unterzahl guten Fußball gespielt haben“, so Boy.

Tim Ottilinger köpft zum 1:0 für Holstein II

In der 28. Minute wurden die Bemühungen belohnt. Eine gefühlvolle Flanke von Leon Parduzi fand den Kopf von Tim Ottilinger, der unbedrängt zum 1:0 einnetzte. „Ich musste nur noch den Kopf hinhalten, das hat er mir leicht gemacht“, gab der Torschütze auf der Holstein-Webseite das Lob an seinen Vorbereiter weiter. Inter Türkspor hingegen konnte kaum was abgewinnen aus der Überzahl. Anstatt das Tempo zu verschärfen, agierte die Mannschaft von Karim Youssef zu behäbig, zu mutlos und fand keine Mittel gegen das Verschieben der Kieler Zehnermannschaft. Die Jungstörche nutzten ihr höheres Tempo, um dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken. Or allem das schnelle Umschaltspiel des Gegners tat den Interisti weh.

Pascal Polonski und Moritz Haye fehlen Inter

Ohne die etatmäßige Innenverteidigung mit (Muskelverletzung) fehlte Youssef ein sehr wichtiger Trumpf in seinem Spiel. Beide Spieler werden dem Trainer in dieser Spielzeit nicht mehr zur Verfügung stehen.

Denzel Imasün (Inter Türkspor Kiel) ist eher am Ball als Islam Matene (Holstein Kiel II). © 2026 Ismail Yesilyurt

Nicht vergessen darf man, dass letzte Saison zwei Spielklassen beide Seiten trennten. Holstein spielt in der Oberliga, trat aber wie ein Regionalligist auf. Selbst in Unterzahl hielten die Jungstörche die Intensität in allen Bereichen hoch. Das fehlte Inter Türkspor Kiel. Ohne an die eigenen Grenzen zu gelangen, kann man einen dezimierten Gegner, auch wenn der weiterhin ordentlich Potenzial unter der Haube hat, nicht Probleme bereiten.

Inter-Frust: „Nie so einfach wie heute“

Nach dem Seitenwechsel tappten die Gastgeber zwei Mal in die Konter-Falle der Holsteiner. Islam Matene sorgte bereits in der 48. Minute für die Vorentscheidung, als er auf 2:0 erhöhte. Zuvor hatte der stark spielende Jorden Winter die rechte Seite der Heimelf überlaufen, aber Keeper Mats Lüdtke parierte im Eins-gegen-eins. Matene erfasste dann die Situation mit dem abgewehrten Ball am schnellsten.

Inter Türkspor fand in der Offensive kaum statt – die nötige Durchschlagskraft fehlte völlig. Karim Youssef sparte nach der Partie nicht mit Kritik an seiner Elf: „Ich hatte wirklich das Gefühl, es war nie so einfach wie heute, gegen Holstein Kiel zu gewinnen. Aber die waren auch mit zehn Mann kämpferisch und läuferisch besser. Wenn du als Zuschauer mittendrin gekommen bist, hättest du nie gesehen, dass sie einen Mann weniger waren.“

Nils Adjamgba (Inter Türkspor Kiel) versucht, Lenny Borges (Holstein Kiel II) aufzuhalten. © 2026 Ismail Yesilyurt
Nils Adjamgba (Inter Türkspor Kiel) versucht, Lenny Borges (Holstein Kiel II) aufzuhalten. © 2026 Ismail Yesilyurt

Besonders der langsame Spielaufbau seiner neu formierten Innenverteidigung wurmte den Inter-Coach, wenngleich er versuchte, Erklärungen zu finden: „Du kannst nicht einfach zwei Stamminnenverteidiger rausholen und zwei Neue reinstellen und sagen: ‚Pass auf, wir spielen jetzt schnell gegen Holstein.“

Jorden Winter macht den Deckel drauf

Den Schlusspunkt einer einseitigen Partie setzte Winter in der 66. Minute mit dem 3:0, als er links auf und davon war. „Wir wussten, dass wir als Team zusammenhalten müssen“, so der Torschütze auf der eigenen Webseite der Störche. „Wir sind im eigenen Ballbesitz ruhig und konzentriert geblieben.“ Diese Konzentration reichte aus, um den Sieg ohne größere Gefahr über die Zeit zu bringen.

Für Sven Boy ist es der vierte Sieg im vierten Spiel seit dem Trainerwechsel. Auf die Frage, was er anders mache, blieb er bescheiden: „Wir haben sicherlich was verändert und ein bisschen was aufgebrochen. Die Jungs folgen uns, und es macht Spaß, wenn Dinge aus dem Training den Übertrag ins Spiel finden.“ Während Holstein II weiterhin den für den Aufstieg wertlosen zweiten Tabellenplatz als Ziel hat, muss Inter Türkspor die „falsche Entscheidung in fast jeder Situation“ (Youssef) schleunigst analysieren, um den Fahrstuhl in die Landesliga in den letzten vier Spielen vielleicht verlassen zu können .

Stimmen zum Spiel

Sven Boy (Trainer Holstein Kiel U23)
Karim Youssef (Trainer Inter Türkspor Kiel)

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