Boztepe bringt Glück und Traumtor mit – Kilia siegt 4:2 gegen Oldenburg

von Ismail Yesilyurt

Devran Boztepe (Kilia Kiel) nach seinem Tor des Monats zum 3:1. Flankiert von Tino Klein (li.) und Lucas Groß mit Konrad Lunau (Oldenburger SV) dazwischen. © 2025 Ismail Yesilyurt


Der FC Kilia Kiel hat in der Oberliga Schleswig-Holstein den Blinker gesetzt und die jüngste Erfolgsserie fortgesetzt. Nach sieben Spielen ohne Sieg feierte der Landesmeister gegen den abstiegsgefährdeten Oldenburger SV mit einem 4:2 (1:0) bereits den vierten Dreier in Folge – und ist damit der Verfolger der Verfolgergruppe von Spitzenreiter SV Todesfelde.

Nicola Soranno beweist goldenes Händchen

Die entscheidende Szene der Partie war die in der 63. Minute, als Trainer Nicola Soranno ein goldenes Händchen bewies und mit der Hereinnahme von Devran Boztepe und Lucas Groß den Sieg einwechselte. Das hauchte Kilia neues (Offensiv-)Leben ein, nachdem der Oldenburger SV mit Wiederbeginn das bessere Team war.

Groß brachte sehr gute und gefährliche Impulse an vorderster Front. Devran Boztepe avancierte kaum auf dem Platz sogar mit seinem Doppelpack zum Matchwinner. Beim 2:1 in der 67. Minute stand der 20-Jährige goldrichtig im Torraum, nachdem Groß eine tolle Vorarbeit und Rückgabe von Felix Niebergall an die Latte schoss.

Traumtor des Monats? Boztepe trifft artistisch

Nur wenige Minuten später setzte Boztepe mit einem echten Traumtor das nächste Ausrufezeichen: Mit einem artistischen Scherenschlag aus großer Höhe an der Torraumlinie traf der Allroundspieler spektakulär in den Winkel – ein Treffer, der Anwärter auf das Tor des Monats sein dürfte.

Niebergall vom Punkt – Göllner mit kosmetischem Anschluss

In der 83. Minute verwandelte der stark aufspielende Felix Niebergall einen Foulelfmeter, bei dem etwas Drücken dabei war, aber in der Summe klar kein Elfmeter, sicher zum 4:1 und sorgte damit endgültig für die Entscheidung. Oldenburgs Joker Jano Göllner gelang in der Nachspielzeit (90.+3) per Flachschuss noch der Treffer zum 4:2-Endstand.

Das Foul von Rico Mielke (li., Oldenburger SV) an Tino Klein (Kilia Kiel) zum Elfmeter. Rechts Thor Arne Höfs. © 2025 Ismail Yesilyurt
Das Foul von Rico Mielke (li., Oldenburger SV) an Tino Klein (Kilia Kiel) zum Elfmeter. Rechts Thor Arne Höfs. © 2025 Ismail Yesilyurt

„Ich glaube, wer das Spiel gesehen hat gegen den FC Kilia Kiel, wird mir recht geben, dass das Ergebnis am Ende aufgrund der Vielzahl an hundertprozentigen Chancen nicht gerecht ist. Gehen dann so ein bisschen aus meiner Sicht ungerecht mit einem 1:0 aus Sicht von Kilia in die Halbzeit. Im Normalfall, wenn wir einen guten Tag haben, steht es 2:1 oder 3:2 für uns“, ärgerte sich OSV-Headcoach Florian Stahl.

Fürwahr, das Spiel stand lange Zeit auf Messers Schneide – und entschied sich am Ende für Kilia Kiel. „Wenn man das so sieht, das Spiel, ist es vielleicht um ein, zwei Tore zu hoch ausgegangen. Ich glaube, dass Oldenburg sich heute gut gewehrt hat. Und im schlimmsten Fall hätte es auch anders ausgehen können“, resümierte Soranno – wohl wissend, dass das vor einigen Wochen während der Negativserie auch eingetreten wäre.

Chancenfestival ohne Tore – Nwokoma beendet Flaute

Die erste Hälfte verlief mit guten Phasen beider Teams und vielen Möglichkeiten, wobei Kilia doch mindestens die Gleichzahl an Chancen hatte. Ein 5:5 wie letztes Jahr an gleicher Stätte oder höher – kein Problem, wenn beide Teams effizienter im Abschluss sind.

Serhat Yazgan (15.), Marvin Müller (24./Latte, 29.), Joshua Nwokoma (25., 26.) für Kilia sowie Daniel Junge (17.), nach abgesessener Rot-Sperre im Kreispokal wieder für den OSV dabei, und Silas Bünning (18., 23.) verpassten das 1:0 bei der Auswahl der klaren Möglichkeiten.

Das erfolglose Chancenfestival beendete der bis dato glücklose Nwokoma: Eine Flanke von Felix Niebergall auf den zweiten Pfosten landete über Drilon Trepca und Umwege am Torraum, wo die Leihgabe des SC Weiche Flensburg 08 den Ball reingrätschte.

Das tat weh für Joshua Nwokoma (Kilia Kiel) und Thor Arne Höfs (liegend, Oldenburger SV) beim Zweikampf zum 1:0. © 2025 Ismail Yesilyurt
Das tat weh für Joshua Nwokoma (Kilia Kiel) und Thor Arne Höfs (liegend, Oldenburger SV) beim Zweikampf zum 1:0. © 2025 Ismail Yesilyurt

Für Keeper Mike Benecke, der seinen OSV mit guten Paraden vor einem Gegentreffer bewahrte, gab es da nichts zu halten. Das wilde Auf und Ab der ersten Halbzeit glättete sich danach etwas, sodass mit einem 1:0 die Seiten getauscht wurden.

Oldenburg startet mutig in Halbzeit zwei

Die Ostholsteiner starteten sehr mutig in den zweiten Durchgang. Aktiver gegen und mit dem Ball, bringen die Gäste mit einfachen, stringenten Kombinationen Kilia in Bedrängnis. Es war der beste Abschnitt der Elf von Florian Stahl.

„Wir haben dann ein bisschen was angepasst, sodass Kilia da ein Stück Probleme bekommt im Spielaufbau“, erklärte Stahl, der sein Team mit viel Selbstvertrauen erneut aus der Kabine schickte.

OSV belohnt sich mit dem Ausgleich

Oldenburg agierte gegen den Ball weiterhin mit einer Fünfer-Abwehrkette plus einem Sechser sehr kompakt. Rico Mielke, Freddy Kaps, Silas Bünning und Daniel Junge davor als eingespieltes Offensiv-Quartett sollten die schnellen Umschaltaktionen inszenieren – unterstützt im Ballbesitz von den beiden Außenverteidigern, nun ein paar Meter höher, mit guter Wirkung.

Kilias Marvin Müller (li.) gegen Oldenburgs Marvin Müller. © 2025 Ismail Yesilyurt
Kilias Marvin Müller (li.) gegen Oldenburgs Marvin Müller. © 2025 Ismail Yesilyurt

In der 54. Minute bekam Daniel Junge seine Großchance zentral im Strafraum mit einem Schuss, aber zu wenig Druck auf den Ball und zu mittig abgeschlossen, bereitete dem guten Schlussmann Tom Pachulski keine Probleme.

OSV-Ligamanager Lars Brunner sprang an der Seitenlinie enttäuscht hoch wegen des Hochkaräters. Zwei Minuten später gab es die gleiche Gymnastik-Übung des 29-Jährigen – der Freudensprung über das 1:1 fiel jedoch höher aus. Die Ostholsteiner, die sich bei überraschend viel angebotenem Raum sehr schön zum Ausgleich kombinierten, hatten nun den Favoriten am Angelhaken.

Lunau scheitert – Kilia fängt sich wieder

Keine fünf Minuten später hatte Heinrich Lunau kein Fortune im Abschluss zum 2:1 für den OSV. Den von Pachulski berührten Schuss aus kurzer Distanz konnte Ove Witt auf der Torlinie wegschlagen. Kippt die Partie jetzt zugunsten der Stahl-Truppe, die nach dem Wiederanpfiff das bessere Bild abgab? Nein! Die Kilianer konnten die Begegnung wenig später beruhigen und sich wieder fangen.

„Ich glaube, ein wildes Spiel. Eigentlich bis zum 2:1 von uns ein unfassbar wildes Spiel – auch kein gutes Spiel von uns muss man sagen. Viele Fehler im eigenen Ballbesitz – was wir vermeiden wollten. Ich habe den Jungs gesagt, Oldenburg ist eine sehr unangenehme Mannschaft, wenn sie das Gefühl bekommen, das was zu holen ist“, tat die Mannschaft von Nicola Soranno den Gefallen.

Kilia beweist Ruhe und Effizienz

Die Kilianer, die Defizite im Defensivverhalten des Gesamtteams zeigten, spielten nach knapp einer Stunde ihre Qualitäten aus – und hatten auch das in dieser Spielzeit oft fehlende Quäntchen Glück wieder eingefangen. Tatsächlich hatte Oldenburg über weite Strecken ein mutiges und strukturiertes Spiel gezeigt. Doch in der Schlussphase nutzte Kilia sein Potenzial und die Fehler der Gäste eiskalt aus.

Philipp Spohn (Kilia Kiel) verfolgt Freddy Kaps (Oldenburger SV). © 2025 Ismail Yesilyurt

Fazit

Der Oldenburger SV, der seinen in dieser Spielzeit siebenfachen Torschützen Daniel Junge verletzt auswechseln musste, hatte den Favoriten über eine Stunde am Haken, konnte ihn aber nicht an Land ziehen – und wurde am Ende selbst gefressen. Kilia Kiel zeigte Reife, Effizienz und individuelle Klasse im letzten Drittel der Spielzeit, während der OSV trotz guter Leistung mit leeren Händen dastand.

Stimmen zum Spiel

Florian Stahl (Trainer Oldenburger SV)
Nicola Soranno (Trainer FC Kilia Kiel)

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