Die U17 der Holstein Women trotz Tabellenende mit Riesen-Fortschritt in der Bundesliga

von Michael Felke

Das möchte Trainer Jannik Heitmann 2022 öfter sehen – seine Spielerinnen bei einem Torjubel. Archivfotos: © Ismail Yesilyurt


Für die erfolgsverwöhnten Mädchen der Holstein Women U17, die 2021 in der abgebrochenen Landesligasaison 10 Tore pro Spiel erzielten, war der Aufstieg in die Bundesliga ein großes Abenteuer. Klangvolle Namen wie Turbine Potsdam, Hamburger SV, VfL Wolfsburg oder Union Berlin, die zum Teil im Internat leben und fast schon unter Profibedingungen trainieren, waren die Gegner und machten den Kielerinnen in der Hinrunde erwartungsgemäß das Leben schwer. Lediglich ein Sieg und eine Punkteteilung konnte Holstein verbuchen. Die U17 ist das Schlusslicht der Liga. Doch von großer Enttäuschung keine Spur.

„Die anderen Vereine und Spielerinnen kannten die Liga schon. Für uns war das absolutes Neuland und ein sehr großer Schritt. Vor allem die Physis hat bei uns anfangs gefehlt, um dagegen halten zu können“, erklärt Holstein-Trainer Jannik Heitmann, dessen Team sich aber von Spiel zu Spiel steigerte. „Wir müssen uns davon lösen, auf die Punkte zu schauen. Die Fortschritte, die wir als Mannschaft und jede einzelne Spielerin für sich machen, sind doch entscheidend. Damit können wir sehr zufrieden sein.“

Die Kielerinnen, die drei Mal in der Woche trainieren, wurden vor allem in der Arbeit gegen den Ball immer besser, gewannen gegen den 1. FC Neubrandenburg (3:1) ihr erstes Spiel und hatten noch weitere verdiente Punktgewinne vor Augen. Gegen Wolfsburg (0:1) oder Union (1:2) fehlte das nötige Glück. Und gegen Potsdam (1:1) war der zweite Saisonsieg eigentlich schon eingetütet, als eine strittige Strafstoßentscheidung den Berlinerinnen noch ein schmeichelhaftes Remis bescherte. „Das war wohl unser bestes Spiel und das gegen eine Top-Ausbildungsmannschaft wie Potsdam. Die wussten meist gar nicht, was die gegen uns machen sollten. Schon stark. Am Ende aber bitter, dass es nicht zum Sieg reichte“, erinnert sich Heitmann, der gerne drei, vier Punkte mehr auf dem Konto gehabt hätte. Für die Rückserie soll dann aber der ein oder andere Erfolg dazu kommen; „Wir haben uns sehr verbessert und das wird sich auch auszahlen.“

Den wohl größten Leistungssprung vollzog wohl Mia Struve, die von der SG PTSK/Russee kam und sich aus der Kreisliga in die Bundesliga wagte. Die ehrgeizige Rechtsverteidigerin besticht durch ein aggressives Zweikampfverhalten und zeigt ein gutes Spielverständnis. Eine der besten Torhüterinnen der Liga ist nach Meinung von Heitmann seine Spielerin Emma Nentwich, die dem Team als ruhender Pol Sicherheit gibt. Praktisch überall zu finden ist dagegen die wieselflinke Sophia Schalke, die auf jeder Position eingesetzt werden kann und so etwas wie die Allzweckwaffe der Kielerinnen ist. Und als Kapitänin gibt Leonie Kuhrt, die bereits bei der Frauen-Regionalligamannschaft mittrainiert, den Takt vor.

Bereits am kommenden Sonnabend, 14 Uhr, beginnt für Holsteins Mädchen auf dem Sportplatz in Schilksee der zweite Teil des Abenteuers. Dann wartet die vielleicht größte Herausforderung: Der Hamburger SV gibt als Spitzenreiter seine Visitenkarte ab. Alles andere als ein Sieg des HSV wäre eine faustdicke Überraschung. Doch die tapferen Kielerinnen werden sich mutig ins Getümmel stürzen und alles geben, was drin ist. Und darum geht es doch schließlich, wenn sich ein Außenseiter in ein Abenteuer wagt: Das Bestmögliche versuchen.

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