Timo Barendt – Der Knipser vom Dienst

von Olaf Wegerich

Timo Barendt (PSV Neumünster) bei einer Torchance. © Ismail Yesilyurt


Der in Neumünster geborene 30-jährige Timo Barendt hat in seiner Laufbahn schon so einiges erlebt. In seiner Jugend kickte der rechtsfüßige Mittelstürmer für Bayer Leverkusen, Holstein Kiel und den VfB Lübeck. Seit der Saison 2019/2020 hat der 1,86 m große Vollblutstürmer in der Flens-Oberliga beim PSV Neumünster seine neue sportliche Heimat gefunden und fühlt sich dort pudelwohl.

Vor dem mit Spannung erwarteten Stadtderby unterhielt sich YOUKICK mit Timo Barendt und stellte ihm einige Fragen zu seiner sportlichen Vergangenheit und zur aktuellen Situation.

YOUKICK: Du hältst bereits seit Mitte 2019 dem PSV Neumünster die Treue. Wie ist diese Verbundenheit zum PSV zu erklären und was macht den Verein aus deiner Sicht aus?
In erster Linie ist es das gesamte Umfeld und wie akribisch hier gearbeitet wird. Hier sind Menschen wie Jörg oder Rainer, unsere Betreuer, die wirklich alles für uns als Spieler machen, Volker Bernaschek, der den Verein zu dem gemacht hat, was er heute ist, die Trainer, die immer sehr detailversessen sind und uns regelmäßig top auf Gegner einstellen und unsere eigene Spielidee entwickelt haben. Und natürlich unsere Fanszene, die uns auch im Derby wieder tatkräftig unterstützen wird und uns nochmal nach vorne peitschen kann. Ich glaube, wir haben hier in den vergangenen Jahren richtig was aufgebaut, und ich freue mich, davon ein Teil gewesen zu sein und es auch im nächsten Jahr noch weiter voranzutreiben.

Timo Barendt (PSV Neumünster). © 2025 Olaf Wegerich
Timo Barendt (PSV Neumünster). © 2025 Olaf Wegerich

YOUKICK: Am Mittwoch steht wieder das Stadtderby auf dem Programm. Welche Bedeutung hat das Spiel für dich und deinen Verein?
Das Derby ist immer etwas Besonderes, für alle in der Stadt, die es mit Fußball halten. Für uns als Verein wäre es natürlich super, wenn wir es für uns entscheiden können, besonders für unsere aktive Fanszene.

YOUKICK: In deiner Jugend bist du zunächst für die U17 von Holstein Kiel und danach für Bayer Leverkusen zwei Jahre in der U19-Bundesliga aufgelaufen. Was ist bei dir aus dieser Zeit haften geblieben und wie weit warst du aus heutiger Sicht vom Profifußball entfernt?
Ich glaube, zum Profigeschäft hat schon noch ein Stück gefehlt, aber ich bin froh über alle Erfahrungen, die ich in dieser Zeit sammeln konnte. Besonders haften geblieben ist keine spezielle Situation. Ich konnte viele besondere Momente erleben und auch viele neue Menschen kennenlernen. Das hat mich letztendlich dahin gebracht, wo ich jetzt bin, und darüber bin ich sehr froh.

YOUKICK: Gibt es Trainer oder Spieler aus der Zeit, mit denen du gemeinsam gespielt hast, die den Durchbruch geschafft haben und bestehen noch Kontakte oder Freundschaften im Profifußball?
Freundschaften sind auf jeden Fall einige entstanden. Fyn Claasen, mit dem ich in der U17 von Holstein Kiel zusammengespielt habe, ist damals im gleichen Sommer wie ich zum PSV gewechselt, und wir sind jetzt die Dienstältesten in der Mannschaft. Bei vielen anderen, gerade aus der Leverkusener Zeit, ist der Kontakt in den meisten Fällen, wenn überhaupt, nur noch sehr sporadisch. Daher ist es umso schöner, dass ich mit zwei Jungs aus meiner Leverkusener Zeit sehr regelmäßig Kontakt pflege und wir einmal im Jahr zusammen Urlaub machen.Den Durchbruch in den hohen Profifußball haben auch nur sehr wenige geschafft, aber beispielsweise mein damaliger Holstein U23-Trainer Ole Werner oder aus meiner Leverkusen-Zeit Benjamin Henrichs, beide sind jetzt ja zusammen bei RB Leipzig.

Timo Barendt (am Ball, PSV) im Laufduell mit Lasse Jetz (Tofe). © 2025 Olaf Wegerich
Timo Barendt (am Ball, PSV) im Laufduell mit Lasse Jetz (Tofe). © 2025 Olaf Wegerich

YOUKICK: Du hast sowohl für die U23 von Holstein Kiel als auch für den VfB Lübeck in der Regionalliga gespielt. Welche Erinnerungen hast du an diese Zeit und gibt es Personen oder Anekdoten aus dieser Zeit, die bei dir ganz besonders haften geblieben sind?
Auf jeden Fall ist der eben genannte Ole Werner hängen geblieben, seine Trainingsarbeit und Spielvorbereitung waren schon immer sehr professionell, daher war es nur logisch, dass irgendwann der Schritt in den Profifußball kommt. Anekdoten gibt es keine spezielle, dafür sind es zu viele Erlebnisse, das würde den Rahmen hier sprengen.

YOUKICK: Wenn du die Flens-Oberliga und die Regionalliga vergleichst, was sind da aus deiner Sicht die gravierenden Unterschiede, um dort bestehen zu können?
Zunächst ist es der finanzielle Aspekt, der, denke ich, einen großen Teil ausmacht. Der Schritt in die Regionalliga ist, was das angeht, schon nochmal etwas anderes als in der Oberliga. Und dann ist es natürlich die Art, Fußball zu spielen, die Reaktionszeit in einzelnen Situationen oder das Spieltempo, die es nochmal deutlich anspruchsvoller machen, und Fehler werden gnadenlos bestraft.

YOUKICK: Könntest du dir vorstellen, dass in deiner Heimatstadt Neumünster Regionalligafußball in absehbarer Zeit perspektivisch möglich wäre, oder wo müsste da der Hebel angesetzt werden?
Das ist ein großes Thema, und darüber kann man lange diskutieren. Ich finde, der Standort Neumünster verdient hochklassigen Fußball in allen Bereichen, Männer, Frauen und vor allem in der Jugend. Hierzu müssten aber vermutlich Hebel in Bewegung gesetzt werden, die nur sehr schwer zu bewegen sind. Sei es Fusionen von großen Vereinen oder Neugründungen für den Jugendfußball – das ist alles schon Thema, seit ich angefangen habe mit Fußball.

YOUKICK: Siehst du dich als klassischen Mittelstürmer und gibt es Abwehrspieler oder Torhüter, die dir das Leben besonders schwer gemacht haben?
Da ist immer die Frage, was ein klassischer Mittelstürmer ist. Ich denke, ich habe meine Stärken nicht als Spieler, der nur vorne wartet, bis er einen Ball bekommt, sondern habe den Ball auch gerne selbst am Fuß. Es gab viele sehr gute Verteidiger und Torhüter, gegen die ich gespielt habe, da jetzt einen zu nennen ist schwierig.

YOUKICK: Kannst du dir vorstellen, deine Karriere beim PSV auslaufen zu lassen und was planst du für die Zukunft?
Vorstellen kann ich mir das natürlich, aber das hängt von vielen Faktoren ab. Solange meine Gesundheit das mitmacht, will ich auf jeden Fall noch möglichst hochklassig weiterspielen. Was genau danach passiert, kann ich jetzt noch nicht sagen, aber Interesse an einem Trainerdasein hätte ich definitiv.

YOUKICK: Wie lautet dein Tipp für das Spiel am Mittwoch?
Wir versuchen natürlich alles, das Derby für uns zu entscheiden, aber der VfR hat sich zu einer sehr guten Mannschaft entwickelt. Ein Tipp ist sehr schwer, ich glaube, dass es ein ausgeglichenes Spiel wird, und gehe daher auf ein 2:2.

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